Full text: Newspaper volume (1850)

die Heimkommenden in der besagten Wirthschaft, 
geht der Gräfe, als diese einmal die Stube verläßt, 
nach, schießt sie nieder und versetzt darauf sich selbst 
mit einem ziemlich stumpfen Brotmesser mehre Stiche 
in die Brust, bis er zusammensinkt. Die verehelichte 
Gräfe war sofort todt, die Kugel war zwischen der 
zweiten und dritten Rippe in die Brust gedrungen; 
auch Franz sollte diesen Morgen gestorben sein, doch 
hört man, daß die Wunden nicht lebensgefährlich 
sind. 
Das Erinnerungsfest des 4. Mai ist in Algier 
einer furchtbaren Katastrophe wegen unterblieben. 
Für diesen Tag um 9 Uhr Morgens war die Spren 
gung einer Mine mit 4000 Kilogramme (80 Centn.) 
Pulver in den Steinbrüchen von Bab-el-Wed ange 
kündigt. Da im verflossenen December mehrere 
Sprengungen ohne Unglücksfall vor sich gegangen 
waren, so wollte man das Schauspiel, welches zu 
gleich furchtbar und gefahrlos sein sollte, betrachten. 
Viele Neugierige strömten hinaus. Alle möglichen 
Dorsichtsmaaßregeln waren getroffen. Die herrlichste 
Witterung begünstigte den Tag. Um 8% Uhr ward 
die Pulverleitung angezündet, sie brauchte 20 Mi 
nuten bis zur ersten Minenkammer. Plötzlich ertönte 
ein dumpfes Rollen im Berge, ein dichter Rauch 
hüllte alle Gegenstände ein, und ein fürchterlicher 
Hagel von Steinen und Felsbrocken wird gegen die 
Stadt geschleudert. Die Tragweite der Explosion 
grenzte ans Wunderbare. Personen, welche über 
1600 Schritte vom Schauplatz entfernt waren, wur 
den getroffen. Felsstücke flogen bis aus die Terrasse 
der Casba. Acht Todte und sehr viele Verwundete 
kennt man bis jetzt. Es begreift sich, daß nach 
einem so traurigen Ereigniß alle Festlichkeiten einge 
stellt wurden. Eine Untersuchung wurde noch am 
nämlichen Vormittag eingeleitet. 
Ueber die bedenklich steigende Aufregung in Pa 
ris enthält folgendes Pariser Schreiben vom 15. d. 
interessante Details: 
Eine große kaum mehr zu beschwichtigende Auf 
regung giebt sich in den Vorstädten kund. Man er 
zählt, daß in einer Schenke die siebenzehn „Bur- 
graves" (die Ausarbeiter des Wahlgesetzentwurfes) 
im Bildniffe gehängt worden seien. Ich kann die 
Thatsache nicht verbürgen, aber die Erbitterung gegen 
jene Männer ist außerordentlich, und im Falle einer 
Bewegung wird es besondere Maßregel bedürfen, 
um sie zu beschützen. — Unter den umlaufenden Ge 
rüchten ist Folgendes: die Bewegung würde Abends 
beginnen; man würde die Gasröhren durchschneiden, 
einige selbst sprengen. Indessen mag ich an solche 
Mittel nicht glauben, die jede Sache mr voraus ent 
ehren würden. Die Agitatoren sind auf Schritt und 
Tritt überwacht, was sie zwar nicht hindert, Mani 
feste, Pläne, Patronen zu machen, was ihnen aber 
ein solches Gefühl der Jsolirung einflößt, daß sie 
eine allgemeine Arbeitseinstellung zu organisiren suchen, 
um sich in der Masse zu verstecken. Die Spannung 
hat den höchsten Gipfel erreicht und die Situation 
ist nicht länger haltbar. In der Kammer hat die 
Electricität bereits heute sich in einem vorübergehen 
den Choc entladen. Das Unrecht liegt aus beiden 
Seiten; keine der beiden Parteien ist vernünftig und 
gerecht; aber, wie gesagt, die Situation ist nicht 
länger haltbar. Gewiß übernimmt die Demagogie 
eine furchtbare Verantwortlichkeit, indem sie einem 
Gesetze, welches weit minder furchtbar ist als man 
es zuerst darstellte, die freie Erörterung hartnäckig 
verweigert, aber wäre es nicht auch hohe Zeit für 
die Gegenpartei, das Schicksal des Landbauers zu 
verbessern, dem alle Deportionsgesetze nicht aus sei 
nem Elende aufhelfen? dem Arbeiter zu Hülfe zu 
kommen, dem die besten Maßregeln gegen Presse, 
Clubs und Wahlmißbräuche kein Asyl für die Sicht 
zeit, keinen Rückzug für das Alter gewähren? Wenn 
man in seltsamer Verblendung fortführe, die Staats 
gewalt zu bewaffnen, zu befestigen, zu verlängern, 
ohne den guten Willen der Nation, zum Bundesge 
nossen des Projectes zu machen, so würde es ge 
schehen, entweder daß die Majorität der Staatsge 
walt überdrüssig den Rücken wendete, oder daß die 
Staatsgewalt, in allen ihren Leidenschaften von der 
Majorität unterstützt, uns zu einer Explosion führte, 
welche die Civilisation verschlingen würde. 
Schillnrgssmnmismg 
zum 
Jnvalidenfonds. 
Verzeichniß der Geber und ihrer Beiträge. 
(Fortsetzung.) 
B. Neuwerk. 
Sechster District: Das Rondel zwischen derKöniginn- 
und Löwenstraße und dem Paradeplatz. 
Sammler: C. Gosch. 
Vierteljährige Gaben: Fr. Beseler 1 Mk. 10 ßl., 
Rector Decker 2 Mk. 7 ßl., T. Andersen 2 Mk. 7 ßl., 
Velthein 2 Mk. 7 ßl., ein Ungenannter 13 ßl., Faesch 
2 Mk. 7 ßl., I. Böhrnsen 13 ßl., E. Landt 2 Mk. 
7 ßl., Wwe. Landt 13 ßl., Löwe 1 Mk. 10 ßl., 
H. I. van Steding 1 Mk., I. Büsing 1 Mk. 8 ßl., 
P. Albrecht 13 ßl., C. Gosch i Mk., Müller 13 ßl., 
Martens 12 ßl., Dpckendorf 13 ßl., Lowe 12 ßl. 
Monatliche Gaben: Witiwe Vettfteund 4 ßl., 
Sibbert 4 ßl., Alens 4 ßl., P. Engeland 4 ßl. 
Wöchentliche Gaben: C. Qualen 2 ßl., Dierks 
1 ßl., H. Dierks, Gesell 1 ßl., F. Tostensen 1 ßl., 
H. Runge 1 ßl.. Ehlers 1 ßl. 
Einmalige Gabe: Eskau 12 ßl. 
Siebenter District: Das Rondel zwischen der Königs-, 
Löwen-, Kronprinzenstraße und dem Paradeplatz. 
Sammler: R. Kiehn. 
Vierteljährliche Gaben: T. Heinemann 3 Mk. 4 ßl. 
F. Wulf 3 Mk. 4 ßl., W. Junglöw 2 Mk., C. Schulz 
3 Mk., Geschwister Struve 1 Mk. 10 ßl., P. Haß 
3 Mk. 12 ßl., I. Drews 13 ßl., C. Jens 1 Mk. 
10 ßl., Rheindorf 13 ßl., I. H. Cappeln 3 Mk., 
I. D. Mohr 13 ßl., Schmiegelow 13 ßl., sE. Weyhe 
13 ßl., L. Ephraim 13 ßl., Haendtke 13 ßl„ A. 
Lehmkuhl's Buchhandlung 1 Mk. 10 ßl., I. P. Koch 
3 Mk. 12 ßl., I. H. Testmann 13 ßl., H. F. Lemb- 
recht 1 Mk. 8 ßl., E. Rohwer 13 ßl., Majorinn 
v Suhr 13 ß!., I. Bock 2 Mk. 8 ßl., C.H. Wittwe 
1 Mk. 4 ßl., H. Freitag 1 Mk. 10 ßl., C. W. Kiehn 
13 ßl. 
Monatliche Gabe: Salchow 1 Mk. 14 ßl. 
Wöchentliche Gabe: I. Poppendieck 1 ßl., M. L. 
Stern 2 ßl., Speck 1 ßl., I. Höselt 1 ßl., H. Koch 
1 ßl-, I. G. Bumgartz 2 ßl., Johanna Hansen 1 ßl., 
I. Locht 1 ßl., Michaelis 2 ßl., F. Schmidt 1 ßl., 
C. Nathan 1 ßl., D. Wulf 1 ßl., G. Colemann 2 ßl., 
R. Jessen 2 ßl., H. Engel 1 ßl. 
Einmalige Gaben: I. Reinken 1 ßl., R. Jacobson 
1 ßl., C. Meierhof 1 ßl. 
Intelligenz - Anzeigen. 
—0— 
Am Montage, den 10. Juni d. I., von Morgens 
9 Uhr an, soll auf dem hiesigen Rathhause die Wahl 
eines Stadtverordneten für das Neuwerk unter Lei 
tung einer aus zwei Mitgliedern des Magistrats und 
zwei Mitgliedern des Stadtverordneten-Collegii be 
stehenden Wahlcommission stattfinden. 
Vorstehendes wird hiedurch mit dem Hinzufügen 
bekannt gemacht, daß das Verzeichniß der Wahlbe 
rechtigten vom Montage, den 27. d. M., an, vierzehn 
Tage von Morgens 9 bis Mittags 12 Uhr aus dem 
Rathhause wird ausgelegt sein, daß etwanige Erin 
nerungen gegen die Liste, solche mögen nun darin 
bestehen, daß ein Unberechtigter in dieselbe aufge 
nommen, oder darin, daß ein Berechtigter darin 
ausgelassen worden, mit Gründen, worauf sie gestützt 
worden, spätestens drei Tage vor dem Wahltermin 
bei dem ersten Mitgliede der Wahlcommission, dem 
Rathsverwandten Beckmann, eingereicht werden 
müssen, daß an dem Wahltage quartierweise gestimmt 
wird, daß die Wahlberechtigten nach ihren Haus 
nummern von Nummer 1 an so werden aufgerufen 
werden, daß sämmtliche Wahlberechtigte, sowohl aus 
der Altstadt als aus dem Neuwerk am Vormittage 
werden aufgerufen werden und daß mit dem Auf 
rufen der bei dem ersten Aufruf nicht erschienenen 
Wähler Nachmittags um 3 Uhr wird angefangen 
werden. 
Rendsburg, den 20. Mai 1850. 
Präsident, 
Bürgermeister und Rath hieselbst. 
Da die, bei dem am 23. und 25. d. Mts. hier 
stattfindenden Garnisonswechsel, an diesen Tagen leer 
werdenden Quartiere noch desselben Tags wieder be 
legt werden müssen, so wird hiemit den Quartier 
wirthen solches angezeigt, damit die Localitäten ge 
lüftet, gereinigt und zur Wiederaufnahme in Bereit 
schaft gehalten werden. 
Die Ginquartierungsconrmifsion. 
Freitag, den 24. d. M., Vormittags 10 Uhr, 
sollen auf dem Löschplatz beim Altholsteinischen Thor 
L508 bis 1800 Pfd. geräuchert Speck, 
auf sechswöchentlichen Credit,' in öffentlicher Auction 
verkauft werden. 
- Rendsburg, den 14. Mai 1850. 
H. Haase, const. 
Holsteinische Eisen 
bahnen. 
I. Tägliche regelmäßige Personenzüge. 
1. von Altona Morgens 8 ilhr 10 Minuten, Nach 
mittags 5 Uhr 10 Minuten. 
2. „ Kiel „ 6j „ „ „ 4 # 
3. „ Rendsburg ,, 64» „ „ 3* 
4. , Glückstadt „ 8 . „ „ 5 „ 
»ach allen Endpunctcn der Holsteinische» Bahnen. 
lt. Tägliche regelmäßige Güterzüge. 
5. von Altona nach Kiel 10! Uhr Vormittags. 
6. von Kiel nach Altona 11 Uhr Vormittags. 
D i e Direction 
der Altona-Kieler Eisenbahngesellschast. 
Wresettveepachtung. 
Am Freitage, dem 31. d. M., sollen in AuW 
desEigenthumers, Vormittags 9 Uhr, in dem Haķ 
des Gastwirths Paul Sievers in Rendsburg »»' 
ter den im Termine zu verlesenden, und während & 
Tage vor dem Termine in der unterzeichneten! Kiê 
spielvogtel einzusehenden Bedingungen vier sķ 
zu der Hufe Nr. 1 in Schülp gehörig gewesene 
sen für den gegenwärtigen Sommer öffentlich meist' 
bietend verpachtet werden. 
Die Wiesen werden an Ort und Stelle von de>« 
Schütter Peters in Schülp vorgezeigt, sowie auä 
der seitherige Besitzer der Hufe Nr. 1 in SchŞ 
J.C.C. Eh w sen, gegenwärtig wohnhaft in Ren^ 
bürg in der Kanzeleistraße im Hause des Kaufman^ 
Göstrup, nähere Nachweisungen auf Verlangen 0' 
theilt. 
Rendsburg, in der Kirchspielvogtei, den I8t<» 
Mai 1850. 
Dorrien- 
Das 
Dampfschiff Rendsburg, 
Capitain P. S. Jans, 
fährt bis weiter 
von 
Rendsburg nach Tönning: 
jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend 
Mittags 1 Uhr, 
(jedoch erst nach Ankunft des ersten Bahnzugs), 
von 
Tönning nach Rendsburg: 
jeden Sonntag, Dienstag, Mittwoch und" Freitag, 
Morgens 5 Uhr, 
fnack der Rendsburger Bahnhofsuhr gerechnet). 
Die Eröffnung 
meines 
Gewürz-, Colonial- k Kurzem aare^ 
Geschäfts 
im Haufe des Herrn C. Bossel bei der Kornmühle beehre '<ļļ 
mich einem »»ehrlichen Publikum mit der Bitte um gu»S' 
Wohlwollen hiemit ergebenst anzuzeigen. 
H. P. Hinrichstn, 
Rendsburg, den 13. Mai 
Th. Hohmann 
empfiehlt sich einem geehrten Publikum als 
Buchbinder und Galanterie-Arbeitek-, 
Auch empfiehlt sich derselbe mit seiner neuen Liniirmasş 
zum liniiren aller Arten Schreibpapier. 
Anzeige. . 
Da im Ş.-H. Staatshandbuche in dem Verzeichniß K 
Landmesser mein Name fehlt, so bringe ich hiedurch zur °ìK 
lichen Anzeige, daß ich seit 1848 bestallter Landmesser bin >>"' 
so weit mein militairischer Beruf es gestattet, Landmessers 
schäfte übernehme und ausführe. 
Auch finden junge Leute, welche sich zu Offizieren »Jf, 
Landmessern ausbilden wollen, Unterricht und Anleitung 61 
nur. 6. Kühl, 
Lieutenant der Artillerie und 
bestallter Landmesser. 
Zn verkaufen. 
Ein gebrauchter Kührwagen steht zum Verkauf, wo, ‘L 
fahrt man bei Herrn H. P. Wichmann, Mühlenstraßr " 
Rendsburg. 
Ein junger Mensch, welcher Lust hat die 
Böttcher-Profession 
zu erlernen kann bei mir in die Lehre kommen. 
P. Berger, Böltchermeister- 
Neuestraße. ^ 
Zugelaufener Hund. 
M . Es >st Jemandem ein schwarz und weiß V 
zeschneter kleiner Wachtelhund zugelaufen; 
stch legitimircn könnende Eigenthümer kann % 
selben gegen Erstattung der Kosten wieder » 
halte» und das Nähere hierüber in der Wochenblatts - 
erfahren. 
Zu vermrethen. , 
3m» I. Janl ist bei mir eine möblirte Wohnung'" 
Miethe zu habe», bestehend ,n Stube und Schlafstube. 
Maurermeister Zander, 
^ ,, vermrethen. 
Eure sehr schon möblirte Stube nebst Schlafstube sind 
gleich in Miethe zu haben bei 
I. N. Löpthien. Tischlermeister' 
Munßstraße Nr. 391. ^ 
Rendsburger Marktpreise, 
am Sonnabeiiv, den 18. Mai 1850. 
Eine Tonne Weizen von i2mĶ— ßiii 12 , 
- » Roggen 
• - Gerste 
- - Hafer 
. - Buchweizen 
Ein Pfund Butter 
100 - Heu 
100 - Stroh 
8 - 8 
5 - 12 
4 - 12 
6 - — , 
— '51 
1 - - 
1 - - 
bis 9 
■ bis 6 
bis 5 
bis 6 
bis — 
bis 1 
bis 1 
Redigirt, gedruckt und herausgegeben von F. M. Wendell,
	        
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