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würden ja von der Zwietracht Nutzen ziehen — und sich nach
Aussen mit einem kleinen Gebiete (territorio) begnügen. In der
letzten Bemerkung liegt eine deutliche Anspielung auf die Ver-
grösserungssucht der italienischen Freistaaten, zumal der Repu
bliken Florenz und Venedig, welche Machiavelli so oft und so
bitter getadelt hat.
Im 10. Kapitel des Principe wird mit Anlehnung an die
ritratti und zum Teil mit den Worten derselben den Kriegs-
zurüstungen und Vorkehrungen der deutschen Städte ein warmes
Lob gespendet. Besonders wird eine Einrichtung hervorgehoben:
die deutschen Städte, sagt Machiavelli, haben immer einen öffent
lichen Vorrat von rohen Stoffen, um ein Jahr lang in den
Handwerken arbeiten lassen zu können. Eben dasselbe heben
auch die ritratti hervor.
Voll des Lobes über die Kriegseinrichtungen der Deutschen
und der Schweizer ist das zweite Buch der Arte di guerra.
Über das Milizwesen der deutschen J ) Städte wird berichtet:
sämtliche Einwohner derselben seien in Fähnlein geteilt, welche
nach den Waffengattungen benannt würden: Pikeniere. Hellebardiere,
Hakenschützen, Bogenschützen. Indessen nicht alle, die in die
Fähnlein eingeschrieben seien, leisteten wirklich Kriegsdienste;
vielmehr werde aus jeder Abteilung eine gewisse Anzahl Leute 1 2 3
') Allerdings sind hier nicht ausdrücklich die Städte Deutschlands
genannt, sondern es heisst einfach „einige Städte des Abendlandes“
(alcune cittä del Ponente). Dass aber nur die deutschen (und
schweizerischen) Städte gemeint sein können, ergiebt sich klar aus
folgenden drei Umständen:
1) Die hier erwähnte Pike erscheint bei Machiavelli als die
spezifisch schweizerisch-deutsche Nationalwaffe,*
2) die hier erwähnten giurati kehren in der Landsknechtsordnung
Kaiser Maximilians** als Fahnengeschworene wieder,
3) diese ganze Stelle der Arte di guerra weist auf die ritratti
hin. Auch Vettori in seinem Viaggio berichtet ähnlich.
*) Arte di guerra, libro II, Anfang. Die Pike wird mit dem
phalangitischem Speere der Macedonier verglichen. Mit
Piken und Haken will auch Fabrizio Colonna, d. 1. Machia
velli, die Hälfte seiner Fusslegion bewaffnen „nach Art der
Deutschen“ (Ibidem). Auch in der Ordinanz für das Fussvolk
der florentinischen Landmüiz, welche Machiavelli verfasst
hat, werden Piken als eine Hauptwaffe der Miliz genannt
(Opere, Filadelfia 1818, Tom. IV, pag. 424).
**) S. den Abschnitt über die militärischen Reformen Maximilians
bei Ullmann, a. a. O., Bd. I, S. 846—870.