Hi. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik, »
Genesende das Contagium nicht mehr erzeugen. Da in den mil-
dern Formen der Verlauf mit 4 Wochen beendigt ist, so wird
ein solcher Erkrankter über diese Zeit hinaus nicht mehr zu
fürchten seyn. Dagegen scheint die hydropische Nachkrankheit
auch die Contagiosität zu verlängern. Ferner kann das Conta-
gium wohl schwerlich ‚durch Effecten oder Mittelspersonen wei-
ter fortgetragen werden, auch herrscht der Scharlach oft halbe
Jahre lang an einem Orte, ohne auf einen benachbarten fortzu-
schreiten, wenn auch beide in vielfachem Verkehre stehen. Dies
beobachtet man vorzüglich, wenn sie durch einen Bergrücken
getrennt sind. In Thälern dagegen schreitet er meist sichern
Schrittes fort, ohne sich nach dem Laufe der Bäche und Flüsse
zu richten. Daher scheint nicht gerade die Luft Trägerin des
Contagiums zu seyn. 1831 herrschte der Scharlach lange west-
lich von Chemnitz und schritt bei vorwaltendem Südwinde doch
unaufhaltsam auf genannten Ort los, — Wo Empfänglichkeit man-
gelt, kann selbst der genaueste Contact keine Uebertragung bewir-
ken. Doch machen sich hier wieder auf Modification des Conta-
giums deutende Bedingungen geltend, die bisweilen wahre Wahl-
verwandschaft aussprachen. So bleib ein 56jähriger, seinen
Sohn pflegender Vater gesund und erkrankte einige Monate spä-
ter, als er seinen Enkel ohne Scheu pflegte, — Wenn Mehrere
dem Zeitraume der Opportunität nur 3 Tage zugestehen, 80 ist
dies insofern richtig, als dem Ausbruche selten oder nie längere
Vorboten vorausgehen. Dessen ungeachtet kann das Szad. in-
fectionis länger dauern und Miasma und Contaginm einige Zeit
latent bleiben. Ohne. dies könnte eine Scharlachepidemie nicht
oft Jahre lang auf dem Raume einer halben Stunde verweilen..
Ihr Fortschreiten beobachtend, kann man nicht glauben, dass der
epidemische Einfluss Monate brauche, um einen solchen Raum,
wenn er auch Schritt für Schritt ginge, zu durchschreiten. Ei-
nige Male ergriff er zuerst den westlichen Theil von Chemnitz,
dann den östlichen, hierauf den nördlichen und drang endlich in
den Mittelpunkt ein, wozu er nur Wochen bedurite. Während
längerer Dauer waren ihm also wohl alle Einwohner gleich aus-
gesetzt, doch erkrankte ein grosser Theil nie, ein kleiner 8o-
gleich, ein anderer nach Zwischenräumen von 1—70 Tagen, ja
wohl noch später, und von ihnen wahrscheinlich wieder ein Theil
erst durch Mitwirkung des Contagiums. Dass der Körper bei
Aneignung des Miasma oder Contagium und bei Erzeugung der
Krankheitsform an einen gewissen Typus gebunden sey, und
gewöhnlich 3. 6. 12. 24 Tage von der Infection bis zur Erup-
Lion vergehen, ist nach dem Mitgetheilten nicht unwahrscheinlich.
Dieser typische Verlauf vor dem Ausbruche wird noch wehr-
scheinlicher dadurch, dass der Scharlach vom Ausbruche in ähn-
lichen, ziemlich genan bestimmten Perioden verläuft , die beson-
ders in dem durch Wassersucht in die Länge gezogenen Schar-
lach zu bemerken sind. Dass diese Wassersucht oft nothwen-