Full text: Amtliches Verzeichniss des Personals und der Studirenden der Königlichen Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Winter-Semester 1888/89. (WS 1888/89)

In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, zahlreiche 
aromatische Verbindungen im Urin nachzuweisen, welche 
Fäulnissprocessen im Innern des Organismus ihren Ursprung 
verdanken. 
Allerdings kennen wir noch nicht alle derartigen Stoffe, 
welche bei der im Körper durch die Fäulniss bewirkten Zer 
setzung der Eiweissstoffe entstehen und im Urin ausgeschieden 
werden können; verschiedene Beobachtungen weisen darauf 
hin, dass ausser den zahlreichen bekannten Fäulnissproducten 
noch unbekannte, schwierig zu isolirende Körper im Harn 
Vorkommen, welche gleichfalls aus der Fäulniss im Organis 
mus entspringen. 
Bei der Mannigfaltigkeit der bei der Fäulniss gebildeten 
Körper ist es nun nicht gut möglich, aus der Menge des 
einen oder einiger wenigen Schlüsse auf die Intensität der 
Fäulnissvorgänge im Organismus zu machen, zumal, da je 
nach den äusseren Bedingungen, unter denen die Fäulniss 
vorgänge sich abspielen, die Art der Fäulnissproducte und 
ihr Verhältniss unter einander wechselt. Da aber ein grosser 
Theil derselben an Schwefelsäure gebunden als Aethersehwefel- 
säuren im Urin auftritt, während nur geringe Mengen in 
anderen Verbindungen dem Harn beigemengt sind, so kann 
man wohl einen ziemlich sicheren Schluss aus der Menge der 
an aromatische Körper gebundenen Schwefelsäure auf den 
Grad der Bildung von Fäulnissproducten und damit auf die 
Stärke der Fäulniss selbst machen.
	        
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