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IV. Gynäkologie und Pädiatrik.
tung der Muskelfassern entsprechend. Nachdem so die vorlie
gende dicke Fleischwand getrennt war, entleerte sich so viel
wie ein gewöhnlicher Milchkübel Eiter. Der Eiter sah gelb-
lich-weiss, hatte ziemliche Consistenz, und roch nicht unge
wöhnlich. Der Leib war sehr zusammengesunken. Der Eiter
abgang dauerte noch lange fort, später aber that die Heilkraft
der Natur ohne alle NIittel der profusen Eiterung Einhalt und
beseitigte somit das schleichende Fieber und gal) der Kranken,
die dein Grabe so nahe Mar, nach und nach die frühere Le-
bensfrische wieder. — Der Entwickelung dieses Eiterheerdes,
lag unstreitig schleichende Entzündung zum Grunde. Die frü
hem Beschwerden bestanden in Schmerz der rechten Weichen-t
gegend und Durchfall. Verstopfung vermehrte das Leiden.
Aerztlicher Rath w ar nur 2 Mal und blos auf mündlichen Be
richt eingeholt worden. Dabei hatte es aber am Rathe alter
Weiber njcht gefehlt und man war demselben nachgekommen.
Noch als sich der Eiter entleerte und die getrennten Theile heil
ten, konnte H. nie den Muttermund erreichen. — Den 23.
April 1835 untersuchte er die Frau wieder. Sie gab an , dass
ihre Periode regelmässig sei, seit mehreren Wochen aber habe
sie wieder einigen Schmerz in der rechten Weichengegend und
bei körperlicher Anstrengung leide sie am Weissen. Er konnte
in den Scheidenkanal recht bequem 2 Finger einfiihren, nur
mit Mühe aber hoch oben den Muttermund erreichen. Der
ganz glatte Scheidenkanal war jedoch durch eine aus der rech
ten Beckengegend ragende ziemlich weiche Geschwulst links
gedrängt und eine, in der Mitte der Geschwulst sich findende
kleine, die Fingerspitze nicht zulassende Oelfnung, deren Rän
der nicht erhaben waren, sondern mit der Scheidenwand ganz
glatt verliefen, musste er für die Quelle der neuen eiterartigen
Absonderung erkennen. Der höher gelegene Muttermund unter
schied sie!» von dieser Oelfnung durch seine Ränder. Das Ori-
ficium uleri war länglich und auch seitwärts und nach hinten
gedrängt. Der Uterus war also nicht die Quelle der Eiterung
und die krankhaft ergriffen gewesenen Tfi/eile noch nicht', wie
die zurückgekehrten Kräfte und das allgemeine Wohlbefin
den anzudeuten schienen, zur völligen Integrität zuriiekge-
kehrt. Aeusserliche Beschädigung war nie vorgekommen. Die
Verwachsung in der Scheide war wohl Folge eines entzündli
chen Processes in Bauch- und Beckenhöhle. Welche Organe
hier litten und wie die Verwachsung zu Stande kam, dies zu
erklären überlässt der Verf. um so mehr dem Leser, als ein
Jahr zwischen der Entwickelung des Zus'tandes und der Ope
ration lag und er nur den Ausgang beobachten konnte. [Neue
Zeitschr. f. Geburtsk. v. Husch, (V Oulrepont u. Hit gen. Bd.
IV. Hft. 1.]
Redacteur! Dt. E.H. Knetchke. — Verleger: E. F. Steinacker.