anregend auf die besseren Triebe der Zeit einzuwirken. Zu solchem Besondefn Wirken
fehlt es sicherlich auch irl unserer Zeit nicht an Aufforderung. Denn begegnen wir
nicht in ihr manchen Erscheinungen die gerade den nach geistigen Gütern Streben
den besonders erschrecken und abstossen müssen? Das Jagen nach äusserm Gewinn,
nach Geld und Gut wann ist es plumper und widerlicher hervorgetreten als in diesen
Tagen? Freilich schon Pindar legt niedrigen Seelen den Ruf: „Geld, Geld ist der
Malin“ in den Mund, und der römische Markt ruft zu Horazens Zeit „o Bürger, Bürger,
erst erwerbt Geld, dann alles Andere.“ Aber so verfeinert und gesteigert wie jetzt
dieselbe Gesinnung sich namentlich in dem Lande geltend zu machen scheint, das
früher auf den Vorzug feiner Geistesbildung glaubte stolz sein zu dürfen, ist dieser
praktische Materialismus doch wohl kaum jemals aufgetreten. Wenn aber in dieser Rich
tung, welche aller religiösen, sittlichen und intelleetuellen Erhebung Hohn spricht,
für das geistige Leben der Völker eine drohende Gefahr liegt, so wird es die gemein
same Aufgabe aller Pflanzstätten geistigen und sittlichen Strebens sein, dem gegen
über den rechten Idealismus zu pflegen, der sicherlich in dem Hin- und Herwogen
der Geistesströmungen auch einmal wieder mehr als jetzt Kraft gewinnen wird. Und
die Universitäten werden immer die eigentlichen Standquartiere des Idealismus bleiben.
An ihnen, wo geistiges Streben die Losung ist, wo die Jugend sich dem frohen Ge
fühle geistige Güter zu erwerben und der harmlosen Lust des Lebens hingibt, wird,
Gott sei Dank, nach dem mein und dein am wenigsten gefragt.
Eng verbunden mit der angedeuteten Richtung ist ein- anderes Gebrechen, die
Krankheit der Sattheit, der überdrüssigen Gleichgültigkeit gegen höhere, über dem
platten Bedürfniss des Tages liegende Bestrebungen. Dieselbe Krankheit tritt hier in
einem die That- und Denkkraft lähmenden Skepticismus ohne Glauben und ohne
Hoffnung, dort in einer dumpfen Unterordnung unter starre Formeln und bequeme
Schlagwörter hervor, anderswo in trotziger Verzweiflung, deren Gegenstück die auf
geblasene Ueberhebung derer ist, denen der herrschende Wind zum Siege verholfen
hat. Der gemeinsame Grundzug dieser Krankheitserscheinungen ist das Gefühl, fertig
zu sein, der Wahn, es gäbe nichts mehr zu erstreben und zu erringen. Die Wissen
schaft aber ist unendlich, sie hält uns immer neue Ziele vor, denn sie ist ein ewiges
Suchen nach der Wahrheit, der wir wohl auf immer neuen Wegen näher kommen
können, aber ohne sie jemals völlig zu erreichen. Wissenschaftlicher Sinn also for
dert zu rastlosem Streben und unablässigem Hoffen überhaupt auf.
Die fertigen schliessen sich gegen einander ab, jeder glaubt allein und aus
schliesslich das Rechte zu haben und verachtet den anders Denkenden. Das ernste
Suchen nach Wahrheit führt uns zur Anerkennung jedes tieferen und gediegenen
Strebens, jeder ächten Ueberzeugung, wissenschaftliches Forschen macht duldsam ohne
gleichgültig zu machen und wird, -wenn irgend etwas, am meisten im Stande sein diö
Einsicht zu nähren, dass gerade in den höchsten und grössten Fragen welche die