Einleitung.
Die erste Legation Niccolö Machiavellis an den Hof Kaiser
Maximilians I (December 1507—Juni 1508) gehört weder ihrer
politischen noch ihrer historischen Bedeutung nach zu den wich
tigsten Gesandtschaften des florentinischen Secretärs 1 ). Es han
delte sich bei dieser Legation keineswegs um ein so unmittel
bares Lebensinteresse der Republik Florenz wie bei Machiavellis
erster Legation nach Frankreich; auch bieten die Briefe von der
deutschen Gesandtschaftsreise nicht im entferntesten eine solche
Fülle wichtiger historischer Notizen über Personen und Verhält
nisse, wie die von der römischen Legation und der an Cesare
Borgia.
Wenn trotzdem die Legation Machiavellis zum Kaiser Maxi
milian einer näheren Betrachtung nicht unwert erscheint, so liegt
dieses an zwei Umständen.
Zum ersten ist diese Legation neben der einen französischen* *)
die einzige Machiavellis, von der uns zusammenfassende Berichte
nach Art der venetianischen „relazioni“ vorliegen.
Zum zweiten hat Machiavelli während seines Aufenthaltes
in Deutschland politische Wahrnehmungen gemacht und Erfah
rungen gesammelt, welche nicht ohne Einfluss auf die Entwick
lung seiner Theorien gewesen sind. Mit besonderer Aufmerksam
keit hat er das Kriegswesen Deutschlands und der Schweiz und
die Verfassungs- und Verwaltungsverhältnisse der deutschen
Reichsstädte und der schweizerischen Gemeinwesen betrachtet.
Zum richtigen Verständnis der Schx-iften Machiavellis über
Deutschland erscheint es notwendig, zuvor einen Blick auf den
Anlass und den Verlauf seiner Gesandtschaftsreise zu werfen.
*) H. Heidenheimer („Machiavellis Erste römische Legation“ Darm
stadt 1878) bezeichnet als die drei wichtigsten Legationen Machia
vellis 1) die erste französische (1500), 2) die an den Herzog von
Valentinois (1502), 8) die erste römische (1503).
*) Wahrscheinlich der dritten. Siehe unten Abschnitt II, Ende.