In den letzten Jahrzehnten ist es gelungen, zahlreiche
aromatische Verbindungen im Urin nachzuweisen, welche
Fäulnissprocessen im Innern des Organismus ihren Ursprung
verdanken.
Allerdings kennen wir noch nicht alle derartigen Stoffe,
welche bei der im Körper durch die Fäulniss bewirkten Zer
setzung der Eiweissstoffe entstehen und im Urin ausgeschieden
werden können; verschiedene Beobachtungen weisen darauf
hin, dass ausser den zahlreichen bekannten Fäulnissproducten
noch unbekannte, schwierig zu isolirende Körper im Harn
Vorkommen, welche gleichfalls aus der Fäulniss im Organis
mus entspringen.
Bei der Mannigfaltigkeit der bei der Fäulniss gebildeten
Körper ist es nun nicht gut möglich, aus der Menge des
einen oder einiger wenigen Schlüsse auf die Intensität der
Fäulnissvorgänge im Organismus zu machen, zumal, da je
nach den äusseren Bedingungen, unter denen die Fäulniss
vorgänge sich abspielen, die Art der Fäulnissproducte und
ihr Verhältniss unter einander wechselt. Da aber ein grosser
Theil derselben an Schwefelsäure gebunden als Aethersehwefel-
säuren im Urin auftritt, während nur geringe Mengen in
anderen Verbindungen dem Harn beigemengt sind, so kann
man wohl einen ziemlich sicheren Schluss aus der Menge der
an aromatische Körper gebundenen Schwefelsäure auf den
Grad der Bildung von Fäulnissproducten und damit auf die
Stärke der Fäulniss selbst machen.