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3. Kapitel. Der Kampf für und wider das Currencyprincip.
Die Edelmetalle gehören nun nach Mill zu jener Klasse von Gütern,
die zwar in unbeschränkter Quantität vorhanden sind, aber nur mit
steigenden Kosten gewonnen werden können. 1 ) Demgemäß entscheidet
über den natürlichen Wert die Höhe derjenigen Produktionskosten, unter
welchen die zur Deckung des Bedarfs gerade noch nötige und am un
günstigsten arbeitende Mine Gold und Silber zu liefern vermag. 1 2 ) In
Anbetracht der vorhandenen Menge übt der jährliche verhältnismäßig
sehr geringe Zuschuß erst ganz allmählich und spät seine Wirkung aus. 3 )
So sicher das aber eintreten wird und so sicher sein Wert von den
Heranschaffungskosten bedingt ist, so sicher wird sich auf die Dauer
der natürliche Wert durchsetzen. 4 ) Ihm fällt, sofern als er den Wert
des Angebots regelt, die Kolle eines Kontrollorgans des Geldwertes zu. 5 )
Schon oben wurde angedeutet, daß durch die Kreditausgestaltung
und Ausnützung ein neues Moment in die Relation Geld — Ware ge
tragen wird. 6 ) Wie wirkt es? Hat die Currencytheorie recht? Für die
gewöhnliche ruhige Entwickelung der Volkswirtschaft ist sie nicht richtig,
da hier der Bedarf die Notenmenge reguliert. 7 ) 8 ) Auch darin hat sie sich
ein falsches Bild von der volkswirtschaftlichen Wirksamkeit des Kredits
gemacht, daß sie die Banknoten von den anderen Kreditinstrumenten
trennt. 9 ) Bei zwei Anlässen besteht die Currencytheorie zu recht: ein
mal dann, wenn die Noten alles Gold aus der Zirkulation gedrängt
haben und das alleinige Umlaufsmittel bilden 10 ); sodann, wenn sich die
Volkswirtschaft in einem erwartenden oder einem Spekulationszustand
befindet. 11 ) Solange die spekulative Stimmung sich allein auf die Kauf
leute beschränkt, wird sie keinen Einfluß auf das allgemeine Preisniveau
erlangen; denn unter ihnen werden die Abschlüsse im größten Um
fange mit Buch-Kredit besorgt. 12 ) Sobald jene Stimmung jedoch die
Produktion erreicht, wird die Lage eine andere. Banknoten werden
emittiert, wandern jetzt weiter an die Arbeiter und gelangen dadurch in
die Zirkulation. Die umlaufende Menge vermehrt sich über ihren alten
Stand, der Einfluß auf die Preise wird nicht ausbleiben. 13 ) Und zwar
wird die Banknote besonders wirksam sein, da sie viele Umsätze be
werkstelligen kann, gegenüber dem Wechsel, dessen Umlauf beschränkt,
1) 364. 2) 364. 3) 365. 4) 365 ff.
5) 364,365/6; Hierauf können wir zuvörderst erwidern, daß die Frageaufstellung
kein besonderes Gesetz voraussetzt. Es ist einfach das Gesetz der Nachfrage und
des Angebots, dessen Anwendbarkeit auf alle Waren anerkannt wird, und welches
beim Gelde, wie bei den meisten andern Waren, durch das Gesetz der Produktions
kosten kontrolliert, aber nicht auf die Seite geschoben wird, weil die Produktions
kosten keine Einwirkung auf die Preise haben würden, falls sie keine auf das An
gebot haben könnten, p. 366, vgl. 380.
6) p. 373. 7) 395. 8) p. 360. 9) 502, 380, 394/5.
10} 472/3. 11) A. Wagner, Kreditakte p. 149/50. Mill p. 485.
12) 388. 13) 487, 388.