verfasst ward, so ist der Umstand, dass dieses Nachbild des Hebräerbriefs dem Bar-
nabds beigelegt wird, ein neuer Wahrscheinlichkeitsgrund für die Abstammung des
letztem von Barnabas, vgl. Twesten a. a. 0. S. 40. Hier lässt sich auch nachweisen,
warum die Alexandriner Clemens und Pantänus, welche nach S. 34. vornämlich die
Annahme des wenigstens mittelbaren paulinischen Ursprungs des Hebräerbriefs in der
Kirche veranlasst haben, den Barnabas nicht als Vörfasser zulassen konnten. Letzteres
war dem Clemens und andern Alexandrinern schon desshalb unmöglich, weil sie den
apokryphen Brief dem Barnabas wirklich beilegten, wie ihn denn Clemens öfter als
Epistel des Apostels Barnabas citirt nnd Origenes als eine huaroM YM§o)um bezeichnet,
vgl. auch Euseb. h. e. 3, 25. und dazu Credner, Gesch. des neut. Kanon S. 120.
Hinzu kam, dass, wie wir eben sahen, Clemens den Barnabas für einen der 70 Jünger
hielt, und aus diesem Grunde wegen Hebr. 2, 3. an der Abfassung des Hebräerbriefs
durch Barnabas Anstoss nehmen musste. Die Alexandriner gewannen so überdies
das Zwiefache, dass ihre gefeierten beiden Briefe noch zu hohem Ehren gelangten,
der apokryphe Barnabasbrief, indem er zu einem ächten ward, der Hebräerbrief, indem
er dem Apostel Paulus beigelegt ward. — Aus der Annahme ferner, dass Barnabas
der Verfasser des Hebräerbriefs ist, erhält das Factum, dass die Leser desselben nach
6, 10. die uyiot*) d. i. die Christen Jerusalems, wie wir später noch näher sehen
werden, unterstützt hatten und noch fortwährend unterstützten, ein neues Licht. Es
war nach Gal. 2, 10. ja eine heilige Pflicht, welche Barnabas mit Paulus auf sich ge
nommen hatte, dass sie in den von ihnen zu stiftenden auswärtigen Gemeinen für die
armen Christen Jerusalems sorgen wollten. Ueberhaupt schreibt unser Verfasser an
seine Leser wie einer, der Autorität hat, obwohl er nicht zu ihren eigenen Vorstehern
gehörte, 13, 7. 17., was, zusammengehalten mi^ dem bedeutsamen Inhalt, eine so an
gesehene Lehrerpersönlichkeit, wie Barnabas war, als Verfasser nahe legt.
Folgende Gründe hat man der Abfassung des Hebräerbriefs durch Barnabas
entgegengestellt. Sein Verfasser schreibe ein besseres und gewandteres Griechisch
als Paulus. Nun aber habe Paulus nach Apostg. 14, 12. eine grössere Gabe der Rede
gehabt als Barnabas. Folglich könne der Letztere unsern Brief schwerlich geschrieben
haben. So Bleek a. a. O. S. 419 ff. und selbst noch Ebrard, Comment. S. 455. Allein
längst ist darauf erwidert, dass einen bessern Stil schreiben und das Wort führen
im mündlichen Gespräch verschiedene Dinge sind, nnd selbst Gegner der Ab
fassung des Briefs durch Barnabas, wie Lünemann und Riehm, räumen ein, dass der
damaligen jüdischen Cerempnienwesen lauter Thorheit und fleischlichen Missverstand des von Gott
geistlich und symbolisch Gemeinten finde, was zu dem bekannten Barnabas, dem frühem Leviten,
vgl. auch Gal. 2, 13., nicht passt.
*) oi Hytoi steht hier wie 1 Cor. 16, 1. vgl. V. 3. 2 Cor. 8, 4. 9, 1. Röm. 15, 25 — 32.
Dass bei rote aylots an auswärtige Christen zu denken ist, fofgt schon daraus, dass sonst etwa
ul.Ri.ots zu sagen war. Auch Ewald, Köstlin A. erklären das üytoi in obigem Sinne.