Full text: Niccolò Machiavellis erste Legation zum Kaiser Maximilian und seine drei Schriften über Deutschland

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stens in den Händen seines Vertrauten Machiavelli wissen. Die 
Opposition vereitelt diesen Plan ; statt Machiavelli wird ein 
Optimat, Vettori, gesandt — jedoch mit beschränktem Titel und 
Vollmachten; man sieht, die Parteien haben sich, sei es aus 
drücklich oder stillschweigend, auf ein Compromiss geeinigt. 
Indessen der Waffenstillstand dauert nicht lange; die Briefe 
Vettori bringen die kaum beigelegte Zwietracht aufs Neue zum 
Ausbruch. Zwischen den Anhängern Soderinis und den Optimaten 
wird die Frage zum Zankapfel: soll eine feierliche Gesandtschaft 
an den Kaiser geschickt werden, d. h. ein engeres Bündnis mit 
demselben angebahnt werden, oder nicht? Zunächst setzen die 
Optimaten ihre Absicht durch; eine feierliche ambasceria wird 
beschlossen, und zwei eifrige Aristokraten als Mitglieder derselben 
in Aussicht genommen. Allein Soderini versteht die grollenden 
Äusserungen des französischen Hofes über die Annäherung der 
Republik an Deutschland zu benutzen und auf Umwegen doch 
seine ursprünglich gehegte und vereitelte Absicht durchzusetzen. 
Er weiss zu erreichen, dass statt einer feierlichen Gesandtschaft 
an den Kaiser zunächst nur briefliche und mündliche Verhaltungs- 
massregeln an Vettori geschickt werden und zum Überbringer 
derselben Niccolò Machiavelli bestimmt wird. 1 ) *) 
*) Ich würde jetzt, bevor ich mich zu der Besprechung der gesandt- 
schaftlichen Thätigkeit Machiavellis in Deutschland wende, zuvor 
die formellen Äusserlichkeiten des florentinischen Gesandtschafts 
wesens hervorzuheben haben. Allein dieselben hat H. Heiden- 
heimer in seiner oben citierten Dissertation zur Genüge und im 
allgemeinen anch wohl richtig besprochen. Viele Züge, die er als 
charakteristisch für Machiavellis gesammte diplomatische Praxis 
hervorhebt, kehren auch bei dieser deutschen Legation wieder. 
Nur in einem Punkte scheint mir Heidenheimer in seiner 
Besprechung der florentinischen Diplomatik gefehlt zu haben. Er 
hat sich hinreissen lassen, von der reichen Fülle der Titulaturen 
auf eine scharfbestimmte Banggliederung unter den Diplomaten 
der Bepublik zu schliessen. Allein die Quellen zeigen, dass die 
Unterscheidung zwischen oratori, ambasciatori, mandatari, secre- 
tari nicht im entferntesten so strenge war, als Heidenheimer will. 
Namentlich werden die Ausdrücke „oratore“ und „ambasciatore“ 
durchweg promiscue gebraucht ; nur Biagio Buonacorsi in seinem 
Diario beschränkt streng den Gebrauch von oratore auf die Mit 
glieder einer feierlichen ambasceria. Selbst „mandatario“ und 
„ambasciatore“ werden vertauscht. Wenn Pitti ausdrücklich dem 
Amt eines ambasciatore das eines „semplice mandatario“ gegen 
überstellt, so nimmt der Mandatar Vettori in seinem Viaggio un-
	        
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