Volltext: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1856. (Band III.)

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Lieben Freunde, es geht ein gewaltiges Ringen durch die Zeit, bei aller scheinbaren oder wirklichen 
Erschlaffung. Auf allen Lebensgebieten ist der Kampf um eine längst gesuchte und vorbereitete bessere 
Zukunft entbrannt, und seine Schmerzen durchzucken jedes Herz, das noch nicht verkommen, sondern 
noch an Gott und der Menschheit fest ist. Wollt ihr aber nicht der bittersten Täuschung zum Raube 
werden, so seht mit unverwandten Blicken auf den tiefsten Grund 1 alles vergeblichen Ringens der 
Menschheit. Das ist der unreine, und durch seine Urireinheit geknechtete und ge 
brochene Wille. Gebt uns Menschen, nicht wie sie jeder Tag gebiert, sondern Menschen, geboren aus 
dem Geiste und geschaffen nach dem Bilde dessen, den die Welt ans Kreuz schlug, und der Zeit ist 
geholfen, und der Grund ist gelegt, der den Bau der besseren Zukunft fest verheisst, und allein ihn tragen 
kann. Strebet nach der besten Ausrüstung für den Beruf, welcher nach eines jeden Begabung, Neigung 
und Stellung der seines Lebens werden soll; aber wehe der Zukunft, wolltet ihr derselben in Euch nur 
Männer des Berufs, nur Männer vom Fach zuführen, aber nicht Merischen von reinem und durch 
Reinheit starken Willen! Nur die sollens thun, denn was sie treibt, dass ist aus Gott geboren, 
Geist von seinem Geist, Leben von seinem Leben, und nur, wo das die Zwecke setzt und die Mittel 
wählt, den Blick für das Rechte schärft, und dem klar erkannten Rechten auch den vollen Muth und das 
volle Beharren der ächten Begeisterung sichert, nur da erneut sich das Angesicht der Erde, nur da begrüsst 
die Menschheit froh den langersehnten bessern Lebenstag. 
0 ich lese in Eurem Herzen, wie ihr diesem Tage Euch zusagt! Ich sehe im Geist, wie ihr im 
Stillen vor Gott den Bund mit dem Unvergleichlichen erneut, in welchem der reine, alles überwindende 
Wille vor euch steht in seiner vollen göttlichen Majestät und Milde, — „Jesus Christus.“ Ja schaut nur 
auf zu dem, der diesen Namen trägt, und ich weiss es, er hat euch. Ihr könnt Ihm euer Herz nicht 
entziehen. Aber wie er euch hat, so müsst ihr auch ihn haben. Sehet die heiligen Güter, zu deren 
Pflege ihr euch rüstet — Leben und Gesundheit, Recht und Ehre, Kunst und Wissenschaft, Religion und 
Seelenheil! Sollen sie nicht gemeinem und frevelhaften Gelüst zur Beute werden, sondern eine sichere 
Hut und treue Pflege finden soweit sie einst gegebeu werden in eure Hand — so muss Jesus Christus 
in euch leben und wachsen. 
Und so werde euch denn das ehrende Geleit, welches ihr heute eurem heimgegangenen Bruder 
gebt, ein Weg zu dem hin, dessen Macht auch er an seiner Seele erfahren hatte, und werde unser aller 
Gang zum offenen Grabe für den Lebensfürsten eine geebnete Bahn, dass er Advent halte, zu uns 
komme im Geist, hinwegflammend jede unlautere Regung, und uns erfüllend mit seinem Leben, welches 
das ewige im zeitlichen ist — und bleibt, wenn alles andere schwindet. 
Dass wir aber von dieser Stätte nicht gehen, ohne unserem Entschlafenen, nun er noch über der 
Erde steht, ein segnendes Wort nachgerufen zu haben als letzten Gruss, so lasst uns sprechen über 
seinem Sarge : 
Du gingst so früh, des Vaterlandes Hoffnung, 
Der tiefgebeugten Mutter letzter Stab, 
Ein edles Ringen um die höchsten Güter 
War hier Dein Leben und ward hier Dein Grab. 
Doch ist verloren nicht was Du gewonnen, 
Es lebt mit Dir, es lässt von Dir nicht ab, 
Und sollt’ auch hier die Palme Dir entsinken, 
Dein bleibt sie — wo die ew’gen Palmen winken. 
Gottes Friede sei mit Dir •— 
sei mit uns Allen! Amen.
	        
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