Full text: Newspaper volume (1839)

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J. 
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letzten Tagen sehr verschlimmert . . . cher Kaiser 
ist nicht mehr zu retten. 
Frankreich, Frankreich, seufzte Bertrand, und 
eine Thräne trat ibm in's Auge. 
' Da erwachte der Kaiser. 
Wo ist Antomarchi? fragte er. 
Der Kaiser drückte die Statue an sein Herz 
und küßte sie. 
Lieber theurer Sohn, räche dse Schmach Deines 
Vaters, zeige, daß Du seiner würdig bist! O, 
wie das nagt, wie das wühlt in meinen Einşş 
weiden. Kohlen glühen in meinem Innern i 
Ich will ihn rufen, sagte die Gräfin Bertrand ich möchte mir mein.Schwert in den'Leib stoßen, 
und eilte ins Nebenzimmer. Treten Sie ein, um meinem Schmerze eine Gräme ru setzen, 
meķ Herren, der Kaiser ist erwacht. Schließe das Fenster, Marchand, das ist nicht 
re, fragte der Arzt, den Puls des Kranken die Sonne von Austerlitz, das ist nicht der Kin" 
suhlend, wie suhlen Sie sich. mel von Marengo-das sind die glühenden 
Ihr Opium hatte meinen Schmerz betäubt, ken von St. Helena — schließe das Fenster wich 
ich war eingeschlummert . . . O wäre ich doch friert, kalter Schweiß überläuft mich. Bertrand, 
nicht wieder erwacht! Der Schmerz wüthet nun Montholon, bedeckt mich mit dem Mantel, den 
mrt neuer Kraft. Glühende Messerklingen wühlen bei Marengo trug ...£>, das Sterben ist doch 
in meinen Eingeweiden herum ... ich möchte nicht so leicht, als ich's mir immer gedacht' 
rasend werden! Antomarchi, haben Sie Mitleid Der Kaiser faltete die Hände und murmelte 
mit mir, geben Sie mir wieder Opium, aber viel, ein Gebet. Da trat Sir Hudson Lowe, begleitet 
recht viel, damit ich einschlafe und nicht wieder von seinen zwei Adjutanten, ein. 
erwache. , Was will dieser Mann hier? rief Napoleon- 
Sire, haben Sie Geduld, der Schmerz wird Was wollen Sie hier? fragte Las Cases., 
austoben, sagte die Gräfin Bertrand. Meine Regierung hat mir den Befehl ertheilt, 
Ach, Gräfin, wüßten Sie, wie ich leide, Sie den General Bonaparte nicht zu verlassen, sobalv 
selbst würden mir das Gift reichen, um mich zu zu befürchten steht '. . . 
erlösen von der Qual, die ich erleide . , . Wie 
spät ist es? meine Herren 
Schweigen, rief Las Cases, oder . . .*• ; 
Laß ihn. Las Cases, laß ihn! Der kranke Lö>rl 
Halb Sechs, sagte Bertrand, euren Blrck auf kann nicht mehr seine Mähnen schütteln . . . dļ» 
die silberne Uhr werfend, die über dem Canapee kommen die Mäuse und machen sich lustig übet 
hing. 
'ö* . , . ihn . . . Stellt Euch dicht vor mein Bett, meint 
Das Tiktak dieser Uhr weckt m meiner Seele Freunde . . . ich kann die rothe Uniform nirtj 
süße Erinnerungen. Diese Uhr gehörte Friedrich sehen . . . O Frankreich, Frankreich, wie kaşş 
dem Großen ... sie hing einst in seinem Palast Du es dulden, daß Dein Kaiser, der Deine Stil» 
zu Sanssouci . . . jetzt hängt sie im Kerker zu mit ewigem Lorbeer geschmückt, hier auf frc,«^ 
Longwood. O mein Schmerz, mein Schmerz! Erde, preisgegeben dem kalten Hohne seines Fe>»^ 
Oeffue die Fenster, Marchand, ich will die Sonne des, machtlos binsicchen muß!? . . . Gebt i» ls 
noch ein Mal vor ihrem Untergange sehen . . . mein Schwert, lichtet die Anker, schwellet die 
die Abendluft wird die Glut des Tages besiegt gel, wir wollen nach Frankreich! 
haben und mich erfrischen. Sire. . . 
Marchand öffnete das Fenster. Es ist zu spät . . . die Stunde meines Tob^ 
Ich danke Dir, mein Freund. Gräfin Ber- hat geschlagen . . . Bertrand, Montholon, 
trand, fuhr er fort, stellen Sie zu den Füßen Cafes, Marchand, kehrt nach Frankreich 5'^»» 
meines Bettes das Bild der Kaiserin auf. Ihr und bringt meinem Volke meinen lebten Gruß -'' 
Anblick wird mich an schönere Tage erinnern. . . Grüßt die Kaiserin, grüßt den König von 
Montholon, auf dem Camine steht die kleine Büste und bittet ihn, daß er seinem Vater vergebe - - 
des Königs von Rom . . . geben Sie sie mir. Hier, Las Cafes, sind drei Ringe. . . den ei»l» 
Da es dem ärmsten der Väter nicht vergönnt ist, gieb der Kaiserin, den andern meinem Sohne, bl» 
sein Kind, sein schönes Kind, sein einziges Kind dritten, den ich einst von meiner Josephine erşş? 
in seine Arme zu schließen, so will er den kalten ihrer Tochter Hortensie. . . Ach?Josephine, bal . Ct 
Marmor küssen. Nicht wahr, meine Herren, die sehe ich Dich wieder! Du warst ^der Schutzs' 
Büste sieht ihm ähnlich? Mein lieber Sohn, mein meines Lebens . . . grausam hab' ich Dich 
armer Sohn! E"ie halbe Welt hatte ich für Dich stoßen . . . Josephine, kannst Du, wirst D» 
erobert, Alles, Alles hat man mir genommen . . . verzeihen? . . . Der Himmel öffnet sich . . . * 
fetzt kann ich Dir Nichts mehr hinterlassen, als winkst . . . ich komme . . . ich komme . . . 
meinen Namen und meinen Segen. Er sank erschöpft auf sein Bett zurück.
	        
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