noch die verschiedene Gestalt der Corona, wie sie sich bei verschiedenen Finsternissen
gezeigt hat, und wobei wenigstens das Hervorschiessen längerer Strahlen, welche
ebenfalls beobachtet wurden, eher eine optische Modification der Erscheinung in unserer
Atmosphäre andeuten möchten, als einen Zustand des Aethers oder der Umhüllung der
Sonne nach der Kepler’schen Erklärung. Unter den Versuchen, die Finsterniss künstlich
nachzubilden, konnte eine frei gegen die Sonne aufgehängte und diese verdeckende Kugel,
um welche schon wegen der sehr glänzenden Theile unserer Atmosphäre in der Nähe
der Sonne eine helle Umgebung wahrgenommen werden musste, nicht sofort zur Er
klärung der Lichtkrone dienen, weil der Mond sich ausserhalb unserer Atmosphäre
befindet. Bemerkenswerther aber musste zur Erklärung der Corona die schon von
Grimaldi 1665 bekannt gemachte Entdeckung sein, dass die Begrenzung des wirklichen
Schattens von dem des geometrischen etwas verschieden ist wegen der sogenannten
Beugung des Lichtes bei dem nahen Vorübergange an den Rändern der dunklen
Körper, und sich dabei helle farbige Säume um den Schatten zeigen. Beansprucht
aber diese optische Erklärung der Lichtkrone bei den Finsternissen durchaus keiner
weitern Hypothese zu bedürfen, leugnet sie also z. B. gänzlich eine noch sichtbare,
wenn auch schwach leuchtende Umgebung des grossen Sonnenkörpers über seinen
gewöhnlichen hellen Rand hinaus, so müsste sie freilich von allen merkwürdigen Er
scheinungen in der Corona keine ganz unerklärt lassen, sondern wenigstens ihre Möglich
keit auf optischem Wege zeigen, welches zu erreichen bis jetzt aber nicht gelungen ist.
Ausser der sorgfältigen Beobachtung der Corona im J. 1706 wurde damals
auch schon ein rother Streifen am Mondrande bemerkt. Aehnliches wird noch bei
einigen späteren totalen Finsternissen vor 1842 erwähnt, aber die merkwürdigste unter
den früheren Wahrnehmungen gelang, wie es scheint, nur bet der totalen Finsterniss
im J. 1733 zu Gothenburg. Vassenius, Lector der Mathematik am dortigen Gymna
sium, bemerkte nämlich in der Lichtkrone, von ihm Mondatmosphäre genannt, röth-
liche Flecken, deren grösster aus drei Theilen oder Wölkchen bestand, die sich etwas
gegen den Mondrand neigten. Das Fernrohr des Beobachters (von 21 Fuss Länge)
konnte damals nur noch unachromatisch sein, wobei die farbigen Ränder der Bilder
Täuschungen hervorzubringen im Stande waren; überhaupt aber muss diese Beob
achtung, welche in den Phil. Transact. Bd. 38 veröffentlicht war, so isolirt eewesen
sein, dass sie kaum Glauben fand und später ganz in Vergessenheit gerieth. Erst
nach 1842 wurde sie wieder allgemein bekannt durch Conferenzrath Schumacher (Astr.
Nachr. N. 463), welcher eine Vergleichung derselben mit seinen eigenen Beobachtungen
vorgenommen hatte, woraus sich ergab, dass das von Vassenius Gesehene unzweifelhaft
mit den neueren Wahrnehmungen als Erscheinung derselben Art übereinstimmte.
Ganz unerwartet nämlich erschienen den Beobachtern der totalen Finsterniss
am 8. Juli 1842 die leuchtenden bergähnlichen Hervorragungen, welche man seitdem
gewöhnlich mit dem Namen Protuberanzen bezeichnet (Les protuberances, the