Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1860 (Band VII.)

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ausgesetzt gewesen, und soll ein überraschend gelungenes Bild derselben gegeben 
haben, auf welchem man mit der Loupe sogar einige der grossem Protuberanzen 
erkennen konnte. Leider scheint es nicht durch den Druck veröffentlicht zu sein, 
obgleich es wohl die zuverlässigste Darstellung der Corona geAvesen wäre. Auch 
wegen der einzelnen längeren Strahlen würde es von besonderem Interesse sein, 
solche unzweifelhafte Lichtbilder zur Vergleichung zu erhalten, da bei diesem Phänomen 
vielleicht subjective Eindrücke zuweilen mit vorgekommen sein mögen, Avie man aus 
der Verschiedenheit der Darstellungen von verschiedenen Beobachtern vermuthen 
könnte. Bei blendend leuchtenden Gegenständen können bekanntlich schon Reflexe 
von den Augenwimpern strahlenförmige Erscheinungen hervorbringen, auch abgesehen 
von den möglichen Reflexen der Gläser, die man etwa zur Hülfe nimmt. 
Es folgte darauf zunächst die Beobachtung einer totalen Sonnenfinsterniss am 
7. Sept. 1858, Avorüber eine brasilianische Expedition, bestehend aus den Herren Liais 
und anderen Astronomen, Avelche zu Paranagua in Südamerika beobachteten, ihre Re 
sultate (Astr. Nachr. No. 1170) bekannt gemacht hat. Die Abbildung giebt die Pro- 
tuberanzen theils röthlich, theils ganz Aveiss, und in der Corona eine Anzahl grosser 
und sehr regelmässig gekrümmter Strahlen, welche sich zu Umrissen, ähnlich den 
Blättern einer Blume vereinigten, die dabei in weisser Farbe hervortraten. 
Hieran reiht sich nun die Beobachtung der totalen Finsterniss am 18. Juli des 
gegenAA’ärtigen Jahres. Specielle Vorausberechnungen dazu Avaren von den Herren 
Director Hind, Staatsrath Mädler, Prof. Wolfers und Director Vignolles bearbeitet 
Avorden. Fernere Beiträge dazu lieferten die Herren Hirsch in den Sitzungsberichten 
der Wiener Akad. d. W., Prof. Heis in der Wochenschrift für Astronomie und M. R. 
Sinobas im Almanaque de las novedades für 1860. Die Zahl der Theilnehmer an 
den Beobachtungen scheint noch grösser als früher gewesen zu sein, Avie auch die 
Regierungen mehrfach das Unternehmen förderten, und die Photographie diesmal zu 
erst die wichtigsten Beiträge geliefert hat. Begründet war die allgemeine Theilnahme 
schon darin, dass diese Finsterniss Avohl die letzte in diesem Jahrhundert sein würde, 
welche unter so günstigen Zeit- und Ortsverhältnissen in Europa zu beobachten wäre. 
Von den noch übrigen vier in Europa totalen Finsternissen dieses Jahrhunderts 
kommen nämlich, nach der Zusammenstellung von Heis, die beiden nächsten 1861 
d. 31. Dec. und 1870 d. 22. Dec. vor, beide freilich an den Küsten des mittelländischen 
Meeres, aber doch zur ungünstigen Jahreszeit. Dann folgen die beiden letzten im 
Sommer: 1887 d. 19. August und 1896 d. 9. August, wovon die erstere sogar in 
Berlin total sein Avird, aber bereits kurz nach Sonnenaufgang, also bei einem sehr 
niedrigen, ungünstigen Stande der Sonne, während für die weiter östlich gelegenen 
Oerter, im Innern von Russland, z. B. in Moskau die Stellung vortheilhafter sein wird. 
Die letzte Finsterniss endlich Avird erst im nördlichen Theile von Nonvegen, in Lapp 
land u. s. w. als totale sichtbar sein.
	        
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