Er ging mehrere Stunden hintereinander. Der
Wind pfiff scharf um die spitzen Gipfel und heulte durch
die Klüfte.
Ab und zu stand Alv still und rief. Ein gespenster⸗
haftes Echo antwortete ihm von nahen und fernen Fels⸗
gipfeln. Er sah sich um. Hier war es entsetzlich öde.
Hierhin kam der Wolf mitten im Winter, und der Viel⸗
fraß jagte einsame Renntiere hierher von den großen
Hochebenen, die weiter nördlich lagen.
Schließlich blieb er stehen: was wollte er hier?
Jetzt würde es bald finster werden. Eine Nacht hier in
der innersten Kammer der öden Gebirgsgegend ... wo
er von hundert Felsen und Klüften eingesperrt gehalten
würde. Nein, er hatte nicht den Mut dazu. Wenigstens
nicht diese Nacht. Schon jetzt war es ihm, als seufzte
der Wind böse, und er sah Edmunds Gesicht in allen
Klüften und Schatten der Oede.
Aber wie sollte er zurückfinden? Er wußte nicht
einmal, welche Richtung er einschlagen müßte, um zu⸗
rückzukommen; da wandte er um und ging aufs
Geratewohl. Er ging ins Unendliche. Es war fast ganz
dunkel. Da sah er ein kleines Haus in der Nähe. Er
ging dahin und kam nach einigen Umständen hinein.
Er bekam Nachtlager in einer Art Bettbank. Er lag
lange wach, bis endlich ein unruhiger Schlaf ihn über⸗
mannte.
Der Eigentümer des kleinen Gärtnergrundstücks
begleitete ihn den nächsten Tag. Sie gingen meilenweit
umher. Auf Alvs eindringliches Bitten übernachteten
sie im Gebirge, und sie gingen am nächsten
Tage weiter. Schließlich erreichten sie Menschen. Zwei
Renntierjäger saßen in einer Hütte und aßen zu Mittag,
als Alv und sein Begleiter kamen; sie hatten aber nie—
mand gesehen.
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