Full text: Newspaper volume (1850)

43à 
Rendsburger 
Jahrgang. 
M 4L. 
Sonnabend, den 25, Mai. 
L8-Ņ. 
Von diesem Blatte erscheint seden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder directe abgeliefert, oder unter der Bezeichnung: „An die Expedition 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes 
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Tagesgeschichte. 
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Krankrei ch. 
Paris, den 16. Mai. In der heutigen Sitzung 
der National-Versammlung wurde derselben folgende 
die Abberufung des französischen Gesandten von 
London betreffende Depesche mitgetheilt: 
General de Lahitte, Minister des Auswärtigen: 
Meine Herren, nach der unerwarteten und unerfreu 
lichen Kunde von der Erfolglosigkeit unserer guten 
Dienste in der zu Athen gepflogenen Unterhandlung, 
habe ich der Versammlung angezeigt, daß die Re- 
gicrung es für Pflicht halte, Aufklärungen von dem 
englischen Cabinet zu fordern. Da die uns zu Theil 
gewordene Antwort nicht so ausgefallen ist wie wir 
es nach denk zwischen beiden Ländern bestehenden 
guten Einvernehmen zu erwarten berechtigt waren, 
so hat der Präsident der Republik nach Anhörung 
des Ministerrathes mir den Befehl ertheilt, unsern 
Botschafter von London abzuberufen. 
Um die Versammlung mit den Beweggründen 
dieser Entschließung bekannt zu machen, kann ich 
nichts besseres thun, als Ihnen das Schreiben 
vorzulesen, welches ich dieserhalb an Herrn Drouin 
de Lhuys gerichtet habe: 
„An Hrn. Drouin de Lhuys, Botschafter in London. 
Paris, 14. Mai 1840. 
Mein Herr, wie ich Ihnen gestern anzuzeigen 
die Ehre hatte, hat der Ministerrath die Antwort 
des Londoner Cabinets auf die Frage, welche Sie 
ihm vorzulegen beauftragt waren, in Erwägung ge 
zogen. Aus meinen vorausgegangenen Depeschen 
werden Sie die Entschließung der Regierung der 
Republik schon errathen haben. Frankreich hatte sich 
im Geiste des Wohlwollens und Friedens entschlossen, 
mit seinen guten Diensten einzutreten, in der Ab 
sicht, die Streitfrage zwischen Großbritannien und 
Griechenland unter ehrenvollen Bedingungen zu be 
endigen. 
Es war vereinbart worden, daß die von Eng 
land bereits in Anwendung gebrachten Zwangsmaß 
regeln während der Dauer der Vermittlung einge 
stellt werden und daß, wenn ein von dem französi 
schen Vermittler für annehmbar erachteter Vergleich 
von dem britischen Unterhändler zurückgewiesen würde, 
der letztere, ehe er von neuem zur Anwendung von 
Gewalt schritt, zuvor darüber nach London berichten 
solle. Wir hatten über letzteren Punkt die bündig 
sten Zusagen erhalten: sie sind nicht erfüllt worden. 
Daraus ist das traurige Ergebniß gefolgt, daß 
in dem nämlichen Augenblicke, wo ein Vergleichsent- 
wllrf, unmittelbar verhandelt und endgültig festge 
stellt zwischen den Cabinetten von Paris und Lon 
don, m Athen einzutreffen im Begriffe stand, wo 
die wesentlichen Grundzüge desselben bereits bekannt 
waren, Griechenland von neuem und trotz der leb 
haften Einsprüche des französischen Gesandten durch 
die britische Seemacht angegriffen, um einem völligen 
Untergange zu entgehen, ohne Erörterung die Be 
dingungen eines Ultimatums von ganz anderer Strenge 
hat' annehmen müssen. Auf die Kunde von diesem 
seltsamen Ergebnisse unserer Vermittlung, haben wir 
in demselben lediglich die Wirkung irgend eines Miß- 
berständnisses erblicken wollen. Wir haben gehofft, 
das Londoner Cabinet werde diese für jedermann 
bedauerlichen Thatsachen, welche nur in Folge der 
Verletzung eines gegen uns eingegangenen Verspre 
chens eingetreten waren, als nicht geschehen ansehen 
und den Vertragsentwurf aufrecht erhalten, den wir 
mit ihm festgestellt hatten. 
Sie sind beauftragt worden, ihm dies Verlangen 
zu stellen. Da . auf dasselbe nicht eingegangen wor 
den ist, so schien es uns, daß die Verlängerung 
Ihres Aufenthaltes in London nicht länger verträg 
lich sei mit, der Würde der Republik. Der Präsident 
hat mir besohlen, Sie einzuladen nach Beglaubigung 
des Herrn Mareschalchi als Geschäftsträger nach 
Frankreich zurückzukehren. Er hat mir gleicherweise 
aufgetragen, Ihnen die volle Zufriedenheit der Re 
gierung der Republik auszusprechen für den Eifer, 
die Geschicklichkeit, den Geist der Versöhnlichkeit und 
Festigkeit, welche Sie beständig bei einer Unterhand 
lung bethätigt haben, deren Erfolg zu sichern nicht 
bei Ihnen gestanden hat. 
Sie werden die Güte haben, gegenwärtige De 
pesche Lord Palmerston mitzutheilen. 
(Gez.) de Lahitte." 
Das „Journ. des Debats" äußert sich über die 
zu London wegen der schleswig-holsteinischen Frage 
zu eröffnenden Conferenzen u. A.: „Dem englischen 
Cabinet soll hierbei die Ehre der Initiative zufallen, 
und zwar trotz des Widerstandes, den es Anfangs 
dawider in den höchsten Sphären der Politik ge 
funden. Wir haben nicht oft genug Gelegenheit, 
ihm Complimcnte zu machen, daß wir sie nicht gern 
ersassen sollten, wenn sie sich wie heute bietet. Man 
meldet nämlich, daß das englische Cabinet, müde 
der absoluten Ohnmacht des Königs von Preußen, 
dieses unehrenhaften Handels auf loyale Weise ledig 
zu werden, beunruhigt über die Absichten Rußlands, 
welches förmlich seine Absicht, im Interesse Däne 
marks zu interveniren, angezeigt hat, selbst mit den 
Waffen, wenn es Noth thut — Frankreich, Preußen, 
Oesterreich und Rußland den Vorschlag gemacht hat, 
eine Conferenz zu errichten, die in souverainer Weise 
über die Sache entscheiden soll. Man versichert, daß 
diese Eröffnung allseitig gut aufgenommen worden 
und daß die Conferenz darüber wirklich sehr bald zu 
London eröffnet werben wird." 
Däne m a V k. 
Kopenhagen, den 20. Mai. „Nyeste Post- 
eftcrretninger" sagen, man könne jetzt, da die gestern 
und heute hier angekommenen Nummern des „Flensb. 
Corr." von vorgenommenen Rüstungen redeten, 
diese Rüstungen, so sehr man das auch gewünscht 
haben möge, nicht länger verheimlichen. Die 
ersten Soldaten seien heute Morgen abge 
gangen. „Wir werden dies Mal, heißt es in dem 
Blatt, nur eine Lusttour machen, und so die deut 
schen Blätter, welche daraus bestehen, daß unsere 
Rüstungen nur den Herzogthümern imponiren sollen, 
bestätigen." 
Auch der Bestand der Militairärzte wird ver 
vollständigt und die Marinemannschaft einberufen. 
Müller, der Stabsarzt der Armee, fordert nämlich 
Kandidaten und Studenten der Medicin, die in ihrem 
Fache ins Heer treten wollen, aus, da — heißt es 
in seiner Anzeige — die Armee in kurzer Zeit auf 
den Kriegsfuß gesetzt werden wird. Und der Com 
mandeur-Capitain Holstein ruft alle unter Marine 
werbung stehende Mannschaft auf, sich aus dem 
Gammelholm am 21. einzufinden. Das Kriegsmr- 
nisterium schreibt täglich Licitationen aus. 
Kopenhagen, den 20. Mai. Nach einem von 
den „H. N." angezogenen Privatschreiben eines augen 
blicklich in Kopenhagen sich aufhaltenden, zwar übel 
berüchtigten aber wohlunterrichteten Mannes, soll so 
gar in allernächster Zeit von Seiten Dänemarks ein 
Coup beabsichtigt werden. „Das Herzogthum Schles 
wig," heißt es, „wird in diesen Tagen der Schau 
platz eines blutigen, aber freilich sehr schnell sich ent- 
Icheidenden Conflictes werden." Man könne geneigt 
sein, fügen die „H. N." hinzu, da auch dänische 
Kriegsschiffe bereits in Kiel eine Allarmirung her 
vorgerufen haben, an eine Expedition gegen die „Ge- 
fion" zu denken, wenn nicht augenblicklich noch die 
Verhältnisse ein solches Unternehmen abseiten Däne- 
marks als nicht wohl ausführbar erscheinen lassen. 
—, den 18ten Mai. Wir zweifeln gar nicht, 
daß die letzten, durch den General v. Below eifrigst 
empfohlenen preußischen Vorschläge mit dem, was 
darüber in englischen und deutschen Zeitungen mit 
getheilt wird, übereinstimmen. Andererseits glauben 
wir aber nicht, daß die Regierung auf den dritten 
Punkt pure eingegangen ist, ohne weitere Erklärun 
gen von Seiten Preußens zu fordern und der Ga 
rantie mehrerer Großmächte für die Sicherung Däne 
marks gegen eine neue, durch eine günstige Gelegen 
heit dargebotene preußische, event, deutsche Einmischung 
gewiß zu sein. Denn so groß ist das Mißtrauen 
gegen Preußen hier (und man darf wohl kaum dar 
über erstaunen), daß die oben bezeichneten Vorschläge 
ohne anderweitige Garantien als völlig verwerflich 
betrachtet werden. Darum ist man dann auch, ob 
wohl der Kriegsmuth keineswegs geringer als im 
vorigen Jahre, vielmehr durch die Schlacht bei Fri- 
dericia bedeutend gesteigert worden ist, keineswegs 
einem friedlichen Abkommen abgeneigt. Eine Frie 
dens-Botschaft aus den Herzogthümern würde zwar 
jetzt in der eilften Stunde kommen; dies sollte in- 
deß den Ausdruck der etwaigen friedlichen Gesinnun 
gen der Herzogthümer keineswegs zurückhalten. Sie 
sollten vielmehr bedenken, daß die Erneuerung des 
Krieges der Erbitterung nur noch neue Nahrung 
geben wird. Es steht fest, daß Dänemark bei seinen 
Forderungen beharrt: Schleswig soll von Holstein ge 
trennt und mit Dänemark constitutionell'verbunden 
werden, ohne jedoch darum seine provinzielle Selbst 
ständigkeit zu verlieren, dagegen liegt es auch in 
diesem Augenblick keineswegs in der Absicht der Re 
gierung, Holsteins Theilnahme an einer Neugestaltung 
Deutschlands zu schmälern. (H. C.) 
—, vom 21. Mai. Die „Flyvepost" führt eine 
Sprache, als ob wir unmittelbar vor dem Ausbruch 
des Krieges ständen. Sie bietet uns noch einmal 
Gnade und Verzeihung an, wenn wir uns demüthig 
unterwerfen, droht uns aber mit allem ihren Zorn 
und ihrer Rache, wenn wir trotzig sind. Sie sagt: 
die Vertrauensmänner seien nicht mit Unterwerfung, 
auch nicht einmal mit Vorschlägen, über die von 
Dänemarks Seite verhandelt werden konnte, gekom 
men. „Es war wieder das Verlangen, daß der dä 
nische Monarch seine Staaten getheilt und die Kraft 
seines Volks geschwächt und vernichtet sehn solle." 
Zugleich habe man durch Besitzergreifung vom süd 
lichen Schleswig Hohn und Trotz gezeigt. So habe 
man nun die Sache schon zwei Jahre hingezogen. 
„Aber das können wir sagen, daß die Beendigung 
sehr nahe ist. Alles muß sein Ende haben, und kann 
der Knoten nicht gelöst werden, so muß er mit dem 
Schwerte durchhauen werden. Auch die Nachgiebig 
keit hat ihre Grenzen, und wenn die öffentliche Stimme 
zur Persönlichkeit gerathen hat, während Hoffnung 
war, daß sie zu einer friedlichen und glücklichen Er 
ledigung fuhren werde, so ist es auch ihre Pflicht, 
zu kräftigen Schritten aufzufordern, wenn es sich 
zeigt, daß jenes Ziel durch ein anderes Mittel er 
reicht werden kann." Die Nation habe große Opfer 
gebracht. „Sie wird noch viele Opfer bringen, aber 
nicht um einen Zwischenzustand aufrecht zu erhalten, 
der weder Krieg noch Frieden ist, der ihre besten 
Kräfte aussaugt, schmerzt und demüthigt. Dieser 
Zwischenzustand muß jetzt ein Ende nehmen, und 
Alles zeugt davon, daß die Oiegierung die 
Wünsche der Nation theilt. Der Augenblick 
ist sehr nahe wo es in Erfüllung gehen muß. Noch 
haben die verleiteten Einwohner der Herzogthümer 
einige wenige Tage, um zur Besinnung zu 
kommen. Möchten sie die Zeit benutzen, möchten sie 
sie anwenden, um ihre Verführer zu verjagen (!) 
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