diese Eingabe erfolgte das oben angeführte Rescript
der norwegischen Regierung im Namen des Königs.
„Morgenbladet" sagt, Harring habe nur für die Re
publik gegen die Monarchie geschrieben, das sei aber
keine ungesetzliche Handlung in Norwegen. Man
habe ihn nur ausgewiesen, weil er eine dem Groß
russen mißliebige Person sei, denn die Gerichte wur
den ihn selbst in unsern reactionairen Zeiten, für
seine aufrührerischen Schriften nur in eine Mulct
von 10 Thalern verurtheilt haben. Gleich nachdem
dre Nachricht der Verhaftung Harring's in der Stabt
bekannt geworden war, hielten eine große Anzahl
Bürger Christiania's eine Versammlung, in der ein
energischer Protest abgefaßt wurde, in welchem die
Bürger sich gegen das Verfahren der Regierung als
eine Verletzung der Constitution, namentlich des § 96
derselben, demzufolge Niemand, ohne Urtheil bestraft
werden kann, austprechen. Dieser Protest erhielt
innerhalb anderthalb Stunden 150 Unterschriften und
wurde von der ganzen Versammlung, eine gewählte
Deputation an der Spitze, in die Wohnung des
Staatsraths Krog niedergelegt, da dieser nicht zur
Stelle war. Darauf begab sich die Deputation an
Bord des Nordcap zu Harro-Harring, dem die auf
der Brücke versammelte Menge ein dreifaches Hoch
brachte. Außerdem wurde durch eine Sammlung
eine nicht unbeträchtliche Summe für denselben zu
sammengebracht.
Der amerikanische Consul Hr. Edmund de Conink
legte am selben Tage aus amtlichen Wege einen
Protest gegen eine solche Behandlung eines Mannes
ein, der einen Bürgerbrief als Bürger der Nord
amerikanischen Freistaaten besitzt, und verlangte einen
Paß für ihn nach den Vereinigten Staaten. Die
Regierung nahm aber eben so wenig Rücksicht dar
aus, als aus das Anerbieten einer Caution Seitens
mehrer Bürger, bis Harring seine Angelegenheiten
geordnet haben würde.
DeņtschLaà
Berlin, den l. Juni. Dem Prinzen Friedrich
Carl (Sohn des Prinzen Carl), der seinen Oheim
nach Warschau begleitet hat, hat der Kaiser von
Rußland ein Husaren-Regiment geschenkt.
— Der russische General der Artillerie und Ge
neral-Adjutant des Kaisers Nikolaus, Herr Sucho-
sanet aus Petersburg und der Graf Reventlow-Cri-
minil aus Kopenhagen sind hier eingetroffen, um
Beileids und Gratulationsschreiben ihrer Souveräne
an den König von Preußen zu überreichen.
Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin geschrieben:
„Was die Anwesenheit des übermüthigen Dänen
(im Congreß zu Frankfurt) betrifft, so wird es nicht
gelingen, ihm direct auszuschließen. Die Oesterreichcr
werden ihn mit der Bundesacte schützen, und er
selbst wird die preußischen Argumente gegen uns
kehren und behaupten, er sei in jedem Falle berech
tigt, bei einer freien Concurreuz sich zu betheiügen.
Aber unsere Bevollmächtigten sind instruirt, keine
Notiz von ihm zu nehmen. Es versteht sich von
selbst, baß nichts zugelassen werden darf, worauf er
Einfluß üben könnte. Zu einem Votum wird es
unter keinen Umständen kommen, da die Stimmen-
Vertheilung von den beiden Mächten in verschiedener
Weise beansprucht wirb.
Königsberg, den 31, Mai. Von verschiede
nen Seiten wird uns mitgetheilt, daß der Beseht
zur schleunigen Mobilmachung von 3, nach anderen
Angaben von 4 Batterien hier eingetroffen sei; auch
sollen die Reservisten der Garde-Landwehr eingezogen
werden. ' (Fr. Pr.)
Posen, den 30. Mai. Vorgestern Abends traf
hier der Prinz Adalbert ein, um die hiesige Artillerie
zu inspiciren, er wurde mit den gewöhnlichen mili
tärischen Ehren empfangen, und der gestrige ganze
Tag war der Musterung unserer ganzen Garnison
gewidmet. Der Prinz hat wichtige Nachrichten mit
gebracht, die unter Militär mit Freude erfüllen. Die
10. Division und die dritte Abtheilung des 5. Ar
tillerie-Regiments werden nämlich sofort mobil ge
macht, und sollen — so lautet die vorläufige Be
stimmung — an die österreichische Grenze in Schlesien
rücken. Zugleich deutet man an, daß die ganze Armee
werbe mobil gemacht werden, und nur des bedeuten
den Pferde-Ankaufes wegen die Ordres nach und
nach an die folgenden Corps gelangen würden. Ueber-
einstimmend hiermit lauten die Nachrichten aus dem
Königreiche Polen, daß die russischen Truppen sich
auch in den südlichen Gouvernements, wie früher
von Warschau und Lowecz gemeldet wurde, concen-
trirt haben, und baß man in kürzester Zeit den Be
fehl ertheilt, sofort die deutsche Cocarde von den
Mützen zu nehmen.
Bon der schlesisch-bvhmLfchett Grenze,
den 2. junt. Die Kunde von der Armirunq der
schlesischen Rettungen und der Aufstellung eines Ob-
servaftonscorps an der österreichischen Grenze verfehlt
natürlich nicht, hier einiges Aussehen zu erregen.
Die Aussichten auf einen kriegerischen Conflict lagen
uns hier bisher außerordentlich ffrn. Das vielbe
sprochene böhmische Armeecorps überstieg nach zuver
lässigen Nachrichten nicht 30 bis 40,000 Mann;
längs der ganzen schlesischen Grenze waren nur in
der Gegend um Josephstadt etwas bedeutendere mi-
litairische Kräfte concentrirt, und außerdem berichtet
man von einer stärkeren Besetzung der sächsischen
Grenze. Der nachbarliche Verkehr erfuhr bisher nicht
die geringste Hemmung. Es ist bekannt, wie geneigt
sonst die österreichische Regierung bei der geringsten
Differenz zu beschränkenden Maßregeln in dieser Be
ziehung ist. Aber in der letzte»'Zeit waren alle
Chicanen aufgehoben, denen noch im vorigen Som
mer die Reisenden ausgesetzt waren; man befolgte
die mildeste Praxis und forderte kaum irgend eine
Legitimation. So war bisher Jedermann überzeugt,
daß trotz aller Scheingefechte der ministeriellen Or
gane das herzliche Einverständniß der Cabinctte durch
aus^ nicht ernstlich bedroht sei. Diese Ueberzeugung
ist übrigens auch jetzt nicht erschüttert, und man legt
den neuen militairische» Demonstrationen kein größeres
Gewicht als denen der Presse bei. Es ist ein eigen
thümliches System, daß innerhalb des ganzen Ge
bietes, auf welches zunächst der Schauplatz'des Krieges
verlegt werden würde, kaum einige unklare und
schwache Gemüther sich oberflächlich alarmiren lassen.
Sonst urtheilt überall ein gewisser, nicht irrezufüh
render Volksinstinkt, daß Alles nur leeres Geräusch
ist. Die Differenzpunkte zwischen der preußischen
und österreichischen Regierung verhalten sich höchstens
wie die zwischen der protestantischen und katholischen
Orthodoxie, wie die zwischen den Herren Hengstenberg
und Goerres. Man erneuert von Zeit zu Zeit noch
einmal den alten Zank; aber tiefere Gegensätze be
wegen die heutige Welt, und nur diese geben noch
den Impuls zu großen historischen Kämpfen auf Tod
und Leben.
Bei Gelegenheit der Oieife des Prinzen v. Preu
ßen nach Warschau wird der „Köln. Ztg." geschrieben:
„Daß der Prinz sich auf das Sorgsamste mit
der dänischen Frage beschäftigt und mit allen Sta
dien ihrer Entwickelung bekannt gemacht hat, ist keine
bloß lithographirte Nachricht. Nach Warschau kam
er 48 Stunden später als Schwarzenberg. Die preu
ßenfeindliche Diplomatie ist, neben der Verfolgung
des in der Londoner Conferenz besprochenen Projek
tes, die Erbfolge in Dänemark auf Oldenburg zu
übertragen, nun etwas bestimmter mit dem Grunde
zn diesem Plane hervorgetreten. Sie arbeitet an
der Gründung einer norddeutschen Liga. Man sucht
Oldenburg im Interesse des dänischen Gefammt-
staates zu fesseln und Meklenburg für einen engern
Anschluß an Holstein unter dem Protectorate Hanno
vers zu gewinnen. Wie fern auch die Verwirklichung
dieser Absicht noch liegen mag, sie erfreut sich der
beifälligen Beistimmung Englands, dessen Handels
interessen eine Ausdehnung des Zollvereins bis zur
Nordsee nicht förderlich sein würde. Wir hoffen, daß
Graf Bülow in Schwerin sich zu diesem Verrathe
gegen sein engeres Vaterland nicht wird gebrauchen
lassen. (Wenn nur Hr. v. d. Heydt nicht solchen
Plänen so kräftig in die Hände arbeitete!)
2chieswig - Ho lstein.
Die „Neue Pr. Ztg." schreibt aus Berlin Fol
gendes:
In Bezug aus die schwebenden Friedensunter- -
Handlungen mit Dänemark hören wir. daß dieselben
einen baldigen endlichen Abschluß nicht unmöglich er
scheinen lassen, und zwar auf einfachen Frieden hin
mit Vorbehalt aller Rechte. Preußen soll geneigt
sein, in einige Modificationen der Präliminarien zu
willigen, die jedoch deren Grundlage nicht wesentlich
berühren.
Der „Bresl. Ztg." wird aus Berlin, vom 30.
Mai geschrieben: „Nachrichten, welche hierselbst über
die Intentionen des Generals v. Willissen aus Schles
wig-Holstein eingetroffen sind, lauten überaus kriege
risch. So äußerte der General unter Anderem an
gewichtiger Stelle: „Ich werde die Ehre und die
Rechte der Herzogthümer mit der mir anvertrauten
braven Armee bis auf den letzten Blutstropfen ver
theidigen, gleichviel ob dieselbe von den Dänen allein,
oder tn Gemeinsamkeit mit den Russen, Engländern
oder selbst Preußen angegriffen werde. Auch habe
ich nicht nöthig, mich dazu auf die Demokraten oder
fremde Elemente zu stützen, denn ich habe die treff
lichsten Officiere zurückgewiesen, blos weil sie Ungarn
waren; meine Armee reicht mir dazu vollständig hin.
Nach einer Correspondcnz der „B.-H." aus Kiel
hätte sich die dänische Regierung aus Antrieb Ruß
lands endlich entschließen müssen, auf Verhandlungen
einzugehen, und hätten die von ihr deputirten Herren
Madvig und Sponneck schon Conserenzen mit Prehn
und Heinzelmann gehabt, doch sei die Wahrschein
lichkeit eines Resultats dadurch um nichts größer.
Kiel, den 3. Juni. Es sind gegenwärtig, wie
Ihnen vielleicht schon auf osficiellem Wege bekannt
ist, die Neuwahlen für die Ländesversammlung aus
geschrieben und sie sollen, so viel irgend möglich, be
schleunigt werden. Die außerordentliche Wichtigkeit
dieser Wahlen ist nicht zu verkennen, denn diese neue
Versammlung wird ohne Zweisel über das Schicksal
des Landes zu bestimmen haben. Ob zuvor die
constituirende Versammlung noch einmal zusammen
kommen wird, darüber wird das nächstens zusammen
tretende Bureau dieser Versammlung zu entscheiden
haben. Da ein wesentlicher Theil der Staatsaus- j
gaben nur bis zum 1. Juli bewilligt ist und die i
neue Landesversammlung auch bei der allergrößten
Beschleunigung nicht bis zu diesem Tage vollständig ļ
erwählt und einberufen sein kann, so wird wohl die
nochmalige Einberufung der constituirenden Versamm
lung für nöthig erachtet werden.
Sie werden, von dem mehrfach auch in sonst
wohlunterrichtete Blätter übergegangenen Gerüchte
Kenntniß genommen haben, nach welchem die Statt-
halterichaft dem dänischen Cabinet den Vorschlag
gemacht haben soll, Schleswig und Holstein hinsicht
lich der Gesetzgebung und Verwaltuna zu trennen,
jedoch dieselben Einer Statthalterschaft "zu unterlegen.
Die Abgeschmacktheit dieses Gerüchtes leuchtet ein,
findet demungeachtet aber hin und wieder Glauben,
weshalb es nicht überflüssig sein möchte, demselben
als einem von aller Glaubwürdigkeit entblößten aus
drücklich zu widersprechen, was ich hiermit ge
than haben will. In wessen Jutereffe dieses Gerücht
ausgesprengt wird, ist freilich nicht klar. Daß ein
bloßer Irrthum, etwa eine Verwechselung mit einem
ähnlichen russischen Project, zum Grunde liege, ist
kaum glaublich. Uebrigens scheint auch die, wenn
wir nicht irren, schon seit mehreren Tagen beschlossene
Neuwahl von Abgeordneten, die sich ja auch auf das
Herzogthum Schleswig erstrecken wird, es deutlich
genug barzuthun, wie weit die Statthalterschaft da
von entfernt ist, Schleswig von Holstein abtrennen
zu lassen.
Ueber die Rückkehr unserer Vertrauensmänner in
Kopenhagen haben wir nichts erfahren; aus mancherlei
Umständen, namentlich aber aus der Wahlausschrei
bung, läßt sich mit Sicherheit schließen, daß ihres
Bleibens in der dänischen Hauptstadt nicht lange
mehr sein wird. (Fr. Pr.)
Kiel, den 4. Juni. Diesen Morgen ging der
Löwe zum Recognosciren aus dem Hasen. Etwa 1
Meile außerhalb lagen 2 dänische Fregatten vor An
ker, in deren Nähe 2 Dampfschiffe. In weiter Ferne
1 Linienschiff. Gegen 8 Uhr zeigte sich ein größe
res Dampfschiff, dem Anscheine nach,Holger Danske"
aus dem Eckernförder Hasen kommend, und sich nä
hernd schien es mehr Kraft anzuwenden, um den
Löwen einzuholen. Der Löwe retournirte gegen
10 Uhr.
Kiel, den 5. Juni. Am 6. d. M. wird hier,
wie ich höre, das Bureau der Landesversammlung
zusammentreten, um sich über den Zeitpunkt einer
etwanigen Zusammenberusung der Landesversammlung
zu berathen. Obwohl Vorbereitungen zu den Wahlen
für die ordentliche Landesversammlung nach Maß
gabe des Gesetzes vom 20. October 1848 bereits ge
troffen werden, so dürfte es doch noch sehr zweifel
haft sein, ob die Berufung einer solchen vor Ablauf
des Juni bis zu dessen Ende die Ausgaben für das
Kriegswesen bewilligt sind, möglich sein wird. Jeden
falls wird die Statthalterschaft wünschen, eine Vor
lage wegen neuer Steuern der jetzigen Versammlung
nicht mehr zu machen, sondern 'damit zu warten,
bis auf dem neuen Landtage der Besitz eine stärkere
Repräsentation findet. ' ' (H. N.)
— Bei Gelegenheit der Berathung des Jnvali-
dengesetzes im dänischen Bolksthing machte der Abg.
Hoffmeyer folgende Zusammenstellung: Im Gefecht
bei Gudsö wurde dänischerseits verwundet jeder 69ste
Soldat, jeder 45ste llnterofficftr und jeder 26ste
Ofsicier. Im Gefecht im Sundewitt am 13ten
April 1849 war das Verhältniß, resp. der 40ste,
38ste und lite. In der blutigen Schlacht bei Frie-
dericia, „wo die Gemeinen wie Officiere gefochten
hätten", wurde jeder I2te Mann, von den Unterof-
sicieren, die ihnen nicht nachgegeben, jeder 9te, von
den Officieren jeder 6te verwundet.
Schleswig, den 2. Juni. Die Landesver
sammlung hat unterm 28. Mai eine Bekanntmachung
betreffend den Nachlaß von 50 pCt. in der durch die
Verordnung vom 9. Juli 1813 consolidirten Grund-
und Benutznngsstcuer für das Jahr 1850, wie solche
nach Maßgabe der Bestimmungen des Patents vom
24. April 1817 erhoben wird, versenden lassen.
Dabei haben Diejenigen, heißt es, welche der Cen-
tralcasse für das Herzogthum Schleswig mit Rück
ständen an Steuern und Gefällen verhaftet sind, die
Hälfte der solchergestalt um 50 pCt. ermäßigten Grund-
und Benutzungssteuer während des gegenwärtigen
Jahres, als einen ihren aus die Rückstände zu Gute
zu berechnenden Abtrag, an die Centralcasse oder
beikommende Hebungsstube zu entrichten, und bleibt
es übrigens dem zweiten Departement unter der
Landesverwaltung für das Herzogthum Schleswig
vorbehalten, zum Abtrag der sonstigen Rückstände
den Umständen nach billige Termine zn bestimmen.
(H. C.)
GckernföL'de, den 5. Juni. Durch das fort
währende Lungern der Dänen vor der Eckernförder
Bucht hat sich der General v. Hahn veranlaßt ge
sehen, gestern die Garnison in Eckernförde zu m-
spiciren, und auch weitere Befehle zu geben, deren
Detail uns natürlich hier nicht beschäftigen kann.—
Noch eine Mittheilung. Wir vernehmen aus glaub
würdiger Quelle, daß dem General v. Hahn für
den Fall, daß der Staat Dänemark in Sachen des
Herzogthums Schleswig einseitig vorzugehen die Lust
haben sollte, die preußijche Garnison Hamburgs zur
Disposition gestellt ist. (W. N.)
Friedrichsftndt, den 4. Juni. Gestern wurde
in der hiesigen lutherischen Kirche von dem preußi
schen Feldprediger ein Dankgottesdienst für die Er
rettung des Königs abgehalten, welchem die hier m