V-
X 'x - V.- j'Vfi,' '. * -V>\
iŞr^^^WWWW
âw^-
75fîcr Jahrgang.
feer.
ten.
Namen
rfindung
weder in
II irgend
teigender
iinenund
iqen von
Zahlung
:e schon
rc.
ft von
33/34.
230,
für Sßf
elbiişş
Douch^
terröh^
MonnrmkutSpreiS:
vierteljährlich 2 JU — frei ins Haus geliefert 2 Jt 15 4
" für Auswärtige, die das Blatt durch die Post
^ziehen 2 M, 25^) incl. Postprovision rc., jedoch ohne
Bestellgeld.
Erscheint Mittwoch und Sonnabend Morgens.
AIs belletristisch- Beilage wird dem Blatte wöchentlich -inmal die .Illustrate Familien-Zcitung" bcigcgebcn
als landwirthschaftliche Beilage zwei Mal monatlich „Der Landwirth".
ZņsertiouSpreiS:
Für die Corpuszeile 15 für die Petitzeile 10 $
Anzeigen werden für die Mittwoch-Nr. bis Dienstag
für die Sonnabend-Nr. bis Freitag, Mittags 12 Uhr
erbeten.
Mttwoch.
MO.
8. November 1882.
Berlin. Ob Kaiser Wilhelm die Eröffnung
des Landtags vollziehen wird, ist noch nicht
entschieden. Aus Berlin schreibt man dem
»Hamb. Corresp." hierüber Folgendes: „Man
daß der Kaiser höchst ungern auf solche
Rechte seiner Krone verzichtet, und so hält er
"uch jetzt dem Widerspruch seiner Aerzte gegen
über auf das Bestimmteste an der Absicht fest,
l"n 14. Novbr. seines Amtes vollauf zu malten.
Die Thronrede wird daher jedenfalls in der
şiir die eigentliche „Königl. Eröffnung" passen
den Form abgefaßt werden. Schließlich ist es
aber doch nicht unwahrscheinlich, daß der
Monarch, wenn das Weiter nicht ganz unge
wöhnlich schön bis zum Eröffnungstage bleibt,
dem Rath der Aerzte folgt, welche jede der
artige Anstrengung mit Recht von dem greisen
Monarchen fernhalten, der bei aller wunder
baren körperlichen Frische doch sehr zu Er
kältungen neigt und daher nicht ahne Gefahr
mr seine Gesundheit sich der kalten, ungesunden
Temperatur des Weißen Saales aussetzt.
— Der Justizminister hat den Amtsrichtern
Empfohlen, an alle Schöffen neben der gesetz
lich vor Beginn des Geschäftsjahres erfolgen
den Benachrichtigung noch besondere Ladungen
SU den einzelnen Sitzungen, und zwar etwa
b Tage vor den betreffenden Sitzungstagen,
SU erlassen.
Berlin. (B. Tagebl.) Der Militärfiskus
bat es abgelehnt, seine Haftpflicht gegenüber
den Hinterbliebenen des am 29. August von
dem Füsilier Gärtner erschosienen Arbeiters
Binte anzuerkennen. In Folge dessen wird
Rechtsanwalt Lustig als freiwilliger Mandatar
ber Wittwe Binte einen Proceß gegen den
Militärfiskus anstrengen, um diesen zur Ge
währung eines auskömmlichen Unterhalts für
oie Wittwe Binte und deren drei Kinder zwin
gen. Das Rechtsgutachten des Rechtsanwalt
Lustig lautet dahin, daß die Haftpflicht des
Militärfiskus als zweifellos zu erachten sei.
Der Soldat habe die That während der Aus
übung seines Dienstes und nicht in Folge
Einer'Privatstreitigkeit verübt, mithin sei die
Behörde, welche diesen Dienst anordnete, für
ben Schaden, welchen der dazu kommandirte
Füsilier anrichtete, verantwortlich. Ebenso wie
der Militärfiskus den Schaden für ein während
des Manövers verwüstetes Feld zu ersetzen
habe, müsse er sich auch dazu verstehen, für
den Schaden aufzukommen, wenn ohne die ge
ringste Ursache ein Bürger von einem Militär
bosten erschossen wird, gleichviel, ob der be
ireffende Soldat für irrsinnig oder für mit
gesundem Menschenverstände bei Begehung der
^-hat ausgestattet erklärt wird. — Zu be
dauern bleibt es unter allen Umständen, daß
Uch der Militärfiskus nicht freiwillig dazu ver
banden hat, für die Hinterbliebenen eines
Mannes zu sorgen, der in zwei Feldzügen für
das Vaterland gekämpft hat und mitten im
mieden auf so traurige Weise sein Leben verlor.
^ -- Die starken Gesichtsschmerzen, welche den
Kanzler längere Zeit geplagt haben, find von
dkn Aerzten nunmehr als von einer Knochen
hautentzündung auf der linken Seite der Zähne
herrührend erkannt worden, und hofft man
jetzt, des Uebels bald Herr zu werden, nachdem
die Ursache desselben genau festgestellt worden.
— Der Proceß des Kaufmannes Schlicht
eisen gegen Landrath von Bennigsen-Foerder und
Bürgermeister Hochberg dürfte, so schreibt die
„A. L. L.-Ztg.", mit der jüngst erfolgten Frei
sprechung der beiden Angeklagten vor der Straf
kammer 1 des Landgerichts in Altona noch nicht
endgültig erledigt sein. Wir hören, daß Kauf
mann Schlichteisen sich nur unter gewissen
Modalitäten bei dem Erkenntniß beruhigen will,
andernfalls aber entschlossen ist, als Neben
kläger die Revision gegen das Urtheil beim
Reichsgericht einzulegen. In juristischen Kreisen
ist man der Ansicht, daß die Annahme^des
Altonaer Gerichts, wonach die Angeklagten
wegen mangelnder Gesetzeskenntniß zu
entschuldigen seien, de» Rechtsgrundsatz beein
trächtigt, daß Gesetzesunkenntniß niemals im
Stande ist, die Strafbarkeit einer Handlung
aufzuheben oder zu mildern.
Hamburg. Ein edler Wohlthäter, der
verstorbene Herr Christian Goerne, hat ca.
44 verschiedenen hiesigen wohlthätigen Anstalten,
Instituten, Schulen rc. ohne Unterschied der
Konfession im Ganzen die kolossale Summe
von 239 250 Mk. hinterlassen. Das kleinste
Legat beträgt 625, das größte 15 000 Mk.
— Für die Ueberschwemmlen in Tirol und
Kärnthen erläßt der Vorstand der Section
Hamburg des deutschen und österreichischen Al
penvereins einen Ausruf, um für die vom Un
glück so schwer heimgesuchten Bewohner jener
Länder fernere Gaben zu sammeln, die so
dringend nothwendig sind, wenn die Schwere des
Elends, das durch die bekannten Katastrophen
über die armen Menschen hereingebrochen ist,
nur einigermaßen gelindert werden soll.
ş Kiel, 5. Nov. Der am Sonntage, den
29. v. Mts., verstorbene Besitzer von Groß-
Nordsee, Freiherr von Vincke, ein Schwieger
sohn unseres weil. Oberpräsidenten v. S ch e e l-
Plessen, wurde hier Donnerstag mit mili
tärischen Ehren — (derselbe war bei Lebzeiten
Corvetten-Capitän) — unter Geleit zahlreicher
Gutsbesitzer der näheren und weiteren Um
gegend, sowie unter Betheiligung einer Anzahl
Tagearbeiter aus dem Gute selbst, auf dem,
an der Holtenauer Straße belegenen Militär-
Kirchhofe feierlich beerdigt. — Ueber die Fort-
existenz des der Egell'schen Maschinenfabrik-
Acliengesellschast gehörigen Gaarden er
Schiffs bau-Etablissements geht aus den,
von unseren Localblättern über die jüngste in
Berlin abgehaltene Generalversammlung der
betreffenden Actionäre mitgetheilten Notizen
nichts zur Evidenz hervor. Soviel scheint
allerdings gewiß, daß die Uebernahme der
Werft Seitens eines Hamburger Consortiums
bisher nicht perfect wurde. Was aber eigent
lich das Resultat der auf jener Generalver
sammlung angenommenen Antrüge auf Ver
kauf der Etablissements zu Tegel und zu
Gaarden ist, läßt die wunderliche Verclausu-
lirung derselben nur schwer erkennen. Es sei
denn, daß man Seitens der bisherigen Besitzer
darauf bedacht ist, den Betrieb der Werke auf
irgend eine Weise, auch unter neuen Besitzern,
zu erhalten. Und eine zweckmäßige Wetter
führung wäre gewiß wünschenswerth, wie für
die Entwicklung des deutschen Schiffsbaues, so
im Besonderen auch für die Entwicklung Gaar
dens, das, ohne gerade auf die Werst als auf
eine Existenzbedingung hingewiesen zu sein
— es hat ja noch die kaiserliche Marinewerft
in unmittelbarer Nähe — dennoch einen Theil
seiner Blüthe darin findet. Der Ort hat über
dies bereits diese oder jene mit der Werste
correspondirende Einrichtung, z. B. eine Fort
bildungsschule, an der ein technischer Director,
ein Architect, unterrichtet, und ist überhaupt
seit Jahren mit den allerdings sehr wechsel
reichen Schicksalen der Schiffswerft aufs Engste
verflochten. — Aus der letzten Freitags-Stadt-
collegiensitzung ist die ersreulicl e Annahme des
Antrags der Schulcommission zu melden, dahin
gehend, einen an der Ecke der Garten- und
Fährstraße belegenen Platz neben der zweiten
Knabensreischule an die Gesellschaft freiwilliger
Armenfreunde unentgeltlich für den Fall zu
überlassen, daß die Gesellschaft sich bereit er
klärt, auf dem Platze ein Gebäude für die
Frauengewerbeschule zu errichten. Auch ist
derselben Gesellschaft für den Neubau einer
Volksküche ein Areal auf dem Klosterkirchhof
auf Antrag der Baucommission unentgeltlich
überlassen. Ein Antrag der Statuten-Com-
mission betr. ein Notat der Regierung über
das Verhältniß der Stadt zu den milden Stif
tungen wurde nach längerer Debatte mit einer
Stimme Majorität angenommen. — Wie ich
höre, wird unseres namhaften vaterländischen
Dichters Heinrich Zeise's „Liedermappe" in
diesem Monate in zweiter Auflage im Arnold
Weicheli'schen Verlage in Hannover erscheinen.
Zeise gehört zu den Lieblingsdichtern unserer
Provinz. Er hat sich seit mehr als 30 Jahren
und bis in die jüngste Zeit eine erfreuliche
Frische und Productivität bewährt, und wir
dürfen hoffen, daß die zweite Auflage seiner
„Liedermappe" zu den älteren Freunden sich
manche neuere gewinnen wird. Die erste Auf
lage der „Lieoermappe" — oder vielmehr
„Aus meiner Liedermappe" — erschien 1861
in Altona, bei Uflacker.
-T Neumünster, 6. Novbr. Es kömmt
wohl eigentlich nie vor, daß die Königl. Re
gierung von ihrem Recht, die von den Klassen
steuer - Einschätzungscommissiouen gemachten
Steueransätze zu erniedrigen,Gebrauchmacht,
desto ausgiebiger benutzt sie das der Erhöhung.
Im letzten Jahre hat sie hier in Neumünster
im Ganzen 64 Personen die Steuersätze erhöht,
dabei hat sie einen Einwohner gar von der
3. in die 12. Stufe gebracht, d. h. die Steuer
ist von 9 auf 72 Mk. jährlich erhöht. Und
dabei hat die Regierung sich nicht, wie es ihr
gesetzlich vorgeschrieben ist, mit der Einschätzungs
commission in's Einvernehmen gesetzt und sie
über die einzelnen Fälle gehört. Eine Be
schwerde an die Regierung Seitens der Com
mission ist abschlägig beschieden, jetzt hat sie
an den Finanzminister recurrirt; von da fehlt
noch Entscheidung. — Der Recitator Theodor
Horstmann will hier am Dienstag, den 14. d.
M., noch einmal öffentlich auftreten, am Tage
vorher wird er, ohne Eintrittsgeld zu erheben,
vor der gesammten Jugend der Stadt für diese
passende Sachen recitiren. — Der landwirth-
schastliche Verein für Mittelholstein hält all
jährlich im Herbste eine Versammlung ab, zu
der auch die Damen der Vereinsmitglieder
kommen, und in der diese interessirende Sachen
verhandelt werden. An die Verhandlungen
schließt sich dann ein V ereins ball. Diese Ein
richtung hat sich hier recht als Mittel zum
festem Zusammenschluß der Vereinsmitglieder
bewährt. Das diesjährige Herbstvergnügen
soll am 27. d. M. hier in Neumünster abge
halten werden. — Herr Organist Klose hier-
selbst hat im Laufe des vergangenen Sommers
6 Orgelconcerte zum Besten des Kirchenchor's
gegeben. Es wurde kein Eintrittsgeld erhoben,
sondern es wurden nur freie Beiträge gezahlt.
Es sind im Ganzen hieraus, incl. einiger son
stiger Geschenke, 160 Mk. 60 Psg. für den
Chor zusammengekommen. Ist dies auch ein
nettes Sümmchen, so hätte dasselbe, in Rück
sicht auf den durchweg recht guten Besuch der
Vorträge, doch wohl gern noch ein Bischen
höher ausfallen können. — Die hiesige all
gemeine Sterbekasse, deren Rechnungsjahr mit
Ende September schließt, hat in dem letzten
Jahre 6985 85 Mk. Einnahme zu verzeichnen
gehabt. An Ausgaben waren zu bestreiten
für 51 Todesfälle a 30 Mk., für 6 Fälle
a 40 Mk., für 2 Fälle a 60 Mk. (dies waren
Kinder, nach dem Alter in Classen gebracht)
und für 22 selbstständige Mitglieder zusammen
2048 Mk., das macht in Summa 3938 Mk.,
hierzu kommen Verwaltungskosten rc. im Ge-
sammtbetrage von 415,30 Mk., so daß der
Cassebehalt und das bei der Sparkasse belegte
Vermögen der Sterbekaffe zusammen 3838,10
Mk. ausmachen. Dem Vereine gehören als
Mitglieder 4055 Seelen an. — Am Sonn
abend gegen 5 Uhr erscholl Feuerlärm. Es
brannte im Hause des Zahnarztes Micheels,
doch wurde das Feuer ohne Eingreifen der
Feuerwehr gelöscht. Im Laufe des Winters
soll das Gebäude, das auf dem Bauplatz des
neuen Posthauses steht, doch abgebrochen werden.
Càrnforde. In der Nähe von Gettorf
sind am 3. d. Mts. durch deu Eisenbahnzug
einem Manne beide Beide abgefahren worden.
Allen Anzeichen nach liegt ein Selbstmord vor.
(Man glaubt in der Leiche einen Tischler der
Kieler Werst zu erkennen.)
Neumünster, 3. Nov. In der heutigen
Sitzung der städtischen Collegien wurde mit
getheilt, daß die Gascommission beschlossen hat,
das Personal der Gasanstalt von Neujahr ab
bei der Transport- und Unfallversicherungs
gesellschaft zu Zürich mit insgesammt 10 900 Mk.
gegen alle Unfälle zu versichern.
8. Schleswig, 6. Nov. Herr Gymnasial-
Oberlehrer a. D. Grünseld, bekannt als Ver
fasser weit verbreiteter Rechenbücher, geographi
scher und mathematischer Lehrbücher, hat auf
vielseitigen Wunsch seine im Schleswig er
Gile mit Weile.
. Der soeben veröffentlichte gutachtliche Theil
^Es Jahresberichtes der Handelskammer zu
Leipzig für 1881 lenkt die allgemeine Aufmerk-
'Oüifeit auf einen Uebelstand hin, der wohl
^ìelfach als solcher empfunden, meist aber wie
Etwas Unabänderliches hingenommen wird:
Kle unruhige Hast, die sich in Handel und
Verkehr bemerklich macht. „Seit der Grün-
Plngsperiode in der ersten Hälfte des vorigen
Jahrzehnts," sagt der Bericht, „ist es in vielen
joranchen geradezu üblich geworden, daß Auf
läge auf Lieferung von Waaren nicht von
Langer Hand vorbereitet, sondern erst beim
Antritt dringlichen Bedarfs, am liebsten tele
graphisch, zur „umgehenden" Ausführung
^°Er doch mit kürzester Frist ertheilt werden,
^aher kommt es, daß zeitweilig in den Fa
briken die Aufträge sich übermäßig häufen,
l a ?’ um ihnen gerecht zu werden, neue Ar
biter eingestellt, die Nachtstunden zu Hülfe
gENominen, wohl gar die Anlagen erweitert
Werden, daß aber kurz darauf wieder Arbeits
wangel sich einstellt, welcher nicht selten zur Ent-
^'.şu n g von Arbeitern führt. Auf der anderen
^Eite wird durch diese Unregelmäßigkeit in der
Ausnutzung der Anlagen auch der Unternehmer-
gewinn geschmälert. Aehnliche Uebelstände hat
^°jEs hastige Treiben für den Handel zur
K?lge. Es ist bezeichnend, daß fast in allen
^nzelberichten, welche dem nachstehendenJahres-
"Euchte zu Grunde liegen, die Klage über
geringen Nutzen" wiederkehrt, auch in den-
lentgeu, welche einen lebhafteren Geschäftsgang
ŗ"uatiren. Diesem Uebelstande abzuhelfen,
kauf mann, kann und soll an seinem Theile
zur Abhülfe mitwirken. Oder gehörst du, lieber
Leser, nicht zu denen, die, wenn sie sich einen
Rock, ein Paar Stiefeln oder einen Schreibtisch
oder sonst etwas beim Handwerker bestellen,
jedesmal eine möglichst kurze Frist setzen, auch
wenn es gar nicht nöthig ist? Ost ist es ja
sehr nöthig, aber warum? Meistens doch nur
deshalb, weil du versäumt hast, in Zeiten
an daS Bedürfniß zu denken und das
Erforderliche zu bestellen. Versuche es nur
einmal, frage dich bei jeder Bestellung: ist es
wirklich nöthig, eine kurze Frist zusetzen? und
wenn ja — hätte die Bestellung nicht ebenso
gut acht oder vierzehn Tage oder auch vier
Wochen früher erfolgen könne»? Dann wirst
du dich bald anders gewöhnen. Du allein
kannst ja den allgcmeinenUebelstand nicht heben,
aber glücklicherweise ist es mit der guten Ge
wohnheit doch auch so wie mit der schlechten:
was der Eine thut, ahmt der Andere, oft ohne
sich deffen bewußt zu werden, nach. So wirkst
du in deinem Kreise mehr, als du denkest —
sei es zum Schlechten, sei es zum Guten. Laß
es doch immer zum Guten sein.
? ttb nur allmählich durch verständiges Zu-
«mniênwirken von Käufern und Fabrikanten
"wglich sein. Es schien uns aber angezeigt,
ä".dieser Stelle nachdrücklich darauf hinzu-
Şìşen. Jeder Einzelne, auch der Nicht-
B er ui i s ch t cs.
Petersburg, 27. Oct. Aus Moskau wird
ein Ereigniß gemeldet, über das man selbst
hier, wo man doch an die wunderbarsten Dinge
gewöhnt ist, vor Erstaunen den Kopf geschüttelt
hat und das ein grelles Streiflicht auf die
unsägliche Lüderlichkeit wirft, die in russi
schen Administrationen herrscht. Ein
gestern hier eingetroffenes Telegramm bringt
die Nachricht von dem Verschwinden des
Kassirers des Moskau'schen Waisenge
richts (ungefähr unserm Obervormundschafts
gericht entsprechend). Die Depesche lautet
„Der Moskauer Listok bringt die Nachricht,
daß seit länger als einem Monate der Kassirer
des Waisengerichts, Potapow, mit dem Schlüssel
des Gewölbes, in welchem Privatpapiere und
Werthgegenstände im Werthe von 13 Millionen
Rubel verwahrt wurden, verschwunden sei.
Offiziell waren die Sachen Potapow nicht über
geben worden. Man vermuthet, er habe sich
nur ohne Urlaub entfernt." Man wird zuge
stehen, daß die Depesche in großen Räthseln
spricht, welche auch die heute eingetroffenen
Commentare nicht ganz löten. Zunächst ist
der Kassier in der That seit einem Monat
nirgends zu entdecken und in die Gewölbe
kann Niemand hinein. Daß mittlerweile nicht
öffentlich Schritte gethan sind, den Mann fest
zunehmen, erscheint im Auslande unerklärlich,
ist aber jedem Kenner russischer Verhältnisse
ziemlich plausibel durch den Satz der Depesche
gemacht: „Man vermuthet, er habe sich nur
ohne Urlaub entfernt." Diese Worte heißen
in klarem Deutsch: „Man hält den Mann noch
nicht unbedingt für einen Spitzbuben, nimmt
vielmehr die Möglichkeit an, daß er sich im
Ssapoi entfernt habe, und daß er in irgend
einem Winkeltraktiv aufgetrieben werden kann,
oder wenn der Ssapoi vorüber, sich auch von
selbst aus seinem Posten wieder einfindet."
Unter Ssapoi versteht man jene entsetzliche
Krankheit, die den Unglücklichen, der an ihr
leidet, periodisch gewaltsam zum wüstesten
Schnapstrinken treibt. Der Ssapoi dauert
seine Zeit; weniger kräftige, schon zu sehr
ruinirte Naturen halten nur einige Tage aus
und schlafen nachher beinahe eben so lange,
ohne viel Nahrung zu sich zu nehmen. Es
werden Leute von dieser Krankheit überfallen,
die jahrelang dem Trünke entsagt, und sich
an solide Arbeit und Lebensweise gewöhnt
haben; nur eine eiserne Energie leistet diesem
Säuferwahnsinn Widerstand. Wenn man dem
Kassirer Potapow zutraut, vier Wochen durch
halten zu könne», so muß der Mann noch eine
sehr feste Natur haben. Trotz dieser vier
wöchentlichen Abwesenheit des Kassirers ist
man nicht in das Gewölbe eingedrungen —
weil der Schlüssel fehlt. Bis gestern hat man
sich also nicht überzeugt, ob das Geld der
Waisen gestohlen ist, oder wohl bewahrt in
den Gewölben liegt, das klingt denn doch so
unwahrscheinlich. „Offiziell waren diese Sachen
Potapow nicht übergeben." Darin liegt der
Schlüssel zu dem ganzen Schwindel. Potapow
war seit einem Jahre angestellter Kassirer des
Waisengerichts. Aber als er seine Stelle an
trat, hat er auf der Seile seiner Bücher an
fangen müssen zu rechnen, wo sein Vorgänger
aufgehört hatte. Ein offizieller Kassenabschluß
ist nicht gemacht worden. — Der Mann hat
also niemals eine Ahnung davon gehabt, ob
die von ihm gebuchten Werthe vorhanden
waren oder nicht. Die deponirten Papiere
betrugen angeblich 10 Mill., die Werthsachen
3 Mill, und außerdem müssen ca. 100 000
Rubel baares Geld in der Kasse gewesen sein.
Potapow wird vielleicht und zwar nicht ohne
Mitwissen Anderer durchgebrannt sein. Wie
viel schließlich noch vorgefunden werden wird
— denn über kurz oder lang wird man doch
das Gewölbe einmal öffnen — wissen die
Götter, die Oeffentlichkeit wird es schwerlich
genau erfahren. Vor der Hand wird das Ge
bäude des Waisengerichts von den Bestohlenen
hart belagert. (Fr. Z.)
— (Zum Transit deutscher Steinkohle nach
Italien.) Eine der vielumstrittensten Fragen
bezüglich des für die Gotthardbahn zu er
wartenden Verkehrs war die, ob es der deut
schen Steinkohle möglich sein werde, auf dem
neuen Wege ein Absatzgebiet in Italien zu
erlangen. In der That sind nun in den zwei
ersten Monaten nach Eröffnung des Betriebes