Object: Newspaper volume (1914, Bd. 2)

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«Urieşşî« şikî ins »ras 2. SO BB. r für Hnswütttj» km« 
kisPsst krzsKEN L,ss Mķ/inķt. Pajlprovlston ». , ftbodö ahm Krstellzeld. 
„Der Landwirt* 
MiW für bis polļļŞn und ļojialcn Interelf kn der Landņîrtfchaftz 
wtrd «em Rin»s'6ui{tt Tczeblatt jtatl« deigegeben. 
Brî WstriebsstZrungrn 
irgendwelcher Art kann die regelmützige Lieferung diese» Blatte» nicht 
gewShrleiftet werden. 
Iirsertioņsprris: 
şia PeUtzrlle oder deren Raum so Pfg., für Reîlamen so Pfg. Der 
dei rviedertzolungen gewlhrte Radati kommt in Fortfall, wenn der 
«etrag nicht tnnrihaib 80 Tagen noch dem Datum der Rechnung in 
der eingecht, tnahrfonder« konunt der Rabatt bei Konkursen und ein 
geklagten Betrögen in Fortfall. . 
Ältestes und gelesenstes Blatt im Kreise Rendsburg. 
DmeSen start verbreitet in den Kreisen Schleswig, ESemförde, HnfAM und Bordesholm 
197. Jahrgang. 
ArnMchs WekcinntMKchuNgßn fämMchsr Hiesiger und ureter auswärtiger WeHörden 
Redaktion und Expedition: Mühlensti. !8. 
Fernsprecher 15. Telegramm-Adresse: Tageblatt. 
UH 4. 
Di? heutige Nimm Wschļ iS Seiten 
inkl. „Der Landwirt", 
Caillaur gab die Tat ohne weiteres zu. Sie habe 
mit Bedacht auf Calmette geschossen, da er sie und 
ihren Gemahl in der schmählichsten Wei 
se durch die Artikel, die er ü b e r s i e 
veröffentlichte, beleidigt habe. 
neu.Sieg bristen, der ihre Reihen auf das Dop 
pelte verstärkr. Doch auch Barthou gedenkt wie 
der ans Ruder zu kommen. Er ist der Freund 
und .Vertrauensmann des Präsidenten Pomca- 
ree, von dem iinmer noch die Rede geht, daß 
er der Rechten für seine Ernennung Unterpfän 
der geliefert habe, die der Einlösung harren. 
Auch Millerand hofft, mit den Wahlen Wieder 
aus der Versenkung emporzutauchrn. Doch er 
hat die Wiederaufnahme des schlicht verabschie 
deten klerikalen Oberstleutnants Du Paty de 
Clam vom Dreyfus-Weltruf auf seinem Konto, 
und der Geruch des Klerikalismus ist .vor dem 
Gerichtshof des allgemeinen Stimmrechts in 
Frankreich noch immer .gleichbedeutend mit ei 
nem Todesurteil. 
Das Parteileben der Franzosen bietet am 
Vorabend der Wahlen einen Anblick der Zerfah 
renheit. Die Sozialisten schauen hohnlachend auf 
die Verwirrung der bürgerlichen Parteien. Sie 
gehen angeblich mit dem Gedanken um, den ge 
einigten Radikalen in den Rücken zu fallen, wenn 
diese am Tage der Wahlschlacht zögern, mit ih 
nen einen leoninischen ®unbest)ertrag zu schlie 
fen. 3n dem schwachen ^Kabinett ist Josef Cail- 
laur die einzige starke Säule. Gelingt es, diese 
über Nacht zu stürzen, so gibt es ein Chaos 
von Trümmern. Schwere Wolken ballen sich 
über der inneren Politik Frankreichs zusammen, 
davon zeugt das Wetterleuchten in der Schatz 
kammer des von den Rentnern gehaßten Josef 
Caillaur. 
Der wahre Kriegsfch-atz in Frankreich wird 
angegriffen — der Kredit Frankreichs wird un 
tergraben r- das Vaterland selbst wird in große 
Gefahr gebracht — wenn man die kleinen Rent 
ner beunruhigt, das ist das Schreckbild für den 
Finanzminister Josef Caillaur, falls er noch län 
ger auf die Besteuerung der Rente besteht. Der 
Senat hat die Heranziehung des Kupons der 
Rente zur Deckung der Militärlast bereits abge 
lehnt, und von den Kämpfen, die noch in der 
Kammer um die Einkommensteuer entbrennen 
werden, erhält inan eine Vorstellung, wenn 
man den Sturm beobachtet, der be 
reits auf die Person des Finanz- 
ministers eröffne t ist. Man gräbt Brie 
fe aus, die Caillaur bereits vor zwölf Jahren 
geschrieben hat, um ihn der Gesinnungslumperei 
zu beschuldigen. Mit einem Eründungsfchwind- 
ler und Betrüger soll der Staatsmann, der fetzt 
in erster Linie das Schicksal Frankreichs bestim 
men will, .Meinungen ausgetauscht haben, die 
seine wahre Natur erkennen lassen. „Ich habe 
die Einkommensteuer zermalmt — während ich 
mir gleichzeitig den Anschein gab, sie zu vertei 
digen. Das Zentrum und die Rechte haben mir 
zugejubelt, ohne daß ich' bei der Linken allzu 
großes Mißtrauen erregte. So habe ich es er 
reicht, das Steuer entschieden nach rechts zu dre 
hen." Kein so garstig politisch Lied hat angeblich 
Josef Caillaur angestimmt. Es handelt sich also 
darum, die persönliche Stellung des Finanzmini- 
iters zu erschüttern, denn wenn der Herzog fällt, 
fällt auch der Mantel, sagen sich die Verteidi 
ger der Rechte. 
Doumergue, der liebenswürdige Südfran- 
zosc, dem man bereits den Beinamen „die Mo 
na Lisa der Politik", weil er ewig lächelt, gege 
ben hat, schaut hülflos auf das Treiben gegen 
seinen Finanzminister, der tatsächlich als der be 
stimmende Gedanke und Wille des Kabinetts gilt. 
Man schilt diesen Parlamentarier als . das Ur 
bild des weißen Revolutionärs, der immer der 
Schrittmacher des roten war und ist. Caillaur's 
Leben und bisherige Laufbahn stellt sich tatsäch 
lich als ein innerer Widerspruch dar. Sie begann 
im Hause eines schweren Millionärs und ward 
zum Alpdruck für bic_ besitzenden Klassen. Jo 
sef Caillaur ist der Sohn eines mit den: Ru 
fe des Krösus behafteten Großgrundbesitzers und 
hervorragenden Orleanisten, der sein Leben lang 
mit nie ermüdender Beharrlichkeit für den Rück 
schritt gearbeitet hat. Mit diesen Familienüber 
lieferungen hat der junge Caillaur vollständig 
gebrochen. Cr studierte die Rechte, schlug die Be 
amtenlaufbahn ein, nahm einen Posten in der 
Finanzverwaltung an und schrieb bald ein Buch 
über die Steuern Frankreichs. Mm schnell em 
porzukommen, wandte er sich der Presse und 
dem Parlamentarismus zu, wodurch man in 
Frankreich als tüchtiger Mann fein Glück zu ma- 
chen pflegt, und bald faß der republikanische Jo 
sef in der Regierung. 
Man nennt ihn jetzt einen „Demagogen der 
Staotsfinanzen". aber durch das Wort läßt 
ff sich nicht schrecken. Sein bewundertes Vorbild 
r>t der englische Schatzmeister Lloyd George, den 
er fast sklavisch nachahmt. Die Verhältnisse 
Frankreichs sind mit denen Englands indes nicht 
zu vergleichen, denn der wirtschaftliche Aufbau 
der durch das Aermelmeer getrennten beiden Völ 
ker sind nicht entfernt dieselben. Alles deutet 
auf eine nahende innere 'Katastrophe in Frank 
reich hin, und die französische Wirklichkeit wird 
den Finanzminister wahrscheinlich unsanft aus sei 
ner Lloyd-Eeorge-Hypnofe erwecken. Doch die 
neuen französischen Cadres sind bewilligt, die 
dreijährige Dienstzeit wird durchgeführt, die 
notwendigen Milliarden sind zu beschaffen, und 
die Armen und Minderbemittelten in Frankreich 
wollen, daß die Wohlhabenden und Reichen zah 
len, und diese wehren sich gegen die Folgen des 
aufgestellten Kriegsbudgets. 
Die Parteiwirrnisse in Frankreich haben ei 
nen bedenklichen Grad erreicht. Die Banner der 
Verbindung^ der Linkengruppen flattern fröhlich 
in den Lüsten. Aristide Briand ward bereitÄ 
schwarzseherisch und sandte einen Parlamentarier 
mit weißer Fahne und begleitendem Trompeter 
zunk Feinde, um Friedensverhandlungen anzu 
knüpfen. Die geeinigten Radikalen aber ver 
langen bedingungslose Unterwerfung. Sie hof 
fen. daß ihnen in sechs Wochen die Wahlen ei- 
Neustrelitz, 16. März. Darmoperation des 
Grogherzogs von Mecklenburg. Wie die Landes 
zeitung für beide Mecklenburg amtlich meldet, hat 
sich der Eroßherzog heute in seinem Schlosse einer 
Darmoperation durch Geheimrat Prof. Bier aus 
Berlin unterziehen müssen. 
Darmstadt, 16. März. Verhaftung eines 
Reichsbank-Angcstellten. Großes Aufsehen erregt 
die durch die Staatsanwaltschaft erfolgte Fest 
nahme des bei der Darmstädter Reichsbankstelle 
beschäftigten Karl Hans Götz, geboren 1888 in 
Win, wegen Unterschlagung. Götz ist beschuldigt, 
leinen Kollegen an der Kasse nach und nach Geld 
beträge in Höhe von zusammen 2000 JL in der 
letzten Zeit von den Zahltischen entwendet zu ha- 
ben. Götz kam 1912 von Schöneberg bei Berlin 
hierher und bezog ein Gehalt von 1500 Jl jährlich. 
Holland. 
'Amsterdam, 16. März. Essad Pascha über 
nimmt den Oberbefehl der Armee. Nach Berich 
ten der holländischen Offiziere aus Albanien über 
nimmt Essad Pascha den Oberbefehl über die neue 
albanische Armee. Der holländische General De- 
weer wird Eeneralinspektor der Armee, während 
Oberst Tompson die Artillerie fàie das Genie 
wesen organisiert. Die Instruktion des albanischen 
Heeres soll belgischen Offizieren übertragen wer 
den. 
Frankreich. 
Paris, 17. März. Ueberschwemmungsgefahr 
m Paris. Die Seine steigt andauernd, so daß sich 
die Bevölkerung in großer Unruhe befindet. In 
Paris ist bereits ein Wasserstand von fünf Metern 
erreicht. Da auch ein weiteres Steigen der Neben 
flüsse gemeldet wird, so ist zu erwarten, daß die 
Seine noch weiter steigen wird, und daß es zu 
lleberschwemmungen in den niedriger gelegenen 
Bezirken von Paris kommen dürfte. Aus Sedan 
werden große Verheerungen berichtet, die durch 
die aus den Ufern getretene Meufe angerichtet 
wurden. 
„ Oesterreich-Ungarn. 
Wien, 16. März. Der König von Sachsen in 
Wien. König Friedrich August von Sachsen ist 
heute früh in strengstem incognito hier eingetrof 
fen, und hat bei seiner Schwester, der Erzherzogin 
Maria Josepha Wohnung genommen. Der König 
wird bis zum 19. d. M. in Wien verbleiben und 
sich dann nach Tarvis begeben. 
Wien, 16. März. Neun Russen unter Spio- 
nagcanklage. Vor dem Erkenntnis-Senat des hie 
sigen Landgerichts begann heute der für eine 
Woche anberaumte Prozeß gegen neun russische 
Spione, die, wie aus der Anklageschrift hervor 
geht, zu Beginn des Balkankrieges, als in Peters 
burg die geheimen Ziele des Balkanbundes wohl 
bekannt und alle Vorbereitungen zur Entfesselung 
eines europäischen Krieges getroffen waren, von 
Bußland nach Oesterreich entsandt wurden, um 
insbesondere die in den östlichen Grenzgebieten 
getroffenen militärischen Vorbereitungen auszu 
spionieren. Alle neun Angeklagten sind russische 
Untertanen. 
Neapel, 17. März. Die Schuldigen vom „San 
Giorgio". Kürzlich fand vor dem Marinekriegs- 
siericht die Verhandlung gegen den Kapitän 
Sacace und den Schiffsleutnant Degliuberti vom 
Panzerkreuzer „San Giorgio" statt, der am 
21. November bei der Ausfahrt aus der Straße 
von Messina auf Grund geraten war. Die bei 
den Offiziere wurden einer Nachlässigkeit für 
schuldig befunden, es wurden ihnen jedoch ange 
sichts ihrer vorzüglichen Dienstzeugnisse mildernde 
Umstände zugebilligt. Kapitän Cacace wurde 
aus sechs Monate và Dienst suspendiert, gegen 
Leutnant Degliuberti wurde auf eine Difziplinar- 
!irafe erkannt. Außerdem wurden den Leiden 
Angeklagten die Kosten des Prozesses und Scha 
denersatz dem Staate gegenüber auferlegt. 
Grikche«la«tz. 
Athen, 16. März. Die griechischen Schiffs 
käufe. Das Blatt „Hestia" bestätigt heute, daß 
die griechische Regierung tatsächlich wegen des 
Ankaufs des Dreadnoughts „Rivadia" mit Argen 
tinien in Unterhandlungen steht. 
Vermehrung der russischen Armee um 460 000 Alaun. 
In der Duma fand am Sonnabend, wie ge- 
mcldct, eine sehr wichtige Konferenz statt, an der 
der Ministerpräsident, die Minister des Krieges, der 
Finanzen, der auswärtigen Angelegenheiten, der 
Generalstabschef und die Führer säst aller Fraktio 
nen teilnahmen. Rach Vorträgen der Minister und 
des Generalstaüschcfs erklärte der Ministerpräsident, 
daß die Regierung von der Duma einen Kredit 
von einer Milliarde Mark verlangen 
werde, um die Armee um 460000 Mann 
v e r st ä r k e it zu können, so daß der allgemeine 
Fricoensbestand 1 7 0 0 0 0 0 Mann betragen 
würde. Es sollen neue Armeekorps enlkang der 
deutschen und der österreichischen 
Grenze aufgestellt werden. 
Der Finanzminister versicherte, daß er imstande 
sei, die notwendigen Mittel aufzubringen. Es ist 
beabsichtigt, in kurzer Zeit eine Konferenz unter 
dem Vorsitz des Grasen Witte einzuberufen, um 
eine rationellere Ausnutzung der staatlichen Pe- 
iroleumquellen zu beraten. Man ist der Ansicht, 
das; dadurch allein in wenigen Jahren einige hun 
dert Millionen Rubel gewonnen werden könne«. 
Von der Erhebung der direkten Einkommensteuer 
soll aus Anraten des Finanzministers Abstand ge 
nommen werden. In wenigen Tagen wird eine 
ähnliche Sitzung in der Duma folgen, in der die 
Einzelheiten des großen Projekts beraten werden 
sollen. 
Die Gattin des französischen Finanzminisļcrs 
Laillaux verwundel durch Aevolvcrschüsse den Lhes- 
redaktenr des „Figaro" schwer. 
Paris, 17. März. Die Gattin des Finanz- 
ministers Caillaur erschien gestern abend im Direk- 
tionszimnier des „Figaro", wo sie auf den Direk 
tor Gaston Calmette fünf Revolverschüsse abgab, von 
denen vier trafen und Calmette schwer 
verwundeten. 
Paris, 17. März, lieber das Attentat, das 
die Gattin des Finanzmiiiisiers Caillaur aus Ga 
ston Calmette verübte, werden folgende Einzelhei 
ten bekannt: Gegen 5 Uhr abends ließ sich Frau 
Caillaur im Automobil des Ministers nach dem 
Gebäude des „Figaro" fahren, wo sie Herrn Cal 
mette sprechen ivolltc. Herr Calmette war gerade 
mit Herrn Paul Bourget beschäftigt. ■ Er war seit 
zwei Jahren ein intimer Freund dieses hervorra- 
genden französischen Romanciers. Herr Calmette 
ließ Frau Caillvux bitten sich zu geduldigen. Frau 
Caillaur ivartetc etwa 1% Stunden. Dann bat sie 
einen der Dircktionsdiener, doch' nochmals nachzu 
sehen, ob Herr Calmette endlich Zeit für sie habe, 
und gab ihm ihre Visitenkarte mit der Weisung, 
sie nochmals Calmette vorzulegen. 
Gerade als der Diener das Dircklionszimmcr 
betreten ivolltc, zog sich Calmette an, um mit sei 
nem Besucher auszugehen. Er sagte beim Lesen der 
ihm von dem Diener überreichten Visitenkarte lä 
chelnd zu Bourget: „Mit dieser Frau möchte ich 
nichts zu tun haben". Nichtsdestoweniger ließ er 
Fran Caillaur hereinbitten. Er war gerade dabei, 
seinen Ucberzieher nochmals abzulegen, als Frau 
Caillaur in höchster Erregung in das Zimmer 
stürzte und nacheinander 5 Schüsse auf den über 
raschten Calmette abgab. Calmette brach, von 4 
Kugeln getroffen, blutüberströmt zusammen. 
Durch die Detonation wurde das ganze : Ge 
bäude alarmiert. Ein Truckereibeamter war der 
Erste, der in das Zimmer stürzte und der hysterisch 
schluchzenden Frau den Revolver aus der Hand 
riß. Im Verein mit einem gleichfalls hcrbcigeeil- 
tcn Redakteur drängte er Frau Caillaur ■ in ein 
Nebenzimmer, ivo sie ein über das andere Mal 
wiederholte: „Es war für mich das einzige Mittel, 
um meine Ehre und die meines Gat 
ten z u rette n". 
Calmette wurde auf einen Divan gebettet und 
von einem.schnell herbeigerufenen Arzt verbunden. 
Alsdann wurde er in einem Automobil in eine 
Klinik gebracht. 
Frau Caillaur lvurde in den .Redaktionsräu 
men des „Figaro" solange festgehalten, bis die von 
dem Attentat verständigte Polizei herbeikam. Frau 
Caillaur erklärte immer wieder, daß sie mir die 
Ehre ihres Gatten und ihre eigene gerächt habe. 
Die erste polizeiliche Vernehmung der Frau Caillaux 
fand aus der Polizeiwache statt, wohin Frau 
Caillaur in einem Tarameter gebracht wurde. Fra» 
KKşLĢNÄ» 
rnmkmutmrnmf ErSiet«. 
— Verheerende Springflut am Aermelkanal. 
Wie gemeldet wird, wurde gestern nachmittag die 
französische Seite des Aermelkanals von einer 
schweren Springflut'heimgesucht. Unter Gewitter 
und Regengüssen schäumte das Meer, von einem 
heftigen Sturme aufgepeitscht, in riesigen Wogen 
weit ins Land hinein und verheerte namentlich 
das Seebad Dieppe, wo es die felsige Küste in 
einer Breite von vierzig Metern vollständig weg 
schwemmte, so daß mehrere Häuser, die bis dahin 
drin im Lande standen, jetzt vom Meere unter 
spült werden, so daß Eingesturzgefahr droht. Die 
Kaimauer vom Hafen wurde teilweise weggerissen, 
die ganze Strandpromenade ist überschwemmt 
worden, die Badeeinrichtungen sind zerstört. Auch 
in den am Meere gelegenen Orten Mont, St. 
Michel, Avranches und anderen hat die Spring 
flut großen Schaden angerichtet. 
Tokio, 17. März. Erdbeben in Japan. In 
Akita (Nordjapan) ereigneten sich innerhalb einer 
Stunde sechs schwere Erdstöße. Hunderte von Häu 
sern stürzten ein, die Eisenbahn- Telegraphen- und 
Telephonverbindung'en waren auf mehrere Stun 
den unterbrochen. In Omagari kamen fünf Per 
sonen ums Leben, in Kariwano sechs. Viele 
Städte und Dörfer sind vom Verkehr abgeschnitten. 
Der Vulkan Asama ist in Tätigkeit. 
Rußland. 
Tiflis, 15. März. Eine seltene Naturerschei 
nung. Heute war hier in der Stadt und Umge 
bung eine seltene Erscheinung zu beobachten. Seit 
dem frühen Morgen war der Himmel mit schmu 
tziggelben Wolken bedeckt, und bei starkem Ne 
bel 'fiel nasser, mit Schmutz vermischter Schnee. 
Diese Erscheinung wird auf den Orkan an der 
transkaukasischen Bahn zurückgeführt, der solche 
Staubsäulen aufgewirbelt hat, daß die auf den 
Bahnhöfen und Bahnlinien angehäuften Staub 
massen ^den Bahnverkehr behinderten. In Temir 
Chan Schura ' wütete brr Sturm 16 Stunden 
lang; die Stadt war mit einer Staubschicht be 
deckt und die Lust so voll Staub, daß um 3 
Uhr nachmittags Dunkelheit herrschte. In Sche- 
macha ging unter ähnlichen Erscheinungen, wie 
in Tiflis, ein fchmutziggelber Regen nieder, und 
die Luft roch nach Rauch. 
Groznij (Ziskaukafien), 16. März. Ein furcht 
barer Orkan im Kaukasus. Um 1 mittags brauste 
ein Orkan über die Stadt dahin. Der Himmel 
war mit rötlichen Wolken bedeckt und 
die zunehmende Finsternis erreichte einen Grad,
	        
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