Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

zumal bei seinem frühzeitigen Gebrauch von Seiten des römischen Clemens befremden 
würde, ist gleich nach den Paulinen als epistola ad Alexandrinos*) erwähnt und, 
weil Pauli nomine ficta, verworfen. Nach einer Ansicht, welche ich a. a. 0. in der 
ersten Abhandlung bereits als möglich gesetzt, in der zweiten aber vorgezogen habe, 
sind die betreffenden**) "Worte zu erklären: Im Umlaufe befindet sich auch ein Brief 
an die Laodiceer, [ein solcher Brief, welcher wegen Col. 4, 16. vgl. Theodoret z. d. St. 
und Hieron. catal. 5 untergeschoben ward, ist uns bekanntlich noch erhalten], ein anderer 
an die Alexandriner, die unter Pauli Namen erdichtet sind, bei der Secte Marcions 
ist auch mehreres Andere im Umlauf, was in der katholischen Kirche nicht recipirt 
werden kann, denn Galle darf mit Honig nicht vermischt werden. Wir sehen aus dem 
Gegensätze zu der Secte Marcions, dass der Brief an die Laodiceer und der Brief an 
die Alexandriner innerhalb der Kirche im Umlauf war — die nicht häretische 
Haltung des Laodiceerbriefs ist auch sonst constatirt, vgl. Credner a. a. 0. S. 96. — 
aber der Verfasser des Fragments meinte, sie seien unter Pauli Namen erdichtet — 
bei dem Briefe an die Laodiceer hatte er ganz Recht — und bekämpfte ihre kirch 
liche Reception. Also etwa gleichzeitig mit Pantänus in Aegypten, welcher den 
paulinischen Ursprung des Hebräerbriefs nach S. 10. dort unter den Ersten behauptete, 
scheint diese Behauptung auch in den lateinischen Briefen des Fragmentisten geltend 
gemacht zu sein, hier aber, wie aus der Art ihrer Zurückweisung hervorgeht, in häre 
tischer Absicht, etwa, wenn wir auf die damalige Zeitgeschichte der lateinischen 
Kirche sehen, von Montanisten und Melchisedekianern, welche sich, wie wir wissen, 
auf unsern Brief beriefen und von denen die erstem als Cataphryger am Schluss des Frag 
ments ausdrücklich erwähnt werden. Wie selbst im Oriente, wo der Hebräerbrief 
recipirt war, Einige im Gegensätze zu den Vertheidigern des paulinischen Ursprungs 
unsern Brief ms ov iWAoj yeyfcc/u/uevriv (vgl. S. 14) verwarfen, so ging auch der Frag 
mentist im Abendlande, wo er kirchlich allerdings noch nicht recipirt war, im Streite 
so weit, ihn als Pauli nomine ficta der Reception nicht werth zu erachten. Wenn***) 
gesagt worden ist, die Epistel an die Alexandriner könne, weil sie in Pauli Namen 
• 
*) Vgl. meine Abhandl. Stud. u. Krit. 1847. Heft 4. Der Kanon des N. Ts. von Muratori, 
von Neuem verglichen und im Zusammenhänge erläutert, u. ebendas. 1856. Heft 1. So auch Credner, 
Geschichte des neut. Kanon S. 160 ff., welcher also die frühere Bestreitung meiner Behauptung 
aufgegeben hat, Volkmar, bei Credner a. a. O. S. 394 ff., R. Köstlin a. a. O., Andere. 
**) Fertur etiam ad Laodicenses, alia ad Alexandrinos, Pauli nomine fictae, ad haercsem 
Marcionis et alia plura (sc. feruntur), quae in catholicam ecclesiam recipi non potest (possunt oder 
prodest?). Fel enim cum melle misceri non congruit. Unsere oben im Texte vorgetragene’gramma 
tische Construction des ad haeresem Marcionis et alia plura (sc. feruntur) hat auch Gilse in seiner 
disputatio über den Muratorischen Kanon 1852. Darüber, dass das ad in dieser Verbindung so viel 
wie apud bedeutet, vgl. Forcellini, totius latinitatis lexicon unter ad und Handii Tursellinus seu de 
particulis latinis comment. I. p. 93. 
***) Von Delitzsch, Hebräerb. S. XIII. u. Lünemann a. a. O. S. 8.
	        
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