Jahrgang,
43te
Reudsburger
M 44.
Sonnabend, den 1. Juni.
1850.
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TagesgefchLchte^
-îr«i
Großbritannien.
London, den 27. Mai. Ich bin heute in der
Lage, Ihnen und Ihren Landsleuten eine Nachricht
mitzutheilen, die nicht nur von Interesse, sondern
von politischer Bedeutung für sie sein wird. Sie
erinnern sich der Andeutungen, welche ich Ihnen be
reits früher über die Politik Lord Palmerstons in
der schleswig-holsteinischen Frage gegeben habe; Sie
wissen, daß ich mich nie habe entjchließen können,
an jene fabelhafte Versicherung zu glauben, welche
die Runde durch die deutsche und einen Theil durch
die englische Presse machte, daß nämlich Lord Pal
merston in einer Note seine Einwilligung zu einer
russischen Intervention gegeben habe, und eine solcbe
demnächst mit Genehmigung der Regierung Ihrer
großbritanischen Majestät stattfinden werde. Ich will
nun heute nicht behaupten, daß jener Nachricht überall
kein diplomatischer Act zu Grunde liege; allein welche
Bewandniß es damit eigentlich hat, ist noch nichts
weniger als aufgeklärt; jedenfalls scheint sich aus
Allem, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe,
soviel zu ergeben, daß diejenigen, durch deren Ver
mittelung die Sache in die Oeffentlichkeit gelangt ist,
die ganze Wahrheit entweder nicht kannten, oder
nicht sagen wollten, vielleicht ist das Eine bei dem
Einen, das Andere bei dem Andern der Fall gewe
sen. Wie dem indeß auch sein mötze, was ich
Ihnen heute als eine Thatsache mittheilen
kann, ist, daß Lord Palmerston in jüngster Zeit
eine den Herzogthümern und rhrer Sache ungleich
günstigere Stellung in den diplomatischen Verhand
lungen einzunehmen angefangen hat, und Alles deu
tet darauf hin, daß die frühere Ungunst, welche sich
sogar einen Augenblick bis zu einer Allianz mit Ruß
land gegen Schleswig-Holstein steigern zu können
schien, nichts war als eine Maske, um bei Ihnen
die Sache hinzuhalten, bis man in Griechenland
mit Rußland werde fertig geworden sein. Nachdem
nun der edle Lord den Czaren in Athen und in Paris
S achlagen hat, wird er ihm auch — verlassen Sie
darauf — in Kopenhagen zu begegnen wissen,
und wenn man in Dänemark noch keine Kunde von
dieser veränderten Situation haben sollte, so wird
man solche bald genug erhalten. Welche Rolle in
der hier angedeuteten Wendung der englischen Politik
den angeblich hier abzuhaltenden Conferenzen in der
schleswig-holsteinischen Frage anzuweisen ist, werden
Sie sich selbst leicht zurecht legen. Man mußte die
Hand im Spiele behalten, zumal da man wußte,
daß das Kind bereits vor seiner Geburt gestorben
sein würbe, wie denn auch jeit dem französisch-grie
chischen Eclat mit seinen Enthüllungen nichts mehr
über die Conferenzen verlautet, die beiläufig noch
gar nicht eröffnet gewesen sind.
D ä u c m <i ï k.
Kopenhagen, den 25. Mai. Das Volksthing
verhandelte in seiner vorgestrigen und gestrigen Sitzung
über das Pensionsgesetz in erster Berathung. —
„Fädrel." behauptet: Blome-Salzau, Scheel-Plessen,
Platen-Hallermund und Hahn-Neuhaus hätten, zu
verlässigem Vernehmen nach, einen förmlichen Protest
gegen die Ausschreibung irgend einer Zwangsanleihe
niedergelegt, und die Stimmung des eigentlichen
Volkes in Holstein sei ausgemacht gegen den Krieg.
Wer dieses „eigentliche Volk" sei, sagt das „Fädrel."
nicht. — Die dänischen Blätter, selbst die „Kjöben-
havnpost," tragen sich noch immer mit lächerlichen
Gerüchten über den Untergang der Disciplin in der
schleswig-holsteinischen Armee. So soll eine Com
pagnie in Neumünster höher» Sold gefordert, und
als der General ihr erklärt, daß er den nicht be
wirken könne, die Gewehre weggeworfen haben.
„Kjöbenhavnspost" ist freilich vernünftig genug, hin
zuzufügen, sie wisse nicht, ob die Geschichte wahr
- fei. Das ist sie denn allerdings nicht, und wir
können der „Kjöbenhavnspost" versichern, daß die
Disciplin gut und unter dem neuen General auch
Officiere sehr ernsthaft zu derselben angehalten sind,
wovon wir früher nichts gehört haben. Unsere Ar
mee ist höchstens darüber unzufrieden, daß sie sich
noch immer nicht nnt der dänische» schlagen kann. —
Die „Flyvepost" enthält einen langen Artikel: „durch
Schaden wird man klug," der vor Preußens Hinter
list warnt, und als Garantie eines Friedens mit
Preußen einen militairischen Cordon von wirlich neu
tralen, z. B. schwedisch-norwegischen Truppe», an der
Elbe und..Lauenburg entlängs fordert, bis die Her-
zogthümer vollständig pacificirt sind. — Der Oberst
lieutenant Prinz Christian von Glücksburg ist zum
Commandeur der königl. Garde zu Fuß ernannt. —
„Fädr." sagt, vermuthlich sei Prehn heute wieder
hier angekommen.
—, den 27. Mai. Du "„Bcr!. Ztg." erzählt nach
dem „Flensb. Corr.," daß die „schleswigsche" Festung
Friedrichsort stark besetzt werde, daß man neun
Schanzen auf der Ostküste anlege, und Fehmarn mit
schlesw.-holst. Truppen besetze und äußert sich darüber
dahin: Es sei dies natürlich durchaus im Wider
sprüche mit dem Waffenstillstandsvertrage und nach
ihrer Meinung sei Dänemark, wenndieseFortifications-
arbeiten nicht von Preußens Seite gehemmt würden,
in seinem vollen Recht, wenn es ohne weitere
Warnung diese Verschanzung zerstöre. Wie
kann Dänemark darin aber einen Widerspruch gegen
den Waffenstillstandsvcrtrag finden, wenn Dänemark
es dem vorigen Waffenstillstand nicht widersprechend
hielt, Alsen auf's Stärkste zu verschanzen, und wenn
die sog. Landesverwaltnng die Zerstörung der vor
handenen Schanzen veranlaßt oder wenigstens duldet,
ohne darin einen Widerspruch mit dem jetzigen Ver
trage zu erblicken. Uebrigens würden wir durchaus
nichts dagegen haben, wenn die Dänen einen Ver
such zur Zerstörung unserer Schanzen machen woll
ten. Daß die Ausführung nicht so leicht ist, haben
sie bei Eckcrnförde erfahren.
In der vorgestrigen^Sitzung des Volksthings
wurde eine von Pastor Schöler beabsichtigte Inter
pellation an den Minister des Auswärtigen angezeigt,
inwiefern das Ministerium beabsichtige, Vorschläge
zu einer Ordnung der Verhältnisse zwischen den ver
schiedenen Theilen der Monarchie zu machen, ob die
Regierung den von Seiten der Herzogthümer zum
Zweck der Annäherung gethanen Schritten entgegen
kommen, und ob Hoffnung vorhanden sei, daß der
Streit mit den Herzogthümern durch directe Unter
handlungen beigelegt werde.
Die „Nyeste Postefteret." bringen Berichte ihres
„militairischen Correspondenten" aus Veile vom 24. Mai.
Darnach stehen zwei Brigaden in Jütland unter
Oberst Schepeler (die frühere Rye'schc), Hauptquartier
Horsens, und unter Oberst Thestrup, Hauptquartier
Aarhuus. Die Stärke und Zusammensetzung mitzu
theilen, wird nicht für rathsam gehalten. Ein Ober
befehlshaber ist noch nicht ernannt. General Moltke
ist in Kolding; Leerbeck ist ebenfalls dort und Oberst
Flensborg hat sich dorthin begeben. Die Festungs
werke vor Fridericia sind während des Winters be
deutend verstärkt.
Ein Schreiben der „B.-H." erzählt: „Gestern ist
auch die Garde abmarschirt, welches die Vermuthung
bestätigt, daß der König der Armee nach Schles
wig folgen wird. Ein Linienschiff und eine
Fregatte legen heute aus. An einen Separatfrieden
mit Preußen glaubt man hier jetzt weniger." Der
König hat, nach den Mittheilungen der dänischen
Blatter, kürzlich das Abendmahl genommen,
schräm -Deutschen Reform" wird Folgendes ge-
Kopenhagen, den 27. Mai. Syndikus Prehn
ist vorgestern von Kiel hier wieder angekommen
Wie verlautet, soll er diesmal Vorschläge Seitens
der Statthalterichaft überbringen, die zu der Hoff
nung berechtigen, daß eine friedliche Ausgleichung
der Differenzen zwischen Dänemark und den Herz oq-
thümern baldigst stattfinden dürfte. Als Hauptpunkte
dieser Anträge werden genannt, daß man mit der
dänischerseits geforderten Trennung der Herzogthümer
in administrativer und legislativer Beziehung zu
frieden sei, dagegen aber wünsche, daß der König
einen gemeinsamen Statthalter für die beiden Her
zogtümer ernennen solle. Für den Fall, daß es zu
einer Verständigung in dieser Weise kommen sollte
bezeichnet man hier den Erbprinzen Ferdinand als
zukünftigen Statthalter der Herzogthümer. — In
wiefern nun hieran etwas Wahres ist oder nicht
muß sich jedenfalls bald ausweisen; denn dieser ge
spannte und ungewisse Zustand kann so nicht lange
fortbestehen, unv daß die hiesige Regierung auch ent
schlossen i,t, ein Endresultat herbeizuführen, davon
zeugen die energischen Rüstungen sowohl zu Laude
wie zur See Gestern haben auch die Fußgarde und
die Gardehularen die Hauptstadt verlassen
m 28> Mai. Die gestrige Sitzung des
Dolköthings war unbedeutend, es ward in zweiter
Berathung über das Peusionsgesetz verhandelt. Ueber
die Zulässigkeit der Schölerschen Interpellation wird
heute entschieden werden. Die „Berl. Ztg." sagt, sie
habe in ihrer gestrigen Morgennummer mitgetheilt
baß Fehmarn von schleswig-holstein. Truppen besetzt
sei, sie bitte aber, dies dahin zu berichtigen, daß man
sich daran mache, die Insel zu befestigen. Dasselbe
Ņlatt nimmt eine Berliner Correspondenz der „Nie-
dersachsischen Ztg." auf, worin gesagt wird, daß Hr.
v. Below nach Kopenhagen nichts/gar nichts mit
gebracht habe als einen Brief des Preußischen Königs
an den dänische». Dieser Brief solle nach dem, was
ein zuverlas,iger Leser einer Abschrift des Briefes
mitgetheilt habe, nur von dem ernstlichen Wunsch
des preußischen Königs nach Frieden und von seiner
Ehre und Pflicht als deutschen Bundesfürsten
handeln, und en passant die Bemerkung machen, es
sti wünschenswerth, daß die Ausgleichung der däni
schen und preußischen innerlich so verschiedenen An-
sicht über die zukünftige Stellung der Herzogthümer
der Zukunft vorbehalten werde, während Preußen
und Dänemark, ohne ihren Rechten etwas vergeben,
Frieden schlößen. Obschon, heißt es weiter in dieser
Cvrrelpondenz, Hr. v. Below also gar keine Basis
eines Friedens mitgebracht habe, so hätte er doch
sicher die wichtigsten Friedensvorschläge bringen können,
welche Hr. v Schleinitz dem Baron Pechlin mündlich
u lochte des letzten preuß. Umschwungs
mitgetheilt habe, Vorschläge, die ohne Zweifel nach
dem, was die zuverlässigsten Correspondcnten melden,
vom Lord Westmoreland und Hrn. v. Meyendorff
gebilligt seien.
Die „Flyvepost" sagt, der Graf Blome von Salzau,
der von der Statthalterschaft wegen Landesverrätherei
gerichtlich verfolgt werde,' sei in diesen Tagen nach
der Hauptstadt gekommen. Eben dieser Umstand,
baß er in dieser Weise verfolgt werde, meint sie,
werde unzweifelhaft zu seinen Gunsten sprechen, und
in Verbindung mit seiner aufrichtigen Reue den Kö
nig das Versehen vergessen lassen, welches er durch
Anerkennung der sogenannten provisorischen Regierung
begangen habe. 0