Volltext: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

ecclesiasticis Graeci sermonis scriptoribus quasi Pauli apostoli suscipi, licet plerique 
earn vel Barnabae vel Clementis arbitrentur; et nihil interesse, cujus sit, cum eccle- 
siastici viri sit et quotidie ecclesiarum lectione celebretur. Quodsi earn Latinorum 
consuetudo non recipit inter scripturas canonicas, nec Graecorum quidem ecclesiae 
Apocalypsin Johannis eadern libertate suscipiunt; et tarnen nos utraque suscipimus 
nequaquam hujns temporis consuetudinem, sed veterum scriptorum auctoritatem se- 
quentes, qui plerumque utriusque abutuntur testimoniis, nön ut interdum de apocryphis 
facere solent (quippe qui et gentilium litterarum raro utantur exemplis), sed quasi 
canonicis. Nachdem Hieronymus die Beweiskraft der von ihm gebrauchten Zeugnisse 
des Hebräerbriefes kurz gegen die treulosen Juden hervorgehoben hat, vertheidigt er 
sie auch den Christen gegenüber. Das, sagt er, muss den Unsern gesagt werden, 
dass der Hebräerbrief nicht allein von den Kirchen des Orients, sondern anderer 
seits von allen kirchlichen Schriftstellern in griechischer Zunge (also selbst 
im Oriente damals noch nicht von allen kirchlichen Schriftstellern aller Zungen, 
z. B. der syrischen, chaldäischen u. s. w., welche letztem namentlich auch an seinen 
alttestamentlichen, von den LXX. abhängigen Zeugnissen den von Hieronymus er 
wähnten Anstoss mögen genommen haben) als paulinisch aufgenommen wird, 
obwohl die Meisten (die dies thun) ihn (nicht unmittelbar dem Paulus, sondern) etwa 
dem Barnabas oder dem Clemens beilegen, und dass es von keinem Gewichte ist, 
welchem (von den genannten, ob dem Paulus, Barnabas oder Clemens) er angehört, 
da er einem der kirchlichen Reception würdigen Manne (ecclesiastici*) viri, was die 
can. 60. als paulinisch recipirt; den Kirchen des Orients werden dann ihre einzelnen Glieder 
gegenübergestellt, freilich nicht alle, sondern nur die Kirchenschriftsteller griechischer Zunge. Von 
den Griechen seiner Zeit wiederholt hier Hieronymus, was er auch sonst (s. oben S. 27.) mit den 
Worten ausspricht: omnes Graeci recipient. 
*) Ecclesiasticus bildet hier nicht, wie Bleek a. a. O. S. 211. will, den Gegensatz zu 
haereticus, in welchem Falle, wie kurz vorher, auch ecclesiastici seriptoris hätte gesagt werden 
können, sondern ecclesiasticus vir steht in diesem Zusammenhänge, wo von der Aufnahme unsers Briefs 
in den neutestamentlichen Kanon gehandelt und unmittelbar darauf erläuternd von seiner kirch 
lichen Verlesung (ecclesiarum lectione) geredet wird, in einem auch sonst vorkommenden spe- 
ciüschcn Sinne von einer Person, die in der Kirche als kanonisch recipirt ist oder recipirt zu werden 
verdient. Ebenso Hieronymus zu Jerem. c. 31, 31. Hoc testimonio apostolus Paulus sive quis 
alius scripsit epistolam usus est ad Hebraeos (c. 8, 8—12) omnesque deinceps ecclesiastici viri 
in primo salvatoris adventu dicunt universa completa etc. In demselben Sinne nennt Hieronymus 
unsere Epistel inter ecclesiasticas recepta, wie sonst inter scripturas canonicas, Comment, in 
Tit, 2. ßelege ad Hebraeos epistolam Pauli sive cujuscunque alterius cam esse putas, quia jam 
inter ecclesiasticas est recepfa etc. Vgl. auch das griechische {xxkt)<nütia&<u und die libri eccle 
siastici. Nur ist zu beachten, dass Hieronymus — anders liufin in seiner cxposit. in Symb. Apost., 
welcher einer ältern Betrachtungsweise folgend einen laxern Sprachgebrauch hat — den Sprach 
gebrauch befolgt, nach welchem die in der Gemeine verlesenen Bücher oder seine libri ecclesiastici 
wie bei Philastrius, vgl. S. 24. Note, entsprechend dem can. 59. des Concils vonLaodicea, (vgl. auch das
	        
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