Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

als römischer Bürger mit dem Beile hingerichtet ward, zwar nicht mit Petrus bei der 
in Folge des römischen Brandes ausgebrochenen Hauptverfolgung und wie eine spätere 
Ueberlieferung und der römische Festkalender will, an einem und demselben Tage, 
wohl aber ziemlich*) gleichzeitig das Martyrium erlitten hat. Wir haben um diese 
Zeit also schon zwei auf einander folgende blutige Verfolgungen römischer Christen, 
den furchtbaren Brand Roms, wodurch der grösste Theil der Bewohner Roms, also 
gewiss auch die römischen. Christen schwer betroffen wurden, die sich daran an 
schliessenden Gelderpressungen Nero’s für den Neubau (Tacit. Ann. 15, 45.), die 
Verschwörung des Piso im April 65 (Tacit, Ann. 15, 48 — 73. Suet. Ner. 36.), nach 
deren Entdeckung Schuldige und Unschuldige bestraft wurden und an welcher die 
Prätorianer betheiligt waren, unter denen sich, wie wir aus Phil. 1, 13. 4, 22. wissen, 
Christen befanden, welche an sich schon ein Gegenstand des Verdachts waren und 
von der damals noch lebenden allmächtigen (Ann. 15, 61,) Kaiserin Poppäa, einer 
jüdischen Proselytin, wenig Gnade zu hoffen hatten, endlich im Herbst 65 eine furcht 
bare Pest,**) welche nach Sueton und Orosius in Rom 30000 Menschen wegraffte. 
Mithin lassen sich grade um diese Zeit die eWAAjjAa* der römischen Christen 
aufs Beste nachweisen. Ausserdem scheint für die Abfassung des ersten Briefs des 
Clemens in der Zeit vor der Zerstörung Jerusalems der Umstand zu sprechen, dass 
letztere am Schlüsse von Cap. 6, zumal die Rede von dem „grosse Städte“ zerstören 
den hier es so sehr nahe legte, sonst gewiss ausdrücklich erwähnt sein würde. 
Endlich obwohl die Präsentia Cap. 41 und schon Cap. 40 zur Noth***) die sich dem 
Gesetze gemäss vollziehenden jüdischen Cultushandlungen, abgesehen von ihrem em 
pirischen Bestände, bezeichnen können, (vgl. indess das Sv 'legcuaczÄrjp povy Cap. 41, 
wo jedenfalls die jüngste Uebung ins Auge gefasst ist), so wird doch auch .durch sie 
die Annahme eines noch bestehenden jüdischen Tempelcults begünstigt, sofern jene 
*) A. a. O. S. 548 ff. 
**) Tacit. Ann. 16, 13. Tot facinoribus foedum annum etiam dii tempestatibus et mortibus 
insignivere etc. Oros. hist. 7, 7. (Nero) primus Romae Christianos suppliciis et,mortibus adfecit 
ac per omnes provincias pari persecutione excruciari imperavit: ipsum nomen exstirpare conatus 
beatissimos Christi apostolos, Petrum cruce, Paulum gladio occidit. Mox acervatim miseram civi- 
tatem obortae undique opprefcsere clades. Nam subsequente auctumno tail tu Urbi pestilentia incubuit, 
ut triginta millia funerum in rationem Libitinae venircnt. Vgl. Sueton. Ner. 38. 
***) Auch Josephus gebraucht Ant. 3, 6 — 12. zu einer Zeit, wo nicht nur das mosaische, 
sondern überhaupt das jüdische Heiligthum nicht mehr bestand, in lebhafter Beschreibung der Ent 
stehung, der Einrichtungen und Cultushandlungen des von Mose gegründeten jüdischen Heiligthums 
Präsentia, indem er entweder die Vergangenheit wie gegenwärtig denkt oder das gottesdienstliche 
Handeln und die gottesdienstlichen Einrichtungen nach ihrem durch das (iesetz begründeten, 
dauernden Character beschreibt, .lene Praesentia historica wechseln aber auch hie und da mit 
Praeteritis und überhaupt ist von vorne herein nach dem ganzen Zusammenhänge über ihren Sinn 
nicht der mindeste Zweifel, so dass auf Josephus des Gegenbeweises wegen nur mit Unrecht hin- 
gewiesen werden kann.
	        
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