Full text: Newspaper volume (1850)

M 43, 
Mittwoch, den 29. Mai. 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer, 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgcgcngenomen werde,t. 
ist für Interessenten, 
ämtern machen, ist 
abend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bereichnuna- äTTiT 
Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten? - i\ e 
, denen eS hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für AuSwärtiae wclcke Ràln,^ 
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_ „ --- Expedition 
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bei den Post- 
Tagesgeschichte. 
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D ä tt c nt st t k. 
Kopenharien. den 22. Mai. Die politischen 
Nachrichten ausDänemark sind unbedeutend.„Fädrel." 
sagt, es könne die umlaufenden Gerüchte über einen 
nahe bevorstehenden Frieden mit Preußen weder be 
stätigen noch in Abrede stellen. Wahrscheinlich möge 
derselbe sein. Vom Wahrscheinlichen zum Wirklichen 
sei aber ein großer Schritt. 
Zum Linienschiff Skjold sind auscommandirt: 
Capt. Secher als Chef; die Capt.-Lieuts. Paludan, 
Möller und Bjelke; die Prem.-Lieuts. Köbke und 
Alback; die Scc.-Lieuts. Wrisberg, L. Vraag, de 
Coninck und P. Gjödesen. Zur Fregatte Havsruen: 
Capt. I. A. Meyer als Chef; Capt.-Lieut. Meinertz; 
Prem.-Lieut. Hagen, Sec.-Lieuts. C. Michelsen, Ul 
rich und Braeus. 
In den „Nyeste Postefterretn." werden einige 
Gerüchte erwähnt. Das erste, welches Glauben ver 
diene, gehe dahin, daß die dänische Regierung das 
Anerbieten einer Besetzung der Herzvgtyümer 'durch 
die Russen abgelehnt hat, das andere minder glaub 
würdige sage, daß die Statthalterschaft durch eine 
Collectivnote der Großmächte zur Niederlegung ihres 
Amtes binnen kurzer Frist aufgefordert sei, unter der 
Androhung, daß man widrigenfalls die Herzogthümer 
nach Uebereinkunst der Mächte besetzen werde. 
— den 23. Mai. Der Consul A. F. Dumreicher 
ist zum Consul in Alexandrien ernannt. 
Nach den „Nyeste Postefteretn." ist heute Morgen 
ein russisches Kriegsschiff auf der hiesigen Rhede vor 
Anker gegangen, wahrscheinlich wird es, wie das 
Blatt sagt, eine große russische Flotte anmelden. 
Ein Anschlag im Avissalon meint, die nach der 
Ostsee bestimmte englische Flotte werde aus der Tajo 
flotte, verstärkt durch 5 andere Schiffe, bestehen. 
Kopenhagen, vom 24. Mai. Das gestern 
angekommene russische Kriegsschiff ist der Dampfer 
„Kamtschatka," der, dem Vernehmen nach, bestimmt 
ist nach England zu gehn, um von dort den Herzog 
von Leuchtenburg abzuholen, der von Madeira zu 
rückkehrt. Es soll jedoch, wie „Flyveposten" erzählt, 
auch Depeschen für die dänische 'Regierung mitgebracht 
haben. 
Es wird hier eine Proclamation an das schlesw.- 
holst. Heer beabsichtigt, von der man sich besondere 
Wirkungen verspricht. 
Deutschland. 
Berlin, den 22. Mai. Folgendes ist der nä 
here Hergang bei dem Attentat auf den König, wie 
derselbe von einem Augenzeugen berichtet wird: Heute 
sollte die Uebersiedelung des Hofes von Charlotten 
burg nach Potsdam stattfinden. Der König und die 
Königin nebst Gefolge waren etwa 10 Minuten vor 
12 Uhr Mittags aus dem Potsdamer Bahnhöfe an 
gelangt, um nach Potsdam zu fahren Sie waren 
m den s. g. königlichen Wartezimmer abgestiegen. 
Etwa 3 Minuten vor 12 Uhr trat der König, un 
mittelbar hinter ihm die Königin, auf den Perron 
heraus, uni in den Eisenbahnwagen zu steigen. Das 
ziemlich zahlreich versammelte Volk bildete ein Spalier. 
In diesem Augenblick tritt aus diesem Spalier ein 
Mann in Artillerieuniform heraus und unmittelbar 
auf den König zu, zieht unter dem Mantel ein Pistol 
hervor und legt es auf denselben an. Dieser sieht 
es, bückt sich unwillkürlich und macht mit dem linken 
Arme eine parirende Bewegung. Der Schuß knallt 
hnd die Kugel streift stark, so daß sie ein Stück 
Fleisch mit fortreißt, den linken Unterarm an jener 
Stelle, wo sich das dicke Fleisch von selbst nach 
Außen kehrt, wenn man die oben angedeutete Be 
wegung macht. Der König sinkt etwas in die Kniee, 
erhebt jich aber sofort wieder und blickt mit lächeln 
dem Gesicht um sich. Die Kugel war alsdann über 
die linke Schulter fort gegen den Eisenbahnwagen 
gegangen, dort abgeprallt und auf den Perron ge 
fallen, wo sie gefunden wurde. Der Mann wurde 
sofort zu Boden geworfen und mit Stock- und Faust 
schlägen überhäuft, so daß er stark blutete. Er gab 
keinen Laut von sich. Den König führte man in 
die Warte-Zimmer zurück; der in seinem Gefolge 
befindliche Leibarzt nnd General-Stabsarzt Grimm 
untersuchte die Wunde sofort und machte Eisumschläae 
erklärte zugleich, daß keinerlei Gefahr vorhanden sei' 
Hier wollen wir zunächst unsere Geschichtserzäh 
lung unterbrechen, um aus die Person des Angreifers 
zurückzukommen. Derselbe heißt Sefeloge, ist aus 
Hmterpommern, und hat U Jahre lang in der Ar 
tillerie gedient, wobei er es bis zum Oberfeuerwerker 
brachte. Im vergangenen Jahre zeigten sich wieder- 
holenilich Spuren von Ueberspanntheit und Wahn 
sinn an ihm, er sprach namentlich viel von seinen 
souveränen Besitzungen in Nordamerika, die er durch 
die Schuld des Königs von Preußen verloren habe, 
weshalb er auch oft Racheäußerungen gegen denselben 
ausstieß. Er mußte deshalb am 1. October v. I. 
aus seiner Stellung entlassen werden, wurde aber 
doch noch z» kleinen Dienstleistungen verwendet und 
wohnte deshalb bis zum heutigen Tage in der Ka 
serne, trug auch uoch die Uniform als Sergeant, die 
er auch heute anhatte, darüber einen seinen oder s 
g. Interims-Mantel. Er ist ein kleiner Mann, macht 
den Eindruck eines Menschen von dreißig und einigen 
Jahren, trägt am Kinn einen bereits etwas grauen 
Bart, hat sonst ein finsteres, entschlossenes Aussehen. 
Als er die That begangen und man ihn nur mit 
Mühe den Schlägen des Volks entrissen hatte, auch 
die gefundene Kugel und das Pistol — dasselbe ist 
von ziemlich großem Kaliber, vorne mit auffallend 
großer Oeffnung — an sich genommen, führte man 
ihn rn das zur ebenen Erde gelegene Bogenzimmer. 
Als er von seiner Betäubung zu sich gekommen war, 
erkundigte er sich sofort, wie er den König getroffen. 
Dragoner, reitende Constabler und ein Detachement 
vom 9. Infanterieregiment kamen sehr schnell auf 
dem Bahnhöfe an. 10 Mann von dem letzteren 
wurden zu dem Delinquenten in das Zimmer gestellt. 
Als ich denselben hier im Zimmer sah, hatte man 
ihn seiner Unisorm entkleidet und ihm nur Bein 
kleider und Hemde gelassen; er zeigte am linken Auge 
die Spuren zweier großer Hiebwunden, die er er 
halten, der obere Kopf war ihm mit einem weißen 
Tuche verbunden. Im Zimmer befand sich der Prinz 
von Preußen — sämmtliche Prinzen, selbst der kranke 
Prinz Albrecht, hatten sich unmittelbar nach der That 
hier eingefunden, — der Fürst Radziwill, der Poli 
zei-Präsident v. Hinckeldey und mehrere andere Per 
sonen. Der Delinquent stand an einem Tische. 
Später joll jich auch »och der Oberstaarsanwalt 
Sethe hier eingefunden und sofort ein Requisitorium 
mit ihm vorgenommen habe». 
Der König blieb auf dem Bahnhöfe bis etwa 
1 'U Uhr und fuhr dann in Begleitung der Königin 
die Potsdamer Chaussee und dann am Schasgraben 
entlang nach Charlvttenburg zurück. Er sah etwas 
leidend aus, grüßte aber überall hin mit ausneh 
mender Freundlichkeit. Ein Hurrah der zahlreich 
vor dem Bahnhöfe versammelten Volksmenge — - 
denn der Bahnhof selbst war sofort abgesperrt wor 
den — empfing ihn. 
Der Delinquent blieb bis 3 Uhr aus dem Bahn 
höfe in dem vorhin erwähnten Zimmer. Da die 
Volksmenge vor dem Bahnhöfe und die ganze Leip 
ziger Straße hinab nach und nach sehr zahlreich ae- 
worden war, man auch wohl zu keinerlei Demon- 
Itrationen Veranlassung geben wollte, so führte man 
ihn ganz unbemerkt in Begleitung einiger Constabler 
die Hände hinten auf dem Rücken zusammengebunden' 
in einen Gepäckwagen; eine Locomotive führte den 
selben von dannen, wie ich später hörte, nur auf 
1 Meile fort wo ihn dann ein ganz verschlossener 
Wagen in Empfang nahm und er, geleitet von 
emem Detachement Dragoner, auf einem anderen 
Wege ln die Stadt gebracht wurde. Man hatte 
ihm statt der Uniform Civilkleider angelegt Dem 
Vernehmen nach ist er nach dem Militairarrest ge 
bracht worden. — Das Gerücht von dieser That 
hatte sich mit den verschiedensten Uebertreibungen 
blitzesschnell in der ganzen Stadt verbreitet und na 
mentlich von 1 bis 3 Uhr fand man überall dicht 
zusammenstehende Gruppen. 
Das ärzliche Bulletin lautet: Die Kugel ist an 
der inneren Seite des rechten Vorderarms einge 
drungen hat eine etwa zwei Zoll lange Fleischwunde 
hervorgebracht und ist dann wahrscheinlich durch die 
eigene Schwere wieder herausgefallen. Eine Ver 
letzung der Knochen und wichtigen Nerven hat glück 
licherweise nicht stattgefunden. Das allgemeine Be 
finden Sr. Mas. ist befriedigend, (gez.) Dr. Schön 
te'". vr. Grimm. B. Langenbeck. Charlottenbura 
den 22. Mai, 3 Uhr Nachmittags. a ' 
Aus Baden, vom 20. Mai. Man scheint 
ernstlich daran zu denken, die Grenzen unseres Lan 
des von Offenburg bis Freiburg zu besetzen. — 
Wiederholt werden, unter Androhung von schwerer 
Strafe, alle Diejenigen aufgefordert, binnen drei 
Tagen ihre Waffen abzuliefern, welche nicht als 
öffentliche Beamte zur Ausübung ihres Dienstes 
Waffen zu tragen berechtigt sind, oder die Ermächti 
gung vom großh. Kriegsministerium bereits erhalten 
haben. 
Mamcheim, den 18. Mai. Die schon so oft 
u nh L n £ IeI , en Blättern als ausgemachte Sache 
hingestellte Dislocation der badischen Truppen außer 
Landes wird von Tag zu Tag zweifelhafter 
Wien, den.. 23. Mai. Wie weit die Unver- 
schamrhelt der Diebe und Wegelagerer geht erhellt 
daraus dag dem Justizminister Schmerling selbst auf 
der Rückreise nach Wien eine Brieftalche mit 800 fl 
gestohlen wurde. 
Dem „Hamb. Corr." wird geschrieben: 
. Berlin, den 21. Mai. In dem kaiserl. russ. 
Gejandtjchafts-Hotel fanden bald nach der Rückkehr 
des Kammerherrn v. Reedtz schnell hintereinander 
wieder mehrere Conferenzen zwischen den dänischen 
Friedens-Commissaren und den den Frieden vermit 
telnden Ministern von England und Rußland statt 
Zwei dieser Unterredungen wohnte auch der könial' 
groß britannische Gesandte am k. dänischen Hofe, Sir 
Wattins Wynn, bei. Hr. v. Reedtz hat bei dieser 
Gelegenheit, wie wir hören, nähere Erklärungen über 
einen Briefwechsel Sr. Maj. des Königs von Preu 
ßen mit seinem Souverän, oder mit anoern Worte», 
über die Mission des General-Lieutenants v. Below 
und das Resultat derselben gegeben. In einer an 
deren und an einer anderen Stelle abgehaltenen 
Conferenz ward von einem Gesandten einer der eu 
ropäischen Großmächte ganz besonders aus die Noth- 
wffàģ^^2şi"gswiesen, daß gegenüber den augen 
blicklichen^ Verhaltnisicn und höchst bedenklichen Zu 
standen Frankreichs, vor allem Anderen zum Wöhle 
Europa s auf friedliche Ausgleichung der unter den 
einzelnen europäijchen Staaten statrsindenden Diffe 
renzen hinzuwirken sei. Dieser Ausspruch ist durch 
aus gleichlautend mit dem Inhalt einiger Noten 
Ne schnell hintereinander durch englische Couriere 
hierher gekommen sind.
	        
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