Full text: Newspaper volume (1850)

Jahrgang, 
43te 
Reudsburger 
M 44. 
Sonnabend, den 1. Juni. 
1850. 
t _ Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beitnsge können entweder directe abgeliefert, 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgegengenomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags svätestens Mittags 12 Ubr erbeten _ die Expedition 
ist fur Interessenten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., und wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 (51. Für Aliswärtiqe welche âstellînâen Blattes 
amtern machen, ist der Preis viertelzahrlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeteii b 0 9e ' "«eye Bestellungen 6« den Post- 
TagesgefchLchte^ 
-îr«i 
Großbritannien. 
London, den 27. Mai. Ich bin heute in der 
Lage, Ihnen und Ihren Landsleuten eine Nachricht 
mitzutheilen, die nicht nur von Interesse, sondern 
von politischer Bedeutung für sie sein wird. Sie 
erinnern sich der Andeutungen, welche ich Ihnen be 
reits früher über die Politik Lord Palmerstons in 
der schleswig-holsteinischen Frage gegeben habe; Sie 
wissen, daß ich mich nie habe entjchließen können, 
an jene fabelhafte Versicherung zu glauben, welche 
die Runde durch die deutsche und einen Theil durch 
die englische Presse machte, daß nämlich Lord Pal 
merston in einer Note seine Einwilligung zu einer 
russischen Intervention gegeben habe, und eine solcbe 
demnächst mit Genehmigung der Regierung Ihrer 
großbritanischen Majestät stattfinden werde. Ich will 
nun heute nicht behaupten, daß jener Nachricht überall 
kein diplomatischer Act zu Grunde liege; allein welche 
Bewandniß es damit eigentlich hat, ist noch nichts 
weniger als aufgeklärt; jedenfalls scheint sich aus 
Allem, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe, 
soviel zu ergeben, daß diejenigen, durch deren Ver 
mittelung die Sache in die Oeffentlichkeit gelangt ist, 
die ganze Wahrheit entweder nicht kannten, oder 
nicht sagen wollten, vielleicht ist das Eine bei dem 
Einen, das Andere bei dem Andern der Fall gewe 
sen. Wie dem indeß auch sein mötze, was ich 
Ihnen heute als eine Thatsache mittheilen 
kann, ist, daß Lord Palmerston in jüngster Zeit 
eine den Herzogthümern und rhrer Sache ungleich 
günstigere Stellung in den diplomatischen Verhand 
lungen einzunehmen angefangen hat, und Alles deu 
tet darauf hin, daß die frühere Ungunst, welche sich 
sogar einen Augenblick bis zu einer Allianz mit Ruß 
land gegen Schleswig-Holstein steigern zu können 
schien, nichts war als eine Maske, um bei Ihnen 
die Sache hinzuhalten, bis man in Griechenland 
mit Rußland werde fertig geworden sein. Nachdem 
nun der edle Lord den Czaren in Athen und in Paris 
S achlagen hat, wird er ihm auch — verlassen Sie 
darauf — in Kopenhagen zu begegnen wissen, 
und wenn man in Dänemark noch keine Kunde von 
dieser veränderten Situation haben sollte, so wird 
man solche bald genug erhalten. Welche Rolle in 
der hier angedeuteten Wendung der englischen Politik 
den angeblich hier abzuhaltenden Conferenzen in der 
schleswig-holsteinischen Frage anzuweisen ist, werden 
Sie sich selbst leicht zurecht legen. Man mußte die 
Hand im Spiele behalten, zumal da man wußte, 
daß das Kind bereits vor seiner Geburt gestorben 
sein würbe, wie denn auch jeit dem französisch-grie 
chischen Eclat mit seinen Enthüllungen nichts mehr 
über die Conferenzen verlautet, die beiläufig noch 
gar nicht eröffnet gewesen sind. 
D ä u c m <i ï k. 
Kopenhagen, den 25. Mai. Das Volksthing 
verhandelte in seiner vorgestrigen und gestrigen Sitzung 
über das Pensionsgesetz in erster Berathung. — 
„Fädrel." behauptet: Blome-Salzau, Scheel-Plessen, 
Platen-Hallermund und Hahn-Neuhaus hätten, zu 
verlässigem Vernehmen nach, einen förmlichen Protest 
gegen die Ausschreibung irgend einer Zwangsanleihe 
niedergelegt, und die Stimmung des eigentlichen 
Volkes in Holstein sei ausgemacht gegen den Krieg. 
Wer dieses „eigentliche Volk" sei, sagt das „Fädrel." 
nicht. — Die dänischen Blätter, selbst die „Kjöben- 
havnpost," tragen sich noch immer mit lächerlichen 
Gerüchten über den Untergang der Disciplin in der 
schleswig-holsteinischen Armee. So soll eine Com 
pagnie in Neumünster höher» Sold gefordert, und 
als der General ihr erklärt, daß er den nicht be 
wirken könne, die Gewehre weggeworfen haben. 
„Kjöbenhavnspost" ist freilich vernünftig genug, hin 
zuzufügen, sie wisse nicht, ob die Geschichte wahr 
- fei. Das ist sie denn allerdings nicht, und wir 
können der „Kjöbenhavnspost" versichern, daß die 
Disciplin gut und unter dem neuen General auch 
Officiere sehr ernsthaft zu derselben angehalten sind, 
wovon wir früher nichts gehört haben. Unsere Ar 
mee ist höchstens darüber unzufrieden, daß sie sich 
noch immer nicht nnt der dänische» schlagen kann. — 
Die „Flyvepost" enthält einen langen Artikel: „durch 
Schaden wird man klug," der vor Preußens Hinter 
list warnt, und als Garantie eines Friedens mit 
Preußen einen militairischen Cordon von wirlich neu 
tralen, z. B. schwedisch-norwegischen Truppe», an der 
Elbe und..Lauenburg entlängs fordert, bis die Her- 
zogthümer vollständig pacificirt sind. — Der Oberst 
lieutenant Prinz Christian von Glücksburg ist zum 
Commandeur der königl. Garde zu Fuß ernannt. — 
„Fädr." sagt, vermuthlich sei Prehn heute wieder 
hier angekommen. 
—, den 27. Mai. Du "„Bcr!. Ztg." erzählt nach 
dem „Flensb. Corr.," daß die „schleswigsche" Festung 
Friedrichsort stark besetzt werde, daß man neun 
Schanzen auf der Ostküste anlege, und Fehmarn mit 
schlesw.-holst. Truppen besetze und äußert sich darüber 
dahin: Es sei dies natürlich durchaus im Wider 
sprüche mit dem Waffenstillstandsvertrage und nach 
ihrer Meinung sei Dänemark, wenndieseFortifications- 
arbeiten nicht von Preußens Seite gehemmt würden, 
in seinem vollen Recht, wenn es ohne weitere 
Warnung diese Verschanzung zerstöre. Wie 
kann Dänemark darin aber einen Widerspruch gegen 
den Waffenstillstandsvcrtrag finden, wenn Dänemark 
es dem vorigen Waffenstillstand nicht widersprechend 
hielt, Alsen auf's Stärkste zu verschanzen, und wenn 
die sog. Landesverwaltnng die Zerstörung der vor 
handenen Schanzen veranlaßt oder wenigstens duldet, 
ohne darin einen Widerspruch mit dem jetzigen Ver 
trage zu erblicken. Uebrigens würden wir durchaus 
nichts dagegen haben, wenn die Dänen einen Ver 
such zur Zerstörung unserer Schanzen machen woll 
ten. Daß die Ausführung nicht so leicht ist, haben 
sie bei Eckcrnförde erfahren. 
In der vorgestrigen^Sitzung des Volksthings 
wurde eine von Pastor Schöler beabsichtigte Inter 
pellation an den Minister des Auswärtigen angezeigt, 
inwiefern das Ministerium beabsichtige, Vorschläge 
zu einer Ordnung der Verhältnisse zwischen den ver 
schiedenen Theilen der Monarchie zu machen, ob die 
Regierung den von Seiten der Herzogthümer zum 
Zweck der Annäherung gethanen Schritten entgegen 
kommen, und ob Hoffnung vorhanden sei, daß der 
Streit mit den Herzogthümern durch directe Unter 
handlungen beigelegt werde. 
Die „Nyeste Postefteret." bringen Berichte ihres 
„militairischen Correspondenten" aus Veile vom 24. Mai. 
Darnach stehen zwei Brigaden in Jütland unter 
Oberst Schepeler (die frühere Rye'schc), Hauptquartier 
Horsens, und unter Oberst Thestrup, Hauptquartier 
Aarhuus. Die Stärke und Zusammensetzung mitzu 
theilen, wird nicht für rathsam gehalten. Ein Ober 
befehlshaber ist noch nicht ernannt. General Moltke 
ist in Kolding; Leerbeck ist ebenfalls dort und Oberst 
Flensborg hat sich dorthin begeben. Die Festungs 
werke vor Fridericia sind während des Winters be 
deutend verstärkt. 
Ein Schreiben der „B.-H." erzählt: „Gestern ist 
auch die Garde abmarschirt, welches die Vermuthung 
bestätigt, daß der König der Armee nach Schles 
wig folgen wird. Ein Linienschiff und eine 
Fregatte legen heute aus. An einen Separatfrieden 
mit Preußen glaubt man hier jetzt weniger." Der 
König hat, nach den Mittheilungen der dänischen 
Blatter, kürzlich das Abendmahl genommen, 
schräm -Deutschen Reform" wird Folgendes ge- 
Kopenhagen, den 27. Mai. Syndikus Prehn 
ist vorgestern von Kiel hier wieder angekommen 
Wie verlautet, soll er diesmal Vorschläge Seitens 
der Statthalterichaft überbringen, die zu der Hoff 
nung berechtigen, daß eine friedliche Ausgleichung 
der Differenzen zwischen Dänemark und den Herz oq- 
thümern baldigst stattfinden dürfte. Als Hauptpunkte 
dieser Anträge werden genannt, daß man mit der 
dänischerseits geforderten Trennung der Herzogthümer 
in administrativer und legislativer Beziehung zu 
frieden sei, dagegen aber wünsche, daß der König 
einen gemeinsamen Statthalter für die beiden Her 
zogtümer ernennen solle. Für den Fall, daß es zu 
einer Verständigung in dieser Weise kommen sollte 
bezeichnet man hier den Erbprinzen Ferdinand als 
zukünftigen Statthalter der Herzogthümer. — In 
wiefern nun hieran etwas Wahres ist oder nicht 
muß sich jedenfalls bald ausweisen; denn dieser ge 
spannte und ungewisse Zustand kann so nicht lange 
fortbestehen, unv daß die hiesige Regierung auch ent 
schlossen i,t, ein Endresultat herbeizuführen, davon 
zeugen die energischen Rüstungen sowohl zu Laude 
wie zur See Gestern haben auch die Fußgarde und 
die Gardehularen die Hauptstadt verlassen 
m 28> Mai. Die gestrige Sitzung des 
Dolköthings war unbedeutend, es ward in zweiter 
Berathung über das Peusionsgesetz verhandelt. Ueber 
die Zulässigkeit der Schölerschen Interpellation wird 
heute entschieden werden. Die „Berl. Ztg." sagt, sie 
habe in ihrer gestrigen Morgennummer mitgetheilt 
baß Fehmarn von schleswig-holstein. Truppen besetzt 
sei, sie bitte aber, dies dahin zu berichtigen, daß man 
sich daran mache, die Insel zu befestigen. Dasselbe 
Ņlatt nimmt eine Berliner Correspondenz der „Nie- 
dersachsischen Ztg." auf, worin gesagt wird, daß Hr. 
v. Below nach Kopenhagen nichts/gar nichts mit 
gebracht habe als einen Brief des Preußischen Königs 
an den dänische». Dieser Brief solle nach dem, was 
ein zuverlas,iger Leser einer Abschrift des Briefes 
mitgetheilt habe, nur von dem ernstlichen Wunsch 
des preußischen Königs nach Frieden und von seiner 
Ehre und Pflicht als deutschen Bundesfürsten 
handeln, und en passant die Bemerkung machen, es 
sti wünschenswerth, daß die Ausgleichung der däni 
schen und preußischen innerlich so verschiedenen An- 
sicht über die zukünftige Stellung der Herzogthümer 
der Zukunft vorbehalten werde, während Preußen 
und Dänemark, ohne ihren Rechten etwas vergeben, 
Frieden schlößen. Obschon, heißt es weiter in dieser 
Cvrrelpondenz, Hr. v. Below also gar keine Basis 
eines Friedens mitgebracht habe, so hätte er doch 
sicher die wichtigsten Friedensvorschläge bringen können, 
welche Hr. v Schleinitz dem Baron Pechlin mündlich 
u lochte des letzten preuß. Umschwungs 
mitgetheilt habe, Vorschläge, die ohne Zweifel nach 
dem, was die zuverlässigsten Correspondcnten melden, 
vom Lord Westmoreland und Hrn. v. Meyendorff 
gebilligt seien. 
Die „Flyvepost" sagt, der Graf Blome von Salzau, 
der von der Statthalterschaft wegen Landesverrätherei 
gerichtlich verfolgt werde,' sei in diesen Tagen nach 
der Hauptstadt gekommen. Eben dieser Umstand, 
baß er in dieser Weise verfolgt werde, meint sie, 
werde unzweifelhaft zu seinen Gunsten sprechen, und 
in Verbindung mit seiner aufrichtigen Reue den Kö 
nig das Versehen vergessen lassen, welches er durch 
Anerkennung der sogenannten provisorischen Regierung 
begangen habe. 0
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.