Full text: Ein Fall von Katatonie im Kindesalter

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haben. Im Urin fand sich Eiweiß mittlerer Trübung, kein 
Zucker. 
Wie es für die Katatonie charakteristisch ist, giebt es 
auch für diesen Patienten Stunden, in denen er verhältnis 
mäßig klar ist. Nach Angabe des Pflegers hat er mehrere 
Male ganz vernünftig von zu Hause, von seinem Bruder, 
seinem Vater etc. erzählt, zeigte sich aber örtlich nicht 
orientiert. Bei der Abendvisite bezeichnet er einmal Schlüssel, 
Uhr und Bleistift richtig, scheint dann aber schnell zu er 
müden und ist nach kurzer Zeit nur noch schlecht zu 
fixieren. Später hat Patient sich auch einmal nach öfterem 
Vorsagen die Namen der Stationsärzte richtig gemerkt, 
scheint sie aber nach einiger Zeit vergessen zu haben. Bei 
Besuchen seiner Eltern 'erkennt er diese, benimmt sich aber 
ebenso seltsam wie sonst und spricht oft kaum etwas Ver 
nünftiges mit ihnen. Nach einer Angabe des Kranken 
berichtes vom 17. I. 07 löst Patient sogar Rechenaufgaben 
leidlich, kann aber nicht angeben, wo er sich befindet, und 
bezeichnet Arzte und Personal mit Namen, die er wahr 
scheinlich von Bekannten aus seiner Heimat entlehnt. 
Der bisher geschilderte, ununterbrochene Wechsel 
in dem Verhalten des Patienten hält auch während der 
späteren Zeit seines Aufenthaltes in der Klinik an. Auf 
ruhigere Tage und Stunden folgen bald Tage und Stunden, 
in denen Patient unruhig oder erregt ist oder gar tobt. 
Bald grinst er, griraassiert, macht freche, oft ganz zutreffende, 
witzige Bemerkungen, sucht nach Art eines Clowns alles 
lächerlich zu machen oder er singt, so laut er kann, alle 
möglichen Lieder. Dann wieder weint er viel und sagt, er 
müsse sterben, man w T olle ihn vergiften oder man wolle ihn 
erstechen, der Pfleger habe ein Messer dazu in der Tasche. 
Zuweilen beschäftigt er sich in dieser Zeit mit leichter 
Hausarbeit und besonders oft mit Zeichnen. Er malt dann 
auf alle möglichen erreichbaren Papierfetzen, zeichnet 100 Mark- 
scheiue und macht aus Papierschnitzeln oft ganz geschickt 
alle möglichen Geräte, Zimmereinrichtungen, Schiffe etc. 
Die Nahrungsaufnahme des Patienten ist von Anfang 
au im allgemeinen als eine gute zu bezeichnen, denn wenn
	        
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