Full text: Newspaper volume (1850)

Jahrgang. 
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43te 
Mendsburger 
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Mittwoch, den 19. Juni 
L850 
Von diesem Blatte erscheint jeden Mittwoch und Sonnabend eine Nummer, 
d-s Wochenblatts in Rendsburg,« entgegengenomen werden. , Intelligenz-Anzeigen werden bis'DfLstâg-''ņ'nd''Mtáas'M^W?Mttags'Ï2^7 nMms- ®« S dies 
t(l fur Interessenten, denen cs hier am Orte zugebracht wird,' viertel,ahrl.ch 19 ßl., und wenn es »o» der Expedition abgeholt wird, 17 ßl. Für Auswärtige, welche Bestellungen b i 
anitern machen, ist der Preis viertelsahrlich 1 Mark 4 ßl. — Kündigungen werden 14 Tage vor Ablauf eines Quartals erbeten. ° a / > ; muimigm oci 
^İ»b^Beiträg^können ^enNveder direkte Abgeliefert, oder^unter der Bezeichmmg: „An die Expedition 
“ dieses Blattes 
den Post- 
Tagesgeschichte. 
D ä tt c m <t t* k. 
Kopenhagen, den 13. Juni. Die „Berl. 
Ztg.« dringt wiederholt auf die Veröffentlichung der 
mit den Vertrauensmännern gepflogenen Unterhand 
lungen, es sei nicht genug, daß sie zur Kenntniß der 
Minister der Großmächte gelangten, sondern es sei 
nothwendig, daß sowohl das dänische als das deutsche 
Volk mit denselben bekannt gemacht werde, aber be 
sonders das deutsche, da die schlesw.-holst. Blätter 
auf's Neue Haß und Verachtung gegen die Dänen 
zu verbreiten suchten. Das Verfahren Oesterreich's, 
den Hrn. v. Bülow zum Staatencongreß zuzulassen, 
ist ihr dagegen ein eben so gerechtes als preiswür 
diges. Ueber das Beschießen dänischer Kriegsschiffe 
aus schleswig-holsteinischen Küstenbatterien bringt sie 
einen in dein gewöhnlichen Tone gehaltenen Artikel 
der „Niedersächs. Ztg.," an den sie die Warnung für- 
dänische Kauffartheischiffe knüpft, nicht auf holsteini 
sche Häfen zu fahren, da sie sich einem allzugroßen 
Risico aussetzen würden. 
Die „Kjöbenhavnpost" hofft noch immer auf eine 
Wiederanknüpfung der Unterhandlungen und wirst 
den kriegerischen Patrioten, denen es indeß nicht son 
derlich darum zu thun ist, persönlich am Kriege Theil 
zu nehmen, ihre Freude über den Abbruch derselben 
vor. Hoffentlich werde aber nicht wie vordem das 
Geschrei dieser Leute, obgleich sie noch die verbrei- 
tetsien Organe der Presse auf ihrer Seite haben, 
als die Stimme des Volks betrachtet werden. 
Sollte das Ministerium in dieser Hinsicht nicht sich 
einigen können, so wird es hoffentlich in Ueberein 
stimmung mit dem friedlicher und versöhnlicher ge 
stimmten Theil desselben modificirt werden, der Däne 
marks Ehre in der Anerkennung von dessen Recht 
setzt, ohne zu verkennen, wie sehr die Wohlfahrt der 
ganzen Monarchie von dem Aufhören des inneren 
Kriegszustandes bedingt ist. — Die „Neuesten Post 
nachrichten« bringen von einem ihrer „militairischen 
Correspondenten« folgende heute eingetroffene Nach 
richten: General Moltke hat mit seinem Stabe sein 
Hauptquartier in Veile. Die Garde zu Fuß ist der 
Jrmingcr'schen Brigade, deren Hauptquartier in Hor- 
sens ist, zugetheilt. Es sind noch mehrere Quartier- 
verlegungen vorgekommen. Obergeneral Krogh hat 
das Musikcorps der Garde nach Kolding bekommen. 
Professor Bendz figurirt in brillanter Uniform als 
Oberarzt im Krogh'schen Stabe, Djörup ist Oberarzt 
der ersten Division, Thune der zweiten, Nörby der 
Cavallerie und Neserveartillerie. — Beim Heere ist 
nichts geschehen, das auf eine schleunige Veränderung 
seiner Standquartiere deutet, das Ganze beschränkt 
sich auf eine Ausstellung an der Gränze, und es 
handelt sich nicht um eine Ueberschreitung derselben. 
Das Heer kostet täglich ungefähr 70,000 Rbthlr. 
Rußlan d. 
Suwalki, vom 4. Juni. Bei der großen Auf 
merksamkeit die man jetzt in Europa auf alle russi 
sche Schritte wendet, dürfte es ihnen nicht uninteressant 
sein, nähere Details über das hier stattgehabte Ma 
növer zu erhalten. 20- bis 25,000 MSnn waren 
hier unter dem Commando des greisen Generals Sie 
vers beisammen und campirten in einem ausgedehn 
ten Lager unter Zelten in der Nähe der Stadt. 
Soldaten und Officieren war es strenge verboten, 
die Stadt zu betreten, nur die letzteren wagten es 
in der Nacht, die nach Warschauer Art comfortablen 
Oiestaurationen Suwalki's zu betreten. Am 1. Juni 
hegen Abend traf zuerst Prinz Friedrich Carl ein, 
sitzte aber nach Flügen Stunden seine Reise nach 
Petersburg fort, ihm folgte auf dem Fuße der um 
3 Uhr Morgens am 2. Juni angelangte Prinz von 
Preußen, so daß beide preußische Prinzen weder bei 
der Ankunft des Kaisers, noch bei der Revue in 
Suwalki gegenwärtig waren. Am 2. Juni von 9 
Uhr Morgens ab waren vor dem Palais des Gou 
vernements Tickel der preußische General v. Dohna, 
die russische Generalität, worunter auch Tscherkessen 
in Drathpanzern, ferner I Bataillon Soldaten nebst 
dem Flügeladjutanten des Kaisers aufgestellt. Um 
3 Uhr Nachmittags erfolgte die Ankunft des Kaisers. 
Kein Hurrah empfing ihn, nur als er dem aufgestell 
ten Bataillon einen guten Tag zuwinkte, antwortete 
cs auf Commando mit Hurrah, worin die Zuschauer- 
masse, bestehend aus uniformirten Gymasiasten und 
Beamten, aus Juden und Dienstboten (es war Sonn 
tag) nur schwach einstimmte. Wahrhaft wohlthuend 
war es, keinen Polen aus den gebildeten Ständen 
dort zu sehen! Ein einziger bebärdeter junger Edel 
mann aus der Nachbarschaft zeigte sich wenige Stun 
den vor der Ankunft des Kaisers, verschwand aber, 
als Gouverneur Tickel, der seiner aus der Straße 
ansichtig wurde, ihm drohte, sofort seinen Bart ab 
nehmen zu lassen, wenn ers nicht selbst thäte. Fah 
ret hin und sehet euch die ^ache an, so sprachen 
die gebildeten Polen unterwegs zu den preußischen 
Reisenden, wir thun es nicht, auf deren Kosten es 
geschieht! Daher war es natürlich, daß der Zusam 
menfluß in Suwalk nach Abzug der hier die „Bumm 
ler" vertretenden Preußen ein sehr geringer war, 
und bot Suwalki auch nicht das Bild eines lebenden 
polnischen Jahrmarkts dar. Etwa um 6 Uhr Abends 
setzte sich der Kaiser zu Pferde, sprengte trotz jüng 
sten Kornot (er ist ein ausgezeichneter Reiter) ins 
Lager und nun begann der Parademarsch. Leider 
durften die Zuschauer an den Platz nicht nahe heran 
treten, aus der Ferne machte sich daher das Schau 
spiel prächtig. Mit Vergnügen sah man daher die 
Eleganz und das Feuer der wirklich ausgezeichneten 
Pferde. Kenner behaupten, jedes Trainpferd könnte 
in Preußen als Chargenpferd dienen. Dagegen konnte 
man wegen der Ferne weder die abgezehrten Gesich 
ter der Soldaten, noch ihre groben fadenscheinigen 
Uniformen bemerken. Am folgenden Tage bis zum 
Mittage dauerte die eigentliche Revue, von der wei 
ter nichts zu melden ist, als daß wacker manöverirt 
und geschossen wurde, die todten und lebenden Schieß- 
malchienen also das kaiserliche Wohlgefallen erweckten. 
Ihr Höchstcommandirender v. Dohna, der sich stets 
in der unmittelbaren Nähe des Kaisers befand, kann 
hierüber wohl Spezielleres mittheilen. Um 12 Uhr 
des Mittags (am 3. Juni) reiste der Kaiser bereits 
nach Petersburg ab. Uebrigens gingen, wie immer, 
so auch der Ankunft des Kaisers im Königreiche massen 
hafte Verhaftungen vorher, aus welchen Gründen? 
weiß nur der Herr von Abramowitsch in Warschau. 
Die Polen versichern, das geschehe regelmäßig vor 
Ankunft des Kaisers und erklären es einfach aus 
dem Bestreben der Schergen, dem Kaiser ihre Un 
entbehrlichkeit bei der so besser hervortretenden Ge 
fährlichkeit der Lage »0 oculos zu demonstriren. Doch 
der politische Nationalcharakter ist in der Schule des 
Unglücks gestählt; mögen immerhin ein Paar Hun 
dert Menschen mehr ihren Freunden und Familien 
entrissen werden, dennoch bleibt er sich und seinem 
Lande mit allem seinem Sinnen und Trachten, Seh 
nen und Hoffen treu und harrt geduldig der Zeit, 
in der endlich, wenn später, um desto sicherer, nicht 
die Diplomaten und Regierenden, sondern die Völ 
ker Geschichte machen werden, in dem sie sich eben 
so gewiß von der Newa bis zur Seine einst die 
Hand reichen, als es jetzt der die Völker gleichmäßig 
knechtende Despotismus thut. 
Deutschland. 
. Berlin, den 12. Juni. Der „Staatsanzeiger" 
giebt eine Beschreibung der Uebersiedelung des Köniq s 
von Charlottenburg nach Sanssouci. Die Fahrt ge 
schah zu Wasser auf der Dampfyacht Alexandra. 
Der König war im Stande, die ganze Zeit auf dem 
Verdeck zuzubringen. In Spandau war an der 
Drücke eine festliche Demonstration bereitet, 
von Militair- und Civilbehörden, von Geistlichkeit 
und Schützengilde: „Unter dem Donner der Ka 
nonen von der Citadelle, unter dem Gesang des 
Liedes „Heil Dir im Siegerkranz," unter tausend 
stimmigen Hurrah und Blumenwersen fuhr die Pacht 
durch die Brücken.« In Sanssouci „geruhten Se. 
Mal. noch dem Potsdamer Treubund, der sich 500 M 
stark eingcfunden hatte, zu gestatten, bei Allerhöchst- 
demselbeu vorbeizudesiliren.« 
Auf den Antrag, die Fortführung der Unter- 
stutzungs- und Sparkassen des Maschinen-Arbeiter 
vereins zu genehmigen, und zu diesem Zwecke eine 
Versammlung zu gestatten, hat das Polizei-Präsidium 
geantwortet, daß mit Schließung des Vereins auch 
dessen Institute geschlossen seien. — Gestern sind, 
wie uns mitgetheilt wird, auch die Gesellen-Ver- 
sammlungen in den Herbergen der Königsstadt poli 
zeilich aufgelöst worden. Einige vorgekommene Wi 
dersetzlichkeiten sollen die Anwendung von Gewalt 
maßregeln veranlaßt haben. 
Wie man hört, hat der berühmte Director 
der Leubuser Jrrenheilanstalt, Hr. Sanitätsrath Mar 
tini, der von der Regierung zur Untersuchung des 
Seelenzustandes des Seseloge hierher berufen isi, 
aus einer sehr aufmerksamen und gewissenhaften Be 
obachtung die Ueberzeugung geschöpft, daß der rc. 
Seseloge seit mehreren Jahren und schon vor dem 
Jahre 1848 an einer Monomanie leidet und völlig 
unzurechnungsfähig ist. Es dürfte demnach kaum 
eine Anklage erhoben werden. 
— Die Mittheilung der „Königsb. Ztg." von 
einer Zurückweisung der preußischen Corvette Amazone 
bei ihrer beabsichtigten Durchfahrt ist unrichtig. Die 
Amazone ist erst am 6. von Stettin abgegangen 
— Hier macht ein Corpsbefehl an die Garnison 
nicht geringes Aufsehen, wodurch jeder Soldat auf 
gefordert wird, über seine Kameraden zu wachen, 
und wo an einem solchen demokratische Gesinnungen 
bemerkt oder gar Aeußerungen in diesem Sinne ge 
hört werden, er verpflichtet sei, sogleich davon An 
zeige zu machen. 
In Folge des Ablebens des Gen. v. Rauch wird 
dem Gen. v. Gerlach der von demselben bisher nur 
interimistisch versehene Vortrag im Militaircabinet 
Sr. Maj. fortan definitiv übertragen werden. Herr 
v. Gerlach erhält somit auch desinitiv die Stellung 
eines Generaladjutanten Sr. Maj. 
— In wenigen Tagen wird eine der großartig 
sten Feierlichkeiten hier stattfinden/ die Berlin lange 
nicht erlebt hat, — die Grundsteinlegung zu dem 
Denkmal, welches den in den Jahren 1848 und 1849 
gefallenen preußischen Kriegern auf Veranlassung eines 
in dem Großherzogthum Berg und der Grafschaft 
Mark zusammengetretenen Comites errichtet werden soll. 
Wien, den 12. Juni, Nachmittags. Bei Auf 
hebung der Zwischenzolllinie, zwischen Ungarn und 
Oesterreich, ist Taback- und Salzmonopol aus später 
vorbehalten. Schlachtvieh-Gebühren sollen aber so 
fort aufhören. 
Aus der bayrische» Pfalz, den 10. Juni. 
Die Herren Offiziere von Laudau haben zu Gericht 
gesessen. Auf der Madenburg bei Eschbach steht eia 
Stein, wohl 14 Centner schwer, welcher zu Ehren 
Robert Blum's gesetzt isi. Dieser verruchte Stein 
existirt nicht: die genannten Offiziere, zu einer Lusi- 
partie ans der Madenburg versammelt, haben fïļt
	        
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