Full text: Untersuchungen über das elektromotorische Verhalten der Netzhaut bei Warmblütern

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sprechen werden. Die Netzhautempfindlichkeit wechselt beim Bussardauge 
nur in geringem Umfänge, so lange eine normale Reactionsfähigkeit er 
halten ist. Mau kann die Netzhaut durch länger fortgesetzte Belichtung 
zu ermüden suchen, ohne bei den unmittelbar folgenden Messungen eine 
nennenswerthe Beeinträchtigung der Stromwerthe constatiren zu können. 
Erst im Laufe eines lange fortgesetzten Versuches werden die Actionsströme 
allmählich kleiner und kleiner; das ist aber offensichtlich eine Folge der 
langen Versuchszeit selbst und nicht der Ermüdung durch Licht, und die 
dann zum Vorschein kommende Abstumpfung der Empfindlichkeit ist, wie 
es scheint, einer Reparation kaum fähig. Jedenfalls habe ich eine solche 
kaum beobachtet, auch dann nicht, wenn durch längeres Aussetzen der 
Lichtreizungen die Gelegenheit zur Erholung geboten wurde. 
Im Vergleich zu den elektromotorischen Kräften, welche die Retina 
der Nachtvögel bei gleich intensiven Lichtreizungen entwickeln, sind die im 
Auge des Bussards sowie auch in denen anderer Tagvögel, Huhn und Taube, 
auftretenden Ströme von auffallend geringem Werthe. Die hierdurch ge 
kennzeichnete Minderempfindlichkeit und die minimal ausgebildete Fähig 
keit der Dunkeladaptation, welche in der geringen Verstärkung der elektro 
motorischen Belichtungsreaction nach längerem Dunkelaufenthalt zum Aus 
druck kommt, sind typische Merkmale, durch welche die fast nur Zapfen 
enthaltenden Retinae der Tagyögel sich von den Stäbchenaugen der Nacht 
vögel unterscheiden. 
Ganz ähnlich, wie beim Bussard, gestaltet sich der Ablauf der Netz 
hautströme bei der Taube. Bei Belichtung tritt eine negative Schwankung 
des Dunkelstromes mit positivem Vorschlag auf, und bei Wieder Verdunkelung 
der Retina erfolgt eine abermalige negative Stromschwankung und dann 
Rückkehr der elektromotorischen Kraft zu dem Werth, welchen sie vor der 
Lichtreizung hatte. Die negative Schwankung auf Verdunkelung bleibt 
nach länger fortgesetzten Reizversuchen an ein und demselben Präparat in 
der Regel aus und die ganze photoelektrische Reactiou besteht in negativer 
Schwankung mit positivem Vorschlag auf Lichtreiz, Rückkehr zum vor 
herigen Stromwerth auf Verdunkelung. 
Etwas abweichend hiervon liegen die Verhältnisse beim Huhn. Hier 
tritt bei Belichtung zuerst eine schnell ablaufende positive Schwankung des 
Ruhestromes auf; hat diese ihren Maximalwerth erreicht, so bleibt die 
Galvanometernadel bei den einzelnen Präparaten verschieden lange ruhig 
stehen; nach 3 bis 10 Secundeu aber beginnt die elektromotorische Kraft 
in der Regel langsam zu sinken (Eig. 8) und fällt während der Dauer einer 
länger fortgesetzten Belichtung (30 Secunden) unter den Werth des Dunkel 
stromes, verwandelt sich also' in eine negative Schwankung (Eig. 9). Bei 
Verdunkelung tritt zunächst eine schnell ablaufende negative Schwankung 
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