denz mit dem dritten Charakter, oder was sich sonst
noch für Pack während des Kriegs um den Gesammt-
staat verdient gemacht hätte, gefaßt machen. In
den beiden Bürgervereinen hat sich bisher eine kleine
Anzahl Mitglieder auf verschiedene Weise bemüht,
das Interesse für die Wahlen rege zu machen. Wir
wollen dahin gestellt sein lassen, ob dies bei einigen
aus Partheiabsichten und Eitelkeit, oder bei andern
aus wirklichem Erbarmen über die Stadt geschieht,
die sonst ganz und gar einigen versoffenen Kellerpo
litikern in die Hände gerathen würde: jedenfalls haben
diejenigen Bürger, welche sich bisher weder bei den
Berathungen über die Wahlcandidaten, noch bei
den Wahlen selbst betheiligt haben, kein 'Recht, sich
dahin zu äußern, daß wenige Leute sich herausnäh
men, sie, d. h. die selbstständigen Bürger Rends
burgs, unmündig zu machen: im Gegentheil, aus
Faulheit oder bonirteur Hochmuth die ganze Wahl
angelegenheit ignoriren und sich dann hinterher als
übersehen geriren, und sich darüber gereizt zeigen,
das ist wahrhaft unselbstständig, unmündig, es ist
kindisch. Diese Unzufriedenen mögen doch ihren
Candidaten nennen, mögen sie sich doch in den Bür
gervereinen blicken lassen und Vorschläge mache», die
gewiß gerne gehört werden, da bisher eine Art von
Ueberwindung dazu gehört hat bei den so oft wie
derholten Wahlen und der Theilnahmlosigkeit der Bür
gerschaft die Sache immer von neuem in die Hand
zu nehmen, und Candidate» gewissermaßen aufs Ge-
rathewohl hinzustellen und auf sie, wie aus ein Lotte
rieloos, zu spielen. Freilich, was wird es Helsen?
daß dies hier zum Hundertstenmale gesagt wird? wel
chen Eindruck wird dies aus unsre mündigen Bürger
machen? Sie werden die Nachtmütze rücke», die
Hände in die Tasche stecken und sagen: dieser Wo
chenblattschreiber nimmt sich heraus,' uns die Leviten
zu lesen? wir wollen ihm zeigen, daß wir selbststän
dig sind, wir gehen jetzt erst recht nicht hin!
Den andern aber, die bisher mit allen zufrieden
gewesen sind und doch nicht mitgewählt haben, möch
ten wir zurufen: es handelt sich bei den Wahlen
nicht bloß um allgemeine Angelegenheiten — die sind
uns freilich zu abstract um uns interessiren zu kön
nen — sondern es handelt sich — das furchtbare
Wort muß gesprochen werden — um Angelegen
heiten des eigenen Geldbeutels. 1.
Aur Charakteristik des Grafen Blomc
von Şaļzan.
(Aus der „Reform".)
Es giebt gar manche Persönlichkeit in der Welt, deren
Characteristik der Welt vorzuenthaltenMrecht sein würde,
die in ihrer ganzen Individualität vor den Augen des
Publikums hinzustellen die Pflicht gebietet. Wenn man
nun auch solche Persönlichkeiten oft gar gern mit dem
Mantel des Humors und der Satyre angethan zur Schau
stellte, so stößt man doch hin und wieder auf Er
eignisse, Ereignisse so ernster, furchtbar ernster Art,
daß Humor zum Hohn, Satyre zur Verzerrung wer
den würde. Zu solchen Charakteren gehört der in
der letzten Zeit so berüchtigt gewordene, hochgeborne
Graf von Blome-Salzan, und ihn, der durch sein
öffentliches Leben sich einen Namen erworben, in
keinem Privatleben darzustellen, soll hier unsere Auf
gabe sein, um zu beweisen, daß er auch in dieser
Beziehung keinesweges des Urtheils unwürdig sein
wuchte, welches die Mitwelt sich vielleicht über ihn
gebildet hat.
Der Graf von Blome war in seinem Jünglings
und jugendlicheren Mannesalter eine Persönlichkeit,
"wiche mit einem einnehmenden, ja schönem Aeußeren
bedeutende Ausbildung und Schärfe des Geistes ver
band; er war ein schöner und geistreicher, in jeder
Beziehung interessanter Mann. Kaum aus dem Jüng
lingsalter getreten, ging er als Attach» einer hanno
verschen Gesandtschaft nach St. Petersburg, wo er
"ch den größten Ausschweifungen auf das Maßloseste
hingab. Bei all seinem Leichtsinn beobachtete er je
doch stets die Klugheit, seinem Körper nie mehr zu
bieten, als von nachtheiligen Folgen für seine Ge
sundheit hätte werden können. — In St. Peters
bürg lernte er das Fürstengeschlecht der D y's
kennen und die einzige Tochter des ungeheuer reichen
Hauses wurde von ihm als Gattin erobert. Mit
orientalischer Pracht wurde in St. Petersburg das
Bestager vollzogen und der Graf kehrte jetzt mit
jftner jungen Gattin nach Hannover zurück, um in
dieser 'Residenz eines der ersten oder vielleicht das
Me Haus zu machen. Nachdem ihm seine junge
Gattin einen Sohn, aus den wir später noch zurück-
kpmmen werden, geboren hatte, reiste er als wirk
sicher Gesandter für Hannover nach Petersburg, seine
Gattin in Hannover zurücklassend. Er scheint ihre
Gegenwart in Rußland absichtlich nicht gewünscht zu
baben, jedenfalls war das Verhältniß zwischen beiden
Ehegatten ein sehr gespanntes, worüber die Gräfin
sA in Gram und Kummer verzehrte, so daß der
"ras sie lebendig nicht wiedersah. Ihr Tod, welcher
""st, wenigen Jahren erfolgte, war die Ursache, wes
halb er Petersburg verließ und nach Hannover zn-
sückkehrte. Hier war während seiner Abwesenheit
ft" Ereigniß eingetreten, welches die ganze männliche
sftelt des königlichen Hofes in Feuer und Flammen
Mte, wir meinen die Vorstellung der beiden Töchter
des Generals Grasen v. K e bei Hofe
und ihre Einführung in die Welt. Sie galten un
bedingt für die schönsten Mädchen des Königreichs.
Jahre sind seitdem verflossen und noch findet man
in Hannover die Portraits dieser beiden jungen Da
men auf Tassen, Pfeifenköpfen, als Wandstücke in
allen Läden der Residenz. Als sie zuin ersten Male
gemalt wurden, waren ihre Portraits die Zierde der
Kunstausstellung in Hannover. Es dauerte nur einen
Winter, so war der Graf Blome der begünstigte
Liebhaber der einen und der belgische Gesandte (jetzt
in Kopenhagen), Baron du I .... c, der begünstigte
Liebhaber der andern Gräfin K. Die Doppelheirath
sand an einem Tage statt und Hannover war längere
Zeit hindurch der Schauplatz der sich an diese Begebenheit
reihenden ununterbrochenen Feste. Die zweite Ehe des
Grafen war nicht mit Kindern gesegnet, und mag
dies, wie wir zu seiner Ehre annehmen wollen, der
Grund gewesen sein, weshalb er mit einer der schön
sten und reizendsten Frauen ihrer Zeit so unglücklich
lebte, wie es der Fall war. Die beiden Ehegatten
sahen sich nie anders, als wenn die Etikette am Hose
es verlangte, und der Graf führte ein Leben, welches
sehr häufig über das Dekorum hinausging; es soll
nicht wenig dazu beigetragen haben, daß in dieser
Zeit die bekannte Frau des Ministers Schulte aus
längere Zeit vom Hofe verbannt wurde. .Die Gräfin
Blome sing an zu kränkeln, ihre Krankheit ging in
Frieseln oder eine Art Ausschlag über, während wel
cher Zeit sich der Gras gar nicht um sie bekümmerte.
Als nun die Aerzte versicherten, sie werde die Nacht
nicht mehr überleben, schickte sie einen Kammerdiener
zu ihrem Gatten mit der Bitte, er möge sie noch
ein Mal besuchen, doch sie erhielt eine "abschlägige
Antwort. Erst als ihre Mutter, die Gräfin K., sich
selbst zu ihrem Schwiegersohn begab, gelang es ihr
auf dringendes Bitten, ihn zu bewegeu, das Kranken
zimmer seiner Gattin zu betreten.
„Was willst Du denn von mir?" waren seine
Worte, während er in der" Thür stehen blieb.
„Ach, Biome, gieb mir noch ein Mal die Hand!"
erwiderte die Gräfin.
„Da muß ich ja erst Handschuhe anziehen, denn
Du hast eine ansteckende Krankheit!" antwortete der
Graf, ging fort, zog Handschuhe an, kehrte zurück
und gab dann seiner sterbenden Frau zum letzten
Male die Hand mit den Worten: „So, nun hast
Du Deinen Willen, nun laß mich aber auch zu
frieden."
Am Tage darauf war der Gras zum zweiten
Male Wittwer.
In dieser Zeit fällt die in Hannover so bekannt
gewordene Affaire mit der Tochter der Generalin v.
H r. Sie wurde in allen Enkeln von dem
Grafen bedeutend ausgezeichnet, so daß die Welt,
deren Zunge in einer Residenz eben so scharf ist, wie
in einer Provinzialstadt, bereits anfing. Böses zu
flüstern. Um so viel lauter wurde dies Geflüster,
als Fräulein v. H. eines Tages nach Art des be
kannten Fräulein v. Schulte nach Paris reiste und
erst nach einer Abwesenheit von 6 Monaten wieder
zurückkehrte. Bei ihrer Rückkehr schenkte Ernst August,
der damals schon König von Hannover und dieser
Dame ebenfalls sehr gewogen war, derselben eine»
Klosterplatz in dem adelichen Fäuleinstift zu Lüne bei
Lüneburg. Obgleich nun die alten Ordensregeln
eigentlich nur noch pro forma exiflireu, so versagte
dennoch die Aebtissin, eine Baronesse v. H. g,
die erst kürzlich ihr Amt angetreten und sehr streng
in ihren Ansichten war, dem Fräulein v. H. die Auf
nahme so lange, bis sie sich von den Gerüchten ge
reinigt habe, die über sie und Graf Blome im Um
lauf seien, worauf diese nach Hannover zurückkehrte
und sich bitter beim König über solche Behandlung
beklagte. Der König soll nun an die Aebtissin
einen Brief geschrieben haben, in welchem sehr sal
bungsreich von christlicher Liebe die Rede war tuii>
wie man Alles, was die böse Welt sage, nur halb
glauben müsse; „z. B. wenn die Welt sagen würde,
beste Frau Aebtissin, Sic hätten Zwillinge bekommen,
so würde ich auch nur die Hälfte davon glauben."
So kam Fräulein v. H. trotzdem doch par Ordre
du Mufti in's Kloster.
Bald darauf verheirathete sich Graf Blome zum
dritten Male mit einer Reichsgräfin P . . . . e
H d, die er jedoch uach beendigten
Flitterwochen sofort wieder verließ und dann nach
Holstein auf seine dortigen Güter ging. Sein mit
der russischen Fürstin erzeugter Sohn war damals
18 Jahre und häufig machte er mit diesem Ausflüge
nach Hamburg, wo alsdann Beide ein Leben führten,
nach welchem Eugène Sue das Leben des Grafen
Durivean und seines Sohnes Scipio im „Martin,
der Findling" gezeichnet zu haben scheint. Vater
und Sohn besuchten hier Arm in Arm die Höhlen
des Lasters und in Gegenwart dessen, der diese
Zeilen geschrieben, hat der Sohn sich oft genug ge
rühmt, wie er mit seinem Vater „Changez les
dames!“ gemacht habe. Derselbe Sohn, Gustav mit
Namen, rühmte seinen Vater eben so in der Kunst
des Trinkens; Vater und Sohn setzten sich an einem
Tische einander gegenüber und nun begann eine Orgie,
die erst dann endete, wenn Einer, vom Champagner
überwältigt, besiegt zu den Füßen seines Gegners
lag. Der Sohn steht an Gesinnungslosigkeit dem
Vater nicht viel nach; freilich diente er als Osficier
iie der Armee, d. h. als Bonin's Adjutant, lectiu»
Pferdeb- reiter, doch soll er sich mit diesem General
ebenfalls aus dem Dienste zurückgezogen haben. So
viel über Blome, Vater und Sohn.
Das ist das häusliche Leben eines Mannes,
welcher sich bemüht, gegen Schleswig-Holstein im
dänischen Interesse zu wühlen. Wenn alle unsere
Feinde solchen Charakters und solcher Gesinnung wären,
wahrlich, wir hätten sie nicht zu fürchten; sie würden
selbst von unseren Feinden, den Dänen, wie es ja
auch mit dem Grafen Blome der Fall ist, verachtet
werden.
V e r m èschtes.
Dem „Journ. d. Debats" schreibt man aus Rom
vom 31. Mai: „Eine Granate, wie die, welche wäh
rend des letzten Carnevals in den Wagen des Für
sten von Canino geworfen wurde, ist gestern in deir
Laden des Buchhändlers Bonifacio geschleudert wor
den. Dieser Buchhändler gilt in 'Rom für päpstli
cher als der Papst selbst, sein Laden ist mit den
Bildnissen des Marschalls Radetzky und mehrerer an
deren hohen österreichischen Officiere ausgeschmückt,
außerdem dient dieser Laden mehreren durch ihre
anti-liberalen Ideen bekannten Personen als Unter
haltungsort. Daher kommt es, baß der Buchhändler
Bonifacio von unseren Revolutionärs sehr gehaßt
wird. Vorgestern gegen Abend wurde die Granate
in den Laden in dem nämlichen Augenblick geschleu
dert, als 5 oder 6 Personen sich bei demselben be
fanden. Dieselbe rollte unter den Schreibtisch. Da
Bonifacio glaubte, es sei ein Stein, so bückte er sich
um ihn aufzuheben, aber als er sie in der Hand
hielt, um sie seinen Freunden zu zeigen, beinerkte er,
daß dieselbe rauchte, er ließ daher die Granate fal
len, woraus dieselbe zersprang. Zwei Personen sind,
jedoch glücklicher Weise nicht gefährlich, verwundet
worden. — Man erzählt sich soeben, daß eine Hand
granate heute Morgens in den Laden eines deutschen
Buchhändlers geworfen worden ist. — Diese zwei
Sachen sind die einzigen Ereignisse, die uns ein we
nig aus unserer politischen Gleichförmigkeit heraus
gerissen haben. — Gestern hat die berühmte Pro
cession des Corpus doiniiii auf dem heiligen Peters
platze stattgefunden. Der Papst trug das heilige
Sacrament. Alles ist in größter Ruhe vor sich ge
gangen ' _
. ŞchilLttlgsşiîNMèMtg
zum
Jnvalidenfoilds.
Verzeichnis; der Geber und ihrer Beiträge.
(Fortsetzung.)
11. Neu werk.
Zwölfter District: bas Rondel zwischen der Prin
zessin- und der Münzstraße. Sammler A. W. Pe i ne.
Wöchentliche Gaben: P. Hagge 1 ßl., A. W.
Peine 1 ßl., P. Galten 1 ßl., S. Juda 1 ßl., Te-
wes 1 ßl., Ww. Antoine 1 ßl., Ww. Unna 1 ßl.,
Oberwächter Fett 1 ßl., N. Jsaack 1 ßl., Sophie
Jsaack 1 ßl.. S. Jacob 1 ßl., I. Levin 1 ßl., A.
Meyer 1 ßl., Ritter 1 ßl., Löser 1 ßl., Brocks l. ßl.,
Heimann 1 ßl., C. Göstrup 2 ßl., Dienstmädchen
G. Diedrich 1 ßl., P. Müller 1 ßl., Ww. Münnich
2 ßl., Ww. Rohweddcr 1 ßl.. Egg. Sierk 1 ßl.,
H. Peters 1 ßl., Foderberg 1 ßl., Scheer 1 ßl., I.
Koch 1 ßl., Gries 1 ßl.. tz. Unna 1 ßl., Ww. Woh
lers 1 ßl., Kaisen 1 ßl., W. Peters 1 ßl., Bannick
1 ßl., Ww. Binning I ßl., Soldat Fedderfen 1 ßl.,
Lührs 1 ßl., Hohmann 1 ßl., I. Falck 1 ßk., N.
Jsaacksohn 1 ßl., M. Berju 1 ßl., Brandt 1 ßl.,
Schätzinger 1 ßl., Reusch 2 ßl., L. Japp 1 ßl., Hoff
mann 1 ßl., Kamprecht 1 ßl., Ww. Uri 1 ßl., Sol
dat Holbeck 1 ßl., Ww. Düring 1 ßl., M. Meyer
1 ßl., Drews 1 ßl., Ww. Weidling 1 ßl.
■ Einmalige Gaben: Röschen Bariich 6 ßl., Schulz
1 ßl., Loz 1 ßl.
AàÄigeZķZ - MZrzergsrr.
~o—
Bekanntmachung,
betreffend die Aussetzung des bevorstehenden Rcnds-
burger Johannis-Marktes.
Auf desfallsigen Antrag der beikommenden Mi-
litair- und Polizeibehörden in der Stadt und Festung
'Rendsburg, hat die Aussetzung des dortigen vor
schriftsmäßig am 24, d. M. beginnenden Johannis-
Marktes für dieses Jahr angeordnet werden müssen,
und wird demzufolge hiedurch zur öffentlichen Kunde
gebracht, daß der gedachte Krammarkt in diesem Jahre
nicht abgehalten werden wird.
Kiel, den 15. Juni 1856.
Schleswig-Holsteinische Regiern-ng.
Heinzeimann.
Krebs.
Behufs der allgemeinen Wahl eines Abgeordne
ten zu der Schleswig-Holsteinischen Landesversamm-
lung für den 2C. District, weicher die Stadt Rends--
bürg mit den daselbst Eingeplanten und das Kirch-