0
1
diesem Aufenthalte in Leyden lebte S. B. mehrere Monate bei dem Vater in Gotha, wo der Herzog
-Emst ihn seiner Aufmerksamkeit würdigte. Bei/her kam dann wieder nach Leipzig, er lies* daselbst
1Ü60 eine Dissertation de antinomiis in jure*) drucken und vertheidigte dieselbe unter Eckolt’s
Präsidium. Auch hielt B. in Leipzig als Privatdocent, obgleich er noch nicht Doctor der Rechte,
aber Magister der Philosophie war, jurist. Vorlesungen**). Der Herzog Ernst von Gotha berief den jungen
Gelehrten zum Informator seines ältesten Prinzen, mit dem B. 1662 eine Reise nach Holland machte.
Um seine juristischen Studien zu absolviren, wollte B. 1665 wieder nach Leyden gehen, ward
aber wegen der damals in Holland herrschenden Pest aufgehalten und lebte eine Zeitlang in Rinteln.
Hier ward er durch Freunde seines Vaters mit dem Professor der Mathematik G. W Molanus***)
und dem Philosophen Mich. Watson bekannt. V eil Mol. von der Mathematik zur Theologie über
gehen wollte, ward Beyher die Aussicht eröffnet, als Professor der Mathematik in Rinteln einzutreten,
er lehnte dies Anerbieten ab, nahm aber den von Watson, welcher nach der in Kiel zu stiftenden
Universität als Professor der Philosophie berufen war, gemachten Antrag, als Professor der Mathe
matik nach Kiel zu gellen, an. Vorher reiste er nach Leyden, weil er schon wegen seiner dortigen
Promotion Verhandlungen angeknüpft hatte. Seine juristische Dissertation handelt de jure primoge-
nitorum oder, was B. für richtiger hält, de jure primogeniorum. Diese kleine Schrift ist verbessert
aufgenommen in Beyher s mathesis mosaica sive loca pentateuchi mathematica inathematice explicata,
Kiliae 1679 4 p. 528 — 568, obgleich die Einfügung etwas auffallend ist. Nacli der Erörterung der
1 rimogenitur im Pentateuch wird von B. ausgeführt, welche Ansprüche der primogenitus nach
Römischem, Deutschem, Spanischem, französischem, Englischem, Dänischem etc. Rechte habe, ln
die mathesis mosaica nahm er p. 622 — 27 auch eine 1675 erschienene epistola de cura oculorum
Jonathanis ) auf. Als oidentlicher Professor der Mathematik kündigte B. im ersten index 1665 die
Elemente der Geometrie und Arithmetik und die Grundsätze der Astronomie in Verbindung mit der
Geographie an, im folgenden Semester bot er den Gebrauch der Mathematik in der Militaerarehitectur
oder die Fortificationslehre an, später Pneumatik, Hydraulik, Optik, Mechanik, Akustik, Geodacsie und
Civilbaukunst. Die Dissertationen, welche Beyher für Disputationen schrieb, sind zum Theil in ähn
licher Weise, wie die mathesis mosaica z. B. 1667 zu Lud. Jasparis aus Ostfriesland Promotion zum
Mag. der Philos. de matheseos usu in theologia, welche Erörterungen de paschate, de mappa geo
graphica Palaestinae, de columnis tcmpli Salomonaei enthält, 1669 zu Tonnemachers (aus Tecklen-
burg) Promotion die disput. philos. de matheseos usu in theologia welche de aeneo Salomonis mari,
de Ahasiae regis Judae anno unico regiminis und de proportione crediti et debiti humani handelt,
1672 zur philosoph. Doctorwürdc von Nicol. Owmann aus Wüster quaestiones mathematicae ex
s. literis petitae ex mathesi resolutae, welche Erörterungen de turri Babylon, de Colosso Babylon, und
de pompa Salomonis enthält. Eine Fortsetzung gab B. 1674 zu Martin Cassius, eines Holsteiners,
Promotion durch tres mathematicae quaestiones ex s cod. depromtae et c mathesi solutae. sie handeln
*) ^' e kkine jurist. Schrift führt eine Reihe wirklicher und scheinbarer Controverscn des Rüm. Rechts an.
**) In der Dedication seiner historia jurium universalis Kiliae 1711 4 an Baron Joh. Friedrich ßachovius von
Fehl sagt It., er habe 1661 in Leipzig allgemeine Rechtsgeschiclite vor 19 Zuhörern gelesen, von diesen sei, soviel er wisse,
hachov allein noch am Leben.
***) G. B. Mol. starli 1 722 als Abt zu Loccum und Präses des Ilannov. Ministern, seine series abbatum Luccens.
steht in Lcibnitii scrip«, rer. Brunsvic., er hielt eine Ausgleichung der verschiedenen Religionspnrthoien mit Leibnit/, für mög
lich und wünschenswerth.
***») ])j c mathesis mosaica erschien 1678 in 4., vollständiger 1679, ein deutscher Auszug aus derselben 1696 in 4.
Des Vcifasser wollte die Arbeit unter dem Titel „mathesis biblica“ erweitern und der Verleger I.ippern in Lüneburg forderte
1705 zur Subscription auf, die Ausgabe sollte in drei Theilen in Folio in deutscher Sprache erscheinen. Der erste Theil
dieses erweiterten Werkes soll 1714 erschienen sein.