Berlin, den 24. März. Der Unterofficier Sefe-
loge ist in der hiesigen Stadtvoigtei in ein besonders
sicheres Gefängniß, die sogenannte Riesenbnrg (den
festesten Theil der Stadtvoigtei) gebracht, und sind
zu seiner Bewachung besondere Sicherheitsinaaßregeln
ergriffen worden. Der Hausordnung gemäß ist der
selbe, wie dies stets bei Mördern geschieht, in Fesseln
gelegt,-und wird er dem Vernehmen nach, um ihn
an jeder etwaigen Selbstentleibung zu hindern, von
Polizeibeamten im Gefängnisse bewacht. Die gar
nicht unbedeutenden Verwundungen desselben, welche
er namentlich durch einen Säbelhieb über den Kopf
und mehrere Fußtritte erlitten hat, sollen nirgends
eine Gefahr darbieten, hingegen soll es sich immer
mehr herausstellen, daß dieser Mensch gestörten Geistes
und nicht zurechnungsfähig ist. Auf das jetzige Be
nehmen des Sefeloge ist natürlich hierbei nicht viel
Gewicht zu legen, da solches simulirt sein kann, die
Polizeibeamten sind aber namentlich bemüht gewesen,
das frühere Benehmen des Verhafteten zu ermitteln,
und soll sich hierbei denn das untrügliche Zeichen
von Verstandes-Zerrüttung gezeigt haben. Der Aus
spruch des gerichtlichen Physicus, Geheimen Medici-
nal-Raths Casper, der bekanntlich einer unserer er
fahrensten und geistreichsten Aerzte im Fache der ge
richtlichen Medicin ist, wird daher hier wahrscheinlich
den Ausschlag geben.
Das letzte Bulletin über das Befinden des Kö
nigs lautet: „Bei Se. Mas. dem Könige haben sich
die Erscheinungen des Wundfiebers gegen Abend et
was gesteigert, mit gleichzeitiger Zunahme der Ge
schwulst in der Umgebung der Wunde, aus welcher
fortdauernd eine reichliche Absonderung stattfindet.
Schloß Charlottenburg, den 24. Mai 1850, Abends
914 Uhr. (gez.) Schönlein. Grimm. Langenbeck.
Nach der „N.-Z." scheint das Attentat eine Quelle
beklagenswerther und folgenschwerer Maaßregeln wer
den zu sollen. Man versichert auf's Bestimmteste,
daß man damit umgehe, nicht nur allgemeine strenge
Strafgesetze für die Preßvergehen zu erlassen, son
dern auch Specialebicte gegen einzelne besonders miß
liebige Organe zu publiciren.
Wir erfahren so eben, sagt die „N. Z„" daß der
Geh. Med.-Rath »>-. Caspar bereits gestern Abend
die völlige Unzurechnungsfähigkeit des Sefeloge be
scheinigt hat.
—, den 25. Mai. Eine telegr. Depesch'e der
„B.-H." vom heutigen Datum, Morgens 10 Uyr,
meldet: „Bei dem bestehenden Wundfieber hat der
König in dieser Nacht nur mit Unterbrechungen und
unruhig geschlafen. Die Geschwulst in der Umgebung
der Wunde hat zwar nicht abgenommen, doch ist
dieselbe weniger gespannt und empfindlich. Das
Wundsekret nimmt eine mehr eitrige Beschaffenheit an.
Die „N. Pr. Ztg." schreibt Folgendes: Es be
stätigt sich, daß in London eine Conferenz behufs
Schlichtung der dänischen Frage zusammentritt, daß
dieselbe sogar bereits ihre Wirksamkeit begonnen hat;
eine Vorlage, wie sie in Aussicht gestellt, ist jedoch
an die preußische Regierung bis jetzt noch nicht er
folgt, und soll es zweifelhaft sein, ob sich die preuß.
Regierung an jener Conferenz betheiligen wird.
Nach einem Artikel der „Voss. Ztg." stützt sich
Dänemark in dem Ablehnungsschreiben, welches Herr
v. Reedtz als Antwort auf die Sendung des Herrn
v. Below überreicht hat, namentlich auf Rußland und
Oesterreich. Ferner heißt es hier: „Die Unterhal
tungen der holst. Vertrauensmänner waren bisher
ohne Resultat und werden auch ohne Resultat blei
ben. Selbst auf ihren Vorschlag, einen Statthalter
mit k. Vollmacht einzusetzen, wurde in Kopenhagen
nicht eingegangen."
Das „Frankfurter Journal" schreibt Folgendes:
Fulda, vom 21. Mai. In diesen Tagen ist
ein älterer Offizier des hiesigen Regiurents, Junck,
aus dem kurhejsischen Dienste ausgetreten, um seine
Kraft der schleswig-holsteinischen Sache zu widmen,
für die derselbe schon früher begeistert sowohl mit
der Feder als, auch bei Erstürmung der Düppeler
Schanzen im vorigen Jahr mit dem Schwelle ge
fochten hatte. Junck gehörte zu den gebildetsten und
. zugleich freisinnigsten Offizieren des hessischen Corps,
und die Statthalterschaft hat durch seine Berufung
erneu glücklichen Griff gethan; wir können ihr nur
lauter solche Männer wünschen.
Schleswig - Holstein.
Flensburg, den 22. Mai. Wie ich Ihnen
früher mitgetheilr, hatten vor Monaten Neutrale im
Kirchspiel Bull sch au die Demarcations-Linie über
schritten. Jetzt hört inan, daß solches seit Kurzem
in höchst auffallender Weise von ihnen geschieht, ja
über eine halbe Meile hinaus. Aus zuverlässiger
Quelle erfahren wir. daß schwedische Mriltairs, na
mentlich Officiere, in Begleitung von „Tapperen"
Husvye paffiren. Ob solches geschieht, weil sie die
Linie nicht refpectiren, oder weil wie einem hoch
stehenden Officier ihres Corps die Kunde unserer
Landesgeschichte, so ihnen die Kunde der Landschaft
Angeln abgeht, wagen wir nicht zu entscheiden.
Jüngst wurde übrigens ein fchweoischec Husar, wel
cher 'Husbye passiren wollte, von Bauern angerufen
und ihm bedeutet, daß dies kein Weg für ihn sei,
worauf er alsbald in nördlicher Richtung einlenkte.
In den letzten Tagen haben wir hier mehrere
preußische Officiere gesehen. Es waren Subaltern-
Ossiciere, und fast möchte man vermuthen, daß sie
mit Rücksicht auf einen etwa nahe bevorstehenden
Abzug noch einen Abstecher hierher ge,nacht haben.
Von Kopenhagen her wird erzählt, daß der Dä
nenkönig eine Anrede an das Volk gehalten und er
klärt habe, daß er zur Armee abgehe und die Re
gierung den Ministern überlasse. Mag dies übrigens
auch als Thatsache erzählt werden, so wagen' wir
die Nachricht doch nicht zu verbürgen; wenigstens
würde sich von dem letzteren Umstande nicht Roth-
wendig auf den erste» schließen lassen. (Fr. Pr.)
—• Das „C. B." giebt folgende Nachricht, veren
Richtigkeit wir dahin gestellt sein lassen: Die schles
wig-dänischen Wirren sollen nun endlich ihre Lösung
finden. Der Kongreß der betheiligtcn Mächte zu
London, von dem der definitive Entscheid ausgehen
soll, ist, wie uns von guter Hand bestimmt versichert
wird, von Rußland veranlaßt, weiches vor Allem die
Rechte der Agnaten gesichert wissen will. Gegen
wärtig hält sich im Interesse dieser agnatischen Rechte
und um eventuelle Verzichtleistnng. auf dieselben her
beizuführen, der kaiserl. Legationssecretair von Bad
berg in Oldenburg auf. Eine Verzichtleistnng von
heffifcher Seite wird höchst wahrscheinlich gleichfalls
erfolgen. Die Verhandlungen über die agnatischen
Rechte werden sich mithin vornämlich auf die Ent-
schädigungsbedingungen erstrecken. Bei weitem dä
nischer gesinnt als Rußland, heißt es jetzt, fei Eng
land, das sich neuerdings mit beispielloser Einseitig
keit für Dänemark erhoben haben soll.
Flêirsbâlrģ, den 23. Mai. Immerfort hört
man von den Rüstungen in Dänemark. Auch in
Jütland, in der Gegend von Beile und Horsens,
stehen viele Truppen. In Sonderburg kamen am
Ende voriger Woche mehrere Kanonenböte au.
Bei der Untersuchung des früher besprochenen
Conflicts in Glücksburg scheint sich herausgestcllt zu
haben, daß deutsche Farben und Lieder den Neutralen
besonders anstößig an den Knaben gewesen; wenig
stens deutete eine Warnung, welche der Kammer
junker v. Berger den Knaben mit auf den Weg gab,
dahin. Aus der Antwort der Knaben soll man aber
haben entnehmen können, daß sie eben so wenig ihre
Farben als ihre Gesinnung zu wechseln oder zu ver
hehlen willens sein möchten. — Wie übrigens die
bei jenem Vorfall betheiligten Schweden die Neu
tralität respectiren oder deuten, möge folgender Vor
fall anschaulich machen. Ein Schwebe fragt einen
timiden, blvoen — um nicht zu sagen halb blöd-
finnigen — Knaben, ob er deutsch oder dänisch sei?
Der Knabe antwortet: „deutsch," worauf der Schwebe
den Knaben ins Gesicht schlägt, daß das Blut her
an lerläuft.
Heute Abend sind die in Angeln stationirt ge
wesenen schwedischen Compagnien nach Flensburg zu
rückgekehrt; ob lediglich um Uniformstücke zu wechseln,
oder weil die Truppen überhaupt aus Angeln zurück
gezogen werden sollte», wagen wir nicht zu entscheiden.
(Fr. Pr.)
Flensburg, den 24. Mai. Fast möchte es
scheinen, als wenn am Horizont der Anzeichen immer
mehrere hervortreten, welche eine Erlösung von der
Plage, die auf dem Lande lastet, in nahe Aussicht
stellten. Wie man hört, hätten die Schweden am
legten Löhnungslage keine oder doch nicht die volle
Löhnung bekommen, well sie dieselbe mit Rücksicht
auf die wahrscheinlich nahe bevorstehende Heimkehr
in ihr Vaterland ln schwedischer Münze haben soll
ten, diese aber im Augenblick nicht zur Disposition
stand.
Das Gerücht von der Transportirung des däni
schen Geschützes von Alsen aufs Festland bestätigt
sich. Ueberhaupt steht, übereinstimmenden Mitther-
lungen zufolge, das Gros der feindlichen Armee an
der jütischen Grenze. In Veile soll so viel Militär
liegen, daß aus jedes Haus 20 Mann kommen, was
jebocy gewiß sehr übertrieben ist.
Aus HaderSleven vom 23. Mai schreibt man,
daß endlich auch der Pastor Strodtmann (Vater des
bekannten Dichters und Verfassers von Kinkels Le
ben) von der Landesverwaltung seines Amtes entsetzt
ist. Zugleich wild gemeldet, daß die Magazine laut
dänischer Ordre gefüllt und zugleich die Permittirten
einberufen werden. — Aehnliches wird aus Apen
rade gemeldet, wo zugleich den Lieferanten, welche
ihre Anerdlelungen fur die öffentlich ausgeschriebene
Verpflegung der neutralen Truppen pro Juni-Monat
bereits eingereicht hatten, die Anzeige zugegangen ist,
baß die Verpflegung der schwedisch-norwegischen
Truppen mit dem Maimonat zu Ende gehe.
Apenrade, den 21. Mat. In Uebereinstim
mung mit einer Verfügung der Landesverwaltnng
sind am heutigen Tage die sämmtlichen hiesigen
Schullehrer, mit Ausnahme von 2 Elementarlehrern,
Namens Dreefen und Möller, von dem hiesigen
octroyirten Schnlcollegio von ihren Schulämtern ent
fernt. Die entlassenen Lehrer gehören zu den aus
gezeichnetsten des Landes. Daß das Schulcolleginm
eS sich herausgenommen hat, auch die bei der Gün-
deroth'schen Armenschule angestellten Lehrer zu sus-
pendiren, obgleich dieselben verfassungsmäßig mit dem
Lchulcollegio in gar keiner amtlichen Verbindung
stehen, sondern nur der Direction der Günderoth'schen
Stiftung untergeordnet siild, ist eine so geringe Ab
normität, daß es kaum der Mühe werth ist, sie her
vorzuheben. ' (A. M)
Ape/.rade, vom 23. Mai. Es war öffentlich
bekannt gemacht worden, daß diejenigen, welche zur
Verpflegung der neutralen Truppen pro Juni - Mo
nat die erforderlichen Lieferungen zu übernehmen
geneigt wären, ihre Anerbietungen bis zum 20. Mai
beim betreffenden Commissariat ln Flensburg einzu
reichen hätten. Hiesige Unternehmer, welche sich da
bei zu betheiligten pflegten 'und ihre Offerten anck
diesmal eingesandt hatten, haben nun diese mit der
Anzeige zurückerhalten, daß die Verpflegung der schwe
disch-norwegischen Truppen mit dem Maimonat zu
Ende geht und folglich die Lieferungen pro Jniii
unnöthig geworden sind.
Daß die Dänen sich zum Kriege rüsten und ihre
Permittirten einberufen, davon sind wir durch den
Augenschein genugsam überzeugt worden. 2 bis 300
Mann sind gestern zu Wagen, vom Norden kommend
nach Alsen hier burchpassirt. Das Eine mit dem
Andern vergrößert unsere Hoffnung, daß der Waffen
stillstand auch in seinen geheimen Bedingungen bald
zur Ausführung kommen werbe, denn nur der Krieg
rann uns Erlösung aus diesem grenzenlosen Elend
bringen.
Die Theilung Schleswigs,
in der elften Stunde von einer dänischen
Stimme proponirt.
L’indepeudaiicc bulge vom 12ten Mal enthält
einen längeren Aufsatz, welcher neben der Uebersicht
die derselbe über die schleswig - holsteinische Frage
bringt, freilich ü» pen au point de vue Dauois,
wie das genannte Blatt einleitend bemerkt, am Schluffe
auf einen Vorschlag zurückkommt, der seit seinem
ersten Auftauchen so gut, wie abgethan betrachtet
worden ist, weil beide Parteien gleich heftig dagegen
protestirten. Jetzt wo wir augenscheinlich an einem
Wendepunct stehen, wo nur die traurige Alternative
des heftigen Kampfes, oder der demüthigsten Unter
werfung vorhanden zu sein scheint, bringt ein Däne —
denn wie der Leser sich überzeugen wird, ist der Vers,
unzweifelhaft ein solcher — abermals die Theilung
Schleswigs in Anrege. Ob zur gelegenen Stunde?
Darüber wollen wir für den Augenblick keine Worte
verlieren. Der ziemlich umfangreiche Artikel ist un
terzeichnet: c. A. ir.
„Die schleswig - holsteinische Frage beginnt noch
einmal, die europäische Presse in Bewegung zu setzen,
besonders die englische und französische Presse, und ein
neuer Act, vielleicht der letzte, bereitet sich augen
scheinlich vor in dem Drama, dessen zwei erste Acte
wir mit zweien Waffenstillständen haben schließen
sehen. Ich erlaube mir, einige Zeilen über dies
Thema an Sic zu richten, um so mehr, als Ihre
Zeitschrift sich widerholentlich damit beschäftigt hat.
Ich erinnere mich, noch vor einigen Wochen in
diesem Blatte^(L'invependance) eine Unterredung zwi
schen einem Schleswig-Holsteiner und einem Dänen
über gewisse AehnUchkeiten zwischen der belgischen
Revolution von 1830 und der der Herzogthümer im
I. 1848 gelesen zu haben. Ich gestehe ein, unge
achtet der wesentlichen Unterschiede zwischen den bei
den Ereignissen, welche von dem Dänen hervorgeho
ben sind, es bleiben noch genug Punkte zur Ver
gleichung übrig, um die Aufmerksamkeit Dänemarks
und seiner Freunde anzuziehen. Man wird wohl
einige überraschendere Aehnlichkeiten finden können,
als zwischen der Rolle, welche die Großmächte von
1830—39 den Niederlanden gegenüber spielten, und
der politischen Nichrung, - verfolgt durch dieselben
Mächte im Jahre 1848 Dänemark gegenüber. Frank
reich intervenirte 1830 für Belgien, Preußen 1848
für Schleswig-Holstein, und die übrigen Mächte wie
derholen in diesem Augenblick den krummen Gang
des Londoner Congresses von 1831—39. Heute ist
man Dänemark günstig. Morgen den Herzogthümer»,
und am dritten Tage kehrt man zu Dänemark zu
rück, nach der Richtung, die der Barometer der euro
päischen Politik »«giebt, je nachdem der Horizont
von Deutschland sich aufklärt oder verfinstert. Lord
Palmerston verfolgt bas Geschäft des Vermittlers
gerade so gegenwärtig, wie im Jahre 1831—33,
lediglich, daß er die damals gemachte Erfahrung be
nutzen kann. Er proponirt die Unabhängigkeit des
streitigen Landes, um es zu verhindern, sich in die
Arme Deutschlands zu werfen, wie er Belgiens Un
abhängigkeit proponirte, um dessen Incorporation
in Frankreich vorzubeugen. Rußland, Oesterreich, er
sichtlich günstig für Dänemark, bemühen sich für dies
kleine Königreich der preuß. Macht täglich neue
Schwierigkeiten in der deutschen Frage zu machen.
Frankreich, es ist wahr, in den Jahren 1849—50
weniger thätig, als Preußen in den Jahren 1831—
34. Aber diese Macht neigt sich auf Seiten Däne
marks, welches bis zu diesem Augenblick, sämmtliche
Stimmen Europa's ich gestehe es, wenig wirksam,
für sich hat, mit Ausnahme von Deutschland, das
Preußen repräsentlrt. Aber diese Macht würde in
der deutschen Frage Conceffionen machen, wenn die
übrigen Mächte nur gestatten, daß es sich mit Be
quemlichkeit in der Frage der Herzogthümer von
Dänemark Genugthuung verschaffen darf.
Es liegt vielleicht im Interesse der Großmächte,
das Friedenswerk noch in die Länge zu ziehen; dann'