Berlin Die Differenzen, in welche die preu
ßische Regierung sowohl mit der bayerischen wie mit-
der badenschen wegen der Kriegsentschädigungsgelder
für die im vorigen Jahre geleistete militairische Hülse
gerathen ist, haben wiederholt die Presse beschäftigt.
Die beiden erwähnten Regierungen verharren auch
bis jetzt noch bei der Behauptung, daß es sich bei
dem vorjährigen Aufstande um eine allgemeine fcnit*
sche Angelegenheit gehandelt habe, wobei der Schau
platz des Aufstandes etwas Zufälliges gewesen sei;
deshalb aber hätten auch alle deutschen Regierungen
gemeinsam pro rata die Kosten zu tragen nach Ver
hältniß ihrer sonstigen Matrikular-Beiträge. Gegen
wärtig soll sich nun jedoch, wie wir vernehmt», die
badensche Regierung bereit erklärt haben, von den
2,000,000 fl., welche Preußen verlangt, 500,000 fl.
zu zahlen, indem so viel die direct im badischen
Interesse von Preußen gemachten baaren Auslagen
betragen; nur in Betreff des Restes wird noch die
eben erwähnte Forderung aufrecht erhalten. Wahr
scheinlich dürste schließlich auch wohl diese ganze An
gelegenheit in Frankfurt zur Entscheidung kommen,
falls nicht, wie bis jetzt noch immer nicht unwahr
scheinlich, die dortigen Verhandlungen bald nach ihrem
Beginne wieder mit einem entschiedenen Bruche
schließen.
— Zwischen der englischen und preußischen Re
gierung werden nach dem „C. B." Verhandlungen in
Betreff der Behandlung politischer Flüchtlinge ge
pflogen.
— Das „Justiz-Militair-Blatt" enthält folgende
allgemeine Verfügung vom 3. Juni: Da das kgl.
Staatsministerium seinen Beschluß vom 18. Januar
v. I., wodurch sämmtliche Civilbeamte, welche im
Dienste Uniform tragen müssen, zur Anlegung der
deutschen National-Kokarde neben der preu
ßischen, so befugt wie verpflichtet erklärt worden,
durch Beschluß vom 18, Mai d. I. außer Kraft ge
setzt hat, so wird der diesseitige Erlaß vom 31. Jan,
v. I. hiemit aufgehoben, wovon sämmtliche Justiz
beamte hierdurch in Kenntniß gesetzt werden. --- Eine
eben solche Verfügung hat der Handelsminister an
die Oberpostdirectionen erlassen.
Der Ausmarsch der badischen Truppen nach Preu
ßen ist jetzt definitiv auf den 16. und 22. Juni fest
gesetzt. Ein Theil kommt nach Deutz und der andere
nach Wittenberg.
Hwmbnrq, den 4. Juni. Die starken Pulver-
transporte, welche seit einiger Zeit hier anlangen,
erregen Befremden; man hält dafür, sie seien für
die hier stehenden preußischen Truppen bestimmt, im
Fall dieselben zur Verstärkung des in Schleswig
stehenden Corps nachrücken müßten.
Schleswig - Ho lstein.
Die „Augsb. Allgem. Ztg." theilt angeblich aus
Berlin eine Denkschrift der schlesw.-holst. Statthal
terschaft mit, die in diplomatischen Kreisen verbreitet
werde. Nach einer kurzen nichts Neues bringenden
Resumirung der Ursachen und des Verlaufs des
Streits mit Dänemark heißt es dann am Schluß
folgendermaßen: „Der Hauptgrund, weshalb man
von dänischer Seite die bisherige Verbindung der
Herzogthümer im Jahr 1848 nicht länger zugestehen
zu dürfen in officiellen Actenstücken behauptete, lag
in dem Streben der deutschen Nation nach einer
größeren Einigung, nach einer bewußteren politischen
Concentrirung. Gegenwärtig möchte dieser Grund
jedenfalls nicht mehr dieselbe Kraft besitzen wie im
Jahre 1848, Eine deutsche Reichsverfassung, deren
Abschluß man sich damals als nahe bevorstehend
dachte, ist bisher nicht zu Stande gekommen. Wel
chen Ausgang die verschiedenen, unterdessen hervor
getretenen Bestrebungen hinsichtlich der politischen Neu
gestaltung Deutschlands haben werben, läßt sich noch
nicht übersehen. Jedenfalls steht Holstein bis jetzt
außerhalb aller dieser Verfassungsprojecte, und es
scheint die innere organische Neugestaltung des ge
summten Deutschlands nicht so fest werben zu sollen,
daß Dänemark zu befürchten hätte, Schleswig werde
durch Aufrechthaltung der Verbindung mit Holstein
zu weit in das politische Leben Deutschlands hin
übergezogen werden. Von Seite der Herzogthümer
wird aber auf die Aufnahme Schleswigs in Deutsch
land nicht mehr bestanden, sobald man in Dänemark
darauf verzichtet, die Trennung der Herzogthümer
erzwingen zu wollen. Wenn man somit von beiden
Seiten dasjenige aufgiebt. was man, über das be
stehende Recht hinausgehend, erstrebt hat, so liegt
der Gedanke nahe, daß man auf den Zustand vor
dem März 1848 zurückkommen möchte, iw soweit
dies bei den inzwischen im Königreich Dänemark
eingetretenen Veränderungen, so wie bei dem histori
schen Recht der Herzogthümer aus gemeinsame Ver
waltung, Gesetzgebung und Verfassung und dem für
Regierung und Volk gleich unabweisbaren Bedürfniß
constitutioneller Staatsfonnen, überhaupt noch mög
lich ist. Die vollständige Wiederherstellung des status
quo ante ist schon dadurch unmöglich geworden, daß
Dänemark während der Dauer des Krieges aufgehört
hat, ein absolut regierter^ Staat zu sein, und durch
das Grundgesetz vom 5, Juni 1849 ein constitutio
neller Staat geworden ist. Denn darnach kann die,
auch früher dem Rechte nicht entsprechende, aber
Mter einer sactisch absoluten Regierung ausführbare
Vermischung verschiedener Verwaltungszweige für das
Königreich und die Herzogthümer wie sie" vor dem
März 1848 bestand, nicht wieder eingeführt werden.
Seitdem die Regierung des Königreichs nach dem
dänischen Grundgesetz Ministern übertragen ist, welche
dem dänischen Reichstag verantwortlich sind, würden
die Herzogthümer durch jede Art von politischer Ver
bindung mit den constitutionellen Staatsgewalten
Dänemarks in eine völlige Abhängigkeit vom König
reich herabsinken. Mit gleicher Nothwendigkeit er-
giebt sich eine andere Abweichung von dem statu«
quo ante. Wenn die Herzogthümer das bis zum
März 1848 von der dänischen Regierung selbst an
erkannte Recht auf gemeinschaftliche Gesetzgebung und
Verwaltung haben, so mußten sie durch die Ent
wicklung zum constitutionellen System mit Nothwen
digkeit auch eine gemeinsame Landesvertretung er
halten. Denn es können wohl verschiedene Provinzial
ständeversammlungen mit berathender Stimme neben
einander bestehen; aber getrennte Landesvertretungen
mit entscheidender Stimme sind mit einer gemein
samen Gesetzgebung und Verwaltung unverträglich,
wie denn Jahrhunderte hindurch während der frühern,
rechtlich niemals aufgehobenen, landständischen Ver
fassung ein gemeinschaftlicher schleswig-holsteiner Land
tag bestanden hat. Der Uebergang von den ge
trennten schleswigschen und holsteinischen Provinziäl-
ständeversammlungen zu einer gemeinschaftlichen schles
wig-holsteinischen Landesversammlung ist deshalb eine,
aus dem Uebergang von dem absoluten zu dem con
stitutionellen System mit Nothwendigkeit sich erge
bende Fortentwickelung eines innern Rechtszustandes.
Zur Unterstützung der vorstehend entwickelten An
sichten darf namentlich darauf hingewiesen werden,
daß Lord Palmerston bereits, in einer Note an Hrn.
Bunsen, vom 24. Juni 1848, ein gleiches Friedens-
project aufstellte; sein Vorschlag ging dahin, daß das
ganze Herzogthum Schleswig mitgetheilt und durch
Verfassung, Stände und Verwaltung mit denr Her
zogthum Holstein verbunden bleibe, jedoch nicht in
das deutsche gleich ausgenommen werde, ohne übri
gens. in irgend einer constitutionellen Verbindung
mit Dänemark zu stehen. Dieser Vorschlag scheiterte
an dem Widerspruch Dänemarks, welches bei der da
maligen Weltlage, und weil das Streben der deut
schen Nation nach politischer Einigung damals noch
mit großer Kraft hervortrat, nicht als Friedensbasis
eine Stellung Schleswigs zugeben wollte, welche
dieses Herzogthum wesentlich zu Deutschland hin
überziehen zu müssen schien. Nachdem bei der Wen
dung, welche die deutschen Verhältnisse genommen
haben, diese Besorgniß Dänemarks nicht mehr als
gerechtfertigt erscheinen kann, wird auf jenen Vorschlag,
als auf den, den natürlichen Verhältnissen am meisten
entsprechenden, zurückzugehen sein. Es liegt in der
Natur der Sache, daß von denjenigen, welche mit
dem nächsten Interesse für die Sache die genaueste
Kunde der Verhältnisse verbinden, am ersten ein ge
deihliches Resultat der Verhandlungen zu erwarten
steht. Aus diesem Grunde haben gegenwärtig Ab
gesandte aus den Herzogthümern nach Kopenhagen
sich begeben, um durch unmittelbare Verhandlungen
eine Verständigung der Herzogthümer mit ihrem
Landesherrn herbeizuführen. Es würde für eine
dauernde Beilegung des entstandenen Streites förder
lich sein, .wenn der von den Herzogthümern in dem
oben bezeichneten Sinn angebahnte Versuch einer
Aussöhnung kräftige Unterstützung von Seiten der
Mächte fände, welche sich für die Erhaltung der
Ruhe und des Friedens interessiren. Kiel, den
20. April 1850."
Die „N. Fr. Pr." enthält folgende, auf die Rück
kehr der schleswig-holsteinischen Vertrauensmänner be
züglichen, Berichte aus Kiel und Altona:
Kiel, vom 6. Juni. In Kopenhagen scheinen
die Unterhandlungen zwischen den schleswrg-holstei-
nischen Gesandten und der dänischen Regierung nicht
so geheim gehalten zu werden wie hier. Mit ziem
licher Gewißheit darf ich behaupten, was jetzt keine
. Indirection mehr ist, daß die Angabe Fädrelandets
vom 3. d. M. über den letzten von Prehn gegebe
nen Vorschlag dem Wesentlichen nach richtig ist, und
wenn die dänische Regierung denselben wirklich ver
worfen hat, so ist uns damit nur ein Gefallen ge
schehen. Beunruhigend aber ist es, daß trotz der
Verwerfung dennoch weiter unterhandelt wird, denn
es ist nicht einzusehen, wie Schleswig-Holstein sich
noch schlechtere, seine unzweifelhaften Rechte noch mehr
verletzende Bedingungen gefallen lassen müssen und
wollen, eine baldige Rückkehr der Deputirten wird
daher mehr denn je gewünscht, wenn auch kaum er
wartet. — Die neue Eintheilung der Armee möchte
mit Nächstem vollzogen werden.
—, den 7. Juni. Das Neueste, was ich Ihnen
heute mittheilen kann, ist. daß das Bureau der Lan
desversammlung in einer gestern Abend abgehaltenen
Berathung beschlossen bat, die Versammlung gegen
wärtig nicht zusammenzuberufen, und ferner, daß
nach völlig zuverlässigen Nachrichten ausşopenhagcn
die Vertrauensmänner in den nächsten Tagen zurück
kehren werden. Wir freuen uns, daß diese unglück
seligen Verhandlungen, von welchen wir niemals irgend
ein erfreuliches Resultat haben erwarten können, end
lich abgebrochen sind. Wem die letzten das Land
compromittirenden und dennoch von Dänemark mit
Hohn zurückgewiesenen Vorschläge zur Last fallen,
ist noch unermittelt und scheint absichtlich in Dunkel
gehüllt zu werden, daß sie aber wirklich von dieser
Seite gemacht sind, kann ja leider nach den positiven
und ausführlichen Mittheilungen in den dänischen
Zeitungen kaum mehr bezweifelt werden. Die fatale
Mission hat dem Lande indirect große Summen ge
kostet und statt zu nützen nur geschadet, wie eine
starke Minorität der Landesversammlung von Anfang
an der Ansicht war. Aber das „Vertrauen" der Leiter
des schleswig-holsteinischen Staats in die Diplomatie
ist unerschöpflich! Gegenwärtig stehen nun die Sachen
fo, daß die. Friedensverhandlungen in Berlin ruhen,
in London nicht angeknüpft und in Kopenhagen ohne
Zweifel in diesem Augenblicke schon abgebrochen sind.
Aber wie lange wird es währen, bis die Diplomaten
aller Nationen wieder unsere Sache durchwühlen und
die absurdesten Versuche gemacht werden zu pacifici-
ren — oder auch den Frieden zu verhindern, damit
Deutschland hier eine offene Wunde behalte? Viel
leicht das einzige Heilmittel besteht in einem kühnen
Entschluß. (Fr. Pr.)
Altona, den 8. Juni. Unsere gestrige Mit
theilung über den Abbruch der Unterhandlungen in
Kopenhagen und die demnächst zu erwartende Rück
kehr der Vertrauensmänner wird auch heute durch
Nachrichten aus Kiel bestätigt. Nach einer der „B. H."
aus Altona zugegangenen Notiz, deren Bestätigung
indeß, wie die „B. H.," bemerkt, noch zn erwarten
steht, wären die Vertrauensmänner bereits von Ko
penhagen abgereist. (Fr. Pr.)
Eine Kieler Korrespondenz der „Deutschen Res."
theilt die Modifikationen mit, unter denen die däni
sche Regierung auf die letzten Vorschläge der Ver
trauensmänner (wie sie „Fädrel." mittheilt) habe ein
gehen wollen. Dänemark will zwei Statthalter, einen
für Holstein und einen für Schleswig ernannt wissen,
und so zwei völlig getrennte Staaten haben, beson
ders da von Seiten der Statthalterschaft die Tren
nung der Gesetzgebung und Administration bereits
zugestanden; ferner soll das Heer nur auf die für
Holstein bundesmäßig zu bringende Höhe der Truppen
reducirt und von diesem auch allein unterhalten wer
den, während Schleswig durch Dänen oder Schwe
den besetzt gehalten werden soll.
— Wenn übrigens der Correspondent der „D. R."
bemerkt, die Unterhandlungen würden noch fortgesetzt
und man gebe die Hoffnung »och nicht auf, daß ein
Resultat erzielt werde, so ist er augenscheinlich we
niger gut unterrichtet, als der Corresp. der „Const.
Ztg.," der gleichfalls die bereits gestern auch vo>i uns
mitgetheilte Nachricht bringt, daß die Verhandlungen,
in Kopenhagen von dänischer Seite abgebrochen und
die Vertrauensmänner demnächst zurückerwartet wür
den. (Fr. Pr.)-
Aus Berlin schreibt die „Voss. Ztg.": Der
plötzlichen hiesigen Ankunft des präsumtiven Thron
folgers in Dänemark, Prinzen Friedrich von Hessen,
aus Kopenhagen, legt man eine wichtige und für die
definitive Abwickelung der dänischen Angelegenheit
günstige Bedeutung bei. In seiner Begleitung be
findet sich sein Adjutant, der dänische Kammerjunker
v. Lindholm.
Ans Kiel wird den H. N. wie es scheint von
gut unterrichteter Hand Folgendes über v. Harbou's
Austritt aus dem Ministerium geschrieben: Die Köl
nische Zeitung läßt sich von hier über den Rücktritt
des Herrn v. Harbou in einer Weise sch? eiben, welche
die Vermuthung erweckt, als ob die Frage nach dem.
Verhältniß der Herzogthümer zu Deutschland das
Motiv desselben abgegeben hätte. Sie scheint anzu
deuten, daß Herr v. Harbou die Einheit und Selbst
ständigkeit Schleswig - Holsteins auf Kosten ihrer
Verbindung mit Deutschland habe retten wollen und
in diesem Bestreben innerhalb des Staatsraths Wi
derstand gesunden habe. Ich glaube versichern, zu
können, daß diese Meinung auch nicht den geringsten
Grund hat. Unser Verhältniß zu Deutschland ist
augenblicklich dasjenige, welches der Regierung wie
dem Volke am fernsten liegt und nur noch eine ideale
der Zukunft angehörige Bedeutung hat. Man ist
hier "nicht unpractisch genug, um, nachdem Deutsch
land sich unserem Kampfe entfremdet hat, nachdem
mit Rücksicht auf unsern allergnädigsten Landesherren
Holstein von jeder practischen Theilnahme an dem
deutschen Vcrfaffungswerk ausgeschlossen ist, jener im
Anfang unserer Bewegung allerdings den Vorder
grund bildenden Seite eine solche Bedeutung einzu
räumen, daß sic eine Ministerkrisis veranlassen könnte.
Wo der Grund für dieselbe wirklich zu suchen ist,
darüber herrscht noch immer eine völlige Ungewiß
heit, wenn man auch im Stande ist, vielleicht der
Wahrheit nahe kommende Vermuthungen aufzustellen.
Herr von Harbou war, soviel ich weiß, der entschie
denste Gegner jedes Handelns, daß den Großmächten
Anlaß geben konnte, uns als Störer der öffentlichen
Ruhe Europa's zu behandeln, er wollte vor Allem
nicht den Krieg aus eigene Hand. Um deswillen
mag er es nöthig erachtet haben, für die Versöhnung
mit Dänemark. Concessionen zu machen, die sich mit-
den Rechten des Landes nicht vertrugen und daher
die Zustimmung seiner College» nicht fanden. Wenn
Sie die offenbar osficiösen Mittheilungen letzter Zeit
über die Instructionen der Vertrauensmänner genau
ansehen, so könnte selbst darin, den Aeußerungen Fa-
î drelandets gegenüber, der Beleg für sine , derartige