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Pathologie, Therapie und medicinische Klinik.
man oft nur zu gern den gesunkenen Kräflczuslaud auf die
benutzten Heilmittel. Man vergisst aber dabei sehr oft, welche
Summe von Kräften der Sturm des Fiebers wegnahm und noch
mehr, welche Anstrengungen die Natur machen musste, um
entweder einer Krankheit Grenzen zu setzen , oder siegreich
aus dem Kampfe mit ihr hervorzugehen und wie dadurch allge
meine Schwäche entstanden sei. Beobachtet man nur einiger*
manssen sorgsam, so kann es nicht entgehen, wie ausseror
dentlich oft Menschen herunterkommen, die nach typhoider
Ansteckung es dahin bringen , dass diese nur als Typhus mi-
tior die Constitution gewissermaassen streife und wie eben so
auch oft schnell manche kräftige Natur darnieder liege, wenn
auch gar kein eingreifendes antiphlogistisches Verfahren netthig
wurde. Der Vf. will dies nur beiläufig bemerken, weil die
Gegner eines jeden entschiedenen Verfahrens mehr als zu oft
mit ihrem durch die Behandlung bedingt sein sollenden Siech-
Ihum etc. kommen, um ihre Anklage gegen jedes rüstigere
Handeln zu begründen, wobei sie denn nicht selten nur Ein
zelheiten aufführen können, welche durch die Künstler, wahr
lich aber nicht durch die Kunst verschuldet wurden und daher
auch von den bessern Praktikern gewiss nicht in Schutz ge
nommen werden. Denn diesen entging es nicht, dass man
allerdings auch durch Uebertreibungen Menschen arzneikrank
machen könne, und dass es daher Zustände und Zeilpuncte,
besonders bei chronischen Krankheiten gebe, unter denen man
besser thue, den Körper ruhen zu lassen, als ihn mit Mitteln
zu bestürmen. [Uolscher’s Uunnuv. Annalen 1642. Septem
ber und October. J
51. Latente Syphilis; vom ür. Alli, zweitem
Stadtphysikus in Brünn. Ein 30jähriger, kräftiger Mann batte
nur einmal, und zwar vor 10 Jahren, einen Schanker, der
ärztlich mit Quecksilber behandelt wurde und bald vergangen
war. Seil dieser Zeit war das Befinden immer das Beste, der
Mann machte 1631 den polnischen Feldzug als Cavallerist mit,
heiralhete bald darnach und erzeugte einige sehr gesunde Kin
der. 1630 bekam er plötzlich heftige Kopf- und überurm-
sehmerzen, die ein berühmter Wiener Arzt für syphilitische
Knochenschmerzen erklärte und mit der grossen Schmiercur
zu beseitigen rieth, welche letztere auch in Wien mit so
gutem Erfolge überstanden wurde, dass der Mann sich über
ein Jahr ganz gesund fühlte. Im August 1637 reiste er aus
Polen nach Brünn und bekam unterwegs eine Augenentzün-
dung, die A. sogleich als Iritis syphilitica erkannte. Der zu
-J- Gran zweimal des Tags genommene Sublimat rief, schon