Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1859 (Band VI.)

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nach dem Sturz der Könige nicht leicht irgend etwas anders als im gehässigen Sinne 
königlich genannt wurde, gab es in Athen eine königliche Halle oder Basilica, deren 
Bezeichnung von da aus sich für die Architectur aller Zeiten erhielt. Ja auch der 
Sache selbst, der Königsherrschaft, standen die Griechen bei weitem nicht so feindlich 
wie die Römer gegenüber. Viele der weisesten Griechen hatten eine keineswegs ver^ 
hehlte, unter dem wilden Wogen der Verfassungskämpfe sehr begreifliche Hinneigung 
zum Königthum. Die Vorstellung der .Willkür konnte sich an .das Wort ß K a,Aevs 
um so weniger knüpfen, weil, für den gewalttätigen Emporkömmling, für den, wie 
Aristoteles so schön sich ausdrückt, nicht um des Volkes, sondern um seines eigenen 
Vortheils willen Herrschenden, das Wort Tyrann aufkam, ein Wort, welches die Grie 
chen wahrscheinlich von den benachbarten Kleinasiaten entlehnten. Durch diese klare 
Unterscheidung der guten Monarchie und ihrer Ausartung beweisen die Hellenen den 
ihnen so eigenthümlichen Sinn für feine Begriffssonderung, wodurch sie für alle Zei 
ten die Schöpfer und ersten Begründer aller politischen Theorie geworden sind. Ja 
wir haben sogar noch nicht einmal alle griechischen Namen für den Alleinherrscher 
erwähnt. Um den farblosen Ausdruck Monarch zu übergehen, der von Hellas aus 
in alle Welt wanderte, wollen wir nur noch eines sinnigen Wortes gedenken. Neben 
dem ererbten Basileus, neben dem gewaltsam emporgekommenen Tyrannen, kannten 
die Griechen noch den Wahlherrscher, den im Kampfe der Parteien zu temporärer 
höchster Gewalt Berufenen , und nannten ihn cc}<tv-iavy\-ty]-s, das heisst den Erwäger 
der otha,, des gleichen Rechtes, den Rechtswart, wie wir das Wort wieder geben 
könnten. In der'That mit den drei Ausdrücken rex, ßctcnhsis und Aesymnet möchte 
der erhabene Beruf und die schwere Pflicht des Königthums fast nach allen Seiten hin 
angedeutet sein. Das Staatsschiff auf richtiger Bahn fest zu lenken, das Volk vor 
wärts zu führen , das Recht für Alle gleich unparteiisch zu wahren , das sind doch 
wohl drei Hauptstücke der Idee des Königthums. 
Indess wir wollen bei diesen Betrachtungen nicht in den Fehler verfallen, der 
dem deutschen Volke leider zu allen Zeiten besonders nahe gelegen hat, in allzu 
bescheidener Geringschätzung des Eigenen Fremdes mit blinder Bewunderung zu 
preisen. Die Sprachforschung ist in hohem Grade geeignet solcher Einseitigkeit und 
Schwäche entgegen zu wirken, indem sie den Reichthum unsrer deutschen Sprache 
auf das Hellste an den Tag gelegt, ja wesentlich durch die gründliche Erforschung 
der deutschen und der ihr zunächst verwandten Sprachen sich überhaupt erst zu 
einer höheren Stufe emporgearbeitet hat. Auch der deutschen Sprache fehlt es nicht 
an einem Worte, das alle jene sinnigen Beziehungen in sich trägt, die wir so eben 
indem griechischen Königsnamen fanden. Nur müssen wir das Wort der jetzigen 
Rangordnung nach eine Stufe tiefer suchen. Das Wort das ich meine, ist Herzog. 
Jeder sieht, das Herzog von Heer und ziehen herstammt. Danach denken wir also 
zunächst an den Heerführer. Aber das Wort Heer bedeutet seinem älteren Gebrauche
	        
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