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ihnen die romanischen Nationen statt unsers Kaiser und König bedienen. Das lateini
sche imperator ist freilich seiner Herkunft nach nicht völlig aufgeklärt, allein so viel
ist klar, dass imperium die vollziehende Gewalt, dass imperare befehlen, imperator
also Gewalthaber, Gebieter bedeutet. Hier haben wir jedenfalls einen nicht zufälligen,
sondern eine Seite der Sache treffend bezeichnenden Ausdruck. Und auch in ihm
hat sich ein Gefühl des Ursprungs fortwährend erhalten, indem das Wort imperator,
im Lager entstanden, vorzugsweise seine Anwendung auf militärische und unum
schränkte Gewalten gefunden hat. Uns liegt in dem Worte die kahle, kalte, so zu
sagen abstracte Bezeichnung der obersten Machtvollkommenheit vor. Dem imperator
stehen wie dem dictator streng genommen nur Gehorchende, seinen Befehl Ausführende
gegenüber. Tn dem Worte liegt nichts was auf eine geistige Leitung, nichts was
auf eine Gliederung des Gemeinwesens oder auf ein freies innerliches Yerhältniss der
Gehorchenden zum Gebietenden hin wiese. Vielleicht ist dieser Name eben desshalb
ein bloss romanischer geblieben, während der seiner innersten Art nach auf eine
freiere Ordnung und Abstufung gerichtete Sinn der Germanen sich andre Wörter
auserkor und, wo eine ähnliche Art weit gebietender Macht zu bezeichnen war, lieber
zu dem, auf ein glorreiches Vorbild deutenden, Kaisernamen griff. Daneben aber
haben dieselben Römer an den Anfängen ihrer Geschichte einen andern Namen von
ungleich tieferem Sinne. Rex kommt von regere, lenken, richten. Was gelenkt und
gerichtet wird hat eigene Triebkraft, eigenthümliches Streben, eingebornen Willen.
Dem imperator steht das willenlose Heer, dem rex das Volk als eine geordnete
Menge gegenüber, die keineswegs regungslos den Befehl abzuwarten berufen ist son
dern nur von seinem Lenker und Richter zu leiten , wo es sich zu stürmisch re«ft
zu zügeln, wo sich ein Uebermaass, eine Uebertretung zeigt, in seine Schranken
zurück zu bringen ist. Das Wort rex klingt an an rectus, an recht und richtig, es
hebt in sinniger Weise besonders die so zu sagen negative, die jedem Unrecht weh
rende, Seite des Königthums hervor, es muthet dem Herrscher zu sein Volk in den
durch Natur und Geschichte ihm angewiesenen Bahnen zu halten. In ganz ähnlichem
Sinne wird von dem Fürsten so gern das Bild des Steuermannes gebraucht, der mit
kundiger Hand das Ruder lenkt, ein Bild, das in dem Worte gubernator, gouverneur
seine Anwendung freilich mehr auf eine secundäre Regierungsgewalt gefunden hat
Der Steuermann lenkt das Schiff nicht wider den Willen der Fahrenden, er übt die
oft schwere Kunst trotz Wind und Wellen das Schiff dem von Allen erstrebten Ziele
zuzuführen. Uebrigens fehlt auch unsrer deutschen Sprache nicht das dem latein
ischen rex entsprechende Wort. Das gothische reiks, das in zahlreichen Eigennamen
wie Theode-rich d. i. Volkskönig, Friede-rich Friedensfürst wiederkehrt, ist ursprünglich
mit jenem bedeutungsvollen Römerwort identisch. Das Wort rex erhielt bei den Römern
selbst in der Zeit der Republik eine in seiner Herkunft durchaus nicht liegende ge
hässige Nebenbedeutung tyrannischer Willkür. Es blieb aber dennoch im Volke das