theidigungen und Eroberungen nach den Regeln der Fortification einrichteten; mit geeigneten An
stalten ihre sumpfigen Gegenden zu entwässern und das feindliche Lager zu überschwemmen wüss
ten. Viribus certe corporis hoc minime effecerunt. Zwei ausführliche Schriften von Reyher folgten:
1668 De Munitionibus und 1673 De Expugnationibus betitelt. Sie bilden zusammen ein Lehrbuch
der defensiven und offensiven Fortification, worin der Verfasser auch, wie gewöhnlich zu der Zeit
in solchen Schriften, seinem Vortrage eine eigene Befestigungsmanier hinzugefugt hatte. Diese war
nach der Anzahl der Seiteii des Festungspolygons in zwei Fälle unterschieden, so dass Möller (Cimb.
lit.) unter Reyher» inventa anführen konnte: Duo modi urbes muniendi. Reyher weist die Gründe sei
ner Methode nach, wie sie mit den allgemeinen Grundsätzen der Vertheidigung übereinstimme und
practisch leicht ausführbar sei. Auch beantwortet er im Voraus mehrere Einwürfe die sich etwa da
gegen machen liessen. Reyher, der in Leipzig und in den Niederlanden und hiesigen Ortes alle Ge
legenheiten benutzte, theoretisch und practisch! den Gegenstand weiter zu verfolgen, wird es der ra
tionellen Weise, womit er in der Bearbeitung desselben zu Werke ging, zu verdanken haben,' dass
seine Befestigungsmanier noch 80 Jahre später in dem von Wolff begründeten Mathem. Lexicon
(Leipzig 1741—47) wieder aufgenommen und dort zwischen die Befestigungsmanieren von Pagan und
Blondel chronologisch eingereiht wurde, während so manche andere Methoden (L. C. Sturm zählte
im Anfänge des 18. Jahrh. schon über 70) bald wieder vergessen waren*). Unter den Autoritäten
dieses Fachs sieht man, dass R. sich vorzüglich an den Strassburger Baumeister Daniel Speckle hielt,
dessen Baukunst von Festungen (Strassburg 1589 lbl.) auch in andere Sprachen übersetzt wurde,
und der noch von Benj. Rohiris, dem Verfasser der von L. Euler übersetzten Principles of Gunnery
gerühmt wird als one of the greatest geniuses that has applied to this art**),
Unter den von Reyher beschriebenen Befestigungsmanieren ist die erste von Franz v. Schoten,
die zweite und dritte von Nicol. Goldmann, die vierte von Georg Andr. Böckler, dem Frankfurter
Stadtbaumeister, die fünfte von dem V) ittenberger Prof. Christoph Nothnagel oder nach Reyhers An
merkung: von Basilius Piteliust, die sechste von einem ebenfalls von R. gerühmten Sachkundigen, Exell.
Dno. Gorgas, Generali Vigilum Praefecto, dessen Modus Reyher von ihm mi t getheilt erhalten hatte.
Die 7. nur fragmentarisch angegebene Methode ist die des Dn. Busii, Regii Militiae Danicae Gener.
Vig. Praefecti, der selbst noch darüber schreiben wollte, um seine in mehr als 20 Belagerungen ge
sammelten Erfahrungen bekannt zu machen. Dieser hatte damals auch Friedrichsort befestigt (Mu-
nimentum Fridericium ad ostium Chiloniensis situm) und pflegte Reyher bei seinem Practicum auf
dem Felde zu besuchen. Der Praefectus Kiloniensis Paul Rantzow hatte nämlich ein Feld concedirt,
*) It is high time that theif names and notions were forgot, schreibt J. Robertson 1754 über die Urheber vpn vie
len Befestigungsmanieren: many of them being only such persons, as having diverted themselves with conundrums and whim
sical scratchings on paper, published their conceits for a like amusement to others etc.
*•') Charakteristisch ist die Erzählung, welche R. am Schluss seiner Abh. De Munitionibus aus dem Speckle abdrucken
lässt mit einigen Erörterungen des Verhältnisses von Theorie und Praxis zu einander. Speckle erzählt, dass er 157 7, als man
das Castell in Antwerpen (Antorff) abbrach, bei dem dortigen Architecten (Meister Frantzen) war, und ihn befragte, warum die
Bollwerke so weit, bis auf 1600 Fuss, aus einander lägen. Dieser antwortete, dass Kaiser Karl V. daran schuld wäre, der sich
von einigen Obersten, v. Reuren, Duca de Alba und Gonsaya dazu hätte bereden lassen. „Da aber AI. Frants gegenpart
hielt, hat der Kaiser gesagt, lieber Meister, Du verstehst unser Meinung und Bedenken nicht, als diese Kriegs-Verständige Herren“etc.,
wo nun der Kaiser weitere Erklärungen giebt, wie es darauf abgesehen sei, den Feind in ein Kreuzfeuer zwischen die weit aus
einander liegenden Bastionen zu bringen. Als aber einige Jahre nachher der Kaiser die Werke wieder besichtigte, habe Meister
Fr. mit seinenErinnerungen dagegen den Kaiser angeredet, „dass die Wehren grösser u. näher sollten bey einander liegen“, worauf
der Kaiser antwortete „lieber M. Frants, ich verstände Dich jetzundt besser, dann zuvoran, dass deine meinung recht gewesen
ist, aber nicht angenommen worden, (das ist mm einmal geschehen), unser Meinung wird täglich verworfen in vielen Sachen,
derhalben seindt wir solches wol gewohnt, das musstu auch gewöhnen, wann Du aus ander Leuten Seckel bawon wilt, fahre
ort, es wird dennoch eine gewaltige Vestung werden“ etc.