Full text: Newspaper volume (1936, Bd. 4)

ist jedenfalls da! Du hast uns übrigens noch 
gar nichts weiter von eurem neuen Doktor 
erzählt, Lore. Man muß über den Herren 
flor der nächsten Umgebung doch wenigstens 
einigermaßen im Bilde sein." 
Und sie schlug mit einer Gerte übermütig 
in ein buntes Wirrfal von Federnelken und 
Ringelblumen, daß die Schmetterlinge daraus 
wie ein lustiger Blütenregen emporwirbel 
ten. 
Mit einem verträumten Blick sah Lore zu 
dem lichten Himmel hinauf. 
„Herr Dr. Hausse ist ein sehr vornehmer 
Mensch", sagte sie dann. „Ein Mensch vor 
allem, zu dem man absolutes Vertrauen haben 
kann. Er erinnert mich oft überraschend an 
Onkel Leo. In seiner ganzen Art, sich zu ge 
ben. Ja, manchmal sogar in der Haltung und 
im Schnitt des Gesichtes. Wir haben gestern im 
Park gesessen und lange zusammen gesprochen. 
Aber unsere Wege führen ja bald wieder aus 
einander. Schiffe, die nachts sich begegnen." 
„Lore!" Eva hatte die Freundin zärtlich um 
die schmale Hüfte gefaßt und streichelte ihren 
sonnenwarmen Arm. 
(Fortsetzung folgt.) 
wo die Ware vom Erzeuger über bestimmte Schlei 
suugs- bzw. Erfassungsstellen, bei denen Anliefe 
rung wie auch Weiterleitüng nach Umfang, Zeit und 
Richtung zuverlässig bestimmt werden können, 0^ 
leitet wird. Ein Schema ist hier selbstverständlich 
abzulehnen,' maßgebend sind die nach Landes- 
bauernschasten, ja, Kreis- und selbst Ortsbauern 
schaften oft ganz unterschiedlichen Verhältnisse. „Wir 
denken auch nicht daran, dieser Erfassung von vorn 
herein eine bestimmte Unternehmungsform zu ge 
ben, sie etwa nur genossenschaftlich auszuziehen! 
(Man kann diesen Andeutungen wohl entnehmen, 
daß diesen mit der Schleusung der Erzeugnisse in 
irgendeiner Form beauftragten Stellen ähnlich wie 
in der Vieh- und Milchwirtschaft ein bestimmtes 
Einzugsgebiet, d. h. also eine bestimmte Existenz 
zugewiesen wird.) 
Der heutige Zustand der GetreidemarktorbnunS 
ist nicht glücklich. Das Getreide muß, ob nun von 
Genossenschaften, Kaufleuten oder Mühlen, so er 
faßt werden, daß wir es wirklich in die Hand be 
kommen. Eines der schwierigsten Gebiete ist in die 
ser Beziehung die Fischwirtschaft. Und doch gilt es, 
hier unter allen Umständen die Erzeugung vo» 
Speiseware und auch an Rohware für die Fisch 
mehlherstellung zu steigern. 
In der Sondertagung der Fachschast Viehvertei 
ler erklärte der Vorsitzende: Eine sehr sorgfältige 
und eingehende Sach- und Fachschaftsberatung der 
Viehverteiler ist nötig. Deshalb werde man auf eine 
entsprechende Ausbildung den größten Wert legen 
müssen, ebenso wie man darauf zu achten habe, daß 
der Viehverteiler ein ordentlicher Kaufmann sei, der 
seine Bücher richtig führe und seine Steuerverpflich 
tungen gegenüber dem Staat voll und ganz erfülle. 
Auch das Zulassungsverfahren müsse streng gchand- 
habt werden, denn es gehe nicht an, daß man aus 
irgendeinem anderen Beruf einfach in die Fachschaft 
hinüberwechsle, um sie wieder zu verlassen, wenn 
man keine Geschäfte machen könne. Besondere Auf 
merksamkeit müsse man dem Nachwuchs widmen, 
kenn die Fachschaft dürfe nicht überaltern,' P 
brauche junge Menschen, die an die Stelle der Aus 
geschiedenen treten. Grundlage der gesamten Vieh 
bewirtschaftung sei die gerechte Verteilung. Deshalb 
habe man sür alle Märkte Grundzahlen für den 
Austrieb von Schweinen, Kälbern und Großvieh 
festgesetzt, die von Vierteljahr zu Vierteljahr nach 
Maßgabe des Bedarfs überprüft würden. Die An 
meldepflicht werde allmählich lückenlos ausgebaut, 
um Schwankungen besser ausgleichen zu können. 
Die Viehverteiler hätten sich nach den Grundzahlen 
zu richten. 
Bis Marz 1937 r 
10 General-Anordnungen des Rahrstandes 
Dr. Körte in Frankfurt: „Der Bauer muß schon znr Saatzeit misten, was er für die Ernte erhält." 
Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau hatte die 
aähr'tündijche Verteilerschaft ihres Bereichs nach 
Frankfurt zusammengerufen. Die Haupttagung 
wurde vom Landeshauptabteilungsleiter III, Moses, 
tingeleitet. Bei der Handelsspanne müsse man sich 
stets vor Augen halten, daß der Beseitigung des 
Absatz- und Preisrisikos das Wegfallen der Risiiko- 
erämie entsprechen müsse. Aber ein geregeltes Ent 
gelt sür seine realen Leistungen müsse und werde 
dem Verteiler bleiben. Die Wirtschaft außerhalb des 
Nährstandes sei den neuen Wirtschaftsprinzipien 
teilweise noch nicht gefolgt: man baue auf den Be- 
vollmächtlgten für den Vierjahresplan, daß er auch 
hier Ordnung schaffe. ReichShauptabteilungslei- 
ter III, Dr. Körte, erklärte: Die Frage der Ueber- 
setzung im Berteilungsapparat iverde noch 1987 ge 
löst werden. Genossenschaften wie selbständige Land- 
Händler sollten denselben Start haben und sich mit 
ihren Leistungen bewähren können. Das Problem, 
rote die aus den übersetzten Bertcilungsapparaten 
Auszuschaltenden untergebracht werden könnten, 
sei nun im Zeichen des BierjahreSplanes und des 
Mangels an Arbeitskräften ganz anders zu betrach 
ten als zu Beginn der nährständischen Arbeit. Man 
strebe indessen nicht eine Abkapselung der bestehen 
den Betriebe an, sondern eine scharfe Auslese unter 
diesen müsse einem gesunden Nachwuchs den Weg 
offen halten. Wenn einmal der Apparat bereinigt 
sei, so werde sich die. Frage der Verteilerspanne von 
selbst regeln. Preispolitisch bleibe es bei den Fest 
preisen ohne Rücksicht auf den Ernteausfall. Ein 
Gegensatz bestehe zwischen den das ganze Jahr über 
gleich bestehenden Einkommen und der Verschieden 
heit der Erzeugungskosten zu verschiedenen Jahres 
zeiten. Wichtig sei auch das richtige Verhältnis der 
Preise der einzelnen landw. Erzeugnifle zueinander, 
um unerwünschte Verschiebungen in der Erzeugung 
zu verhindern. Hier stehe der Getreidepreis noch 
nicht im richtigen Verhältnis zu den Preisen an 
derer Erzeugnisse. Damit sollte ivohl vor allem auf 
das ungenügende Gefälle zwischen Roggen- und 
Schweinepreisen .und den dadurch entstandenen 
Drang znr Roggenversütterung angespielt werden. 
Bis März 1887 solle in zehn grundlegenden Anord 
nungen die Regelung der gesamten Ernährungs- 
wirtschast durchgeführt werden. Die neue Milch- 
marktorduung sei bereits fertig, werde aber nichts 
grundsätzlich Neues mehr bringen. Unbefriedigend 
sei vor allem die Eiermarktregelang,- hier werde 
man zu einer absolut vollständigen Erfassung ver 
bunden mit Saisonpreisen übergehen, die früheren 
Erfahrungen auf diesem Gebiet sollten sich nicht wie 
derholen. Anders als im Vorjahre sei in der Vieh- 
mirtschaft mit dem Vorhandensein von verhältnis 
mäßig wenig Futtermitteln bei einem hohen Vieh-, 
insbesondere Schweinebestand zu rechnen: ein Ab 
gehen vom Festpreissystem komme nicht in Betracht. 
Bei den Getreide- und Futtermittel-Verteilern 
wurde erneut die Notwendigkeit der Erfassung des 
letzten Zentners vermahlbaren Brotgetreides be 
sonders in den Vordergrund gestellt. Die Mühlen 
müßten sich selbst nach Möglichkeit das nötige Mahl 
gut verschaffen, und nur wo dies zum Ziele führe, 
könne der Nährstand einspringen. Die Wunschliste 
der Fachschast enthielt insbesondere eine Erhöhung 
der Handelsspanne sür Brotgetreide, die von den 
Mühlen sowieso schon zugestanden werde, die Bitte 
um Befragung der Fachschaften vor Erlaß der An 
ordnungen, ein Anschluß der Getreidegrotzmärkte 
an den Nährstand (statt wie bisher noch an die 
Handelskammer) und eine Senkung der Jahresbei 
träge bei den Großmärkten, um so deren Besuch zu 
beleben und schließlich die Forderung nach einem 
Verbot des Handels von Futtermitteln und Sä 
mereien in Kolonialwarenhandlungen und Dro 
gerien. Auch wurde die Mengenrabattgestaltung der 
Mehlmarktordnungen als änderungsbedürftig be 
zeichnet. 
Irr der Fachschaststagnng der Viehverteiler wurde 
betont, daß die Zulassung zur Fachschaft in Zukunft 
erschwert werden müsse: die Prüfung der Bedürf 
nisfrage allein genüge nicht mehr: notwendige Zu 
lassungsvoraussetzungen seien außerdem politische 
Zuverlässigkeit, berufliche Ausbildung, Sach- und 
Fachkenntnisse und Besitz eines gewissen Kapitals. 
Bei den Eierverteilern wurden Sicherung des An 
teils der Einzelverteiler an der Warenbelieferung 
und Ausgleich in der Preis- und Handelsspannen 
frage als die Hauptgebiete der Tätigkeit bezeichnet. 
Allmählich könne der Eintritt einer Stabilisierung 
festgestellt werden. In der Fachschaft Znckervertci- 
ler wurde über Grundsätze der beabsichtigten Neu 
regelung der Zuckervertcilung gesprochen. Durch 
die Einführung von Festpreisen für den Verkauf 
von Zucker an den Kleinhändler und für die Wei- 
terverteilung an den Verbraucher sei heute die 
Möglichkeit zu einer umfassenden Ordnung des 
Marktes gegeben. 
Einer anderen Fassung über die Rede Kortes 
entnehmen wir: Wir können heute wieder da an 
knüpfen, wo wir von VA Jahren, weil die Zeit noch 
nicht reif war, aufhören mußten. Jetzt werden wir 
die Marktordnung nicht schematisch, aber doch dem 
Grundgedanken ihrer Einheitlichkeit entsprechend 
auf allen Gebieten so gestalten, wie uns dies schon 
vor zwei Jahren vorgeschwebt hat. Der Bauer muß 
schon znr Saatzeit wissen, was er für die Ernte er 
halten kann. Die Bereinigung der Verteilerschaft 
wird im Zuge der aus der Versorgungslage heraus 
notwendigen strafferen Erfassung der anfallenden 
Erzeugnisse durchgeführt. Dr. Körte vermies dabei 
auf das Beispiel in der Milch- und Viehwirtschaft, 
180-/0 Holzeinschlag auch im Privatwald über 50 ha 
Reichsforstmeister Göring hat angeordnet, daß in 
allen Waldungen, also im Staats-, Kommunal- 
sowie Privativald vom 1. 10. 1936 bis 30. 9. 1937 150 
vH des betriebsplanmäßigen Satzes eingeschlagen 
werden. In Wäldern ohne einen auf einem Be 
triebswerk beruhenden Abnutzungssatz sind 15g vH 
des jährlichen Durchschnitts der letzten zehn Jahre 
zu nutzen. Waldbesitz unter 50 Hektar wird von den 
Bestimmungen nicht betrossen. Ausnahmen können 
die Landessorstverwaltungen oder von ihnen be 
stimmte höhere Forstbehörden zulassen. Sie bedie 
nen sich für die Privatwaldungen der Hilfe der 
forstlichen Dienststellen des Reichsnährstandes. 
Billigere Weichdachversicherung 
Das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung 
hat den Feuerversicherungsges. die Genehmigung 
erteilt, die Neuwertversicherung für ldw. Gebäude 
auch auf Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit weicher 
Dachung auszudehnen, die bisher durch diese Ver 
sicherungsart nicht erfaßt werden konnten. 
Einheitsbuchsührung in der Kleinschissahrt 
In einer ersten Sitzung des Beirates der Fach 
gruppe Kleinschiffer war der Beirat der Ansicht, 
daß für die Kleinschiffahrt die Möglichkeit einer 
planmäßigen Abwrackung aus eigenen Mitteln 
nicht gegeben sei. Die Förderung des Binnen 
wasserstraßenverkehrs mit Ostpreußen will sich die 
Fachgruppe im kommenden Jahr in noch verstärk 
tem Maße angelegen sein lassen. Der Beirat 
stimmte der Einführung einer Einheitsbuchsührung 
in der gesamten deutschen Kleinschiffahrt zu. 
@ftjî$ffcïïô / Roman von Hans Schulze 
10) (Nachdruck verboten.) 
Der Förster bewegte verneinend den Kopf. 
„Sie sind der einzige, Herr Graf, mit dem ich 
bisher über die ganze Sache gesprochen habe. 
Ich will auch ganz offen sein: gerade die Baro 
nin von Rhaden wäre die letzte, die ich ins Ver 
trauen ziehen würde. Ich habe die späte Hei 
rat des Barons bei dem großen Altersunter 
schied der Ehegatten von jeher als ein Unglück 
betrachtet und glaube mich leider auch darin 
nicht getäuscht zu haben. Denn ich sah in die 
sen Dingen tiefer als irgendein anderer, weil 
der Verstorbene aus unseren Pirschgüngen 
manchmal auch mit seinen häuslichen Sorgen 
nicht vor mir zurückhielt. Jetzt ist die Baro-- 
nin, was sie ja wohl immer angestrebt hatte, 
unumschränkte Herrin auf Neudietersdorf und 
Besitzerin eines Millionenvermögens gewor 
den. Und, soweit ich beobachtet habe, mit dieser 
Wendung ihres Schicksals auch ganz zufrieden. 
Sie dürfte also meinen Ermittlungen, die ge 
gebenenfalls geeignet sind, den soeben erst bei 
gelegten Fall von neuem aufzurollen, nur ein 
sehr geringes Interesse entgegenbringen. Ich 
aber fühle mich durch ein halbes Jahrhundert 
mit der Familie Rhaden verbunden und be 
trachte es darum als Ehrensache gegen den 
Verstorbenen, der mich nie wie einen Unter 
gebenen behandelt hat, das Geheimnis seines 
jähen Todes, soviel es in meinen Kräften steht, 
aufzuklären. Und darum habe ich mich gerade 
an Sie, als seinen mir einzig bekannten Ver 
wandten, um Hilfe gewandt!" 
Klaus erhob sich. 
„Ich danke Ihnen für Ihre treue Anhäng 
lichkeit an das Haus Rhaden, Herr Hegemei 
ster! Sie sollen sich in mir nicht getäuscht und 
einen treuen Verbundenen in mir gefunden 
haben. Doch ich glaube, ich habe Ihre Gast 
freundschaft schon über Gebühr in Anspruch 
genommen und möchte jetzt an den Aufbruch 
denken!" 
* 
Auf der Uferböschung an dem kleinen Sie- 
benlindener Badehäuschen hielt blank und fett 
der Neudietersdorfer Fnchspony halb abge 
schirrt vor seinem Korbwägelchen und kämvfte 
mit Schweif und Mähne einen verzweifelten 
Kampf gegen die dicken Brummfliegen, die ihn 
in schwarzen, blutgierigen Scharen heute zu 
dringlicher denn sonst umschwärmten. 
Lore war schon in aller Frühe mit einer Be 
stellung der Baronin nach Siebenlinden her 
übergekommen und von den Knauffschen 
Mädchen trotz ihres anfänglichen Widerstre 
bens gleich nach dem Kaffee zum Baden mit 
genommen worden. 
Jetzt öffnete sich die leinenbeschlagene Tür 
des Badehäuschens und der hübsche Kopf der 
kleinen Eva tauchte zwischen den schwarz 
wolligen Kolbenhäuptern des hohen Röhrichts 
auf,' dann trat sie ganz heraus und befesiigte 
ihre Badekappe verwegen auf dem wider 
spenstigen Blondhaar. 
Gleich darauf kamen auch Else und Lore 
aus der Badebude, und die drei jungen Mäd 
chen spazierten in ihren bunten Bademänteln 
gemächlich in dem weichen Ufersande umher, 
der sich feucht und warm an ihre Füße 
schmiegte. 
Ueber dem See leuchtete die Sonne in der 
wundervollen Klarheit des morgenstillen 
Junitages. 
In der unermeßlichen Himmelsfernc 
schwamm einsam ein weißes Lümmerwölkchen 
und trieb still dahin wie ein lichter Sommer 
gedanke. 
Eva hatte sich unter einer uralten Kiefer 
in den Sand geworfen und horchte auf den 
Ruf eines Kuckucks, der fern aus schweigen 
den Waldgründen herüberschallte. 
„Ich muß noch vierzig Jahre warten!" sagte 
sie enttäuscht, den schlanken, braunen Körper 
dehnend. „Wollen mir übrigens schon ins 
Wasser oder fahren wir vorher noch ein Stück 
auf den See hinaus?" 
Dann stand sie, ohne eine Antwort abzu 
warten, bereits wieder aus den Füßen und 
kletterte in ein kleines Kielboot, das neben 
dem Badehäuschen leise in dem schwärzlichen 
Brackwasser schaukelte. 
„Wenn ihr nicht mitkommt, fahre ich allein. 
Hier wird man heute ja von den Mücken 
halb aufgefressen." 
Zögernd stiegen Lore und Else nach und 
nahmen auf den schmalen Bänken Platz. 
Eva steuerte das schlanke Boot geschickt durch 
den Schilfgürtel des Ufers, über dem zahl 
lose Libellen ihr glashelles, zitterndes Liebes 
spiel trieben. 
Die Morgensonne rann weich um ihre kräf 
tigen, runden Arme, die die Ruderstangen 
leicht und sicher regierten. 
Auch Lore hatte ihren Bademantel abgelegt 
und schaute nachdenklich in die kleine Kiel 
welle zurück, die leise murmelnd hinter dem 
Boot herlief und ihre Gedanken wie in einem 
silbernen Netze fing. 
„Herr Ralfs ist heute nach Neudietersdorf 
gefahren", unterbrach Eva jetzt das beschau 
liche Schweigen. „Vielleicht verliebt er sich 
auch in die schöne Sibylle wie mein Flieger 
freund, der neuerdings ja ganz iy ihren Ban 
den schmachten soll." 
Und sie sandte einen sehnsüchtigen Blick nach 
der Neudietersdorfer Orangerie hinüber, die 
sich wie ein weißer Tupftn auf dem samtenen 
Grün des Parkes abzeichnete. 
„Deine Erziehung bedarf noch einer ganz 
erheblichen Ergänzung", bemerkte die ältere 
Schwester und schlug die Beine bedächtig über 
einander. 
Doch die Kleine ließ sich nicht beirren. 
„Tu nur nicht so überlegen, Else", sagte sie 
ausfallend. „Ich weiß ganz genau, warum 
du heute so verstimmt bist. Nur weil ein ge 
wisser jemand nicht von der Partie ist." 
„Gegen dein Mundwerk ist ja leider nicht 
aufzukommen", war die ergebene Entgegnung. 
„Waren wir als Kinder eigentlich auch schon 
so früh verdorben, Lore?" — 
Sie hatten unterdes die Höhe des Sees er 
reicht und näherten sich der „Abtei", einem 
schilfumstandenen Jnselchen, das wie eine 
grüne Urwaldwilönis auf den blauen Fluten 
zu schwimmen schien. 
Ein Schimmer von Romantik umwob das 
kleine Eiland, auf dem ein Vorgänger der 
Familie von Rhaden einst eine künstliche 
Ruine im sentimentalen Stil der Werther 
zeit errichtet hatte. 
Der halbverfallene Rundbogen einer Ka 
pelle lugte unter einer mächtigen alten Aka 
zie hervor, von wildem Wein und Kletter 
rosen umrankt, in die die ganze heimliche 
Versonnenheit des stillen Sommermorgens 
eingesponnen schien. 
Auf einer weißleuchtenden Sandbank ließen 
sie das Boot auflaufen und kämpften sich auf 
einem verwachsenen Schlängelpfad ins In 
nere. 
Wilder Hopfen züngelte bis hoch in das 
Astwerk der schlanken Erlen hinauf und 
spannte seine Ranken in einem undurch 
dringlichen Flechtiverk durcheinander. 
Zuweilen regte es sich im Ufergebüsch uitö 
glitt in lautlosem Flügelschlag hastig vorbei. 
Seltsame Bogelstimmen schnarrteil und 
schnatterten. 
Und dann saßeir sie auf den bemoosten 
Steinen vor der alten Ruine und schauten 
auf das geruhsame Treiben des Sees hin 
aus. 
Der Himmel stand hoch icnd blau. 
Bienen summten, dicke Hummeln zogen 
wilde Kreise. 
Es war, als ob Frau Einsamkeit den klei 
nen Jnselwald durchschritt und mit ernsten, 
stillen Augen die blühende Jugend der drei 
Mädchen behütete. 
* 
„Hier bin ich heut vielleicht zum letzten 
Riale in meinem Leben!" sagte Lore endlich. 
„Wer weiß, wohin uns alle das Schicksal noch 
verschlagen wird." 
„Ich heirate und übernehme Siebenlin 
den", erklärte Eva in ihrer energischen Art 
und bedrängte einen kleinen, schwarzen Lauf 
käfer, der die rundliche Wölbung ihrer festen 
linken Wade zu erklimmen versuchte. 
„Zum Heiraten gehören immer zwei", ließ 
sich Else tiefsinnig vernehmen. 
„Das weiß ich allein, und darum ist mir 
auch durchaus nicht bange", war die lachende 
Antwort. „Wo ein Wille ist, ist auch ein 
Weg, sagte Großvater immer. Und der Wille 
Generalprobe für das Grotzkonzert. 
Unter öer Stabführung von Obermusikrnei- 
ster Müller-John fand in der Deutschlandhalle 
ein Großkonzert des auf 300 Mann verstärkten 
Musikkorps der Leibstandarte statt, dessen 
Reinerlös dem WHW. zufließt. Die ParaP 
der kleinen Trommeln während der General 
probe. (Weltbild, Ķ-), "
	        
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