Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

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Die Seltenheit der Erscheinung einer totalen Sonnenfinsterniss für einen be 
stimmten Ort, und damit die Nothwendigkeit, zur möglichen Beobachtung derselben 
mehr oder weniger lange Reisen zu unternehmen, ergiebt sich schon aus der 
Uebersicht einiger hierher gehörigen Untersuchungen. In London ist seit dem Jahre 
1715 und in Paris seit 1724 keine totale Finsterniss der Sonne vorgekommen. Für 
London untersuchte Halley bei dieser Gelegenheit, wann die vorletzte Erscheinung 
der Art dort stattgefunden hätte, und musste bis zum Jahre 1140 also 575 Jahre 
zurückgehen. In Paris wünschte Ludwig XV. zu wissen, ob daselbst in den nächsten 
Jahren seiner spätem Zeit wieder eine totale Sonnenfinsterniss zu erwarten sei. Die 
Untersuchung ergab nach Lalande, dass von 1769 bis zum Jahre 1900 zwar 59 Sonnen 
finsternisse, und darunter nur eine ringförmige am 9. Octob. 1847, aber nicht eine 
einzige totale für Paris stattfinden werde. Durch ein seltenes Zusammentreffen von 
Umständen kann dagegen für einzelne Oerter eine zeitige Wiederholung Vorkommen. 
So wird für die Gegend um Algier, wo die diesjährige Finsterniss total war, bereits 
nach zehn Jahren wieder eine solche erscheinen. Im Allgemeinen aber bleibt ein 
solches Phänomen für einen bestimmten Ort eine grosse Seltenheit, weil der Schatten 
des Mondes, wenn er die Erdoberfläche erreicht, so klein ist — bei der letzten 
Finsterniss in Spanien kaum 29 Meilen im Durchmesser — dass er nur wenige Oerter be 
rühren kann, und überdies bei verschiedenen Finsternissen seinen Weg oft durch 
ganz verschiedene Erdtheile nehmen muss. Aus der Kleinheit des Schattens und 
der Geschwindigkeit seiner Bewegung, welche im obigen Falle ungefähr 9 Meilen in 
der Minute war, ergiebt sich auch die sehr kurze Dauer einer totalen Finsterniss, die 
unter den vereinigten günstigsten Umständen nur 7 bis 8 Minuten betragen könnte. 
Unter den am hiesigen Orte vorgekommenen Sonnenfinsternissen scheint die 
vom 12. Mai 1706, welche Samuel Reyher hier beobachtete, nach seinen kurzen 
» Angaben noch sehr nahe total gewesen zu sein. Von andern grossen Finsternissen 
der Sonne, welche hier sichtbar waren, ist die Finsterniss vom 28. Juli 1851 in letzter 
Zeit die grösste gewesen. Sie war schon im südlichen Schweden total und in Kiel 
blieb kaum ein Zwölftel von der Sonne noch übrig. Die Abnahme der Beleuchtung 
war auch hier, wie man sich erinnern wird, sehr bemerkbar, aber doch nicht hin 
reichend, um die interessantesten Erscheinungen, wie an den Oertern der Totalität, 
zum Vorschein kommen zu lassen. Ebenso konnte die für uns ringförmige Finsterniss 
vom 15. Mai 1836 diese Erscheinungen nicht darbieten, weil das Licht des übrig 
gebliebenen Ringes der Sonnenscheibe noch zu stark war. Dieser schmale Ring 
würde verschwunden und damit die Finsterniss hier eine totale geworden sein, wenn 
der Mond damals in seiner Erdnähe gewesen wäre, wodurch er uns hinreichend gross 
hätte erscheinen müssen, um die Sonnenscheibe ganz zu verdecken und folglich seinen 
dunkeln Kernschatten auf die Erde zu werfen, während bei ringförmigen Finsternissen 
die Spitze jenes Schattenkegels sich nicht bis zur Erdoberfläche erstrecken kann.
	        
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