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oder Zw°'
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MsnnementSpreiS:
ich 6 Sķ, vierteljährlich 1 äķ 50 Ķ — frei ins
"'•S geliefert 1 65 — für Auswärtige, die das
durch die Post beziehen l 3ķ 63 Ķ inet. Postgebühr,
jedoch ohne Bestellgeld.
70stcr Jährgsng.
Erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend Morgens.
JoscrtiouSgeļûhr:
Für die Petitzene 10 ş., für die Corpuszeile 15 Ķ
Anzeigen werden für die Mittwoch-Nr. bis Dienstag
für die Sonnabend-Nr. bis Freitag-Mittag 12 Uhr
erbeten.
Sonnabend.
24. Uovember 1877.
* Rundschau.
.Dem preusz. Abg.-Hause, welches noch immer
; :t der EtatSberathung beschäftigt ist, wurde
'"er Anderem eine Gesetzesvorlage unterbrei-
' über Ausnahme einer Anleihe von circa
m i’ 4 °0,ooo Mk. behufs Ausführung von Eisen-
tviîï D Einbauten. Ganz Deutschland wurde dieser
aVLs,
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Nr. 73.
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V.rkauf.
lufner.
durch die Kunde überrascht, daß die Ber
ber Polizei einer Verschwörung gegen das
Mn des Kaisers und des Reichskanzlers aus
,e Spur gekommen sei und das, man des
'.""ptatlentäters bereits habhaft geworden
n - Und zwar in der Person eines westpreuß.
°ieu, Namens von Lyskowski, der auch bald
A offenes Gestandniß über seine meuchel-
^"rderischen Absichten abgelegt habe. Bald
i"vupple sich der geständige Attentäter jedoch
>4 ein Privatsecretär und flüchtiger Urkunden-
Mcher, Namens Lugowski aus dem Kreise
Mn, der, erkannt, auch sofort jenes Geständ-
.!? als unwahr bezeichnete. Es gereichte zu
gemeiner Genugthuung, das Gerücht von
"für gegen das Sieben des Staatsoberhauptes
sichteten Complotles so Lüge» gestraft zu
l^n. — Der badische Landtag und die meck-
°!"burgischen Stände wurden kürzlich eröffnet.
4 Eröffnung der Letzteren waren anstatt
^0—500, nur ca. 50 Mitglieder erschienen,
e" Zeichen der groben Unzufriedenheit niit
4 '»ittelalterlichen Verfassung dieses Landes,
şâ'che zeitgemäß umzugestalten sich weder Ritter-
şwt noch Regierung entschließen kann. Eines
Ķ 3es wird von Berlin aus ein gewichtiges
^?'"Mandowort dahin abgehen müssen, wenn
'Ulenburg jemals zu einem modernen Staat
. Şkden soll. Freilich wird vorher auch in den
^""gebenden Kreisen Berlin's ein sreiheit-
">erer Wind wehen müssen. Bis heute nimmt
m?" dort noch keinen Anstoß an den Zuständen
^5'enburgs.
r..Ş Wiener Abgeordnetenhause wird äugen-
'ich das Schicksal der Bankvorlage ent-
tims c ”' üie auch im Bankwesen den Dualis-
4 s5 einführen will. Ein Theil der liberalen
n"dosttion soll für dieselbe gewonnen sein. In
^"llaru aber bereitet die radikale Partei in
""en Städten Volksversammlungen vor, die
?4n den Ausgleich mit der andern Reichs-
plfte protestiren sollen, da derselbe den Broo-
''verb des ungarischen Volkes gefährde. Die
MUmung ist dort eine so erbitterte, daß das
Man Kossuth's in Pest sich bereits 6 Preß-
^cesse wegen Majestätsbeleidigung zugezogen
, 3.U Frankreich sind inzwischen wichtige Dinge
. >nrt. Die Deputirtenkammer nahm den An-
s4 Albert Grevy's aus Einsetzung eines Aus-
^"»es zur Untersuchung der bei den letzten
M'sten vorgekommenen Ungesetzlichkeiten mit
n 0 gegen 202 Stimmen an und setzte den
, B"ksuchungsausschuß aus 33 Republikanern
»""»men. Sodann aber bemühte sich Minister
to t0 9lie, den Senat zu einer Verurthcilnng des
^ŗgehens der zweiten Kammer zu bestimmen.
^ ließ den legitimistischen senator Kerdrel
Interpellation einbringen, welche die Re-
^'Kng befrug, was sie gegenüber dem De-
putirtenbeschlnsse zum Schutze der Ruhe des
Landes, der Unabhängigkeit der Vermaltungs-
beamteu rc. zu thun gedenke. Broglie ant
wortete, daß die Beamten den Befehl erhalten
hätten, ohne die Erlaubniß der Minister dem
Untersuchungsausschüsse keine Auskunft zu er
theilen, keine Actenstücke zu verabfolgen. Broglie
sah aber seinen Wunsch, dem Cabinet ein di-
rectes Vertrauensvotum zu verschaffen, nicht
in Erfüllung gehen. Eben so wenig fand der
Antrag der Linken auf Ucbergang zur einfachen
Tagesordnung eine Mehrheit, sondern es wurde
der zweideutige, nichtssagende Antrag, den die
Rechte gestellt hatte, um der Hülfe der Con
stitutionellen sicher zu sein, mit 151 gegen 139
Stimmen angenommen, nach welchem der Se
nat von den Erklärungen der Regierung nur
„Akt nimmt" und, entschlossen, der Prärogative
keiner der öffentlichen Gewalten Eintrag thun
zu lasten, zur Tagesordnung übergeht. Nicht
Fisch, nicht Fleisch! wird diese Resolution den
Wirrwarr nur noch vermehren. Die Schuld
tragen die Constitutionellen, welche es in der
Hand hatten, dem Scandal ein Ende zu machen.
Die Bemühungen Mac Mahon's, ein constitu-
tionelles Ministerium zusammenzubringen, wa
ren ohne jeden Erfolg.
Was die Dinge auf dem Kriegsschauplätze
anbelangt, so soll General Skobelew im Süden
von Plewna immer weiter vorgehen und den
Türken immer mehr Positionen entreißen, sollen
die Rüsten, welche in der Richtung nach der
serbischen Grenze vordrangen, Wratza und
Berkowatz nahmen, aus letzterem Orte wieder
hinausgeworfen worden sein; soll Mehemes
Ali in Sofia 60 Bataillone und 150 Geschütze
vereinigt haben, welche Zahl jedoch zum Ent
sätze von Plewna bei Weitem nicht ausreicht.
Es bestätigt sich, daß Suleiman den Oberbe
fehl in Rumelien erhalten hat, um den Russen
den Balkanübergang zu vermehren und daß
das Obercommando der Armee von Rasgrad,
die bei Osman Bazar mit den Russen schar-
mützelt, an Fazli Pascha abgegeben worden ist.
In Kleinasien haben die Russen am 18. Nov.
das Gluck gehabt, Kars zu stürme», wobei sie
viele Gefangene und große Beute machten.
— Dem „Nomanul" zufolge nahmen die
Rumänen am 21. Novbr., Vormittags 9 Uhr,
Rahova (an der Donau, in der Mitte zwischen
Nikopoli und Widdin) nach dreitägigem Kampfe.
Berlin. [Zur Gesindeordnung j Der
dem Herrenhause zugegangene Gesetzent
wurf hat folgenden Wortlaut: „Gesinde,
welches hartnäckigen Ungehorsam oder Wider
spenstigkeit gegen die Befehle der Herrschaft
oder der zu seiner Aussicht bestellten Personen
sich zu Schulden kommen läßt, hat auf den
Antrag der Herrschaft, unbeschadet deren Rechte
zu seiner Entlassung oder Beibehaltung, Geld
strafe bis zu 15 Jl. ober Hast bis zu drei
Tagen verwirkt. Dieser Antrag kann nur
innerhalb vierzehn Tagen seit Verübung der
Uebertrelung oder, falls die Herrschaft wegen
der letzteren das Gesinde vor Ablauf der
Dienstzeit entläßt, vor dieser Entlastung ge
macht werden. Bis zum Anfang der Voll
streckung der Strafe ist die Zurücknahme des
Antrages zulässig".
Hamburg, 22. Nov. Mittelst Decrets des
Senats wurde heute Herr Dr. Pollacsek als
gerichtlicher beeidigter Dollmetsch und Ueber-
setzer für die ungarische Sprache ernannt.
Itzehoe. Unsere Stadt zählt gegenwärtig
einen ihrer Söhne, den Musiker Giese, zu
den bedeutendsten Clannettisten Deutschlands.
Der genannte Herr, ein noch junger Mann,
macht durch seine ausgezeichnete Fertigkeit und
überaus seelenvolles Spiel auf dem genannten
Instrument gegenwärtig nicht geringes Auf
sehen in Berlin sowohl, als in München, welche
beiden Städte er in letzter Zeit besucht.
Die jetzt in Rortorf herausgegebene
„Reue Ztg." soll von Neujahr an unter dem
Namen „Norddeutsche Reichspost" in Altona
erscheinen. Tendenz christlich conservativ. Wie
die Zeitungen berichten, sind dem Blatte vor
läufig wieder 5000 Mk. zur Verfügung gestellt.
Reumünster, 21. Nov. Dem letzten Mo
natsbericht über die Einnahmen auf den Schles
wig-Holsteinischen Eisenbahnen entnehmen wir
die Notiz, daß die „Westholsteinische Eisen
bahn" im October d. I. vereinnahmt bat: für
Personen 16,332 M., für Güter 14,398 M.,
Nebeneinnahmen 23 M., zusammen also
30,753 M.
Dem Herrn Ad. Brandt in Altona,Inhaber
einer in Ottensen belegenen Fabrik von Legu
minosen- und Fleischpräparaten, ist auf der
am 16., 17. und 18 d. M. in Hannover ab
gehaltenen KochkunstaussteUung für die von
ihm eingesandten Fabrikate die einzigste zur
Vertheilung gelangte goldene Medaille zuerkannt
worden.
Kiel. [Lund'sche Concursmasse.I Am 20.
d. M. wurde im Königl. Amtsgericht III. die
Regulirung des Concurses des verstorbenen
Rechtsanwalts Lund von Kiel durch Aus
schüttung der Blasse beendigt. Wie vorauszu
sehen, war das Resultat für die Creditoren
ein äußerst klägliches. Gedeckt sind nur die
Prolocollate und ein Pfandgläubiger, letzterer
zur Hälfte. Nach dem vorgetragenen Distri
butions-Plan sind in der Blasse an Activen
vorhanden gewesen: I. Kassebestand ca. 2000^.,
2. Erlös aus den Grundstücken ca. 103,000 Jl,
3. Mobilienwerth 10,600 4. diverse Schuld
scheine und Obligationen 3000 JL, 5. Aus
stände 9400 JL, 6. Erlös aus verkauften
49,800 Jl Actien der Norddeutschen Schiffbau-
Gesellschaft 5100 Jl., 7. Ueberschuß aus einem
an Gastorff verkauften Grundstück 6000 Jl.,
8. Ueberschuß aus einem Depot bei der Ver-
einsbauk 10,000^., 9. diverse Zinsen und kleine
Einnahmen 3400 Jl, im Ganzen 152,000 á
Diese Summe ist durch die Kosten, die Proto-
collate und die Forderung des einen Psand-
gläubigers absorbirt worden. Die Passiva,
welche ungedeckt geblieben sinv, belaufen sich
aus ca. 250,000 Jl.
B Husum, 22. Nov. In Schobüll feiern
am 25. d. M. die Eheleute Vroder Christian
sen und Frau im Kreise von Freunden und
^ Kleinere Mittheilungen.
Jpîfenbacļ}, 17. Nov. Von den zur gestri-
4* Ergänzungsmahl der Stadtverordneten-
4'ammlung stimmberechtigten 1600 hiesigen
Ü?">vhner waren zm ölfhnn dert an der Aus-
ihres Stimmrechts verhindert, weil sie
Ir- î Zahlung ihrer Steuern im Rückstände
ien Von den übrig gebliebenen 400 mach-
Mirca 355 von ihrem Wahlrechte Gebrauch,
r Hamb urg. Die Kindesmörderin Köster ver-
jn^ie auch in dem letzten mit ihr angestellten
" dabei, daß sie den Gedanken, ihren Sohn
!e!u Ļeden zu bringen, erst dann gefaßt, als
h^erer auf der Brücke sich ungezogen gegen sie
è>m r ~ Der Ehemann Köster, der schon
Hb (i en werden sollte, wurde wieder in Hast
""fuhrt, da die Köster gravirend gegen ihn
9"sagt haben soll.
üejT' Die Leiche Westphal's, des seit längerer
verschwundenen Erdarbeiten - Unterneh-
wurde bei der Hamburger Staatssähre
^ Grasbrook in stark verwestem Zustande
W d"Nl Wasser gezogen. Uhr und Kette,
ein Portemonnaie, welches 10 Mark
mitln» 0
{ļļļr . •
stab ş""d man in den Taschen des Ver-
àn nen noch vor. Bekanntlich wurde dieser
l anfänglich mit dem Köster'schen Morde
^êrbindung gebracht.
^itìu die Hinterbliebenen des durch die
tz°!ş°àe in Hamburg Hingerichten Arbeiters
Df? 'î"d bis jetzt ca. 1200 Jl. eingegangen.
2 5 unglückliche Frau des Beck, im Alter von
8efM, en ' Hut einen Dienst als Hausmädchen
und gesunden.
e 'üe K aS »Journal des Debüts" enthält
in w°st?"Ģondenz aus Konstantinopel,
"tcher sich folgende etwas boshafte Schil
derung des deutschen Botschaftshotels in der
türkischen Hauptstadt befindet: „Das Hotel der
deutschen Botschaft wird daS geräumigste unter
allen in unserer Stadt vorhandenen sein:
384 Zimnier, genug, ein ganzes Regiment
unterzubringen! Aus der Höhe des Taxim ge
legen, hat das Gcsandschaftsgebäude die beste
Lage; es beherrscht Konstantinopel, den Bos
porus, das goldene Horn und die Umgebungen,
ebenso wie der Biont Valerien die ihn um
gebende Landschaft beherrscht. Die Pforte
hatte gegen die Wahl dieses Terrains Wider
spruch erhoben, aber man mußte doch nach
geben: die Botschaft überschaut daher die
Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung. Nur
welche traurige Probe der deutschen Architek
tur! Die Keller sind gewölbt, die Blauern im
Stande einer Kugelsa'lve zu widerstehen; eine
wirkliche Kaserne dieses Palais, ein großes
Rechteck, halb Ziegel-, halb Steinbau, mit einer
Eingangsthür, welche eine Zugbrücke zu er
warten scheint, und mit Fenstern, welche wie
Schießscharten aussehen! Es ist wahr, daß sich
überall Adler befinden, auf dem Dache, auf
dem Simsmerke, auf den Oefen selbst sieht
man Adler mit weit geöffnetem Schnabel und
ausgebreiteten Flügeln: „Ein Vogelbauer in
einer Festung", sagte mir Jemand, welcher es
besichtigt hatte. Das ist ungefähr der Ein
druck, welchen es bei aller Welt hervor
ruft und der Prinz Reuß ist, wie man sagt,
weit davon entfernt, entzückt zu sein."
— Kulm, 19. Nov. Ein schwerer Unglücks
fall ereignete sich hier gestern Abend während
der Vorstellung des auch in weiteren Kreisen
bekannten Prestidigitateurs A. Epstein. Der
selbe giebt schon seit mehreren Abenden im
Hotel de Rome Vorstellungen in seiner Kunst
und dazu gehört auch als besonderes Bravour
stück ein Experiment, welches er gewiß schon
unzählige Male gegen sich hat zur Ausführung
bringen lassen, welches aber diesmal für ihn
verhängnißvoll werden sollte. Er gab einem
in dem zahlreich versammelten Publikum an
wesenden Gymnasiasten ein Gewehr nebst
Pulver und Spitzkugel und bat, das Gewehr
gehörig zu laden und aus ihn abzufeuern;
er wollte die Kugel auffangen und sie dann
dem Publikum auf einem Teller präsentiren.
Dies geschieht. Herr Epstein kommandirt. der
Gymnasiast feuert los und jener stürzt sofort
zu Boden nieder. Im ersten Augenblick dachte
das Publikum, es müsse dies so sein und
applaudirte aus das Lebhafteste Herrn E.
Sehr bald aber vernahm man die röchelnde
Stimme des Gefallenen: „Ich bin getroffen"
und sah auch, wie Blut aus der Seite der
Brust floß. Er war wirklich getroffen, zwei
Offiziere stürzten sofort auf die Bühne und
schafften den Unglücklichen hinter die Koulissen,
wo auch alsbald mehrere Aerzte zur Hülfe
erschienen. Das zahlreiche Publikum verließ
bestürzt den Saal. Er wurde nachträglich
nach dem Krankeninstitut der hiesigen barm
herzigen Schwestern geschafft und erst heute
ist es möglich geworden, die Kugel aus der
Nähe des Rückgrates herauszuschneiden. Sein
Zustand soll desorgnißerregend sein. Irgend
welche Schuld kann bei diesem Unglücksfall
Niemandem beigemessen werden. Er soll ledig
lich dadurch herbeigeführt sein, daß der Mecha
nismus an dem unteren Ende des Ladestockes,
welcher beim Hineinstoßen in den Lauf eine
Klappe öffnet und in diese die Kugel wieder
Bekannten das seltene Fest ihrer goldenen
Hochzeit. — Das Ehepaar P. Todtberg hier-
selbst feierte am Montag seine silberne Hochzeit.
An den gestrigen Fettviehmarkt waren nur
noch 300 Stück Hornvieh gebracht, die unter
lebhaftem Handel sämmtlich verkauft wurden
zu Preisen von 48 — 60 und 60—72 Mt. pro
100 ®. 150 Stück gingen davon nach Eng
land und 50 nach der Rheingegend.
Zu unserem heute hier abgehaltenen Mager
viehmarkt waren 600 Stück Hornvieh, davon
300 auf dem Kamp und 300 auf der Neu
stadt angebracht. Der Handel war nicht sehr
lebhaft, doch wurde zu vorwöchigen Preisen
bis kurz nach Mittag Alles verkauft.
Das „Eid. und Stapelh. Wchbl. schreibt:
Dem Vernehmen nach wird höhern Orts be
absichtigt, die beiden Eidersähren zu Lüder-
şiapel und Horst einer Umgestaltung zu
unterziehen. Erstere ist bis jetzt eine Fähre
erster Klasse gewesen, vermittelt also jeglichen
Verkehr zwischen den beiden Ufern, letztere da
gegen ist nur eine sogenannte Fußfähre. Wie
jetzt verlautet, wird der Plan veutilirt, die
Süderstapeler Fähre in eine Personensähre und
die Hörster in eine Fähre erster Klasse zu ver
wandeln. Es liegt diesem Plane wohl die
Absicht zu Grunde, eine direkte Verbindung
zwischen Heide und Schleswig herzustellen.
Pastor Dieckmann in Wesselburen hat
gegen Pastor Paulsen in Kropp, als Her
ausgeber des „Kropver Kirchlichen Anzeigers",
resp. auch gegen denselben persönlich, eine
Privalklage wegen Beleidigung durch die Presse
angestrengt. Die Sache soll angeblich in Rends
burg am 28. Nov. zur Verhandlung kommen.
Am 21. wurden zwischen Kiel und Reu-
münster Versuche mit dem Telephon gemacht;
ein auf dem Piano gespieltes Musikstück wurde
u. A. von Neumünster nach Kiel unversehrt
übermittelt.
* Rendsburg. Unsere Rendsburger See
manns - Wittwen-' und Waisen-Casse, gegrün
det 1862, hat den Zweck, beim Ableben ihrer
Mitglieder, deren etwaigen Wittwen und Kin
dern eine jährliche Pension zu sichern.
Es zählt die Casse jetzt 100 Mitglieder und
10 Ehrenmitglieder. Die jährlichen Pensionen -
an 6 Wittwen und 8 Waisen betragen in
runder Summe 1318 Blk.
Die Aufgabe, welche man sich gestellt hat,
ist bei der verhültnißmäßig geringen Biitglieder-
zahl und mit Rücksicht aus den beschwerlichen
und gefahrvollen Beruf des Seemannsstandes
eine sehr schwere, denn es fordern leider zu
oft die Elemente das Leben der Mitglieder.
Um so mehr verdient es Anerkennung, wenn
von Wohldenkenden dazu beigetragen wird,
den Bestand der Casse zu sichern. Vor einem;
Zeitraum von Jahren wurden kerselben bei;
dem Tode des Chess eines hiesigen Handlungs
hauses, welcher Ehrenmitglied der Casse war,
1200 Mk. überwiesen und jetzt sind dem Vor
stand wiederum als Vermächtniß eines Unge-
namlten 125 Mk. von dem hiesigen Magistrat
übergeben worden.
Rendsburg, 23. Nov. Auf das morgen
aufnimmt, diesmal seinen Dienst versagte.
— Naumburg, 16. Novbr. Wie wenig
Mitleid manche der „armen Reisenden",
die jetzt schaarenweise auf den Landstraßen
umherstreisen, verdienen, dafür möge folgender
Vorfall der letzten Tage den Beweis liefern.
Mit Eintritt der Dunkelheit kommen zwei
Wanderburschen zu einem benachbarten Brauerei-
besitzer, klagen, daß sie — zwei Brüder —
seit 14 Wochen vergeblich nach Beschäftigung
suchen, sich schämten, am hellen Tage wie
„das Gesindel" betteln zu gehen, tüchtig zu
packen könnten, Schmiedegesellen seien rc.
Sofortige Einstellung in die Kellereiarbeit bei
10 Sgr. Tagelohn und richtiger Brauerver
pflegung ist der Erfolg des rührenden Vortrags.
Die Leute arbeiten emsig und geschickt, drei
Tage lang betragen sich wie Musterknaben.
Der Brauherr ist hoch erfreut, sich und den
beiden „armen Reisenden" geholfen zu haben
und giebt arglos den erbetenen Vorschuß von
18 Mark, um die „Felleisen mit dem Zeuge"
einlösen zu können. — „Nee, Männeken, Euer
Essen und Trinken ist propper, aber die Arbeet
paßt uns nich. Schön Dank, Adjo!" So
lautete ein zurückgelassener Scheidebrief.
Aus dem Plön er Kreise wird berichtet:
Der Fischfang giebt hier auf den meisten
Stellen eine so ergiebige Ernte, daß der Preis
der Karpfen, gegen frühere Jahre gehalten,
ein geringerer ist. Den Fang von Karpfen
in einem Teich auf Propsteier Gebiet veran
schlagt man auf den Werth von 40,000 Mk.
— Das Manufacturwaaren-Magazin en de
tail der Herren Fould & Leiter in Chicago
ist niedergebrannt. Der Verlust wird aus
1 Mill. Doll, geschätzt.