ist jedenfalls da! Du hast uns übrigens noch
gar nichts weiter von eurem neuen Doktor
erzählt, Lore. Man muß über den Herren
flor der nächsten Umgebung doch wenigstens
einigermaßen im Bilde sein."
Und sie schlug mit einer Gerte übermütig
in ein buntes Wirrfal von Federnelken und
Ringelblumen, daß die Schmetterlinge daraus
wie ein lustiger Blütenregen emporwirbel
ten.
Mit einem verträumten Blick sah Lore zu
dem lichten Himmel hinauf.
„Herr Dr. Hausse ist ein sehr vornehmer
Mensch", sagte sie dann. „Ein Mensch vor
allem, zu dem man absolutes Vertrauen haben
kann. Er erinnert mich oft überraschend an
Onkel Leo. In seiner ganzen Art, sich zu ge
ben. Ja, manchmal sogar in der Haltung und
im Schnitt des Gesichtes. Wir haben gestern im
Park gesessen und lange zusammen gesprochen.
Aber unsere Wege führen ja bald wieder aus
einander. Schiffe, die nachts sich begegnen."
„Lore!" Eva hatte die Freundin zärtlich um
die schmale Hüfte gefaßt und streichelte ihren
sonnenwarmen Arm.
(Fortsetzung folgt.)
wo die Ware vom Erzeuger über bestimmte Schlei
suugs- bzw. Erfassungsstellen, bei denen Anliefe
rung wie auch Weiterleitüng nach Umfang, Zeit und
Richtung zuverlässig bestimmt werden können, 0^
leitet wird. Ein Schema ist hier selbstverständlich
abzulehnen,' maßgebend sind die nach Landes-
bauernschasten, ja, Kreis- und selbst Ortsbauern
schaften oft ganz unterschiedlichen Verhältnisse. „Wir
denken auch nicht daran, dieser Erfassung von vorn
herein eine bestimmte Unternehmungsform zu ge
ben, sie etwa nur genossenschaftlich auszuziehen!
(Man kann diesen Andeutungen wohl entnehmen,
daß diesen mit der Schleusung der Erzeugnisse in
irgendeiner Form beauftragten Stellen ähnlich wie
in der Vieh- und Milchwirtschaft ein bestimmtes
Einzugsgebiet, d. h. also eine bestimmte Existenz
zugewiesen wird.)
Der heutige Zustand der GetreidemarktorbnunS
ist nicht glücklich. Das Getreide muß, ob nun von
Genossenschaften, Kaufleuten oder Mühlen, so er
faßt werden, daß wir es wirklich in die Hand be
kommen. Eines der schwierigsten Gebiete ist in die
ser Beziehung die Fischwirtschaft. Und doch gilt es,
hier unter allen Umständen die Erzeugung vo»
Speiseware und auch an Rohware für die Fisch
mehlherstellung zu steigern.
In der Sondertagung der Fachschast Viehvertei
ler erklärte der Vorsitzende: Eine sehr sorgfältige
und eingehende Sach- und Fachschaftsberatung der
Viehverteiler ist nötig. Deshalb werde man auf eine
entsprechende Ausbildung den größten Wert legen
müssen, ebenso wie man darauf zu achten habe, daß
der Viehverteiler ein ordentlicher Kaufmann sei, der
seine Bücher richtig führe und seine Steuerverpflich
tungen gegenüber dem Staat voll und ganz erfülle.
Auch das Zulassungsverfahren müsse streng gchand-
habt werden, denn es gehe nicht an, daß man aus
irgendeinem anderen Beruf einfach in die Fachschaft
hinüberwechsle, um sie wieder zu verlassen, wenn
man keine Geschäfte machen könne. Besondere Auf
merksamkeit müsse man dem Nachwuchs widmen,
kenn die Fachschaft dürfe nicht überaltern,' P
brauche junge Menschen, die an die Stelle der Aus
geschiedenen treten. Grundlage der gesamten Vieh
bewirtschaftung sei die gerechte Verteilung. Deshalb
habe man sür alle Märkte Grundzahlen für den
Austrieb von Schweinen, Kälbern und Großvieh
festgesetzt, die von Vierteljahr zu Vierteljahr nach
Maßgabe des Bedarfs überprüft würden. Die An
meldepflicht werde allmählich lückenlos ausgebaut,
um Schwankungen besser ausgleichen zu können.
Die Viehverteiler hätten sich nach den Grundzahlen
zu richten.
Bis Marz 1937 r
10 General-Anordnungen des Rahrstandes
Dr. Körte in Frankfurt: „Der Bauer muß schon znr Saatzeit misten, was er für die Ernte erhält."
Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau hatte die
aähr'tündijche Verteilerschaft ihres Bereichs nach
Frankfurt zusammengerufen. Die Haupttagung
wurde vom Landeshauptabteilungsleiter III, Moses,
tingeleitet. Bei der Handelsspanne müsse man sich
stets vor Augen halten, daß der Beseitigung des
Absatz- und Preisrisikos das Wegfallen der Risiiko-
erämie entsprechen müsse. Aber ein geregeltes Ent
gelt sür seine realen Leistungen müsse und werde
dem Verteiler bleiben. Die Wirtschaft außerhalb des
Nährstandes sei den neuen Wirtschaftsprinzipien
teilweise noch nicht gefolgt: man baue auf den Be-
vollmächtlgten für den Vierjahresplan, daß er auch
hier Ordnung schaffe. ReichShauptabteilungslei-
ter III, Dr. Körte, erklärte: Die Frage der Ueber-
setzung im Berteilungsapparat iverde noch 1987 ge
löst werden. Genossenschaften wie selbständige Land-
Händler sollten denselben Start haben und sich mit
ihren Leistungen bewähren können. Das Problem,
rote die aus den übersetzten Bertcilungsapparaten
Auszuschaltenden untergebracht werden könnten,
sei nun im Zeichen des BierjahreSplanes und des
Mangels an Arbeitskräften ganz anders zu betrach
ten als zu Beginn der nährständischen Arbeit. Man
strebe indessen nicht eine Abkapselung der bestehen
den Betriebe an, sondern eine scharfe Auslese unter
diesen müsse einem gesunden Nachwuchs den Weg
offen halten. Wenn einmal der Apparat bereinigt
sei, so werde sich die. Frage der Verteilerspanne von
selbst regeln. Preispolitisch bleibe es bei den Fest
preisen ohne Rücksicht auf den Ernteausfall. Ein
Gegensatz bestehe zwischen den das ganze Jahr über
gleich bestehenden Einkommen und der Verschieden
heit der Erzeugungskosten zu verschiedenen Jahres
zeiten. Wichtig sei auch das richtige Verhältnis der
Preise der einzelnen landw. Erzeugnifle zueinander,
um unerwünschte Verschiebungen in der Erzeugung
zu verhindern. Hier stehe der Getreidepreis noch
nicht im richtigen Verhältnis zu den Preisen an
derer Erzeugnisse. Damit sollte ivohl vor allem auf
das ungenügende Gefälle zwischen Roggen- und
Schweinepreisen .und den dadurch entstandenen
Drang znr Roggenversütterung angespielt werden.
Bis März 1887 solle in zehn grundlegenden Anord
nungen die Regelung der gesamten Ernährungs-
wirtschast durchgeführt werden. Die neue Milch-
marktorduung sei bereits fertig, werde aber nichts
grundsätzlich Neues mehr bringen. Unbefriedigend
sei vor allem die Eiermarktregelang,- hier werde
man zu einer absolut vollständigen Erfassung ver
bunden mit Saisonpreisen übergehen, die früheren
Erfahrungen auf diesem Gebiet sollten sich nicht wie
derholen. Anders als im Vorjahre sei in der Vieh-
mirtschaft mit dem Vorhandensein von verhältnis
mäßig wenig Futtermitteln bei einem hohen Vieh-,
insbesondere Schweinebestand zu rechnen: ein Ab
gehen vom Festpreissystem komme nicht in Betracht.
Bei den Getreide- und Futtermittel-Verteilern
wurde erneut die Notwendigkeit der Erfassung des
letzten Zentners vermahlbaren Brotgetreides be
sonders in den Vordergrund gestellt. Die Mühlen
müßten sich selbst nach Möglichkeit das nötige Mahl
gut verschaffen, und nur wo dies zum Ziele führe,
könne der Nährstand einspringen. Die Wunschliste
der Fachschast enthielt insbesondere eine Erhöhung
der Handelsspanne sür Brotgetreide, die von den
Mühlen sowieso schon zugestanden werde, die Bitte
um Befragung der Fachschaften vor Erlaß der An
ordnungen, ein Anschluß der Getreidegrotzmärkte
an den Nährstand (statt wie bisher noch an die
Handelskammer) und eine Senkung der Jahresbei
träge bei den Großmärkten, um so deren Besuch zu
beleben und schließlich die Forderung nach einem
Verbot des Handels von Futtermitteln und Sä
mereien in Kolonialwarenhandlungen und Dro
gerien. Auch wurde die Mengenrabattgestaltung der
Mehlmarktordnungen als änderungsbedürftig be
zeichnet.
Irr der Fachschaststagnng der Viehverteiler wurde
betont, daß die Zulassung zur Fachschaft in Zukunft
erschwert werden müsse: die Prüfung der Bedürf
nisfrage allein genüge nicht mehr: notwendige Zu
lassungsvoraussetzungen seien außerdem politische
Zuverlässigkeit, berufliche Ausbildung, Sach- und
Fachkenntnisse und Besitz eines gewissen Kapitals.
Bei den Eierverteilern wurden Sicherung des An
teils der Einzelverteiler an der Warenbelieferung
und Ausgleich in der Preis- und Handelsspannen
frage als die Hauptgebiete der Tätigkeit bezeichnet.
Allmählich könne der Eintritt einer Stabilisierung
festgestellt werden. In der Fachschaft Znckervertci-
ler wurde über Grundsätze der beabsichtigten Neu
regelung der Zuckervertcilung gesprochen. Durch
die Einführung von Festpreisen für den Verkauf
von Zucker an den Kleinhändler und für die Wei-
terverteilung an den Verbraucher sei heute die
Möglichkeit zu einer umfassenden Ordnung des
Marktes gegeben.
Einer anderen Fassung über die Rede Kortes
entnehmen wir: Wir können heute wieder da an
knüpfen, wo wir von VA Jahren, weil die Zeit noch
nicht reif war, aufhören mußten. Jetzt werden wir
die Marktordnung nicht schematisch, aber doch dem
Grundgedanken ihrer Einheitlichkeit entsprechend
auf allen Gebieten so gestalten, wie uns dies schon
vor zwei Jahren vorgeschwebt hat. Der Bauer muß
schon znr Saatzeit wissen, was er für die Ernte er
halten kann. Die Bereinigung der Verteilerschaft
wird im Zuge der aus der Versorgungslage heraus
notwendigen strafferen Erfassung der anfallenden
Erzeugnisse durchgeführt. Dr. Körte vermies dabei
auf das Beispiel in der Milch- und Viehwirtschaft,
180-/0 Holzeinschlag auch im Privatwald über 50 ha
Reichsforstmeister Göring hat angeordnet, daß in
allen Waldungen, also im Staats-, Kommunal-
sowie Privativald vom 1. 10. 1936 bis 30. 9. 1937 150
vH des betriebsplanmäßigen Satzes eingeschlagen
werden. In Wäldern ohne einen auf einem Be
triebswerk beruhenden Abnutzungssatz sind 15g vH
des jährlichen Durchschnitts der letzten zehn Jahre
zu nutzen. Waldbesitz unter 50 Hektar wird von den
Bestimmungen nicht betrossen. Ausnahmen können
die Landessorstverwaltungen oder von ihnen be
stimmte höhere Forstbehörden zulassen. Sie bedie
nen sich für die Privatwaldungen der Hilfe der
forstlichen Dienststellen des Reichsnährstandes.
Billigere Weichdachversicherung
Das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung
hat den Feuerversicherungsges. die Genehmigung
erteilt, die Neuwertversicherung für ldw. Gebäude
auch auf Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit weicher
Dachung auszudehnen, die bisher durch diese Ver
sicherungsart nicht erfaßt werden konnten.
Einheitsbuchsührung in der Kleinschissahrt
In einer ersten Sitzung des Beirates der Fach
gruppe Kleinschiffer war der Beirat der Ansicht,
daß für die Kleinschiffahrt die Möglichkeit einer
planmäßigen Abwrackung aus eigenen Mitteln
nicht gegeben sei. Die Förderung des Binnen
wasserstraßenverkehrs mit Ostpreußen will sich die
Fachgruppe im kommenden Jahr in noch verstärk
tem Maße angelegen sein lassen. Der Beirat
stimmte der Einführung einer Einheitsbuchsührung
in der gesamten deutschen Kleinschiffahrt zu.
@ftjî$ffcïïô / Roman von Hans Schulze
10) (Nachdruck verboten.)
Der Förster bewegte verneinend den Kopf.
„Sie sind der einzige, Herr Graf, mit dem ich
bisher über die ganze Sache gesprochen habe.
Ich will auch ganz offen sein: gerade die Baro
nin von Rhaden wäre die letzte, die ich ins Ver
trauen ziehen würde. Ich habe die späte Hei
rat des Barons bei dem großen Altersunter
schied der Ehegatten von jeher als ein Unglück
betrachtet und glaube mich leider auch darin
nicht getäuscht zu haben. Denn ich sah in die
sen Dingen tiefer als irgendein anderer, weil
der Verstorbene aus unseren Pirschgüngen
manchmal auch mit seinen häuslichen Sorgen
nicht vor mir zurückhielt. Jetzt ist die Baro--
nin, was sie ja wohl immer angestrebt hatte,
unumschränkte Herrin auf Neudietersdorf und
Besitzerin eines Millionenvermögens gewor
den. Und, soweit ich beobachtet habe, mit dieser
Wendung ihres Schicksals auch ganz zufrieden.
Sie dürfte also meinen Ermittlungen, die ge
gebenenfalls geeignet sind, den soeben erst bei
gelegten Fall von neuem aufzurollen, nur ein
sehr geringes Interesse entgegenbringen. Ich
aber fühle mich durch ein halbes Jahrhundert
mit der Familie Rhaden verbunden und be
trachte es darum als Ehrensache gegen den
Verstorbenen, der mich nie wie einen Unter
gebenen behandelt hat, das Geheimnis seines
jähen Todes, soviel es in meinen Kräften steht,
aufzuklären. Und darum habe ich mich gerade
an Sie, als seinen mir einzig bekannten Ver
wandten, um Hilfe gewandt!"
Klaus erhob sich.
„Ich danke Ihnen für Ihre treue Anhäng
lichkeit an das Haus Rhaden, Herr Hegemei
ster! Sie sollen sich in mir nicht getäuscht und
einen treuen Verbundenen in mir gefunden
haben. Doch ich glaube, ich habe Ihre Gast
freundschaft schon über Gebühr in Anspruch
genommen und möchte jetzt an den Aufbruch
denken!"
*
Auf der Uferböschung an dem kleinen Sie-
benlindener Badehäuschen hielt blank und fett
der Neudietersdorfer Fnchspony halb abge
schirrt vor seinem Korbwägelchen und kämvfte
mit Schweif und Mähne einen verzweifelten
Kampf gegen die dicken Brummfliegen, die ihn
in schwarzen, blutgierigen Scharen heute zu
dringlicher denn sonst umschwärmten.
Lore war schon in aller Frühe mit einer Be
stellung der Baronin nach Siebenlinden her
übergekommen und von den Knauffschen
Mädchen trotz ihres anfänglichen Widerstre
bens gleich nach dem Kaffee zum Baden mit
genommen worden.
Jetzt öffnete sich die leinenbeschlagene Tür
des Badehäuschens und der hübsche Kopf der
kleinen Eva tauchte zwischen den schwarz
wolligen Kolbenhäuptern des hohen Röhrichts
auf,' dann trat sie ganz heraus und befesiigte
ihre Badekappe verwegen auf dem wider
spenstigen Blondhaar.
Gleich darauf kamen auch Else und Lore
aus der Badebude, und die drei jungen Mäd
chen spazierten in ihren bunten Bademänteln
gemächlich in dem weichen Ufersande umher,
der sich feucht und warm an ihre Füße
schmiegte.
Ueber dem See leuchtete die Sonne in der
wundervollen Klarheit des morgenstillen
Junitages.
In der unermeßlichen Himmelsfernc
schwamm einsam ein weißes Lümmerwölkchen
und trieb still dahin wie ein lichter Sommer
gedanke.
Eva hatte sich unter einer uralten Kiefer
in den Sand geworfen und horchte auf den
Ruf eines Kuckucks, der fern aus schweigen
den Waldgründen herüberschallte.
„Ich muß noch vierzig Jahre warten!" sagte
sie enttäuscht, den schlanken, braunen Körper
dehnend. „Wollen mir übrigens schon ins
Wasser oder fahren wir vorher noch ein Stück
auf den See hinaus?"
Dann stand sie, ohne eine Antwort abzu
warten, bereits wieder aus den Füßen und
kletterte in ein kleines Kielboot, das neben
dem Badehäuschen leise in dem schwärzlichen
Brackwasser schaukelte.
„Wenn ihr nicht mitkommt, fahre ich allein.
Hier wird man heute ja von den Mücken
halb aufgefressen."
Zögernd stiegen Lore und Else nach und
nahmen auf den schmalen Bänken Platz.
Eva steuerte das schlanke Boot geschickt durch
den Schilfgürtel des Ufers, über dem zahl
lose Libellen ihr glashelles, zitterndes Liebes
spiel trieben.
Die Morgensonne rann weich um ihre kräf
tigen, runden Arme, die die Ruderstangen
leicht und sicher regierten.
Auch Lore hatte ihren Bademantel abgelegt
und schaute nachdenklich in die kleine Kiel
welle zurück, die leise murmelnd hinter dem
Boot herlief und ihre Gedanken wie in einem
silbernen Netze fing.
„Herr Ralfs ist heute nach Neudietersdorf
gefahren", unterbrach Eva jetzt das beschau
liche Schweigen. „Vielleicht verliebt er sich
auch in die schöne Sibylle wie mein Flieger
freund, der neuerdings ja ganz iy ihren Ban
den schmachten soll."
Und sie sandte einen sehnsüchtigen Blick nach
der Neudietersdorfer Orangerie hinüber, die
sich wie ein weißer Tupftn auf dem samtenen
Grün des Parkes abzeichnete.
„Deine Erziehung bedarf noch einer ganz
erheblichen Ergänzung", bemerkte die ältere
Schwester und schlug die Beine bedächtig über
einander.
Doch die Kleine ließ sich nicht beirren.
„Tu nur nicht so überlegen, Else", sagte sie
ausfallend. „Ich weiß ganz genau, warum
du heute so verstimmt bist. Nur weil ein ge
wisser jemand nicht von der Partie ist."
„Gegen dein Mundwerk ist ja leider nicht
aufzukommen", war die ergebene Entgegnung.
„Waren wir als Kinder eigentlich auch schon
so früh verdorben, Lore?" —
Sie hatten unterdes die Höhe des Sees er
reicht und näherten sich der „Abtei", einem
schilfumstandenen Jnselchen, das wie eine
grüne Urwaldwilönis auf den blauen Fluten
zu schwimmen schien.
Ein Schimmer von Romantik umwob das
kleine Eiland, auf dem ein Vorgänger der
Familie von Rhaden einst eine künstliche
Ruine im sentimentalen Stil der Werther
zeit errichtet hatte.
Der halbverfallene Rundbogen einer Ka
pelle lugte unter einer mächtigen alten Aka
zie hervor, von wildem Wein und Kletter
rosen umrankt, in die die ganze heimliche
Versonnenheit des stillen Sommermorgens
eingesponnen schien.
Auf einer weißleuchtenden Sandbank ließen
sie das Boot auflaufen und kämpften sich auf
einem verwachsenen Schlängelpfad ins In
nere.
Wilder Hopfen züngelte bis hoch in das
Astwerk der schlanken Erlen hinauf und
spannte seine Ranken in einem undurch
dringlichen Flechtiverk durcheinander.
Zuweilen regte es sich im Ufergebüsch uitö
glitt in lautlosem Flügelschlag hastig vorbei.
Seltsame Bogelstimmen schnarrteil und
schnatterten.
Und dann saßeir sie auf den bemoosten
Steinen vor der alten Ruine und schauten
auf das geruhsame Treiben des Sees hin
aus.
Der Himmel stand hoch icnd blau.
Bienen summten, dicke Hummeln zogen
wilde Kreise.
Es war, als ob Frau Einsamkeit den klei
nen Jnselwald durchschritt und mit ernsten,
stillen Augen die blühende Jugend der drei
Mädchen behütete.
*
„Hier bin ich heut vielleicht zum letzten
Riale in meinem Leben!" sagte Lore endlich.
„Wer weiß, wohin uns alle das Schicksal noch
verschlagen wird."
„Ich heirate und übernehme Siebenlin
den", erklärte Eva in ihrer energischen Art
und bedrängte einen kleinen, schwarzen Lauf
käfer, der die rundliche Wölbung ihrer festen
linken Wade zu erklimmen versuchte.
„Zum Heiraten gehören immer zwei", ließ
sich Else tiefsinnig vernehmen.
„Das weiß ich allein, und darum ist mir
auch durchaus nicht bange", war die lachende
Antwort. „Wo ein Wille ist, ist auch ein
Weg, sagte Großvater immer. Und der Wille
Generalprobe für das Grotzkonzert.
Unter öer Stabführung von Obermusikrnei-
ster Müller-John fand in der Deutschlandhalle
ein Großkonzert des auf 300 Mann verstärkten
Musikkorps der Leibstandarte statt, dessen
Reinerlös dem WHW. zufließt. Die ParaP
der kleinen Trommeln während der General
probe. (Weltbild, Ķ-), "