Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1856. (Band III.)

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der hinteren Seite des Hauptgebäudes, so wie die Herstellung eines flachen Daches über dem ganzen 
Hause, statt jetzt nur über dem neu angebauten Theile, projektirt war, konnte bei den dringenden Bau 
bedürfnissen für andere wichtige Universitätsinstitute nicht genehmigt werden. Der genehmigte und aus 
geführte Ausbauplan ist indessen von der Art, dass bei einem etwaigen späteren Zurückgehen auf den 
grösseren Plan keine Abänderungen des schon ausgeführten Theiles erforderlich sind. 
Auf den Ankauf des Gebäudes sind 14,655 44 ß R.-M. verwendet worden. Der Umbau wurde 
nach vorgelegtem Plane vom Herrn Maurermeister J. Ehbets gemäss Contrakts ausgeführt und kostete mit 
Einschluss einiger nachträglich noch hinzugekommenen Arbeiten 7373 ■>$ 44 ß, so dass die gesammten Kosten, 
die im Verhällniss zu dem soliden und geräumigen Gebäude mässige Summe von 22,028 88 ß R.-M. 
betragen. 
Zur Verschönerung der Facade waren keine Geldmittel disponibel, und hatte der Bauunternehmer 
Herr Ehbets nur die Verpflichtung, die Hausfront einfach abputzen zu lassen. Es schien indessen wünschens- 
werth, dass der erste seit längerer Zeit in Kiel ausgeführte Bau eines öffentlichen Gebäudes sich auch 
äusserlich würdig darstellen möchte, und ist dies so weit als möglich durch private Mittel auszuführen 
versucht worden. Indem nämlich die Professoren der philosophischen Fakultät eine Reihe von Vorlesungen 
vor einem gemischten Publikum hielten, wurde durch die Eintrittsgelder der grösste Theil der Summe 
gewonnen, für welche der Herr Bildhauer II. Heidel in Berlin 4 Portrait-Medaillons und 4 Büsten in 
kolossalem Maassstabe in Sandstein auszuführen übernommen hatte, indem er aus .reinem Interesse für den 
Plan anf eine Honorirung seiner künstlerischen Entwürfe verzichtete und nur die Wiedererstattung der Her 
stellungskosten berechnete. Die architektonische Ausschmückung der Fafade, welche mit der beabsichtigten 
Zierde von Skulpturen in Einklang stehen musste, wurde ebenso wie die Arbeiten beim Einsetzen der 
Bildwerke auf das Uneigennützigste vom Herrn Maurermeister J. Ehbets unentgeltlich übernommen. 
1st mithin die Universität der Regierung für die Munificenz, mit welcher ein eigenes Gebäude für 
Physik und Mineralogie eingerichtet wurde, zu dauerndem Danke verpflichtet, so ist nicht minder den 
Männern öffentlicher Dank abzustatten, welche in angegebener Weise die äussere würdige Ausstattung des 
Gebäudes ermöglichten. 
Eine Ansicht der Facade des Hauses, so wie der Skulpturen, ist auf der Tafel I. gegeben, und sei 
es erlaubt, über die Wahl der Portraits einige Worte hinzuzufügen. 
Das mineralogische Museum befindet sich in der vordere Hälfte des Hauptgebäudes im Erdgeschoss, 
während das physikalische Institut vorzugsweise die beiden obern Etagen des Hauses einnimrnt. Dem ent 
sprechend sind die Portraits, welche auf die Physik Bezug haben, oben, die auf die Mineralogie bezüg 
lichen unten angebracht. 
Die beiden Reihen von Portraits sind in verschiedenem Styl gehalten, die oberen Köpfe von beiläufig 
doppelter Lebensgrösse sind als sehr hohe Reliefs, die unteren, reichlich anderthalb lebensgrossen Portraits 
sind als volle Büsten ausgeführt. Die Grösse der Nischen, in denen die Köpfe stehen, ist oben und unten 
dieselbe, nämlich von 36 Zoll Durchmesser. In der Tafel sind daher die Portraits in der relativen Grösse 
der Ausführung abgebildet, welche so berechnet ist, dass für den vor dem Hause stehenden Beschauer alle 
Köpfe von gleicher Grösse erscheinen. 
Als Hepräsentanten der Physik sind gewählt: Gal. Galilei (1504—1642), Ren. Descartes (1506—J649), 
O. v. Guericke (1602—1686), Is. Newton (1642 —1727,). Es sollten hierdurch sowohl jeder der vier 
Nationen, die sich vorzugsweise in der Förderung der Physik ausgezeichnet haben, ein berühmter Reprä 
sentant gegeben, als verschiedene epochemachende Abschnitte der Wissenschaft bezeichnet werden. Man 
darf wohl in der Kürze die vier Männer durch folgende Bezeichnungen charakterisiren: Galilei, der Gründer 
der physikalischen Wissenschaften, Descartes, der Urheber moderner spekulativer Physik, 0. v. Guericke, 
erster bedeutender Experimentalphysiker Deutschlands, Newton, Vater der modernen Physik.
	        
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