Differenz gefunden werden. Jedenfalls wird, wenn
überall von einer prinziellen Verschiedenheit der An
sichten innerhalb des Staatsraths die Rede fein kann,
Nest nur hierin gefunden werden können. Die nächste
Zukunft wird zeigen, ob die Politik der Statthalter
schaft noch in der Weise wie bisher, die fremden
Dünsche als maßgebend behandelt oder ob man jetzt
geneigter sein wird, sich auf sich selber zu stellen.
Im letzten Falle würde Niemand über den Grund,
der Herrn v. Harbou zum Rücktritt bewogen, zwei-
fflhaft sein können.
Das „Journal des Debats". läßt sich angeblich
uns Kopenhagen, vom 25. Mai, schreiben, es fei
nicht wahr, daß irgend ein deutscher Gesandter in
Frankfurt gegen die Zulassung des Herrn v. Bülow
Einspruch erhoben habe. Wir dürfen aus guter
Duelle versichern, daß allerdings die Gesandten von
Vatern und Sachsen, General Plandcr und Baron
b. Nostiz, Bedenken erhoben haben, daß aber Herr
b. Bülow zugelassen ist und zwar, wie es im Proto-
coll jener Bersammlung vom lO. Mai heißt, unter
Vorbehalt der Anerkennung seiner Vollnracht. Die
Unwahrheit der Nachrichten dieses französischen Blattes
erhellt auch daraus, daß es Se. Durchlaucht den
Prinzen Friedrich von Noer, den cs als Hauptur
heber des Aufstandes bezeichnet, in Australien ange
langt sein läßt, wo er sich niederlassen wolle, indeß
Prinz Friedrich sich grade an dem Tage, wie wir
Missen, in Berlin befunden hat. (K. C.) -
Die „W.-Z." läßt sich aus Altona vom 6. Juni
schreiben: In Nordschleswig herrscht seit einigen
Tagen unter den Dänischgesinnten Zorn und Be
stürzung. Die Nachricht, daß das dänische Ministe
rium zwei seiner Mitglieder, Madvig (den Kultns-
Und Unterrichtsminister) und Spönne« (den Finanz-
Minister) beauftragt hat, mit den drei schlesw.-holst.
Abgesandten in Kopenhagen zu unterhandeln, so wie
die Angaben „Fädrelandets" (vom 3.) über die von
Hrn. Prehn neuerdings vorgelegten Vorschläge haben
sich nämlich vollkommen bestätigt. Zweierlei steht
damit fest: 1) die dänische Regierung unterhandelt
und zwar in Kopenhagen direct mit den Rebellen
und für beide Herzogthümer und 2) cs existirt eine
Friedcnspartei in Kopenhagen selbst, an deren Spitze
der Exminister Tscherning steht und zu der namentlich
die „Bauernfreunde" gehören. Diese letztere Ent
hüllung brachte am 4.'zuerst „Flyveposten" mit obli
gaten Schimpfreden auf Tscherning und Balthazar
Ehristensen und heute erhalten wir durch die gestrige
Nummer des „Flensb. Corres." die Bestätigung Jieser
Enthüllung und der Delegirung Madvig's und Spvn-
Neck's zu den Unterhandlungen. Die schleswigschen
Danomanen, deren Ziel uird Hoffnung ein dämjcher
Einfall in- Schleswig waren, sind dadurch um ihren
Plan gebracht und sehr erzürnt.
Zu den Friedensvorschlägen, deren wir jede Woche
einige zu verzeichnen zu haben pflegen, kommt (ab
gesehen von einem neuen in Berlin überreichten dä
nischen Memoire, von dessen Inhalt noch Nichts
verlautet) heute ein neuer. Es ist ein Vorschlag des
russischen Gesandten Meyendorff, der dahin geht, daß
ohne Präjudiz für das Dcfinitivum der König von
Dänemark einen Statthalter für beide Herzogthümer
bis zum Friedensabschluß ernenne; dieser Statthalter
soll die Herzogthümer jedes für sich Lurch getrennte
Departements regieren; es sollen nach einem von
dem König zu erlassenen Wahlgesetz getrennte stän-
bische Versammlungen gebildet werden, von denen
die' schleswigsche in der Stadt Schleswig, die hol
steinische in Itzehoe zusammenkommen solle; für die
gemeinschaftlichen Angelegenheiten der Herzogthümer
»ollen ständische Ausschüsse zusaminentretcn dürfen.
— Der „Flensburger Corresp." enthält ans an
geblich „ganz zuverlässiger Quelles folgende Mitthei-
iung, welche unserm Bericht aus Fädrelandet in No.
130 im Wesentlichen gleicht: „Die dänische Regie
rung ist mit den sogenannten Vertrauensmännern
in Unterhandlung getreten und die Minister Sponneck
und Madwig haben schon mit ihnen Conferenzen ge
habt. Es sind folgende Vorschläge gemacht: k)
Schleswig und Holstein erhalten einen gemeinschaft
lichen Statthalter, aber unter diesem verschiedene De
partements-Chefs für jedes Herzogthum, besonders:
2) Den Statthalter so wie die Chefs des Departe
ments ernennen der König von Dänemark und die
gegenwärtige Statthalterschaft in Gemeinschaft, da
bei sollen der Graf Carl Moltke zu Nütschau, der
Geh. Rath Scheel und der frühere Negierungsrath
Hopfner ausgeschlossen sein, doch hat die Statthal
terschaft gegen den jetzigen Departements-Chef unter
der LanLes-Verwaltung, Plessen, nichts einzuwenden,
3) Es wirb eine Landes-Repläsentation für orchlcs-
tvig und eine Landcs-Repräsentation für Holstein
Nach einem noch näher zu bestimmenden Modus ge
wählt, welche in Gemeinschaft mit dem Statthalter
für beide Lande Gesetze annehmen, auch neue ema-
uiren kann. 4) Die holsteinische Armee wird bis auf
die Stärke des Bundes-Contingents reducirt und
diese von beiden Herzogthümern unterhalten. 5)
Ganz Schleswig wird von Preußen besetzt.
Fleirsburq, den 0. Juni. Seit gestern sind
gute Zeichen amHimmel. Schon sah man aus dem
unruhigen Treiben und Rennen der Dänen, daß
Nachrichten vom Norden gekommen sein mußten,
welche Unheil für sie verkündeten; die rechte Anftia-
ku»g brachte aber erst der „Flensburger Corresp."
Nicht bloß will er von der Sendung der VertraUcns-
männer nach Kopenhagen gleich Unheil gefürchtet
haben, sondern mit einer an Verzweiflung grenzenden
Unruhe theilt er die Vorschläge mit, welche die Ver
trauensmänner — nach seiner Angabe — geinacht
haben. Dieses hat den „Flensb. Corresp." u, eine
solche Stimmung versetzt, daß er, wenn er freilich
zur Zeit noch von Achtung und Vertrauen gegen die
Machthaber in Kopenhagen beseelt sein will, doch
für den Fall der Annahme jener (angeblichen) Be
dingungen Verachtung geradezu in Aussicht stellt,
und den Männern im Kopenhagener Volksthing eine
Ladung Nachtmützen von hier verspricht. Besonders
aber greift er Tscherning heftig an.
Das Rennen der Dänen nach ihrem Bürgerver-
ein hat mit gestern auch noch nicht sein Ende er
reicht. Wiederholt haben sie Versammlungen und
Berathungen gehalten über eine, wie wir fast ver
muthen, von ihren Häuptern oder Führern in Ko
penhagen provicirten Adresse, Petition, oder wie die
Schrift genannt werden mag. Nur solleii sie sich
im Bürger-Verein über den Inhalt nicht einig sein,
einige wollen eine Incorporation in Dänemark, dies
ist aber wieder Anderen zu viel. Als Wünsche sind
auch wohl laut geworden — eine Revolution in Ko
penhagen !
Inzwischen erneuern sich die Gerüchte von der
Annäherung einer Britischen Flotte oder Escadre.
Auch heißt es, daß Truppen von Alsen zurück nach
Seeland transportirt wären; wenigstens Artilleristen
nach Cronburg.
.Hadersieben, den 6. Juni. Werden die
Dänen nächstens einrücken oder nicht? Giebt's Krieg
oder Frieden? Das sind die Tagesfragen, die heute
so, morgen anders beantwortet werden, je nachdenr
das eine oder das andere Gerücht mit größerer oder
geringerer Süffisance verbreitet wird.' Unterdessen
wirthschaftet die Landesvcrwaltuug in gewohnter
Weise. So ist hier vor wenigen Tagen Pastor Godt,
Prediger an der Hospitalskirche hieselbst, von seinem
Amte entlassen worden, weil er zu ehrenhaft war,
in der „Danncvirke" eine Erklärung wider besseres
Wissen und Gewissen abzugeben. Den entlassenen
Lehrern ist's bei Strafe der Stadtvcrweisung und
des freien, weine auch unfreiwilligen Transportes
über Flensburg hinaus bis an die Thore Rendsburgs,
untersagt, Privatstunden zu geben. Der von Seiten
der entlassenen Lehrer begonnene Privatunterricht
schien durch seinen gar zu großen Zuspruch (so hatten
die Knabenlehrer 60—70 Knallen und die Mädchen
lehrer gewiß nicht weniger Mädchen) dem Herrn
Etatsrath Lassen die Missliebigkeit der von ihm oc-
troyirlen Lehrer und die deutsche Gesinnung hiesiger
Bürgerschaft gar zu eciatant zu manifefftren, als
daß er solches' sollte erlauben können.
Haderslebett, den 6. Juni. Gestern ist Hr.
Hodges hier gewesen und geht heute nach Kolding,
um dem dänischen Obergenera!, der dort sein Haupt
quartier hüt, Besuch abzustatten.
Vom alsener Sunde, den 5. Juni. Ein
Theil des Blockhauses in den Sandacker Schanzen
war beim Umsturz desselben mit Erde bedeckt und in
eine Lage gerathen, die hoffen ließ, daß es nicht all-
geholt werden würde. Es ist aber dessenungeachtet
verschwunden, wenngleich die Arbeiter viele Mühe
damit gehabt haben werden. Es ist wies in der
Nacht voni I. auf den 2. Juni geschehen und das
Dampfschiff „Flensburg" (einer aus enragirten Dano
manen bestehenden Gesellschaft gehörig), hat die Hölzer
bugsirt. Die Schanzen haben zu erbauen circa
10,000 Mk. gekostet, daß bis jetzt gestohlene Material
har einen Werth von 2190 Mk. (Eisen 540 Mrk.,
Holz circa 1650 Mrk.) Uebrigcns trifft hier, wie
man nach ähnlichen Vorgängen wohl zu schließen
versucht seilt sollte, die Dreier-Commission kein Vor
wurf. Denn sie hat schon im November v. I. der
Hardesvogtei in Gravenstein de» Auftrag gegeben,
die fraglichen Schanzen bewachen zu lassen. Der
Amtsvorgänger des Hrn. Ravn fand es aber weder
nöthig, diesem Befehl zu genügen, noch bei seiner
Amtsentsetzung seinen Successor daraus aufiNerksam
zu machen. Außer dänischen Matrosen waren etwa
10—12 Leute aus hiesiger Gegend an der Zerstö
rung bctheiligt. Der Schiffer M. in Egensunb hat
sie geworben zu dieser Frcvelthat und sic' haben 30
und 40 ßl. Tagelohn empfangen. — Der Angriff auf
die Alsnocr Schanzen ist nicht erheblich gewesen, auch
bis jetzt nicht wiederholt. ' (H. N.) • ■
Mendsburg. Bei der am Freitage, den 7. Juni,
abgehaltenen zwnten Wahl (die am Montage, den
3. Juni, abgehaltene Wahl führte^ zu keinem Resul
tat, da die absolute Majorität fehlte) wurde der
Bürger Herr Paul Sievers zum Stadtverordneten
für Neuwerk gewählt.'—Am Montage, den 10. Juni,
wurde bei der stattgehabten Wahl der Bürger Herr
I. T. H. Höling zum Stadtverordneten für Neuwerk
gewählt.
Amtliches.
Departement des KriegsrvePens.
Unterm 1. d. M. hat die Statthalterschaft der
Herzogthümer Schleswig-Holstein ernannt:
Zu Obersten:
Die Oberstlieutenants im Jngenieurcörps, Fneb.
v. Dan; in der Infanterie, v. Schröder, v. Feska,
G. A. v. Garrelts.
1. B e i der Infanterie.
a) zu Premier-Lieutenants.
Die Seconde-Lieutenants: Theodor Semper des
8. Jnf.-Bat., Th. A. A. v. Wobeser des I I. Inf..
Bat., Thilo Behrens II. Adjutant der 3. Jnf.-Brig.,
Heinrich Schmidt ! des 13. Jnf.-Bataill., Rudolf v.
Newiadonisky des >0. Jnf.-Bat., I. H. Traut des
7. Jnf.-Bat., Caspar Keller >. des 14. Ins' -Bataill,
Fr. W. F. v. Montowt des I. Inf. Bataill., W. L.
H. Schmidt v. Schwarzenhorn des 12. Jnf.-Bataill.,
Fr. W. A. Bnschenhagen des 12. Jnf.-Bat., Robert
Westphal des 5. Jnf.-Bat., Eduard de Borde des
9. Jnf.-Bat., Carl Regenstein des 2. Jnf.-Bataill.,
W. A. v. Matzdorff des 9. Jnf.-Bat., Robert Schlo-
bach des 11. Jnf.-Bataill., F. C. .1'. Hagemann des
4. Jnf.-Bataill., H. v. Stillfried Rattowitz-Neurode
des 3. Jägercorps, L. F. A. Engelbrecht des l4. Jnf.-
Bat., P. F. W. Heckscher des 11. Jnf.-Bat., F. L.
Theiikuhl des 13. Jnf.-Bat., H. F. I. Schneider II.
des 14. Jnf.-Bat., H. A. M. Ahlmann des 1. Jä
gercorps. C. G. Bornträger des 10. Jnf.-Bat., C.
O. v. Waltersdorff des i. Jägercorps."
!>) zu Seconde-Lieutenants:
Die Portepee-Fähnrichs: A. E. C. Weiß des
t5. Jnf.-Bataill., F. W. D. Bahnson des 4. Jäger
corps, Hans v. Raumer des l. Jägercorps. Paul
v. Stülpnagel des 3. Jnf.-Bat., Carl Siesert des
4. Jägercorps, Adolf Franck des 2. Jnf.-Bat., Ch.
C. A. Bahnson des 5. Jägercorps, St. W. I. o.
Schömvnsky des 3. Jägercorps, C. W. H. Dredger
des 5. Jägercorps, C. W. H. Krieß des 3. Jnfank-
Bataill.
2. Bei der Kavallerie.
«) zu Premier-Lieutenants:
Die Seconde-Lieutenants: Fedor Koch des l. Dra
goner-Regiments, Caspar v. Buchwaldt des 2. Dra
goner-Regiments.
b) zum Secondc-Lieutenant:
Den Portepee-Fähnrich Eugen Hansen des 2. Dra
goner-Regiments.
V e V m ischtes.
In Osnabrück hat am 4. Juni (laut einen Be-
richt tu der Ztg. f. N. D.) ein Gewitter ein traun-
ges Unglück angerichtet. Unfern der Stadt waren
in einem Badehäuschen an der Hase der Badewärter
mit seinem Kinde und einigen Arbeitern, welche das
Gebäude repmiren sollten. Ein furchtbarer Schlag,
dessen Gleichen sich hier wenige Menschen erinnern,
schlug erst eine neben dem Hause stehende Pappel
so all. daß der Rumpf des Stammes nur 6 — 7
Fuß hoch ist, zerriß eine andere nahe dabei, schlug
in das Häuschen, auf dessen Dache kein Ziegel ganz
blieb, und traf dann leider auch die darin anwesen
den drei Erwachsenen und das Kind. Sie lagen erst
Alle betäubt und auch bis jetzt ist keiner gestorben,
aber mehr oder minder sind sie alle ,ehr verbrannt,
und zwar sämmtlich am Leibe, der eine dermaßen,
daß man an seinem Aufkommen zweifeln muß. Dem
Kinde sind Haare und Augenbraunen versengt, die
Brust unversehrt, dagegen der Unterleib und der eine
Oberschenkel völlig verbrannt. Die eine ziemlich dicke
Pappel ist wie abgeknickt, von der andern hak man
Stücke hundert Schritte vom Platze entfernt ge
funden.
Klapka fällt in seinen Memoiren folgendes Ur
theil über Kossuih: „Er war kein Kriegsmanu; ev
verstand wohl wie Keiner die Kräfte dev Nation zu
wecken, begnügle sich jedoch mit dein Geräusch, ohne
den Massen Verwendung und eine geregelte Form
geben zu können. Die Hauptsache jedoch bestand
darin, daß er stets die eigene Kraft überschätzte und
die des Feindes nicht hinreichend würdigte.
Ueber die diesjährigen Ueberjchwem.mungen des
Mississippi in Amerika 'theilen die Zeitungen höchst
traurige Nachrichten mit. Eine unabsehbare Land
fläche? von Natchez bis Millikre's Bred steht unter
Wasser, darunter wenigstens 100,000 Acker Land,
welche mit Baumwolle bepflanzt gewesen und viele
der schönsten Plantagen sind ruinirt. Von Natchez
hat sich der Strvm llis zu den Gnachita-Hügeln aus
gedehnt; dies ist eine Strecke von 40 Meilen. Nichts
kann das Auge erblicken, als eine unermeßliche Wasser
fläche; auf die Hügel haben ,ich Haus- und andere
zahme Thiere geflüchtet, und leibst Bären, ihre Wild
heit vergessend, und geängstigt von der allgemeinen
Gefahr,'retten sich auf solche Zufluchtsorte. — Die
Production der unter Wasser stehenden Theile der
Baiunwollendistriktc soll 200,000 Ballen gewestn
sein. Die UeberschwemmUnzen habe auch in Texas
großen Schaden verursacht.