Volltext : Zur Casuistik des Milzbrandes

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man  kann  sagen,  daß  eine  Milzbranderkrankung  zu  den
seltenen  Infectionskrankheiten  gehört.  Die  mir  gütigst  von
Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Helferich  zur  Verfügung  gestellten
Fälle  sind  in  einem  Zeiträume  von  3  Jahren  der  chirurgischen
Klinik  in  Kiel  zugewiesen.
Bei  den  mit  Milzbrand  inficierten  Personen  zeigt  sich  an
der  Impfstelle  zunächst  ein  flohstich-ähnliches  Pünktchen,  das
anfangs  ganz  schmerzlos  ist.  Jetzt  erhebt  sich  auf  der  Mitte
eine  kleine  gelbe,  bläuliche  Blase  und  der  Erkrankte  empfindet
mit  dem  Auftreten  derselben  deutliches  Jucken  oder  auch
Brennen  ;  es  folgt  die  Bildung  eines  mit  serumartiger  gelblicher,
blauroter  Flüssigkeit  gefüllten  Bläschens,  das  unter  Vertrocknung
braun  wird  und  schon  am  zweiten  Tage  in  ein  allmählich
nach  der  Fläche  sowohl  als  auch  in  die  Tiefe  wachsendes
schorfähnliches  Gebilde  sich  umwandelt,  das  an  der  Oberfläche
schwarz  aussieht,  nach  der  Tiefe  zu  heller  wird,  ln  der
Umgebung  dieses  ungefähr  2—3  cm  großen  Knotens  findet
sich  eine  oedematöse  Schwellung,  die  zuweilen  blaßgelb,  zuweilen ­
  blaurot  erscheint.  Hier  entwickeln  sich  auch  einzelne
oder  zahlreiche  Bläschen,  die  Hand  in  Hand  mit  der  Ausbreitung ­
  des  centralen  Schorfes  und  der  oedematösen  Schwellung
sich  vermehren.  Die  mittlere  verschorfte  Partie  des  sogenannten ­
  »Karbunkels«  sinkt  deutlich  gegen  die  oedematöse
Umgebung  ein.  in  diesem  Stadium  ist  der  Karbunkel  total
unempfindlich  geworden.  Die  oedematöse  Schwellung  breitet
sich  nun,  das  heißt  im  Falle,  daß  keine  demarkierende  Entzündung ­
  eintritt,  auf  die  benachbarte  Umgebung  immer  weiter
aus,  und  befällt  oft  ganze  Körperteile.  Die  Peripherie  der
oedematösen  Schwellung  erscheint  hart;  auf  ihr  schießen
einzelne  Blasen  auf.  Aus  dem  Bereiche  des  Karbunkels  gehen
nicht  sehr  empfindliche,  zum  Teil  gerötete  Stränge  zu  den
nächsten  Lymphdrüsen  ab.  Das  Oedem  stellt  eine  teigige  Infiltration ­
  des  Bindegewebes  unter  der  Haut  dar  und  erstreckt  sich
zwischen  die  Muskeln  und  ohne  scharfe  Grenze  in  das  gesunde ­
  Gewebe.  Die  Haut  über  den  Oedemen  ist  selten  von
der  gewöhnlichen  Farbe,  oft  anämisch,  oft  "hellrot.
Ein  Teil  der  mir  zur  Verfügung  stehenden  Milzbrandfälle
betrifft  Arbeiter  aus  Gerbereien,  ein  Teil  Knechte  resp.
            
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