132 1 Pathologie, Therapie und medicinische Klinik,
durch Wiederhervortreiben oder Erneuerung der Krätze geheilt
wurden. Dieser Einwurf erscheint aber durchaus irrig und ver-
werflich, wenn man nur etwas genauer nach dem Grunde jener
Erscheinungen forscht. Es ist nämlich bekannt, dass die Haut
ein Hauptaussonderungsorgan des Körpers ist. Sanctorius,
der deshalb 30 Jahre durch Wiegen Untersuchungen anstellte
sagt: st cibus et potus unius diei sit ponderis octo librarum,
transpiratio insensibilis ascendere solet ad quinque libras cir-
citer. Nach Dalton gehen von 91 Unzen 37} durch unmerk-
liche Ausdünstung der Haut und Jungen verloren ‚und nach
Lavoisier und Seguin beträgt der mittlere tägliche Ver-
Just durch blosse Hautausdünstung 30 Unzen, Durch Unter-
drückung der Hautthätigkeit muss hiernach also nothwendig ein
sehr krankhafter Zustand des Körpers entstehen, der, je nach-
dem Lungen, Magen, Därme etc, die Functionen der Haut
übernehmen, entweder durch Husten, Schwindsucht, Erbrechen,
Diarrhöe etc. sich offenbaren wird. Nun enthalten aber meist
die äussern Mittel gegen die Krätze die Hautthätigkeit entwe-
der unterdrückende oder aufregende Substanzen. Im ersten
Falle sind sie unmittelbar, im letztern mittelbar und zwar nur
in so fern schädlich, als bei gereizter Hautthätigkeit Erkäl-
tungen sehr gewöhnlich. und besonders dann fast unvermeidlich
sind, wenn Pat, sich während der Cur jedem Witterungswech-
sel aussetzt. In beiden Fällen werden aber dann innere Theile,
und zwar im Verhältniss der gestörten Hautthätigkeit, mehr
oder weniger die Functionen der Haut übernehmen und dadurch,
nicht aber durch zu schnelle Vertreibung der Krätze, gefähr-
liche iunere Uebel hervorgebracht werden. Die‘ Heilung der
Krötze durch jene äussern Mittel hat hiernach auf solche innere
Uebel gar keinen Einfluss und daraus, dass durch Wiederher-
vortreibung oder Erneuerung der Krätze das innere Uebel oft
geheilt wurde, folgt in keiner Weise das Gegentheil. Denn
durch die äussern Mittel werden die Krätzmilben entweder ge-
tödtet, oder auch, wohl mittelst Aufhebung der Hautthätigkeit,
nur betäubt. Im letztern Falle entsteht die Krätze dadurch von
selbst wieder, dass man die Milben aus ihrer Betäubung auf-
weckt, Wie bekannt erfolgt diese Lösung der Betäubung, d. h.
Wiederhervortreibung der Krätze, oft durch Wiederbelebung
der Hautthätigkeit und gerade letztere, gesteigert durch Wie-
dererwachen der Krätzmilben, wird dann gewöhnlich auch
Verschwinden der innern Krankheit, mittelst Herstellung der
natürlichen Thätigkeit des Hautorgans , zur Folge haben, Die
Krätze selbst ist daran also ganz unschuldig. Denn oft, wenn
die Krätzmilben wirklich getödtet waren, sind die Kranken
sogar durch blosse Wiederherstellung der Hautthätigkeit, ohne
erneute Krätze, von der innern Krankheit geheilt worden. Bis-
weilen verschwand diese jedoch erst dann, wean die Krätze