Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche praktischer Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 9 = 1838, No 17-No 24)

142 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Aetzen allein zu verlassen, sondern den innerlichen Gebrauch 
des Quecksilbers damit zu verbinden. Hecker empfahl, um 
die Einsaugung des Giftes zu hindern, reizende oder ätzende 
Mittel; Fritze behauptet dagegen, alle Aetzmittel, welche man 
äusserlich gegen venerische Geschwüre anwende, besessen die 
Kraft, die Einsaugung des Giftes zu befördern, indem sie die 
lymphatischen Gefässe reizen und verengern. Bell hält die 
Aetzmittel, gleich Anfangs angewendet, für äusserst wirksam. 
Boerhaave, van Svvieten, Louvrier wandten ebenfalls 
Aetzmittel, wenn auch nicht für sich allein an. Es würde zu 
weit führen alle die Auctoritäten, welche das Aetzen empfahlen, 
und diejenigen, welche es dagegen verwarfen, durchzugehen; 
die ältesten Aerzte, welche die Cauterisation in Gebrauch zogen, 
scheinen Vigo und Botallus gewesen zu seyn. Von neuern 
Schriftstellern waren es Barbautini, welcher den frischen 
Chanker nur mit Aetzmitteln behandelt wissen wollte, sowie 
besonders F. Ribes. Dieser empfiehlt den Chanker in allen 
Fällen und zu jeder Zeit zu ätzen, und versichert, von dieser 
Methode die grössten Vortheile gesehen zu haben. Nach Ratier 
muss die Aetzüng gleich, wenn das Geschwürchen entsteht, vor 
genommen werden. Diese wenigen geschichtlichen Data schick 
ten wir nur desshalb voraus, um zu zeigen, wie Ri cord zu 
jeder Zeit Vorahmer gehabt hat. Die vielen Versuche, welche 
er aber mit der Cauterisation, namentlich bei den zahlreichen 
von ihm ausgeführten Impfungen des venerischen Giftes, gemacht 
hat, berechtigen ihn zu einer nähern und bestimmtem Angabe 
des Verfahrens, wie des Erfolgs, und uns zu einem grossem 
Vertrauen zu diesem Verfahren. Ri cord bedient sich für alle 
Fälle, wo er der Excision nicht den Vorzug giebt, und diese 
von den Kranken nicht durchaus verweigert wird, des salpeter 
sauren Silbers, und dies zwar überall, wo sich in den ersten 
Tagen nach einem verdächtigen Beischlafe an einer der Infection 
ausgesetzten Stelle eine Pustel zeigt. Diese wird getheilt, und 
bis auf den Grund cauterisirt. Ricord nimmt es mit der Dia 
gnose der Pustel nicht eben streng, denn er meint, es stehe ja, 
falls man sich getäuscht, und herpetische oder ecthymatöse Pu 
steln geätzt habe, der dadurch veiursachte geringe Schmerz, 
mit der Möglichkeit einen Chanker ausbrechen zu lassen, in 
keinem Verhältnisse. Auf ähnliche Weise ätzt Ricord jedes 
ursprüngliche Geschwür, sobald er Verdacht einer syphil. An 
steckung hegt, ausser, wenn die umgebenden Gewebe schon 
etwas angeschwollen sind, und jenes schon eine gewisse Aus 
dehnung hat, wo er das Aetzkali und öfterer noch die Pasta 
viennensis in Gebrauch' zieht. Dagegen schneidet er jeden, nach 
einem verdächtigen Beischlaf, an den der Ansteckung ausgesetz 
ten Theilen angeschwollenen Schleimbalg auf, und wendet so 
dann den Höllenstein an. Ebenso verfährt er, wenn sich in den
	        
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