Full text: Newspaper volume (1850)

m 
er 
Jahrgang. 
M 46, 
Sonnabend, den 8. Juni 
1850, 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer. Passende Beiträge können entweder direkte abgeliefert, oder unter der Bezeichnungr „An die Expedition 
des Wochenblatts in Rendsburg," entgcgengcnomen werden. Intelligenz-Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags spätestens Mittags 12 Uhr erbeten. — Der Preis dieses Blattes 
ist für Interessenten, denen es hier am Orte zugebracht wird, vierteljährlich 19 ßl., nnd wenn es von der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen bei den Post- 
änltern machen, ist der Preis vierteljährlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. 
TagesgeschLchte, 
1 —*■♦ t U~f*~ 
Schweiz. 
Dem „F. I." wird auch Zürich vom 28. Mai 
geschrieben: Ich bin in den Stand gesetzt. Ihnen 
eine Nachricht von höchster Wichtigkeit mitzutheilen. 
Wie Sie wissen, geht das Gerücht, daß der Feld 
marschall Radetzky seit einiger Zeit mit der öster 
reichischen Regierung auf gespanntem Fuße lebe. 
Man sagt, daß er von einem Adjutanten des Kaisers 
beleidigt worden sei, und in Folge davon seinen Ab 
schied gefordert habe. Einer uns zu Gesicht gekom 
menen Privatcorrespondenz vom 25. v. M. zufolge 
dürste sich dieses Gerücht wirklich bestätigen, indem 
Radetzky mit einem französischen Gutsbesitzer wegen 
Ankauf einer der schönsten Villen am Zürichersee, in 
der Nähe von Wädenschwyl, in Unterhandlung steht. 
Er gedenkt dort seine Tage zu beschließen. Jener 
Privatcorrespondenz zufolge hat derselbe seine De 
mission bereits erhalten, es wird von Seiten des 
österreichischen Cabinets noch verheimlicht, weil 
man die Aufregung fürchtet, welche dieses Ereigniß 
in der italienischen Armee zur Folge haben wird. 
Rußland und Polen. 
Jenseits der Weichsel, den 30. Mai. Ver 
möge verschiedener Concentrirungen der russischen 
Truppen in Polen fängt das dortige Lieferungswesen 
an, größere Regsamkeit zu entfalten. Polnische Auf 
käufer zeigen sich zahlreich in preußischen Greuzorten 
und kaufen Heu und Vieh in bedeutenden Quanti 
täten auf. Hunderte von Kahnladungen mit Heu 
gingen und gehen den Riemen hinauf, um den Trup 
pen bei Suwalki die nöthige Fourage zuzuführen. 
Die Preise für Roggen und namentlich für Hafer 
sind beträchtlich gestiegen, was auch gleichzeitig eine 
Folge der schwachen Mittelernte v. I. dieser Getreide- 
früchte in Polen ist. — Ob diese Truppenmassen, 
welche etwa auf 150,000 Mann zu veranschlage», in 
Polen verbleiben werden, wenn der Westen Europa's 
sich noch länger ruhig verhalten sollte, darüber schwe 
ben nur dunkle Gerüchte; da man in gewissen Krei 
sen gesonnen zu sein scheint, wenn auch nicht im 
nächsten Westen, so doch im ferneren, in Paris wo 
möglich, einen Umschwung der Dinge, nöthigensalls 
noch mit der Gewalt des Metalls — Gold- und 
Silbermünzen gehören auch hierher — herbeizuführen. 
Das Gelingen dieses Planes kann sich freilich bis in 
den Herbst hineinziehen; dann glaubt man der Trup 
pen zu bedürfen; inzwischen sollen nun dieselben bei 
Suwalki im nördlichen und bei Lowicz im mittleren 
Polen großartige Manöver ausführen. 
Däne tt» «t t* f. 
Kopenhagen, den 1. Juni. Die „Bert. Ztg." 
sagt hinsichtlich'der Mittheilung der „Deutsch. Ref." 
über die Vorschläge Prehns: So viel sie wisse, habe 
man allerdings die Absendlinge endlich zu einem 
schriftlichen Vorschlage vermocht, jedoch, ohne daß sie 
dessen Inhalt näher kenne, dürfe man doch annehmen, 
daß er von der Beschaffenheit sei, daß die Regierung 
nicht darauf eingehen könne, zugleich dürfe man aber 
auch annehmen, baß in dieser Sache gewiß keine 
Meinungsverschiedenheit in dem gesammten Ministe 
rium herrsche. Die Unterhandlungen würden aller 
Wahrscheinlichkeit nach nicht eher beginnen, bis der 
russische Gesandte Meyendorf von Warschau nach 
Berlin zurückgekehrt sein wird. 
Gelegentlich des Stillstandes in den Unterhand 
lungen und eines Wiederausbruches des Krieges sagt 
die „Kjöbenhavnspost": So lange die Besatzungs 
truppen noch in Schleswig stehen, wird natürlicher 
Weise keine Rede vom Ausbruch von Feindseligkeiten 
sein können, da die dänischen Truppen sicherlich nicht 
bestimmt sind, die Preußen aus Schleswig zu trei 
ben; aber was unter den gegenwärtigen Umständen 
täglich erwartet werden kann, ist der Abmarsch der 
Preußen und Schweden. Der gegenwärtige Still 
stand der Unterhandlungen scheint zu einem oder dem 
andern iait accompli als Grundlage künftiger Un 
terhandlungen führen zu sotten. Irgend eine An 
griffsstellung zu Dänemark kann Preußen nicht mehr 
annehmen, nachdem das Erfurter Unionswerk ge 
scheitert und der einzige legitime Erbe der Macht 
des Bundestages, der Eongreß in Frankfurt, Bern 
hard Bülow's Vollmacht anerkannt. Preußen muß 
sich auf eine Jnsolvenzerklärung beschränken, d. h. 
anerkennen, was ohne seine Mitwirkung geschieht. 
Die Intervention in den Herzogthümern ist für Preu 
ßen geworden, was die römische Expedition für Frank 
reich gewesen: Einnahme einer Stellung, die man 
mit Schimpf verlassen muß. 
Kopenhagen, den 4. Juni. „Fädrelandet" 
erklärt, mit Beziehung auf seine neuliche Mittheilung 
über die von Prehn überbrachten Vorschläge der 
Statthalterschaft in Betreff einer administrativen 
und legislativen Trennung der Herzogthümer, daß 
es jetzt in den Stand gesetzt sei, genauere Mitthei 
lung über diese Vorschläge machen zu können. Diese 
Mittheilungen stammten aus Holstein selbst, und 
thäten dar, daß die dänische Regierung Recht gethan 
habe, diese Vorschläge zurückzuweisen. „Der letzte 
Prehn'sche Vorschlag," sagt „Fädr.," „geht nämlich 
nicht einfach aus auf eine administrative und legis 
lative Trennung mit einer symbolischen Vereinigung 
in der Person des Statthalters, sondern er ist so 
formulirt, daß die Meinung deutlich die ist, beide 
Regierungen, die schleswigsche und die holsteinische, 
sollten auf einer Stelle, ja gar in einem Hause ver 
einigt sein, so daß die innigste Gemeinschaft getrieben 
werden könnte, trotz der sogenannten administrativen 
Trennung, ja es würde eine so vollständig gemein 
schaftliche Regierung werden, wie man sie nur wün 
schen könnte, nur eingetheilt in Comtoire mit ver 
schiedenen Aufschriften auf den Thüren. Der Vor 
schlag geht nemlich dahin: ein Statthalter für beide 
Herzogthümer, mit besondern JOepartementschess für 
jedes einzelne Herzogthum. Ferner räumt er wohl 
eine getrennte gesetzgebende Repräsentation für jedes 
Herzogthum ein. aber gewählt nach demselben Wahl 
gesetz; diese Repräsentationen sollten im Verein mit 
dem Statthalter das Recht haben, die schon bestehen 
den Gesetze zu bestätigen oder zu verwerfen, nnd neue 
anzunehmen. Man sieht also, daß der Statthalter 
in der Wirklichkeit die ganze kgl. Gewalt in den 
Herzogthümern ausüben sollte, so daß diese als ein 
unabhängiger, dem Königreich gleichstehender Staat, 
als ein schleswig-holsteinischer Unionsstaat bestehe, 
und die beiden gesetzgebenden Versammlungen, die 
natürlich an dem Sitze der in besondere Departe 
ments getheilten gemeinschaftlichen Regierung zusam 
menkommen sollten, nur zwei Kammern desselben 
Reichstags werden würden. Deshalb hält man fest 
an dem gleichartigen Wahlgesetz, obschon Schleswigs 
sociale Verhältnisse offenbar^ von denen Holsteins 
verschieden sind. Ferner dürfte der König nach dem 
Prehn'schen Vorschlage nicht einmal nach eigener 
freier Wahl den gemeinschaftlichen Statthalter und 
die besondern Departementschefs ernennen, sondern 
er sollte sich über diese Personen mit der Statthalter 
schaft einigen, d. h. er dürfte nur Schleswig-Hol 
steiner ernennen, geheime ober offenbare Anhänger 
des Aufruhrs; ja, damit die dänische Regierung nicht 
die Bedeutung dieser Bedingung mißverstehn möge, 
hat man sich erlaubt, im Voraus zu bezeichnen, wen 
man in der gemeinschaftlichen Regierung nicht haben 
wolle, nämlich: Carl Moltke, Scheel nnd Höpfner, 
wogegen man eingehen würde auf C. Plessen, — 
zur Zeit Departementsches unter der Landesverwal 
tung. (Eine gute Empfehlung für Hrn. Plessen!) 
Endlich kommt dann die letzte Bedingung, die dem 
Werk auch die Krone aufsetzt. Das holsteinische Heer 
sollte wohl auf die Größe des Bundescontingents 
eingeschränkt, aber von beiden Herzogthümern unter 
halten und Schleswig — bis aus Weiteres von 
preußischen Truppen besetzt werden Also Schleswig 
sollte durch Unterhaltung des holsteinischen Contin 
gents an den Bund geknüpft, und das dänische Nord 
schleswig den gewissenhaften und redlichen Händen 
des General Hahn überantwortet werden!" Diese 
seine Mittheilung über die Bedingungen sagt das 
„Fädrel.," habe es aus guter Quelle, daß es für 
ihre Wahrheit völlig einstehn könne, und fragt dann 
jeden dänischen Mann, er möge so friedliebend und 
versöhnlich sein, wie der milde Nationalcharacter der 
Dänen es nur immer möglich mache, ob er ein sol 
ches Resultat annehmen wolle, das Alles aufopfern 
würde, wofür gestritten sei. 
Schweden nnd Norwegen. 
Aus Norwegen berichtet „Aftonbladet," daß 
dort die auf Reclamation der sächsischen Regierung 
erfolgte Auslieferung eines neunzehnjährigen jungen 
Mannes, Namens Carl Schönfeld von'Hohenstein 
bei Chemnitz, große Sensation erregt habe. Derselbe 
war vor ungefähr einem Jahre in Christiania ange 
kommen und hatte Zuflucht bei einem Onkel, einem 
dortigen Strumpfwirker, gesucht. Anfangs reclamirte 
ihn die sächsische Regierung wegen Theilnahme am 
Turnerbunde und an dem im Jahre 1848 in der 
Gegend von Chemnitz stattgehabten Aufstande. Als 
derselben aber erwidert wurde, daß nur criminelle 
Verbrecher ausgeliefert würden, reclamirte sie ihn 
als des Diebstahls mit Einbruch schuldig. Obgleich 
das deshalb angestellte Polizeiverhör ihn als un 
schuldig herausstellte, wurde er dennoch ausgeliefert. 
Da man glaubt, daß die Beschuldigung des Ein 
bruchs bloß ein Vorwand war, nm die Auslieferung 
zu erlangen, so hat das Verhalten der Regierung 
großen Unmuts) erregt. „Aftonbladet" fragt, von 
welcher Beschaffenheit das „Asyl der Freiheit" sei, 
das in Norwegen gefunden werden solle? 
Einen andern Gewaltstreich meldet "Morgenbladet,, 
aus Christiania vom 29. v.M. Am „Morgen dieses 
Tages fand sich die Polizei in der Wohnung des 
dort sich aufhaltenden Harro-Harr ing ein, be 
mächtigte sich seiner Person und brachte ihn an Bord 
des Dampfschiffes Nordkap, wo er bis zu dessen Ab 
gänge im Arrest bleibt. Die Verhaftung geschah in 
Folge eines Regierungsrescripts vom 2 7. v. M., 
welches so lautete: Der Ausländer Harro -Harring 
soll aus dem gleiche gewiesen nnd ihm bedeutet wer 
den, daß wenn er nach seiner Wegführung sich im 
Lande wieder betreffen lassen würde, er aufgegriffen, 
zur Strafe gezogen und nach überstandener Strafe 
wieder fortgeschafft werden wird. 
„Morgenbladet" vom 31. Mai bringt ein an die 
Regierung gerichtetes Memoir des Staatsraths Sö- 
rensen, das die Ausweisung Harro-Harring's recht- 
fertigen soll. Er wird beschuldigt, als Mitarbeiter 
eines Blattes „Folkets Roest" und in einem unter 
seinem Namen herausgekommenen Schauspiel „Testa 
ment aus Amerika" staatsgefährliche Lehren verbreitet, 
die norwegischen Institutionen und das norwegische 
Volk verhöhnt zu haben. Das Memoire sucht dies 
durch zahlreiche Citate aus der angegebenen Schrift 
nachzuweisen. Außerdem wird ihm vorgeworfen, mit 
revolutionairen Elementen in naher Verbindung zu 
stehen, von denen Norwegen frei gehalten werden 
müsse. 
Zur Ausweisung hält sich das Departement durch 
einen Storthingsbeschluß von 1828 berechtigt, Auf
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.