Full text : Untersuchungen über das elektromotorische Verhalten der Netzhaut bei Warmblütern

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2.  Die  Verteilung  der  Reizwerthe  im  Dispersionsspectrum
des  Nernstlichtes.
Von  specifischer  Bedeutung  für  die  Grösse  der  Actionsströme  ist  die
Farbe  bezw.  die  Wellenlänge  des  Reizlichtes.  Die  überhaupt  wirksamen
Strahlen  nehmen  ungefähr  den  gleichen  Bereich  des  gesammten  Spectrums
ein,  welchen  die  unsere  Netzhaut  erregenden  und  Lichtempfindungen  auslösenden ­
  Strahlenarten  innehaben.  Es  fragt  sich  aber,  welche  Strahlen
maximal  erregend  wirken  und  in  welchen  quantitativen  Verhältnissen  die
übrigen  Lichter  an  relativem  Reizwerth  zurücktreten.  Für  das  menschliche
Auge  liegen  bekanntlich  nach  Untersuchungen,  bei  denen  die  Intensität
der  ausgelösten  Helligkeitsempfindung  als  Indicator  für  die  Wirkungsgrösse
des  Reizes  diente,  die  Verhältnisse  so,  dass  bei  verschiedenen  Eigenzuständen
der  Netzhaut  die  Reizwerthrelationen  der  homogenen  Lichter  sehr  verschieden
sind;  hier  weist  nämlich  die  helladaptirte  Netzhaut,  mit  intensiven  Reizen
geprüft,  maximale  Erregbarkeit  gegenüber  langwelligem  Licht,  geringere
gegenüber  Strahlen  mittlerer  und  kurzer  Wellenlänge  auf.  Dagegen  zeigt
sich,  dass  die  dunkeladaptirte  Netzhaut  bei  Untersuchung  mit  schwachen
Reizen  durch  langwelliges  Licht  fast  überhaupt  nicht  erregbar  ist,  dass  dagegen ­
  Lichter  mittlerer  Wellenlänge  maximale  Helligkeitsempfindungen  auslösen,
  dass  die  Netzhaut  also  jetzt  durch  diese  Strahlen  maximal  erregbar
ist.  Die  Beobachtung,  dass  die  Netzhaut  einerseits  bei  Hell-,  andererseits
bei  Dunkeladaptation  auf  die  homogenen  Lichter  eines  Spectrums  verschieden
selectiv  reagirt,  hat  zu  der  auch  durch  mannigfache  andere  Beweise  gestützten ­
  Theorie  geführt,  dass  unsere  Netzhaut  mit  zweierlei  Apparaten  von
abweichenden  Erregbarkeitsverhältnissen  ausgerüstet  ist,  deren  einer  als
Tagesapparat  bezeichnet  wird  und  dem  als  anatomisches  Substrat  die  Netzhautzapfen ­
  zuerkannt  werden,  während  der  zweite,  der  Dämmerungsapparat,
in  die  sehpurpurenthaltenden  Stäbchen  localisirt  wird.
Dass  also  verschiedene  Möglichkeiten  der  selectiven  Strahlenabsorption
und  der  Reaction  der  Netzhaut  in  der  Natur  verwirklicht  sind,  geht  bereits
aus  diesen,  nach  subjectiven  Beobachtungen  gewonnenen  Feststellungen  der
menschlichen  Netzhautphysiologie  ziemlich  klar  hervor;  die  Frage  liegt  nun
nahe,  ob  nicht  die  Feststellung  der  quantitativen  Verhältnisse  der  Actionsströme, ­
  welche  bei  Reizung  mit  den  homogenen  Lichtern  eines  Spectrums
am  Thierauge  zu  messen  sind,  eine  brauchbare  Handhabe  bietet,  um  über
die  Erregbarkeitsverhältnisse  der  untersuchten  Netzhaut  etwas  Objectives  zu
ermitteln  und  womöglich  vergleichend-physiologische  Kriterien  für  die  Zuverlässigkeit ­
  jener  aus  der  subjectiven  Beobachtung  der  eigenen  bewussten
Empfindungen  abstrahirten  Anschauung  über  die  Functionsweise  der  verschiedenen ­
  Netzhautelemente  beizubringen.  Diesen  Weg  der  Untersuchung
            
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