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(Grimm, Mythol. I 4 , 363 ff.) 1 ). Anthropömorphisch konnte
für die epiphanie der toten als schlänge der riese eintreten,
wie es im Sigfridsliede der fall ist. 2 )
Das in den märchen vorhandene, in den sagen nur in § 109.
spärlichen hiuweisen erhaltene lebenswasser der unterweit,
der krafttrank, soll es dem helden ermöglichen, den
kampf mit dem unterirdischen erfolgreich aufzunehmen. In
den sagen war für einen solchen zaubertrank kein raum
vorhanden, denn die helden der sage bedurften eines kraft-
zuwachses nicht mehr.
Wenn im märchen wunschgegenstände, also auch § 110.
zauberschwerter, durch list von zwei streitenden parteien
gewonnen werden, so gibt dieser zug keinen aufschluss
über das zauberwesen der Schwerter und seinen Ursprung,
sondern nur über die art ihrer erwerbung. Wir haben
darunter eine schwankhafte erzählung von dem germanischen
rechtsgebrauch bei erbteilungen zu verstehen (vgl. Haupt,
zfda. 2, 542 ff.). Bei der aufteilung der hinterlassenschaft
eines helden konpte es sich ereignen, dass streit um die
kleinodien, soweit sie nicht mit ins grab gelegt waren, unter
den erben entstand. Daher ist es verständlich, wenn dieses
thema zum bestand vieler erzählungen geworden ist.
Zwei typen von Schwertmärchen finden sich § Hl.
also in der märchenliteratur und der heldensage, deren
motive auf Vorstellungen einer primitiven kultur zurück
weisen. Man schrieb einerseits den eisenschwertern
im gegensatz zu den bronzewaffen, andererseits den aus
einem grabe stammenden totenschwertern Zauberkraft zu.
*) Auch Nibelunc, also ein toter, ist als zwerg gedacht. Der
zwergenname Däinn bedeutet der tote. (Gering, Edda 76. anm. 1.
Idg. forsch. 14, 148.)
2 ) Boer irrt, wenn er (zfdph. 37, 474) den drachen und die zwerge
in der Nibelungensage streng voneinander sondern will.