Full text: Newspaper volume (1850)

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KĢ'ŞķêķŞ 
Stadt bis auf die Spur zu vertilgen, da ja die 
Schleswiger keinen Aufruhr wollten, sondern nur 
Frieden. Sehr komisch klingt es, wenn der Herr 
Verfasser meint, die Landesverwaltung müsse, weil 
sie den Friedenszustand anbahnen und Schleswig mit 
zum Frieden führen solle, dafür sorgen, daß eine Ver 
nichtung besagter Aufruhr-Schanzen amtlich anbefoh 
len werde, wie dies jüngst in Apenrade geschehen! 
Da nun, wie wir mehr als einmal zn beobachten Ge 
legenheit hatten, auf einen solchen Fingerzeig im 
„Correspondenten" schnurstracks die That zu folgen 
Pflegt, so werden wir wohl nächstens die Zerstörung 
der Schanzen bei Flensburg, zu gewärtigen haben. 
Immer besser! 
In Schleswig sind unlängst zwischen dein 
dort garnisonirenden preußischen Militair verschiedener 
Waffengattungen starke Reibungen vorgefallen, welche 
tu einem Tanzlocal entstanden und noch Tage nach 
her anhaltend gewesen sollen. Es sind, wie es heißt, 
einige Verwundungen sehr bedeutend, ja, es wird 
sogar von tödtlichen geredet. In Folge dieses be 
trübenden Ereignisses muß nun alles Militair um 
8 Uhr Abends in den Quartieren sein, während 
starke Patrouillen die Straßen durchziehen. 
General Hahn ließ bald darauf, um die Erbit 
texten zu versöhnen, einen großen Ball geben, auf 
welchem beide Partheien ex officio erscheinen mußten. 
Tönning, den 18. Mai. Die Dampfschifffahrt 
zwischen hier und London zum Behuf des Viehtrans 
ports wird, wenn nicht unvorhergesehene Zwischen 
fälle, als die Erneuerung des Krieges und der Blo 
kade der Eider eintreten, mit Ende Juni d. I. wie 
der beginnen. 
Süderfiapel, den 20. Mai. Wie früher in 
diesem Blatte mitgetheilt worden, hatte Dirksen 
wider das Erkenntniß des schleswigschen Obercrimi- 
nalgerichts, wodurch er wegen Verwundung der drei 
Preußischen Füsilire zu l Jahr Zuchthausstrafe ver- 
urtheilt worden war, die Supplication an das Ober- 
appellaiionsgericht eingelegt. Von letzterem ist nun 
unterm 15. d. M. ein abänderndes Erkenntniß dabin 
abgesprochen worden, daß Dierksen mit einer sechs 
mal fünftägigen Gefängnißstrafe bei Wasser und 
Brod zu belegen sei. Dieses Erkenntniß hat hier 
allgemein einen guten Eindruck gemacht. 
Rendsburg. Nach einer, durch die Kriegs- 
ereignisse herbeigeführten, zweijährigen Unterbrechung 
siierte die hiesige Dogelschützcn-Gtlde in der verflosse- 
uen Woche wiederum ihr jährliches Schießen. Die 
Zahl der Gildeintereffenten ist jetzt so hoch gestiegen, 
daß die mit dem Schießen verbundenen Festlichkeiten 
dieses Mal auf dem Schützenhofe gehalten werden 
mußten, indem in der Stadt kein hinlänglich großes 
Local zu finden war. Schützenkönig wurde in die 
sem Jahre der Kaufmann Mich el sen in der Hohen- 
straße. 
Das 2te und 3te Bataillon haben uns in diesen 
-vagen verlassen, dagegen sind das 5te und löte Ba 
taillon wiederum hier eingerückt. In unserer Armee 
herrscht große Bewegung/ 
Die Sache SchieswLg-Holsteürs 
fit als der Barometer für die über Deutschland we 
hende Lust, als der Zeiger für den hohen oder nie 
drigen Stand unserer politischen Angelegenheiten be 
zeichnet worden, und gewiß, man braucht auch in 
diesem Augenblick nur nach diesein Zeiger zn blicken. 
Um zu wissen, was die Uhr für Deutschland geschla 
gen hat. Schleswig-Holstein ist von Preußen auf 
gegeben worden, das Berliner Cabinet sucht sich um 
jeden Preis von einer Angelegenheit loszumachen, 
deren kräftige Durchführung mehr als alle Künste 
des Hrn. v. Radowitz dazu gedient haben würde, 
me preußische Politik zu einer deutschen zu machen 
Und der Union ihre schmerzlich vermißte Anziehnngs- 
jkaft zu geben. Und während so die eine deutsche 
Großmacht um jeden Preis des Rechtes und der 
Ehre ihren Frieden mit Dänemark sucht, handelt 
Oesterreich nebst den bundestreuen deutschen König 
lichen so, als ob niemals ein Krieg mit dem König 
don Dänemark geführt worden wäre. Dem Bevoll 
mächtigten dieses Königs ist in der von Oesterreich 
zur Revision der deutschen Bundesverfassung beru 
sinen Plenarversammlung Sitz und Stimme gegeben! 
Zwar lesen wir, daß im bayrischen wie im sächsischen 
Ministerium sich ein nachträgliches Gefühl von vor- 
Marzlicher Scham geregt hat, daß eine Verwahrung 
"der eine andere Reservation, um den Anstand zu 
hüten, versucht worden sei. Aber man weiß, was 
'U der diplomatischen Welt die vollendete Thatsache 
gìtt, und da überdies, so viel man hört, weder Han 
over (!!) noch Würtemberg und noch weniger die 
holländische Bundestreue an dem dänischen Eollegcn 
Anstoß genommen hat, so wird Oesterreich durch 
Lichts gehindert sein, über die etwaige sächsisch- 
lyrische Schamröthe zur Tagesordnung überzugehen, 
şit denn auch die Nation in der politischen Gleich- 
gultigkeit und Verkommenheit dieser Zeiten ein so 
Mckes Fell bekommen, daß auch dieser Stachel nicht 
jüohr durchdringt? Die „Deutsche Zeitung" hat diese 
Zste Kundgebung der neuen Plenarversammlung mit 
rechten Namen genannt. Werd diese Sache 
irgendwo, in keinem deutschen Cabinet, in keiner 
deutschen Ständeversammlung ihr wirksames Echo 
finden? 
Der Ehre und der Selbstachtung Deutschlands, 
schreibt die „Deutsche Zig.," konnte eine empfindlichere 
Verletzung nicht widerfahren, als die Zulassung eines 
dänischen Bevollmächtigten für Holstein und Laüen- 
durg in die sogenannte „Plenarversammlung" zu 
Frankfurt. Dänemark hat im März 1818 die Ver 
bindung Schleswigs mit dem deutschen Bundeslande 
Holstein mit Waffengewalt zu zerreißen unternommen. 
Der deutsche Bund hat für die Erhaltung seines 
Rechtes auf die durch Jahrhunderte geheiligte „ewige" 
Verbindung der Herzogthümer unter einander den 
Krieg nicht gescheut. Dänemark ist bis auf den 
heutigen Tag von seiner Anmaaßung nicht zurückge 
kommen. In seinen Friedensvorschlägen beharrt cs 
aus der Lostrennung Schleswigs von Holstein und 
der Einverleibung Schleswigs in Dänemark. Was 
ihm das Recht versagt, was die Waffen ihm nicht 
bringen konnten, das hofft Dänemark von der Zer 
rissenheit mtd Schwäche Deutschlands und von dem 
Beistände der fremden Mächte zu erlangen. Wohl 
durfte man in Kopenhagen auf die deutschen Zu 
stände große Hoffnungen bauen. Daß aber ein dä 
nischer Bundestagsgefandter in eine „Plenarversamm 
lung," die sich eine deutsche nennt, zugelassen werden 
würde, bevor ein Friede geschlossen ist, das mußte 
selbst die kühnsten Erwartungen der Uttradänen über 
treffen. Zwar hatte Oesterreich, als europäische 
Macht, an dem Bundeskriege, den sein Prästdial- 
gesandter nach dem Beschlusse vom 13. April 1848 
gutgeheißen, keinen Antheil genommen; es hat viel 
mehr seinen Gesandten in Kopenhagen gelassen und 
die Einrichtung seiner Flotte einem dänischen Vice- 
admiral übertragen. Daß aber Oesterreich, unter 
dessen Vorsitz der Bundestag vor zivet Jahren den 
Beschluß faßte, welcher den dänischen Gesandten zum 
Austritt veranlaßte, jetzt einen solchen zuläßt zu dem 
Sitze in einer Versammlung, welche den Bund ver 
treten soll, das beweist doch mindestens, daß Oester 
reich auch in Frankfurt aus die Eigenschaft einer 
Bundesmacht kein Gewicht legt. Ihm bleibt ja 
immer noch, ivie Holland, seine außerdeutsche Existenz, 
kraft deren es eine Schmach, welche Deutschland 
trifft, nicht mitzufühlen braucht. Anders verhält es 
sich mit den vier königlichen Regierungen, welche 
sämmtlich ihre Truppen zum Kriege gegen Däne 
mark gestellt haben; mit Bayern namentlich, welches 
nicht einmal den mit Dänemark geschlossenen Waffen 
stillstand anerkannt hat. Wollten" sie einen Gesandten 
für Holstein haben, so war es nicht die Regierung 
in Kopenhagen, gegen welche sie den Krieg mitbe- 
schloffcn, sondern die Statthalterschaft in Kiel, an 
welche sie sich zu wenden hatten. Dafür werden 
doch am Ende die tapfern Bayern und Hannoveraner, 
Sachsen und Würtemberger nicht gegen die dänischen 
Rothröcke gestritten haben sollen, daß ein dänischer 
Gesandter, bevor der Friede geschlossen ist, den deut 
schen Bundestag wieder octroyiren helfe? 
Die Zulassung des Hrn. v. Bülow in die „Ple 
narversammlung" bezeichnet die Richtung des Fort 
schritts, in welcher sich der Versuch bewegt, an die 
Stelle des abgelaufenen Interim eine neue provi 
sorische Centralgewalt zu setzen. Das Interim, aus 
schließlich von Oesterreich und Preußen bestellt, hatte 
den dänischen Bevollmächtigten abgewiesen; die „Ple 
narversammlung" hat denselben aufgenommen. Das 
Interim, welches keinen Anspruch daraus machte, den 
alten Bundestag darzustellen, fand es doch nicht an 
gemessen, mit dem -Bevollmächtigten einer Macht zu 
verkehren, welche der Bund bekriegen mußte, und 
mit welcher er noch keinen Frieden schließen konnte. 
Die „Plenarversammlung," welche sich als Trägerin 
des alten Bundesrechtes ausgiebt, ignorirt nicht' nur 
alle Bundesbeschlüsse, welche das Recht der Nation 
aus Einheit und aus Mitwirkung bei dem Ver- 
faffungswerke sanctionirten, sondern sie ignorirt auch 
das Recht Deutschlands gegen Dänemark, welches 
der Bundestag mit den Waffen behauptete. Es be 
durfte nur noch der ausdrücklichen Gutheißung der 
Aufnahme des Hrn. v. Bülow in die „Plenarver 
sammlung" von Seiten des Hrn. v. Blittersdorf in 
der O.-P.-A.-Z., um diesen ersten Schritt der Re 
stauration aus dem Wege zu einem starken und 
einigen Deutschland in seiner vollen Bedeutung zu 
würdigen. Es ist nicht der Bundestag von 1834, 
weicher die fremde Einmischung in deutsche Angele 
genheiten zurückwies, nicht der Bundestag von 1848, 
welcher den dänischen Anmaaßungen die deutschen 
Waffen und das deutsche Recht entgegensetzte, selbst 
nicht oas Interim von 1850, welches dm Feind 
Deutschlands doch noch von seinen Berathungen fern 
hielt, es ist etwas ganz Neues, eine deutsche Central 
gewalt, in weicher der Feind Sitz und Stimme führt, 
was sie uns bieten. Und um der Nation den ver 
heißenen Bundesstaat vorzuenthalten, um ihr statt 
der Einigung eine nie dagewesene Erniedrigung zu 
bereiten, muß man allerdings damit anfangen, an 
der Stelle von Preußen und seinen Verbündeten 
einen dänischen Bevollmächtigten einzuführen und 
diesen Schritt von Herrn v. Blittersdorff loben zu 
lassen. Man sagt, die Zulassung des Hrn. v. Bülow 
lei mit Vorbehalt geschehen. Wie lautet dieser Vor 
behalt? Hr. v. Blittersdorff sagt nichts davon; er 
ist ohne Vorbehalt mit einem Plenum zufrieden, 
welches Preußen ausschließt und Dänemark aufnimmt. 
Dieser Versuch ist gerichtet durch die einfache An 
Wendung der Begriffe von Ehre und Schande. . Hie 
ist nicht mehr die Rede von Großdeutsch und Klein 
deutsch, von dieser oder jener Form einer Central 
gewalt. Es ist eine Infamie, welche die Zulassung 
des dänischen Gesandten der Nation ins Angesicht 
schleudert, die jedes deutscke Herz empören muß. 
(W. Z.) 
Amtliches. 
Unterm löten d. M. hat die «Statthalterschaft 
der Herzogthümer Schleswig-Holstein ernannt: 
0 Zu Hauptleuten der Infanterie: Die Pre- 
mierlieutn. E. v. Stillftied Rattowitz vom 3ten Ins- 
Bat.: F. L. A. S. v. Sachau, Adjutant der 2ten 
Jnf.-Brigade; Fr. C. U. v. Hennings vom isteu 
Jägercorps; Rudolf v. Buseck vom Isten Ins-Bat.; 
Wilhelm Rau vom 3ten Jägercorps; C. I. L. 
Consbruch vom löten Ins-Bat.; Eduard Boner vom 
12ten Ins-Bat.; C. A, Fr. W. Blauet vom löten 
Ins-Bat.; Hugo Unger vom I lien Ins - Bat.; 
v. Rehstorff vom lien Jägercorps; Fr. L. W. E. 
v. Bintzer vom 3ten Jägercorps; C. L. W. v. Nor- 
mann vom I lten Ins-Bat.; Joseph Trip vom 13ten 
Ins-Bat.; A, W. A. D. v. Eichstedt vom 3tenJns- 
Bat.; C. F. Bauer vom 8ten Ins - Bat.; August 
Unruh vom 4ten Jns-Bat. 
2) Zum Hauptmann der Artillerie: Den Pre- 
mierlieutn. Fr. M. Zorn. 
3) Zum Rittmeister und Commandeur der Train 
compagnie: Den Premieriieutn. H. M. v. Jrminger 
des 2te» Drag.-Reg. 
4) Zum Rittmeister der Kavallerie: Alfred v. Graeve 
des 2te» Drag.-Reg. 
Rundschreiben an die Herren Oberbeamte, 
Prälaten, Districtsdeputirten, Magistrate und 
lageführenden Beamte, betreffend die Einberufung 
der Beurlaubten und Reserve-Mannschaften. 
Damit für den Fall einer plötzlichen Mobilmachmig 
der Armee die Einberufung der von den Linten- 
Balaillonen beurlaubten sowohl, als der zu der Re 
serve gehörigen Mannschaft jeder Verzug möglichst 
vermieden werde, ist es von dem Generalcommando 
für wünschenswerth erachtet, daß die Aushändigung 
der Einberusungsordres dergestalt beschleunigt werde, 
daß dieselben innerhalb 12 Stunden in den Händen 
der Betheiligten sein können. In, dieser Veranlassung 
werden die Herren Oberbeamte, Prälaten und Di- 
strictsdeputirte ersucht, im Voraus die nöthigen Vor 
bereitungen zur möglichst schleunigen Bertheilung der 
Einberufungsordres an die lageführenden Beamte 
zu treffen, ivie denn auch diese und nicht minder die 
Magistrate daraus Bedacht zu nehmen haben, daß 
durch sie wiederum, sei es directe oder durch Ver 
mittelung der Lagemänner, den betreffenden Mann 
schaften unaufhörlich die Einberufungsordres behcin- 
digt werden. Zu dem Ende ist den Lagemännern 
einzuschärfen, daß sie vorschriftsmäßig in fortgehender 
genauer Kunde vom Aufenthalt der Beurlaubten und 
Reserve-Mannschaft sich zu erhalten und darüber den 
ihnen vorgesetzten Behörden die von diesen verlang 
ten Nachrichten zu ertheilen, auch die Mannschaft 
selbst darauf aufmerksam zu machen haben, daß sie 
im Voraus sich zum Einkommen bereit zu halte» 
hätten, um einem etwanigen desfälligen Befehle spä 
testens innerhalb 24 Stunden nach deren Empfang 
Folge leisten zu können. 
Kiel, den 17ten Mai 1850. 
Das Departement des Innern. 
Vermischtes. 
Man schreibt aus München vom 18. Mai: Die 
Hinrichtung des Raubmörders Stopfer hat diesen 
Vormittag stattgefunden. Der Scharfrichter war in 
der Vollziehung des traurigen Aktes nicht glücklich, 
denn erst ans den zweiten Hieb war der Kopf vom 
Rumpfe getrennt — ein grausenhaster Umstand, der 
sicher die große Zahl der Gegner der Todesstrafe 
namhaft vermehrt hat. Der Delinquent war auf 
der Fahrt zur Richtstätte sichtbar zerknirscht, er blickte 
fortwährend abwärts und hörte aufmerksam den Zu 
spruch der ihm gegenüber sitzenden beiden Geistlichen 
an. Daß trotz der regnerischen Witterung eine große 
Menschenmasse dem „Schauspiele" beiwohnte, daß 
insbesondere auch das zarte Geschlecht zahlreich hie 
bei vertreten war, brauche ich wohl kaum zu er 
wähnen. 
Anteilige»; - Anzeigen. 
Kirchliche Aitzcige. 
Am Sonntage de,'. 26. d. Predigen in der Christ- und Gar- 
nisonskirche! 
Im Vormittagsgottesdienste Herr Pastor Rnchmann. 
Zm Rachmlitagsgottesdienste Herr Pastor Balemann. 
Am Freitage, den 31. b. M., von Morgens 
0 Uhr an, soll auf dem hiesigen Rathhause die Wahl 
eines Stadtverordneten für das Neuwerk unter Lei- 
m 1 ; , 
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