DemrsĢàà
Wietķ vom 25. Mai. Aus der Abrechnung
mit Rußland ergiebt sich, daß die russische Waffen
hülse sich aas 270,000 Mann mit 93,000 Pferden
in Ungarn und auf 37,000 Mann in Siebenbürgen
belief.
Frankfurt, vom 15. Mai. In der früher
von dem Frankfurter Linienbataillon innegehabten,
jetzt den österreichischen Truppen unserer Garnison
eingeräumten Kaserne, einem ehemaligen Karmiliter-
kloster, macht eine Spukgeschichte gewaltiges Aufse
hen; die Soldaten behaupten, fett einigen Tagen
ziehe nächtlicher Weile eine Spukgestalt, eine weiße
Dame, durch die Räume und necke und belästige sie
in mancherlei Weise. Es ist eine scharfe Ueberwachung
wegen dieses nächtlichen Spuks angeordnet, dieselbe
hat jedoch noch zu keinem Ergebnisse geführt.
Aus Baden, vom 24. Mai. Der „D A. Z."
wird geschrieben, daß vor einigen Tagen einige ba
dische Soldaten in einem Dorfe bei Heidelberg das
Heckerlied gesungen haben. Als der preußische Com
mandant von Schwetzingen dies erfuhr, ließ er in
seiner sittlichen Entrüstung über dies Attentat eine
Abtheilung preußischer Uhlanen ausrücken, die Sol
daten einsangen und Jedem derselben 50 Hiebe auf
zählen, um ihnen eine gute Gesinnung gegen ihren
Großherzog und ihr deutsches Vaterland einzu
bläuen.
München, den 21. Mai. In den nächsten
Tagen wird das zweite Armeecorps gegen den Rhein
ausmarschiren. Man ist gegenwärtig im Kriegsmi
nisterium eifrigst mit dein Entwürfe des Planes be
schäftigt, nach" welchem das Observationscorps am
Rhein und am Main aufgestellt werden soll.
Döbeln, den 22. Mai. Ein furchtbarer Un
glücksfall hat gestern Abend unsere Stadt betroffen.
Gegen 6 Uhr Abends brach nämlich ein erst vor
kurzer Zeit neu aufgeführtes Seitengebäude eines
hiesigen Grundstücks zusammen und verschüttete eine
beträchtliche Anzahl Arbeiter, welche bei dem noch
nicht vollendeten innern Ausbau des Gebäudes noch
beschäftigt waren. Von den Unglücklichen blieben
die Maurergesellen Weise und Reinhardt und der
Kleber Händel auf der Stelle todt, wogegen der
Handarbeiter Kurth schwer, der Maurergeselle Lorenz
leicht verwundet wurden. Händel hinterläßt eine
Wittwe mit 6 unerzogenen Kindern, wovon das
jüngste erst ein halbes Jahr alt, deren einziger Er
nährer und Versorger er war, in den traurigsten
Verhältnissen.
Berlin, den 25. Mai. Man versichert, die
diesseitige Regierung habe kürzlich bei der dänischen
angefragt,, ob diese etwas dagegen hade, daß die
Corvette Amazone und das Transportschiff Mercur
den Sund passtrte». Die Antwort soll gelautet haben:
Die Sundpassage stehe den beiden Fahrzeugen frei,
aber man müsse sich die Fahrt durch die beiden Belte
verbitten.
Berlin, vom 25. Mai. Die Polizei fängt an,
das Attentat für Gewaltmaßregeln auszubeuten —
zunächst gegen die Vereine. Heute Morgen um 4
Uhr ist an circa 40 verschiedenen Stellen durch die
Polizei bei Mitgliedern der Arbeitelverbrüderungen
und verschiedenen Gesellenvereinen eine unerwartete
Haussuchung gehalten worden. Der Polizeicommis-
sarius, welcher das Local des Maschinenbauarbeiter-
vereins durchsuchte, hatte Leu Auftrag, sämmtliche
Schriften und Papiere des Vereins in Beschlag zu
nehmen. Er hat demnach die Bücher des Vereins,
Listen, Statuten, Siegel u. s. w. fortgenommen.
Ein Maschinenbauer ist, nachdem seine Papiere durch
sucht, zum Criminalarrest gebracht worden. Die
Haussuchung bei dem Handwerkervereine und bei
einigen Vorstandsmitgliedern desselben sollen ohne
Erfolg gewesen fein. In dem Lokal des genannten
Vereins nahmen die Beamten ein Protocoll über die
letzte Sitzung des Vereins mit, um, wie sie sagten,
dem Herrn Polizeipräsidenten einen Beweis der Aus
führung des ihnen ertheilten Auftrags vorzulegen.
Heute früh 6 Uhr, so meldet die „Abendpost," fand
bei den sämmtlichen Mitgliedern des Verwaltungs
rathes des hiesigen Gutenbergbuudes Haussuchung
statt; alle aus den Verein bezüglichen, und sonst wich
tig scheinende Papiere wurden mit soctgenommen.
Der Bund beschäftigt sich nur mit gegenseitiger Un
terstützung seiner Mitglieder in Krankheits-, Sterde-
und Jnvaliditätsfällen. Alle die mühevolle Arbeit,
die die Mitglieder des Verwaltungsraths mit der
Organisation gehabt, um dem Elende zu steuern,
wird auf diese Weise von der Polizei belohnt. Der
Redacteur der Zeitschrift „Gutenberg" soll bei dieser
Gelegenheit verhaftet worden sein.
' Der König hat in Folge des glücklichen Aus
gangs, den der Mordversuch des Sefeloge genommen,
der Stadt Berlin ein Geschenk von 2000 Thlrn. ge
macht, zur Vertheilung an die Armen. Letztere hat
bereits heute stattgefunden.
—, vom 28. Mai. Noch kann ich Ihnen mit
theile», daß die preußftche Garde auf 30,000 Mann
gebracht wird. Auch die andern Regimenter werden
vollzählig gemacht. (Fr. Pr.)
■— Das zu erlaffende neue Preßgesetz, sagt die
„A. P." soll die strengste» Bestimmungen enthalten,
daß z. B. ein dreimal wegen Preßvergehens bestraf
tes Blatt ganz unterdrückt werden dürfe, ebenso, daß
dem Drucker eines solchen Blattes im gleichen Falle z
die Concession genommen werden könne, daß ein we
gen Preßvergehens zum Verlust der Nationalcocarde !
Verurtheilter Mann nicht mehr als Redacteur eines
Blattes figuriren dürfe u. s. w.
— Gestern Nachmittag sind Eugen Sue's Ro
mane, und namentlich "die Geheimnisse des Volks"
iu allen Buchhandlungen mit Beschlag belegt worden.
Wir hören, schreibt die „Const. Corresp.", daß
seit einigen Tagen die Thätigkeit in allen Zweigen
der Militärverwaltung noch mehr, als schon bisher
geschehen, in Anspruch genommen wird. Es sollen
Befehle zur Armirung der rheinischen und anderen
Festungen und zur Verstärkung der Festuugs-Artillerie-
Compagnien, sowie wegen Einberufung der Reserve-
Mannschaften der Infanterie mehrerer Armee-Corps
und wegen Beschaffung eines Theiles der Pferde für
die Bespannung der Artillerie, der Munitions-Ko
lonnen und des Trains der betreffenden Truppencorps
ergangen sein. Ausdrücklich müssen wir jedoch be
merken, daß, wie uns versichert wird, diesen 'Rüstun
gen noch keine bestimmte Kriegsgefahr zum Grunde
liegt, vielmehr dieselben nur darauf berechnet sind,
allen Eventualitäten, deren Möglichkeit bei dem Zu
stande des Auslandes und gegenüber den obschweben-
den Tagesfragen nicht ganz fern liegt, kräftig ent
gegen treten zu können.
Es heißt, daß nach dem heutigen Beschluß des
Staatsministeriums die sämmtlichen Arbeitervereine
in Preußen aufgehoben werden sollen.
Stuttgart, den 25. Mai. Nach dem „F. I."
wird der König in den nächsten Tagen zu einem Be
such bei seinem Schwager, dem Kaiser Nicolaus ab
reisen.
Schwerin, den 25. Mai. In Folge der mit
der Krone Preußen bereits am 22. Mai 1849 ab
geschlossenen Militärconvention wurde den 7. d. M.
durch Befehl bekannt gemacht, baß von genanntem
Tage an das Contingent Mecklenburg-Schwerin die
Benennung „Division" anzunehmen habe, und als
selbstständige Division dem 3. k. preuß. Armeecorps
angeschlossen sei. Es ist dies der erste offizielle Act,
der das Bestehen der Convention bestätigt.
Ş ch l e s w i g - H o l st ein.
westliches Holstein, voni 27. Mai. Ein
dänisches Kriegsschiff hat gestern bei Heiligenhafen
einen Lootsen erhalten. Dasselbe geschah in diesem
Frühjahr zweimal bei Fehmarn, vielleicht um den
Cours zu den Verschanzuugen zu studiren. Der Krieg
hat seine Vorzeichen. Die practische Auslegung des
Waffenstillstandes, welche iu Schleswig executirt wird
neben Rüstung und Stellung der Dänen und Nach-
richten über den Abzug der Neutralen, macht es
nicht unmöglich, daß Letztere an der Südgrenze
aus Schleswig gehen, und unsere Armee auch dann
noch aus dem „selbstständigen" Lande zurückhalten,
wenn die Dänen in gemessener Entfernung hinter
drein ziehen. Möge das Schlcswiger Land und
was von Gottes- und Rechtswegen damit zu
sammenhängt, gegen solche Selbständigkeits-Entwick
lung gerüstet sein.
Kiel, den 27. Mai. Nachfolgende Bekannt
machung ist vom General-Commando erlassen:
Um entstandene Mißverständnisse zu heben, inacht
das General-Commando hiermit bekannt, daß deutsche
Offiziere aller Waffen noch immer in die schleswig
holsteinische Armee aufgenommen werden können,
falls sie hinreichende Atteste über ihre bisherigen
Dienstverhältnisse, über ihre Führung und über ihre
Brauchbarkeit beibringen. — Es wird dabei darauf
aufmersam gemacht, daß Generalstabs- und Ingenieur-
Offiziere verhältnißmäßig unter den Vortheilhaftesten
Bedingungen angestellt werben.
Die geehrten Redactionen der deutschen Zeitun
gen -werben um weitere Verbreitung des Obigen er
gebenst gebeten. Hauptquartier Kiel, den 27. Mai
'1850. Das Generalcommando der schlesw.-holst.
Armee.
Altona, den 27. Mai. Der Chef der !. Bri
gade, General-Major Baudiffin, ist gestern hier an
gelangt. nachdem der Brigade-Adjutant, Lieut. Reed,
bereits einige Tage früher eingetroffen war.
Eine vom 20. Mai bativte Berliner Korrespon
denz der „Daily News" theilt Len Text des Ver
trags-Entwurfes mit, Len Preußen in der Con-
ferenz vom 17. April vorgeschlagen und den General
v. Below in Begleitung eines eigenhändigen Schrei
bens des Königs von Preußen nach Kopenhagen ge
bracht hat. Dieser Vertrags-Entwurf lautet, wesent
lich verschieden von der summarischen Angabe des
„Chronicle" über denselben, folgendermaaßen: „Art. 1.
Es soll fortan Frieden, Freundschaft und gutes Ein
vernehmen zwischen Sr. M. dem König von Preu
ßen und Sr. M. dem Könige von Dänemark herr
schen. Die beiden hohen, contrahirenben Theile wer
den die größtmögliche Aufmerksamkeit darauf verwen
den, vollkommene Harmonie zwischen ihren respectiven
Staaten und Unterthanen zu erhalten, und sorgfältig
alles vermeiden, was zu einer Störung des solcher
gestalt hergestellten Friedens und Einverständnisses
führen könnte. Art. 2. Alle Beziehungen, welche
zwischen Deutschland und Dänemark bestanden haben,
sollen von dem Tage der Unterzeichnung des Trac
tates an wieder hergestellt werden. Wenn, der Er
wartung zuwider, Fragen, welche der gegenwärtige
! Tractat nicht erledigt, zwischen den beiden Theilen
j hervortreten sollten, so soll deren Statu« q,uo vor
! dem Kriege als Ausgangspunkt angenommen werden.
Art. 3. Die beiden hohen contrahirenben Theile be
halten sich alle Rechte und Ansprüche vor, welche
ihnen gegenseitig in Bezug auf die Herzogthümer
Holstein und Schleswig zustehen. Was Deutschland
anbetrifft, so umfaßt dieses Alles, was der deutsche
Bund anerkannt hat, und ganz besonders, was durch
dessen Beschlüssen vom 17. September 1848 aner-
kannt worden ist. Art. 4. Se. M. der König von
Preußen verflichtet sich, nach Unterzeichnung des ge
genwärtigen Tractates nicht nur denselben innerhalb
14 Tage zu ratificiren, sondern wird auch seine guten
Dienste bei den Staaten des deutschen Bundes ver
wenden, um deren Beitritt und Ratification mit
möglichst geringem Verzüge zu bewirken. Se. Maj.
der König von Dänemark verpflichtet sich ebenfalls,
den Tractat innerhalb 14 Tagen zu ratificiren. Un
mittelbar daraus sollen die Ratificationen gleichzeitig
ausgewechselt werden." — Was die Mission des Ge
nerals v. Below betrifft, so will der Correspondent
der „Daily News" wissen, derselbe sei instruirt wor
den, sich auf keinerlei andere Vorschläge, als die im
Tractat-Entwurf befindlichen, einzulassen und darauf
hinzuweisen, daß die Vorwürfe selbstsüchtiger Ab
sichten, welche man Preußen so oft gemacht habe,
sich durch diese Vorschläge, die Alles nur auf den
früheren Stand zurückgekehrt wissen wollen, vollstän
dig widerlegen. Alle etwa vorgeschlagenen Aende
rungen des Tractats sollte der General ebenfalls
ablehnen, mit alleiniger Ausnahme der Vorbehalte
iu Art. 3. In dieser Beziehung soll es ihm ge
stattet worden sein, die Einschaltung besonderer
Reservate zuzulassen, selbst wenn dieselben sich auf
die in dem „Offenen Briese" von 1846 ausgeführten
Ansprüche beziehen sollten. Sollte dagegen Däne
mark keine besonderen Vorbehalte wünschen und den
speciellen Vorbehalten zu Gunsten Deutschlands wi
dersprechen, so gestattet ihm seine Instruction, diese
Letzteren gänzlich zu streichen und es bei den allge
meinen Vorbehalten sür beide Theile zu belaffen.
Jeden andern Vorbehalt aber sollte der General ent
schieden zurückweisen, und überdies seinen Aufenthalt
in Kopenhagen nicht über acht Tage ausdehnen.
Schließlich war ihm noch aufgegeben, anzudeuten,
daß Preußen einer Verlängerung des W affen -
stillstandes auf fünf Jahre oder aus eine län
gere Zeit nicht abgeneigt.sei, vorausgesetzt, daß die
Präliminarien vom 10. Juli als für Preußen nicht
langer bindend betrachtet würden. ('S. H.)
— Mau versichert, sagt das Berliner „Corresp.-
Bureau," daß von Kopenhagen aus neue Formuli-
rungen von Friedensvorschlägen eingegangen sind,
welche, dem Vernehmen nach, diesseits als nicht an
nehmbar angesehen werden. Preußen, das sich nach
und nach iu der schleswigscheu Angelegenheit iu eine
höchst undankbare Stellung hat drängen lassen, wird
es jetzt den Bemühungen der übrigen Großmächte
anheimgeben, einen Frieden herbeizuführen. Es wird
jedoch dabei an dem Grundsätze festhalten, daß ein
Friedensabschluß den Rechten nichts vergiebt, welche
die Herzogthümer unbestritten vor dem Kriege hatten.
Auch den eigentlichen Streitfragen soll in nichts prä-
judicirt werden, schlimmsten Falls mögen sie bis zum
wirklichen Thronwechsel unentschieden bleiben.
Kiel, den 27. Mai. Wir entnehmen folgende
Mittheilung einem Briese aus Frankfurt: „In einer
Conferenz, welche der General v. Below mit dem
Kammerherrn Reedtz in Kopenhagen hatte, hat v. Be
low Dänemarks Desimtivansichten zu wiffen ge
wünscht. Herr v. Reedtz hat daraus folgende Puncte
als dänische Forderungen hingestellt, deren Mitthei
lung zeigen mag, welche Schwierigkeiten Preußen
hat, irgendwie friedlich zu vermitteln. 1) Wieder
herstellung der gesetzlichen 'Ordnung in Sübschleswig:
Abdankung der Statthalterschaft und Ersetzung der
selben. 2) Verminderung der holsteinischen Truppen
und vor allem Rücktritt Willisen's. 3) Einwilligung
Preußens in die Besetzung'Friedrichsort durch däni
sche Truppen: 6 Wochen lang preußische Truppen
als Occupationstruppen im Herzogthum. 4) Falls
süddeutsche Truppen den Holsteinern zu Hülse kämen,
sollten Hannover und Preußen denselben mitWaffen-
gewalt entgegentreten. 5) Feststellung der Gränze
der Herzogtbümer, besonders der Lage von Rends
burg. 6) Die Frage über Schleswigs Stellung sei
entschieden und könne mit den Unterhandlungen nichts
zu schaffen haben. 7) Es dürfe in letzteren kein
Artikel mit einem Vorbehalt über Rechte Deutsch
lands auf Schleswig vorkommen. 8) Ueber die Stel
lung Holsteins zur Neugestaltung Deutschlands be
halte man sich die Aeußerung vor. 9) Hauptpunct
sei Feststellung der Erbfolge: Preußen werde wohl
geneigt sein, die darüber zu treffenden Bestimmungen
anzunehmen und anzuerkennen. (Man denkt noch
immer an den Großherzog von Oldenburg.) Diese
neun Forderungen hat Herr Reedtz vorgetragen!!
Wir hören, daß Generat Bülow daraus einfach er
wiedert hat, er tonne sich aus dergleichen gar nicht
einlassen: es handle sich nur um einen Frieden zwi
schen Dänemark und Preußen, dem das übrige Deutsch
land beitreten könne. Kammerherr Reedtz hatte dar
aus entgegnet, Antwort könne er erst in Berlin geben,
wenn er mit dem russischen Gesandten berathen habe.
Kurz daraus fand ein dänisches Minister-Conseil statft