35 —-
sprechen werden. Die Netzhautempfindlichkeit wechselt beim Bussardauge
nur in geringem Umfänge, so lange eine normale Reactionsfähigkeit er
halten ist. Mau kann die Netzhaut durch länger fortgesetzte Belichtung
zu ermüden suchen, ohne bei den unmittelbar folgenden Messungen eine
nennenswerthe Beeinträchtigung der Stromwerthe constatiren zu können.
Erst im Laufe eines lange fortgesetzten Versuches werden die Actionsströme
allmählich kleiner und kleiner; das ist aber offensichtlich eine Folge der
langen Versuchszeit selbst und nicht der Ermüdung durch Licht, und die
dann zum Vorschein kommende Abstumpfung der Empfindlichkeit ist, wie
es scheint, einer Reparation kaum fähig. Jedenfalls habe ich eine solche
kaum beobachtet, auch dann nicht, wenn durch längeres Aussetzen der
Lichtreizungen die Gelegenheit zur Erholung geboten wurde.
Im Vergleich zu den elektromotorischen Kräften, welche die Retina
der Nachtvögel bei gleich intensiven Lichtreizungen entwickeln, sind die im
Auge des Bussards sowie auch in denen anderer Tagvögel, Huhn und Taube,
auftretenden Ströme von auffallend geringem Werthe. Die hierdurch ge
kennzeichnete Minderempfindlichkeit und die minimal ausgebildete Fähig
keit der Dunkeladaptation, welche in der geringen Verstärkung der elektro
motorischen Belichtungsreaction nach längerem Dunkelaufenthalt zum Aus
druck kommt, sind typische Merkmale, durch welche die fast nur Zapfen
enthaltenden Retinae der Tagyögel sich von den Stäbchenaugen der Nacht
vögel unterscheiden.
Ganz ähnlich, wie beim Bussard, gestaltet sich der Ablauf der Netz
hautströme bei der Taube. Bei Belichtung tritt eine negative Schwankung
des Dunkelstromes mit positivem Vorschlag auf, und bei Wieder Verdunkelung
der Retina erfolgt eine abermalige negative Stromschwankung und dann
Rückkehr der elektromotorischen Kraft zu dem Werth, welchen sie vor der
Lichtreizung hatte. Die negative Schwankung auf Verdunkelung bleibt
nach länger fortgesetzten Reizversuchen an ein und demselben Präparat in
der Regel aus und die ganze photoelektrische Reactiou besteht in negativer
Schwankung mit positivem Vorschlag auf Lichtreiz, Rückkehr zum vor
herigen Stromwerth auf Verdunkelung.
Etwas abweichend hiervon liegen die Verhältnisse beim Huhn. Hier
tritt bei Belichtung zuerst eine schnell ablaufende positive Schwankung des
Ruhestromes auf; hat diese ihren Maximalwerth erreicht, so bleibt die
Galvanometernadel bei den einzelnen Präparaten verschieden lange ruhig
stehen; nach 3 bis 10 Secundeu aber beginnt die elektromotorische Kraft
in der Regel langsam zu sinken (Eig. 8) und fällt während der Dauer einer
länger fortgesetzten Belichtung (30 Secunden) unter den Werth des Dunkel
stromes, verwandelt sich also' in eine negative Schwankung (Eig. 9). Bei
Verdunkelung tritt zunächst eine schnell ablaufende negative Schwankung
3*