Full text: Newspaper volume (1919, Bd. 4)

ZlchrgMg. 
Pâz-iL à dmeņ â-ûm?n Pj.. jM «!ykî»m «-,»« î>k» 
^bnken: STîmmn*!, Soufgtļudje, Derl-öusr, Stellerigeşiich«, ■, 
1 ^EîMlgebote, SDRitîgchxfte, Vennietungeu 50 Pf.» fà Slefelomest < 
33f, — Der bd Wiederholungen oew.tjj.te Nachlaß kämt < 
wenn d« Betrag rricht innerhalb AO Tagen nacd term ^ 
der Rechmmg à îèrr eingeht, ìnsdesoņderr kķrnt des H 
^"chla-ß bei KarrLirr^m rmd %ïagM&&es. Beträge» fet Amtfall« ^ 
Sd)!eswl§“Bo!fl@Ìnifd)e Landsszsîlung 
112. Jahrgang. 
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WA'-VVvVVAV 
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Aîsràg» ten 1» Dezember 
rr/r mpmsmanaBBsm ww 
1919* 
1115 deutsch- Regierung lägt halbamtlich erklären, dich 
şiê gegemtber den neuesten Forderungen der En- 
teute fest bleiben Werde. 
' ^Şwwerke habe» ihre fLmüiche« Arbeiter ent» 
^!se» und find ihre Betriebe geschlossen. Der 
Brunch find die Machenschaften radikaler Arbeiter. 
^ bedeutsame Bslkstundgelmng i« Kopenhagen ge. 
An die Chaunintsten. 
Xi> Ernster Hilferuf aus Ostpreußen gegen die Bolsche- 
ķ> ^îstengefichr. 
! * Şeneralpardon für frühere Şteuerfûàr i« Ans 
icht genommen. 
Wahlen für den nordschlesminsche» Wähleraerein 
^Eben Mehrheiten für di« Minderheit in Ländern 
""d Flensburg ergebe«. 
Dîe polîtîşĢ VeKsutuuK 
von Crttonis Rücktritt. 
„ Infolge der Haltung Amerikas tritt anschei 
nt ^uch eine Aenderung der auswärtigen Poli- 
Aaliens ein. Der Rücktritt Tittonis, des Mi- 
j.î^rs des Aeutzern, der lange Jahre Botschafter 
j.,àis roar, ist erfolgt. Der bevorstehende Aus- 
ļ i'ş Wilsons aus dem Pariser Friedensräte 
die bisherige Verbandspolitik in Verwir- 
à und die Italiener treffen Anstalten, die 
>?ŗiafrage nach ihren Ansprüchen allein zu lösen, 
ştonf befürchtet Verwickelungen und lehnt die 
-/kantwortung dafür ab. Sein Nachfolger ist ein 
"ator Scialloja, der der Weltpolitik gegenüber 
tz ^»beschriebenes Matt ist. Da sich der Diktator 
Jïtume, d'Annunzio, nunmehr der ganzen dal- 
^ "Nischen Küste mit dem Hinterlande bemächtr- 
j, ^ wist, sg ist ein kriegerischer Zusammenstoß mit 
v . Tüdslaven unvermeidlich, und ein neues 
.^ègskapitel droht sich im Süden Europas auf- 
r î°ven. Wie England und Frankreich sich zu den 
^Aufziehenden Konflikten stellen werden, ist noch 
zu ermessen, doch Italien dürfte nach der im 
^ņigreich herrschenden Stimmung nicht mit fei* 
v ' n Adriaforderungen zurückweichen, um die es 
Kg Dreibund gebrochen und sich tn den Krieg ge- 
^^t hat, 
li^. Die italienischen Blätter in Zara neröffsnt- 
ê» ohne Vorbehalt die Angaben über die Stärke 
I- italienischen Truppen, die zum Vormarsch 
v n p der dalmatinischen Küste bereit stehen. Zn 
. lnratien und Serbien herrscht große Aufregung, 
irre serbische Regierung wird stürmisch aufge- 
sich dem Einrücken der Italiener in das 
iļ^Ņļie jugoslavischs Gebiet mit Waffengewalt 
widersetzen. Als d'Annunzio feinen Flug nach 
dsvì.aufgab und das näher liegende Abenteuer 
j n H tfiume wählte, war er sich klar, daß er dadurch 
xj Schicksal seines Vaterlandes entscheidend 
Dieser „Dichter-SoDat" ist zwar in erster, 
eiņ Reklameheld aber man darf darum das 
von Mut und Tatkraft nickt unterschätzen, 
>? ftl ihm steckt. Er wird es schon fertig bringen, 
tz. .^n in neue gefährliche Unternehmungen zu 
weiden. Tittonis besonnene Politik wird von 
^Uunzio durchkreuzt, und deshalb kaun man es 
wf "erstehen, wenn der erfahrene Staatsmann 
ftu ^^Enteuer weichen will. Die Italiener sind 
^'.^"şgeregtes und phantastisches Volk und leicht 
^ìfnsationelle Geschehnisse hineinzuführen. Die 
zum italienischen Binnensee zu machen, war 
leher der Darum der Bewohner des Apenni- 
rc^ttbes, und da sich kaum mehr eine günstigere 
^D^nheit ergeben wird, ihn erfüllt zu fetzen, so 
ì. "îan mit allen Möglichkeiten rechnen. Das 
bJwUttts Italiens zu feinen Bundesgenaffen 
rh'öt unbedingt zu einer Klärung. Gegen Ame- 
ich/ bestand seit langem, in der Fiumer Frage 
f^fter Gegensatz. Ob Italien mit einer Besetzung 
W "Zlmotinischen Küste in Konflikt gerät, wer- 
ki» Vorgänge bald lehren muffen. Die Erfahr 
b e ** vsalierung Italiens ist unfraglich Vorhän 
de' wenn die italienische Regierung die Politik 
^ì^ņ^nzios zu der ihrigen macht, und das will 
ki„°ņì verhindern, îmr in eine dunkle Zukunft 
^.Vaterlandes schaut. 
àk Franzosen raten den Italienern nochmals 
^.d»atzlgung in ihren Ansprüchen. Das Parises 
tisL^Ungsblatt „Journal des Detzats" ruft spöt- 
Italiener seid seràftig! oder Ihr 
>ih -!? ņìchts zu essen haben. In der Tat besrndet 
r^tî/ien für eine „siegreiche" Nation in einer 
"pichen Lage. Es ist auf die Einfuhr von 
^ Lebensmitteln und Rohstoffen angewiesen, 
'.Hn* 0 nichts, womit es diese Dinge bezahlen 
' weft seine Industrie infolge des Krieges 
ganz darniederliegt. Wenn England nicht hilft, 
so ist die italienische Not nicht zu beseitigen. Man 
kann also auf die britischen diplomatischen Züge in 
Sachen Dalmatiens gespannt sein. Airch innere 
Kämpfe dürften Italien erwachsen, wenn es sich 
auf gewaltsame Taten an der Adriaküste einlägt. 
Die Sozialisten sind zwar gespalten, aber der grö 
ßere Teil ist gegen d'Annunzios Wenteuer und 
den neuen Krieg mit den Iugoslaven, der bei dem 
Einmarsch italienischer Heere in fremdes Gebiet 
nicht ausbleiben kann. Der sozialistische „Avanti" 
fordert den entschloffensten Widerstand des Prole 
tariats und schreibt u. a.: „Bevor die Möglichkeit 
eines neuen Krieges eintritt, werden die Masten 
den Verbrechern die Schädel einhauen. Wir wer 
den sehen, ob die Soldaten den Offizieren gehor 
chen werden: wir werden sehen ,ob die Arbeiter 
neuerdings Munition erzeugen werden." In dem 
dalmatinischen Unternehmen sehen die Sozialisten 
den Versuch, den Militarismus, wie sie sagen, zu 
verewigen und erklären, daß auch sie sich mdji an 
die Gesetz« kehren werden, wenn d'Aünunzio sich 
darüber hinwegsetzt und ein Heer gegen die Serben 
führt, die bald kommen dürsten. Der angekündigte 
Rücktritt rollt also eine ganze Reihe von Schicksals 
fragen für Italien auf, und es scheint, datz Ita 
liens Kämpfe noch nicht zu Ende sind! 
Eine bezeichnende Meldung für die. innere 
Situation in Italien ist die folgende: 
Lugano, 1. Dez. (Eig. DrachtSericht.) 
Die extremen italienischen Sozialisten bestehen 
darauft dch der König bei seinem Erscheinen in der 
Kammer ausgepfissen und sodann am Sprechen 
«erhlndert werden solle. Sie drohen sogar mit ei 
nem tätlichen Angriff auf den König bei seiner 
Rückfahrt »on der Kabinettssitzung. Deshalb will 
mom den König «eranlasten, der Sitzung fernzu- 
KeiSen und sich durch den Ministerpräsidenten ver 
treten zu lasten. 
* * * 
Die deutsche Regierung bleibt 
fest gegenüber öen neuen Fordes 
rungen. . 
WTB. Berlin. 28. Non. Zn den dem Kabinett 
nahestehenden Kreisen vernimmt die Deutsche All 
gemeine Zsttung, vast die Neichsregierung fest ent 
schlossen ist, in der Ablieferung von 
480 888 Tonnen Docks. Baggern und 
Schiffsmaterial nicht nachzugeben. Es 
handelt sich nicht um eine Prestigefrage, sondern 
darum, dag die Abgabe des geforderten Materials 
Deutschlands wirtschaftliche Existenz schlechterdings 
unterbinden würde. Ebenso unannehmbar sei für 
die N'.ichsregierung die K l a u f e l des Annexions- 
Protokolls. wonach es ins Belieben Frank 
reichs gestellt wäre. jederzeit in 
Deutschland militärisch einzurücken. 
Die Neichrrrgierunq, so schreibt das Blatt, will den 
Frieden, aber nicht die einseitige Fortsetzung des 
Krieges. Als selbstverständliche Voraussetzung wird 
angesehen, dast die in Frankreich befindlichen 
Kriegsgefangenen zurückgeführt 
werden, so wie der F r i e d e n s v e r t r a g es vor 
sieht, und nicht nach den neuen Bedingungeik. 
Ueber die etwaigen Folgen wird berichtet 
An zuständiger Stelle erklärte man auf die An 
frage, ob mit einer Besetzung des rheinisch-west 
fälischen Industriegebietes durch die Entente im 
Hinblick auf die abgebrochenen Verhandlungen in 
Paris zu rechnen sei, daß ein Einmarsch der Entente 
in das Industriegebiet ohne weiteres nicht anzu- 
nehmen sei, schon deswszen nicht, weil zuerst der 
Waffenstillstand gekündigt werden mutzte. Men 
betonte, daß daher zum mindesten für den Augen 
blick keine stichhaltigen Gründe für eine Beunruhi 
gung im Industriegebiet vorlägen.^ 
Die Aeutuahlen zum Wähler- 
verein in Verbschleswrg. 
WTB. Kopenhagen. 1. Dez. (Erg- Drahtbsr.) 
Von den Resultaten im Kreise Tondern für die 
Neuwahlen zum nordschleswigschen Wiihlerverein 
Tr^eit bisber folgende Resultate vor: Wahlberech 
tigt sind 8 637. Hiervon stimmten bisher 3 861. 
davon 3 215 für die Minderheitsgruppe und 346 
für die Mehrheit. In Flensburg waren keine Ge 
genkandidaten aufgestellt. Es wurden birr alle 
drei Kandidaten der Minderbeit gewählt. In 
Sonderüurg wurden für die Liste drr Minderheit 
17<f8, für die Liste der Mehrheit 2 658 und für die 
Arbc^rrpartei 548 Stimmen abgegeben. 
Ģîņ Hilferuf aus Gftpreutzen. 
TU. Königsberg. 1. Dez. sEig. Drahtber.) 
Der ostprevtzische Heimatdienst richtet an den preu- 
hischeu Ministerpräsidenten ein telegraphisches Er 
suchen. Mahnahmen zum Schutze der ostpreustischen 
Grenze gegen einsallende Harden zu treffen. Täg 
lich laufen Telegramme aus den Grenzkreisen ein, 
die besagen, datz die Einwohnerwehr und &èe an 
wesenden Truppen allein nicht imstande sind, die 
Grenzstädte erfolgreich zu verteidigen. Eine Ver 
weigerung der militärischen Hilfe würde die Ruhe 
und Ordnung der Provinz gefährden, abgesehen 
von allem anderen , wodurch di« Existenz Ostpreu- 
stens bedroht wird. 
Ueber die Schrecknisse bei der Räumung Mitaus 
berichtet der Frontberichterstatter bei der Freiwilligen 
Wcstarmee: Die Front lag schließlich nur noch sechs 
Kilometer vor Mitau. Sämtliche irgend verfügbaren 
Truppen wurden dorthin entsandt. In Mitau befan 
den sich nur noch Polizeitruppen und Stäbe. Die Räu 
mung Mitaus, die durch das Näherrücken der Front- 
truppen unabwendbar geworden war. ging nachts in 
aller Ruhe vor sich. Erst als alle Stäbe Mitau ver 
lassen hatten und der Schutz der Polizeitruppen sich als 
nicht ausreichend erwies, um Mitau bis zur Besetzung 
durch die Fionttruppen vor Plünderungen und Ban 
den zu bewahren, begann die systematische Plundering 
der Läden durch die lettische Zivilbevölkerung. Die 
Plünderer hatten zum eTil deutsche Uniformen ange 
legt. Selbst di- Wohnungen baltischer Flüchtlinge 
wurden ausgeraubt. Vielfach wurden Plünderer er 
schossen. Co lagen auf dem Marktplatz 30 tote Zivi 
listen, die beim Plündern ertappt worden naien. Ge 
gen Morgen war Mitau von grellem Feuerschein er 
hellt. Das deutsch« Theater, das Schloß, die Komman 
dantur (Gymnasium), das Lazosrett und noch viele an 
dere Gebäude stands« in Flammen. Das Proviantamt 
konnte noch abtransportiert werden. Die Züge fuhren 
einer hinter dem anderen nach Schauten, dem Sammel 
punkt der Armee. Unterwegs wurden viele Züge von 
litauischen Banden angegriffen und beschossen, wobei 
es Tote und Verwundete gab, deren Zahl allerdings 
in den ersten Telegrammen zu hoch begriffen war. 
Weiter wird über die Lage berichtet: 
WTB. Schaulen. 1. Dez. (Eig. Drahtber.) General 
Riesfel richtete an Admiral Hopmann ein Schreiben, 
in dem er von den Drohungen Mitteilungen macht, di« 
Teile von Bermondts Truppen gegen die in Memel 
stationierten alliierten Offiziere ausgestotzen haben 
sollen. Danach sollen sich diese auf die vor Memel lie 
genden Ententeschiffe zurückgezogen haben. In dieser 
Mitteilung droht General Riessel im Falle ernsterer 
Zwischenfälle das Feuer auf die Stadt von dem Schiffe 
aus zu eröffnen. Admiral Hopnrann antwortete dem 
General Riessel hierauf, daß er gegen derartige Drs 
Hungen, deren Durchführung im schroffen Widerspruch 
zum Waffenstillstand und den Satzungen des Völker 
rechts stehen würden, pro!estieren müsse und ihn ersucht, 
sich auf die der alliierten Kommission zugestandenen 
Ueberwachung der Räumung des Baltikums zu be 
schränken und die Aufrechterhaltung der Ordnung auf 
deutschem Boden den deutschen Behörden zu überlas 
sen. Die erforderlichen Mastnahm-n. um die Ordnung 
in Memel herzust'llen, sind getroffen. General Rnssss 
wurde wiederholt davon in Kenntnis gesetzt, dost bei 
der Rückkehr aufsässige- Trappen sich Zwischenfälle er 
eignen können. 
Wie das WTB dazu hört, leitete die deutsche Re 
gierung beim Obersten Rat in Paris bereits entspre 
chende Schritte ein. 
Gin Gensralparöon für Steuer- 
sünder in Aussicht genommen. 
WTB. Berlin, 1. Dez. (Eig. Drahtbericht.) 
Der Nationalversammlung ist in Uebereinstimmung 
u:it der Regierung und der Mehrheit ein Antrag 
Trimborn und Genossen betr. Steuernachficht zuge 
gangen. Noch diesem Entwurf fallen diejenigen, 
die vor dem Inkrafttreten der Reichsabgabenord 
nung V:rmögen oder Einkommen nicht angegeben 
haben, das zu einer Reichs- oder Gemeindesteuer 
hätte veranlagt werden müssen, von der Strafe und 
der Verpflichtung der Nachzahlung der Steuer fret 
bleiben, wenn sie aus eigen:m Antriebe spätesten« 
bis zur ersten Steuerveranlagung nach dem In 
krafttreten der Neichsabgabenordnung ihr Ver 
mögen oder Einkommen pşļîchtgemäh richtig «n» 
gàn. Nach I 2 des Entwurf:s sollen die schwer 
sten Vermögensnachteile für diejenigen eintreten, ^ 
die nach dem Inkrafttreten der Reichsabgabenord 
nung bei der Veranlagung zur Vermögensabgabe; 
zum Vermögenszuwachs und zum Reichsnotopfer! 
der Behörde pflichtwidrig nicht alles angegeben ^ 
haben. Man härt. dost die Steuernachficht dem 
stürmischen, den Markt schädigenden Effektenver- 
kauf von Wertpapieren Einhalt gebieten soll. 
* • * 
Schließung der Vulksmvsà 
iu Kambura. 
T^U. Hamburg, 1. Dez. (Erg. Draihtbericht.) 
Die Aktien-Gesevschaft Vnlkan-Werke Hamburg; 
und Stettin gibt bekannt, dah sie die Werke heut- ; 
früh nicht öffnen und solange geschlossen halten î 
werde, bis die Wiederkehr geordneter Zustände ge 
sichert ist. Sic spricht ferner die Entlastung der 
Arbeiterschaft aus. ! 
Diese Mahnahmen sind »eņrnlŞ worden 
durch das Eindringen Hunderter radikaler Mit 
glieder der Belegschaften der Bullanwerke in ei« l 
ner gestern stattgefundenen Versammlung der [ 
freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter der 
Werke bei Sag stiel. Dabei kam es zu derartigen 
Gewalttätigkeiten, datz die Gesellschaft glaubt, mit 
der Fortsetzung des Streiks rechnen zu müsten, wo 
durch schwere Schädigungen der Betrieüseknrich« 
tungen und Gefährdung der Sicherheit des Perso 
nals befürchtet wird. 
» « * . . ļ 
Vranökatasttophe. 
WTB. Wien, 1. Dez. Der Korrespondenz Wil- ^ 
Helm zufolge ereigete sich im Dorf« Markgraf-Nen-; 
siedel bei Wien nachts eine schwere Brandexplosi-! 
onskatastrophe in einer Wohnbaracke der Samen« , 
zuchtanstalt Planta. Ueber die Ursache der Ex- ^ 
plosion ist noch nichts näheres bekannt. Bisher ļ 
werden 45 Tote und eine Anzahl Schwerverletzte; 
gemeldet. 
Zum Brandungluck in Markgraf-Neusiedel 
wird amtlich gemeldet: Von den etwa hundert! 
Bewohnern der Baracke sind etwa 58 verbrannt, 
neun davon trugen schwere und etwa 15 Personen 
leichte Verletzung davon. Wahrscheinlich flüchte-- 
ten die Verunglückten vor dem schnell fortschreiten«: 
den Feuer, das am Ende der Baracke ausgebrochen ; 
war, an das andere Ende. sind dabei im Qualm ^ 
teilweise bewußtlos geworden und verrammelte» 
sich selbst die Ausgänge. Die Ursache des Brandes! 
ist noch nicht völlig aufgeklärt. Eine Explosion 
von Sprengstoffen scheint ausgeschlossen. Vermut- 
mutlich entstand das Feuer beim Anzünden einer 
Lampe. 
Der Uampş um öis FrîsLsus- 
raLîfikaLîon in Amerika. 
WTB. Paris. 1, D-z. (Eig. Drahtbericht.) 
Rach einer Newyorker Meldung der Presto de Pa 
ris versichert die Sun. dich die republikanischen 
Senatoren die Absicht hätten, Wilson und der Se 
natskommission für auswärtige Angelegenheiten 
ein Ultimatum zu übersenden, in dem sie erklären, 
datz sie die Ratifizierung d-g Vertrages mit 
Deutschland. Oesterreich und Bulgarien verweigern 
werden, wenn der Präsident nicht Kenntnis von 
allen Dokumenten gäbe, die er noch im Besitz habe 
und die sich auf die Verhandlungen der Friedens 
konferenz in Paris beziehen. Die republikanischen 
Senatoren erklären, dass diese Dokumente die Pro 
tokoll« der Sitzungen umfasten, in denen die Schan- 
tungfrage und die türkische Frage besprochen wur 
den, sowie die Dokumente, die den Beweis ergeben, 
datz Wilson die Note Japans, betressend die Gleich 
stellung Der Raffen, bearbeitete. 
* ŗ 
rNûàmrens Rückkehr zur Heimat 
WTB. Berlin. 1. Dez. (Eig. Drahtbericht.) 
Generalseldmarschall von Mackensen ist von Buda 
pest kommend gestern nachmittag 1.28 Uhr auf dem 
Ostbahnhof hier eingetroffen. Die Weiterfahrt 
nach Deutschland erfolgte nach etwa einstnndigem 
Aufenthalt. 
Man schröpft Deutschland an 
Men Enden. 
T.«U. Haag. 1. Dez. (Eig. Drahtber.) Im 
englischen Unterhause wurde auf Anfrage offtzîell 
mitgeteilt, dass die Anzahl der deutschen Fracht 
schiffe in Süd- und Mittelamerita 44 beträgt und 
dah diese Schiffe mit geringen Ausnahmen so re- s 
pa-raturbedürftig seien, daist ste während des Waf 
fenstillstandes nicht alle gebraucht werden konnten. : 
Man habe sich deshalb entschlossen, das, diese Schiff«. 
nach deutschen Häfen geschleppt und dort kostenlos 
durch die Deutschen wiederhergestellt würden.; 
Wenn diese Reparaturen erledigt seien, sollen dies« 
Schiffe den Alliierten als vollwertige Fahrzeuge
	        
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