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Eine genaue Auswahl auf die Qualifikation der Fälle
für diese Methode wurde nicht vorgenommen, sondern im all
gemeinen jeder Fall von Ischias, der nicht auf die gebräuch
lichen sonstigen Heilmethoden reagierte, mit Eucaininjectionen
behandelt Von vornherein ist es klar, dass deshalb sich auch
unter unseren 44 Fällen einige befinden, die man bei einer
genaueren Sichtung sicher als ungeeignet für diese Behand
lungsmethode von derselben ausgeschlossen hätte. Denn
unter dem Sammelnamen Ischias sind soviele Krankheitserschei-
nung-en zusammengefasst, die man klinisch nicht immer von
einander trennen kann, obwohl sie im Wesen des Krankheits
prozesses durchaus nicht übereinstimmen Von diesen kann eine
ganze Reihe bei der Injectionstherapie keine günstigen Resul
tate geben. Hierhin gehören die Fälle, in denen die Ischias
die Folge von Fortleitung einer Entzündung - oder Einengung
durch Narbengewebe, von Beckentumoren, von Knochen- oder
Gelenkerkrankungen, Allgemeinerkrankungen oder Traumen ist.
Wurde ferner auch bei der Injection die oben angegebene
Methode im Allgemeinen g'enau befolgt, so kamen doch ge
legentlich geringe Abweichungen dadurch zustande, dass die
Einspritzungen von fünf verschiedenen Aerzten ausg'eführt wurden.
Unangenehme Zufälle sahen wir ebenso wie Lange 1 ) und
Krause 2 ), nicht nach den Injectionen auftreten Es kamen
bei denselben keine Blutungen vor, auch bildeten sich keine
Haematome. Nur beobachteten wir in ca. 60 % der Fälle nach
den Injectionen leichte Temperatursteigerung. In einigen Fällen,
nach 12 Injectionen, erreichte die Temperatur bei Leuten, die
vorher kein Fieber oder höchstens leicht subfebrile Temperatur
zeigten, 38°, bei einem Patienten sog - ar 38,9°. In zwei anderen
hallen dagegen ging sofort nach der Injection die vorher be
stehende subfebrile Temperatur zur Norm zurück. Uebrig'ens
beobachteten auch Lange 1 ) und Umber 3 ) in der Mehrzahl
ihrer Fälle mit flüchtigen und leichten Allgemeinerscheinungen
einhergehende Temperatursteigerungen. Lange erklärt diese
für die Folge einer aseptischen reactiven Entzündung - , die durch
die mechanische Läsion des Nerven verursacht wird, und die
mechanische Läsion des Nerven ist jedenfalls bei Injection so
grosser Flüssigltpitsmengen in die Nervenscheide, die in vielen
Fällen die Nervenbündel bis zum Knie hinunter auseinander
drängt, eine recht erhebliche.
In einem Fall sahen wir ein ausgedehntes Jodoformerythem,
das von der Einstichstelle ausging - . Anfänglich zeigte dies grosse
Aehnlichkeit mit einem Erysipel, verlief aber gänzlich fieberlos.
*) Münchener med. Wochenschrift 1904, S. 2325 ff.; 1907, S. 903.
2 ) Schwalbe, Therapeutische Technik. S. 738.
3 ) Therapie der Gegenwart 1900, Nr. 4, S. 148.